Archiv des Monats “Juni 2014

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Wenn Speicherplatz keine Rolle spielt

© Photocreo Bednarek - Fotolia.com

© Photocreo Bednarek – Fotolia.com

In immer kürzeren Abständen wird Speicherplatz billiger. Egal ob es sich dabei um USB Sticke, Festplatten oder Onlinespeicher wie Dropbox oder Google Drive handelt. Der Preis für Speicherplatz kennt nur eine Richtung: nach unten. Meine erste Festplatte hatte rund 800 MB Speicherplatz. Damals habe ich noch geglaubt, dass man einen CD Rohling mit Daten kaum voll bekommen kann. Heute habe ich auf der Arbeit einen USB Stick mit gut 50 GB an Daten mit Software, Images und verschiedenen Linux Distributionen.

Wenn ich mir die Daten auf meiner Festplatte genauer ansehe, dann sind es aber immer wieder die üblichen Verdächtigen, die die größten Teil des Speichers beanspruchen.  Fotos, Videos, Audiodateien und Musik. Für mich, wirft das immer die Frage auf. Brauche ich das alles?

Es geht los mit den Fotos. Seitdem ich digital fotografiere sind die Dateigößen pro Bild von einem halben MB auf 2-4 MB gestiegen. Ich mache zurzeit meinen Fotos ausschließlich mit dem Smartphone. Bei Bildern einer digitalen Spiegelreflex im RAW Format  reden wir locker über das 10 -fache.

Ich möchte ganz bewusst alle diejenigen ein Stück weit ausklammern die Daten beruflich nutzen. Dort kann es sinnvoll sein viel Rohmaterial zu bewahren und es fällt für ein Projekt im Video Bereich auch schnell eine große Datenmenge an. Aber wenn ich wieder zu uns „normalen“ Usern komme, frage ich mich immer wieder, wer sich 300 Bilder von einem Urlaub wirklich ansieht. Zurück zur Analogen Zeit, denke ich an Diaprojektor, Leinwand und stundenlange Vorträge, mit über 30 kennt man so etwas noch aus Kindertagen.

Ich bin daher dazu übergegangen radikaler auszusortieren. Die Menge der Fotos die ich behalte sind maximal 15% von dem, was ich gemacht habe.  Ich habe lieber 40 schöne Fotos aus einem Urlaub, die besondere Momente, Sehenswürdigkeiten und Stimmungen einfangen, als 400 Fotos die wenig aussagen.

Bei der Musik ist es ähnlich. Früher habe ich Internet Radiosender mitgeschnitten und es haben sich Unmengen von Daten angehäuft, es waren bestimmt 1 TB an MP3s die sich gesammelt haben. Ich hätte glaube ich 3 Jahre lang jeden Tag ein anderes Lied hören können, ohne etwas doppelt zu hören. Der viele Speicherplatz und die kostengünstige bis kostenlose Verfügbarkeit verführen sehr, in eine Art von Sammelleidenschaft zu verfallen.Ich habe mich vor gut einem Jahr von meiner Digitalen Musiksammlung getrennt. Ich nutze zur Zeit Spotify oder wenn ich etwas kaufe, dann über Beatport.Auch von dem Rohmaterial, was für eine Folge des Minimalismus Podcast anfällt trenne ich mich recht schnell. Die fertige Folge reicht am Ende vollkommen.

Filme, Videos haben bei mir noch nie eine große Rolle gespielt. Seitdem ich mir Filme über das Netz gegen eine kleine Gebühr ausleihe, ist meine DVD Sammlung auf unter 10 DVDs geschrumpft.Alles an Daten, was ich besitze, inklusive Backups der Blogs sind rund 60 GB.Auch wenn Speicherplatz immer billiger geworden ist, fallen doch immer wieder kosten an. Für die Backup Festplatte, den Cloud-Dienst, ein Upgrade des vorhandenen Speicherplatzes. Je mehr Geräte zusätzlich angeschlossen werden, desto größer ist auch der Stromverbrauch. Normale Festplatten haben auch nur eine mittlere Lebensdauer von 2-3 Jahren.

Meine Tipps sind:

  • Hortest du noch oder benutzt du die Daten auch? Mehr ist nicht automatisch besser
  • Soziale Netzwerke für Schnappschüsse nutzen: Es gibt  ja immer wieder Abende mit Freunden, den man festhalten möchte, ob ich diesen noch in 20 Jahren sehen will, ist fraglich, daher Teile ich dann lieber mal einen Moment in einem sozialen Netzwerk mit einem eingeschränkten Nutzerkreis als mir meine Festplatte mit Fotos von Essen und Co vollzumüllen.
  • Weniger ist mehr 20 großartige Fotos zeigen mehr als ein Fotobuch mit 150 langweiligen Bildern
  • Hör mal wieder Radio oder abonniere einen Podcast und entdecke neue Musik. Eine viel bessere Möglichkeit ist es, mit Freunden gemeinsam Musik zu hören. Wenn die Generation meiner Eltern noch Plattenstapel durch die Gegend tragen musste, reicht heute schon das Smartphone oder der MP3 Player
  • Frag dich genau, wie wichtig ist mir dieses Foto, dieser Film oder dieser Song, kann ich ohne ihn leben? Hat er eine große Bedeutung für mich? Würde ich mir dieses Foto in einen Rahmen stellen oder ein Poster davon anfertigen?
  • Den Überblick behalten: Viele Sammeln Ihre Daten an 10 verschiedenen Orten. Auf Speichersticks, in der Handy Fotogallerie, auf einem USB Stick, einer Platte oder ein paar DVDs. Mir hat es sehr geholfen das ganze zu zentralisieren. Nur noch Laptop + ein online Backup, so sieht meine Lösung aus.  Das spart Zeit, Geld und Nerven.

 

 

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Digitaler Minimalismus – Themenwoche

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© vege – Fotolia.com

Diese Woche hat mich ein Leser gebeten, etwas über digitalen Minimalismus zu schreiben. Ich komme diesem Wunsch sehr gerne nach.Bei meinem ersten kleinen Brainstorming bin ich darauf gekommen, dass dieses Thema extrem umfangreich ist und daher möchte ich es gerne in verschiedene Themen unterteilen.In der kommenden Woche erwartet euch jeden Tag ein neuer Artikel rund um das Thema Digitaler Minimalismus.

Ich werde mir in der Woche die Freiheit nehmen, etwas nerdigere Themen anzusprechen und tiefer einzusteigen. Für den einzelnen, mag dies zu technisch und intensiv sein, aber ihr könnt euch sicher sein, dass ich immer wieder den Bogen zum Minimalismus spannen werde und es nach der Themen Woche wieder breit gefächerter weitergeht.

Ich möchte euch heute schon einmal einen kleinen Überblick geben, was euch in der kommenden Woche erwartet. Nach Abschluss der Woche, werde ich alle Artikel auf diesem Beitrag verlinken.

Montag: Wenn Speicherplatz keine Rolle spielt, alles kann behalten werden, aber sollte das so sein?

Dienstag: Meine digitale Identität, Über Facebook, Twitter, Instragram und Co

Mittwoch: Dinge von Analog nach Digital überführen – digitalisieren für Minimalisten

Donnerstag: Kulturflaterate, Paywall & Zugangsbarrieren

Freitag: Analog vs Digital – haptische Glücksmomente

Samstag: Kalender Merkzettel und Notizblöcke – getting things done

Sonntag: Peripherie: Drucker, Scanner und Co, was braucht man wirklich?

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Minimalismus & Hobbies

© Dudarev Mikhail - Fotolia.com

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Wenn ich ein Hobby betreibe, welches einen großen Materialeinsatz, viele Werkzeuge, Gegenstände und spezielle Kleidung benötige, bin ich dann noch Minimalist? Das Thema Hobby und Minimalismus lässt mich in den letzten Tagen einfach nicht mehr los. Vor allem, weil mich eins meiner Hobbys wieder mehr in beschlag genommen hat.

Eins vor Weg. Hobbys sind wichtig. Sie bilden den Ausgleich zur Arbeit, sind eine Tätigkeit, die uns Spaß macht, die uns Kraft gibt, die nur von uns gewählt worden sind, ohne äußere Einflüsse und die, nur uns gehören.

Ich werde hier den Teufel tun und anderen Menschen vorschreiben, wie Sie ihre Hobbys ausgestalten sollen. Aber trotzdem möchte ich euch alle zum Nachdenken anregen, ob es wirklich so viel sein muss, was Ihr für euer Hobby braucht.

1) Brauche ich das wirklich?
Nehmen wir zum Beispiel Laufen. Ich selbst bin aktuell weit davon entfernt mich Läufer zu nennen, habe aber in der Vergangenheit und auch wieder in der nahen Zukunft Nordic Walking betrieben.
In der Rückschau kann ich nur sagen: das was wichtig war sind: A: gute Schuhe und b: Motivation. Alles andere sind Extras. Ich habe weder für den Anfang funktionale Kleidung, Pulsmesser, GPS Handy, Trinkgürtel oder tolle Musik auf dem iPod gebraucht.
Zum Thema funktionelle Kleidung kann ich nur sagen: Ja, es macht einen Unterschied, aber braucht man das wirklich? Für den Anfang? Ich glaube nicht! Wie hat den Rocky trainiert? In Baumwolle ohne magische Fasern, die aktiv belüften und schneller trocken sind, wie man sie aufhängen kann.

2) Wie viel brauche ich denn?

Wenn ich laufen gehe, brauche ich ein paar Schuhe. Nicht eins für den Wald, eins für den Asphalt und eins für die Berge. Wenn ich Yoga mache, brauche ich bequeme Kleidung und vielleicht eine Matte, aber mehr nicht. Motivation und Wille schlägt professionelles Equipment.

3) Kann ich etwas mit anderen Tauschen?

Natürlich geht das bei dem Beispiel mit den Laufschuhen nicht wirklich, aber wenn Ihr gerne näht, kocht, Musik hört, fotografiert, malt, bastelt, könnt Ihr euch mit anderen Menschen austauschen.
Die angenehmen Nebeneffekte. Ihr braucht beide weniger zu kaufen, habt mehr zur Verfügung und könnt euch aktiv über eure Hobbys austauschen, euch Tipps geben, Fortschritte miteinander Teilen und vielleicht euer Hobby gemeinsam ausüben.

4) Gibt es Alternativen?

In meiner Optikerausbildung hatte ich einen Kollegen in der Werkstatt, der wirklich kreativ war, wenn es darum ging, Alternativen zu finden. Es kommt öfter vor, dass Ersatzteile für Fassungen nach einigen Jahren nicht mehr lieferbar sind und man sich etwas einfallen lassen muss.
Er hat es geschafft, ein Federscharnier an einer Brille durch die Spirale eines Kugelschreibers zu reparieren. Ich bin heute noch fasziniert davon.
Auf Hobbys bezogen gibt es ganz viele Dinge im Bereich DIY (do it yourself) die man selbst a) billiger und b) eleganter lösen kann.
Das suchen nach Alternativen und die Umsetzung gibt noch einen zusätzlichen Kick.

5) Kann ich mein Hobby insgesamt minimalistischer ausgestalten?

Ich habe mich immer sehr intensiv mit Musik beschäftigt. Das hat dazu geführt, dass ich früher einer der ersten Audio CD Brenner von Phillips besaß, das Gerät kostete rund 600 Mark und ich war froh einen Rohling unter 2 Mark zu finden. Zu den mehr als 2000 CDs gesellten sich dann noch Mischpult (DJM 500 von Pionier), stabiles Case, Kopfhörer von Sennheiser, gute Boxen und vieles mehr.
Heute sieht es so aus, dass ich mein Streaming Abo besitze. Ein USB Mischpult an meinem Laptop und einen Kopfhörer für unterwegs und einen speziellen für zu Hause.
Meine Boxen für alles (Raum, Fernsehen, PC, etc.) haben keine 90 Euro gekostet und ich bin extrem zufrieden mit dem aktuellen Setup.

Wie kannst du dein Hobby minimaoistischer ausgestalten? Welche Tipps würdest du anderen Menschen geben, deren Hobbys ausufern?

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Lernen von allem und Jedem

© JackF - Fotolia.com

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Vor kurzem habe ich angefangen auf der Facebook Seite von Minimalismus leben Zitate zu posten. Ich bin dabei auf das folgende von Paulo Coelho aus “der Fünfte Berg” gestoßen.

“Ein Kind kann einem Erwachsenen immer drei Dinge lehren: grundlos fröhlich zu sein, immer mit irgendetwas beschäftigt zu sein und nachdrücklich das zu fordern, was es will.”

Gestern auf dem Weg nach Hause hat mich dieses Zitat in der Realität eingeholt und ich bin dem Leben dankbar dafür, Momente wie diesen bewusst wahrnehmen zu können um diese dann mit euch zu teilen. Ich war schon immer der Überzeugung, dass uns die Zufälle und Begegnungen des Lebens mehr lehren können, wie unzählige Bücher oder ein Studium. Es kommt nur darauf an, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und diese Momente nicht zu verpassen.

Die Türen der Straßenbahn öffnen sich. Eine junge Mutter schiebt den Kinderwagen vor sich in die Bahn und sucht sich einen Platz direkt neben mir. Sie dreht den Kinderwagen so, dass Ihr Sohn, der vielleicht 1,5 Jahre alt ist, sie sehen kann.
Dieser lächelt, freut sich, schaut sich kurz in der Bahn um und möchte nun raus aus dem Wagen, in die Arme seiner Mutter und dann auf den Boden um diesen Ort für sich zu entdecken.
Diese Erkundungstour ist natürlich nicht möglich, entscheidet die Mutter und nimmt, mit dem Kind auf dem Arm, auf den zwei Sitzen vor mir Platz.
Der kleine Mann beschließt den Nebenplatz als Kletterhilfe zu nutzen und zieht sich an der Lehne bis nach oben und lächelt mich an.
Er sieht das Handy in meiner Hand auf dem ich gerade den Podcast etwas vorgespuhlt habe.

Er lächelt und ich lächle zurück.

Nach einer Weile wird er wieder unruhig, zeigt mit seinem Finger auf andere Fahrgäste, vorbeiziehende Kirchen, Autos, Bäume.
Dann ist wieder der Wunsch da, sich zu bewegen, die Bahn auf eigene Faust zu erkunden. Die Mutter des kleinen entscheidet sich dagegen und setzt ihn wieder in den Wagen.
Innerhalb von ein paar Augenblicken wehrt er sich, wird rot im Gesicht und die ersten Tränen kullern herunter.
Die Mutter redet ihm gut zu, aber er kann und will diese Argumente nicht verstehen. Die ruhige Stimme reicht nicht aus zur Beruhigung, da kommt ein Trick zum Einsatz dem jedes Kind erliegt. Ablenkung ! Das Spiel kennt jeder aus dem Film ICE Age … Wo ist das Baby, da ist es ja …
Anstelle von Händen, die Augen verdecken kommt aber ein Stück, welches die Mutter über die Schulter gelegt hatte zum Einsatz.
Der kleine lacht und freut sich, wie sich nur unglaublich glückliche Menschen und eben Kinder freuen können.
Unsere Wege trennen sich als die junge Mutter ein paar Stationen weiter die Bahn verlässt.

Meine Gedanken:
Lerne dich bedingungslos zu freuen wie ein Kind.
Ein Lächeln, ein Winken und die uneingeschränkte Neugier diese Welt zu entdecken stecken in jedem von uns.
Teile deine wahren Bedürfnisse anderen Menschen mit.
Du bist nicht für das Glück der anderen verantwortlich
Gehe mit offenen Augen durch die Welt und lerne von solchen Momenten