Archiv des Monats “Februar 2015

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Gastbeitrag: Mach’s dir in deiner Komfortzone so richtig gemütlich!

© Alena Ozerova – Fotolia.com

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Kannst du es inzwischen auch nicht mehr hören? Überall liest und hört man, man soll gefälligst seine Komfortzone verlassen, ja, sie „crushen“. Also ich hab’s inzwischen ziemlich satt, mir vorschreiben zu lassen, was ich wann tue! Nein, ich möchte mich nicht in einer Disko auf den Boden legen (wie es tatsächlich eine Übung zum Verlassen der Komfortzone vorschlägt) und ich finde daran überhaupt nichts falsch!

Ich weiß schon, was die Komfortzonen-Vertreter mir daraufhin entgegnen werden: „Aber das ist doch nur eine Übung, damit du deine Ängste und Hemmungen verlierst!“ Natürlich weiß ich, dass es eine Übung ist, das ändert allerdings gar nichts daran, dass ich sie als vollkommen sinnlos empfinde. Ich will meine Hemmungen nicht verlieren! Wenn ich das wöllte, bräuchte ich einfach ein paar Schnäpse.

Das Interessante ist, dass ich mich beinahe weigere, meine Komfortzone zu verlassen und mich dennoch weiterentwickle. Das wird hoffentlich jeder bestätigen können, der mich kennt. Ich tue Dinge, von denen ich früher die blanke Panik hatte, heute mit vollkommener Selbständigkeit. Warum? Weil ich in meiner Komfortzone die Zeit habe, mich selbst zu entdecken, mein dadurch Selbstbewusstsein automatisch wächst und die Komfortzone sich von alleine ausweitet. Nun liegen Dinge, die vorher außerhalb des Kreises lagen und viel Mut erforderten, plötzlich darin. Ich muss nicht kämpfen, muss mich nicht abmühen und über die Komfortzone springen. Ich warte einfach nur ab und bekomme das, was ich wollte, ebenso. Die Komfort-Zone-Crusher werden spätestens jetzt ihren Kopf schütteln und diese Website wegklicken. Du bist noch dabei? Super, vielleicht kann dich ja dann beruhigen: Du musst deine Komfortzone nicht verlassen, um dich zu entwickeln und glücklich zu sein. Und jetzt werde ich ganz frech: In der Komfortzone ist es oft genug viel schöner als draußen. Ich finde sie richtig toll und obwohl überall prophezeit wird, dass man nur außerhalb etwas Besonderes erleben kann, erlebe ich jeden einzelnen Tag innerhalb meiner Komfortzone so wunderbare Dinge, dass sie mir die Tränen in die Augen treiben!

Wenn du die Welt in deiner Komfortzone erkundest, bemerkst du Dinge, die du vor lauter Plänen, sie zu verlassen, ansonsten vollkommen übersehen hättest. Natürlich kann man nach Hawaii fliegen, auch wenn man die eigene Stadt nicht richtig kennt. Aber ist es denn nicht auf seine eigene Art und Weise wunderbar, ebendiese Stadt (neu) zu entdecken? Sind die kleinen, gelben Blumen, die ihre Köpfe durch die Schneedecke stecken, nicht ebenso schön wie die exotischen fleischfressenden Pflanzen im Urwald Papua-Neuguineas? Haben wir sie überhaupt wahrgenommen, obwohl sie jedes Jahr in unserem Garten wachsen?

Ich merke immer wieder, dass die Menschen, die nach Mehr, Schneller, Weiter streben, die Dinge vor ihrer eigenen Nase gar nicht mehr richtig wahrnehmen. Sie glauben, erst ein lebenswertes Leben geführt zu haben, wenn sie alle 1000 Dinge auf ihrer Liste abgehakt haben, wenn sie die Welt von der Antarktis bis Zentralafrika bereist und sich auf den Boden in der Disco gelegt haben. Oder so ähnlich. Ich muss zugeben, dass auch ich lange diesem Irrglauben hinterhergelaufen bin. Obwohl ich mein Glück im Hier und Jetzt und meinem einfachen Leben bereits gefunden hatte, war ich immer noch der Ansicht, bestimmte Punkte unbedingt tun oder erledigen zu müssen. Ich war einfach nicht in der Lage, mich von den gesellschaftlichen Erwartungen zu lösen, obwohl ich glaubte, es bereits getan zu haben. Ich fühlte, wie eine ständige Spannung zwischen dem, was ist und dem, was sein sollte, herrschte, die es mir nicht ermöglichte, mich gänzlich in mein Leben hineinfallen zu lassen.

Glücklicherweise habe ich noch rechtzeitig die Kurve gekriegt und auf meine Intuition gehört, die mir ganz laut und deutlich ins Ohr geschrien hat: „Anna! Du hast schon alles! Schau dich um – wo du wohnst, wo du im Leben stehst, wie dein Alltag abläuft! Alles ist einfach nur wunderbar!“ Ja, es hat seine Weile gedauert, aber jetzt mache ich es mir so richtig in meiner Komfortzone gemütlich!

In meinem Alltag mache ich so viele Dinge wie möglich, die sich richtig gut und stimmig für mich anfühlen, vor denen ich keine Angst habe. Diese Dinge geben mir richtig viel Energie. Und mit der Energie fühle ich mich ab und an bereit, meine Komfortzone ein Stückchen auszuweiten oder sie sogar zu verlassen. Dieses Verlassen fühlt sich dann aber so natürlich an, dass es mir gut tut anstatt mir Druck zu machen.

Deswegen: Wenn du keinen Bock drauf hast, deine Komfortzone mit großem Krawall zu verlassen oder gar zu sprengen – bleib einfach darin! Erkunde sie genau, lerne in ihr alles kennen, was dir begegnet. Lerne dich selbst kennen. Lerne deine Umgebung kennen. Vielleicht kommt der Tag, an dem du etwas größere Schritte machen möchtest, aber wenn er nicht oder nicht so schnell kommt, ist das vollkommen okay. Jeder braucht seine Zeit. Und auch, wenn sich etwas für dich wie Stillstand anfühlt, ist das nicht so. Du entwickelst dich ständig weiter – auch wenn du ganz ruhig und in dir bist. Interessanterweise entwickelst du dich genau dann sehr schnell. Oft sogar viel schneller, als jemand, der alleine nach Neuseeland reist und sich mit dem Fallschirm aus atemberaubender Höhe stürzt. Ich glaube, es ist ein Denkfehler, anzunehmen, dass man sich nur durch die riesengroßen Dinge weiterentwickelt.

Ich kann dir nicht sagen, wie du deine eigene Komfortzone erkunden kannst, denn die ist bekanntlich bei jedem anders, aber ich kann dir davon erzählen, wie ich das mache und wie ich dadurch jeden Tag Großartiges erlebe und viel Freude empfinde:

  • Spazierengehen: Durch das Spazierengehen entdeckst du deine unmittelbare Umgebung immer wieder aufs Neue. Ich versuche mir dabei vorzustellen, dass ich die Strecke, die ich eigentlich gut kenne, zum ersten Mal gehe. Was würde jemand aus Afrika über diese wunderschöne Birke denken? Hat er jemals einen Baum mit weißer Rinde gesehen?
  • Aufmerksamkeit: Ich versuche, in meinem Alltag immer sehr aufmerksam zu sein und keine zwei Dinge auf einmal zu machen. Wenn ich esse, esse ich. Dabei schmecke und rieche ich, fühle die Konsistenz, sehe mir genau an, was aus meinem Teller liegt, höre meinen Kaugeräuschen zu. Dasselbe lässt sich mit allen anderen, alltäglichen Dingen praktizieren: Dem Zähneputzen, Staubsaugen, dem täglichen Weg zum Parkplatz,…
  • Stille: Ich liebe es, einfach nur ruhig zu sein und nichts zu tun. Ich habe meine Weile gebraucht, bis ich es wirklich so genießen konnte, wie ich es jetzt tue, aber nun weiß ich: Es lohnt sich! Einfach nur dazusitzen und sich selbst zu spüren regeneriert mich von Grund auf!
  • Alleinsein: Auch das war mir vor ein paar Jahren nicht geheuer, doch jetzt kann ich mir ein Leben in ständiger Action gar nicht mehr vorstellen. Durch das Alleinsein lerne ich mich selbst so viel besser kennen und lieben – für mich ist es zu einem täglichen, kleinen Abenteuer geworden, was ich wohl diesmal über mich selbst entdecken könnte! Denn das weiß man nie!
  • Leidenschaften erwecken: Ein Leben ohne Leidenschaften und Begeisterung kann ich mir nicht vorstellen. Aber ich brauche keine großen oder fernen Ziele dafür! Ich genieße einfach die Tätigkeiten, die mein Herz zum Brennen bringen. Das kann bei jedem etwas anderes sein, bei mir sind es mehrere Dinge: Schreiben, Lesen, Sport, Musik, Spazierengehen,… Die Dinge, die ich so liebe, liegen alle innerhalb meiner Komfortzone und ich habe einen riesigen Spaß mit ihnen!

Du siehst: Du musst deine Komfortzone überhaupt nicht verlassen, wenn du Neues entdecken willst! Das Glück ist nicht auf einer einsamen Insel vergraben – es ist in uns. Und um es zu finden, müssen wir nichts Besonderes machen oder unternehmen. Im Gegenteil: Durch den Druck, unsere Liste abzuhaken, entrückt es uns immer weiter. Vor allem, wenn es auf der Liste einfach nicht vorangehen will. Deswegen habe ich meine Listen von der Wand gerissen und zerknüllt. Ich lasse mich fortan vom Leben überraschen. In meiner Komfortzone. Denn da mache ich es mir so richtig gemütlich! 🙂

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© www.passionflow.de

 Ich bin Anna und schreibe auf meinem Blog www.passionflow.de über die Begeisterung, die es auslöst, seine eigenen Leidenschaften zu finden und ihnen zu folgen. Obwohl ich mit dem Leben lange Zeit auf Kriegsfuß stand, gelingt es mir jeden Tag ein wenig besser, es voller Hingabe zu leben und die kleinen Geschenke zu genießen, die es mir immer wieder gibt. Denn ich habe gelernt: Die kleinen Dinge sind oft die schönsten und sie können uns unglaublich glücklich machen! 🙂

Danke für den Beitrag Anna.

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der Minimalist – Aktuelle Stunde WDR

Der Beitrag im WDR kam, nach der kurzfristigen Absage dann noch sehr schnell im TV. Ich möchte mich für das positive Feedback bedanken und freue mich darauf, einige neue Interessierte, nächste Woche Sonntag beim Stammtisch in Köln persönlich begrüßen zu dürfen. Ein besonderer Dank geht hier noch einmal an den Minimalismus Stammtisch, Daniel und Susanna.

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gehe langsam, wenn du es eilig hast

© canoista83

© canoista83 – Fotolia.com

Die lange Arbeitszeit macht mich krank, ich bin müde und schlapp, ich habe zu viele Termine, ich kann es nicht ändern, das Hamsterrad lässt mich nicht los. Irgendwann wird alles besser. Diese Sätze kennt bestimmt jeder von uns, teils von Freunden und Bekannten oder von sich selbst. Was ich durch meine Auseinandersetzung mit Minimalismus und Achtsamkeit gelernt habe, ist, dass dies zwar alles stimmt, aber man dieses Thema auch von einer ganz anderen Seite betrachten kann. Du kannst alle anderen in deinem Leben dafür verantwortlich machen, dass du gestresst bist, oder du kannst selbst Verantwortung dafür übernehmen und etwas ändern. Man kann sich kleine Oasen schaffen, in dem man das Aufbrühen von Tee oder Kaffee zu einem Ritual erhebt, man kann langsamer gehen, oder den Abwasch von Tellern dazu nutzen, um runter zu kommen. Manchmal sind es ein paar tiefe und bewusste Atemzüge, die uns die Kraft geben herunter zu kommen.

Wenn wir diese Schritte gegangen sind, können wir uns auch mit den anderen Baustellen beschäftigen. Macht mir mein Job gar keinen Spaß? Oder kann ich die Situation durch gezieltes Ansprechen in Meetings oder eine Reduzierung der Stundenanzahl entschärfen. Wenn mein privater Terminkalender zu voll ist, sollte ich mir Zeit für wesentlichere Dinge reservieren, Zeit für einen Spaziergang im Wald einplanen oder für das bewusste lesen einiger interessanter Blog Artikel.

Als Tipp möchte ich dir noch auf den Weg geben, dass du einfach einmal auf Zeitlupe umschaltest für ein paar Minuten. Das mag sich zwar etwas komisch anhören, allerdings, wenn du es einmal ausprobierst, wirst du den positiven Effekt spüren. Gehe ganz langsam durch deine Wohnung, nimm dir 3 Minuten für das Abspülen eines Tellers oder verlangsame dein Sprechtempo. Das innen und außen ist mehr miteinander vernetzt, als wir uns eingestehen wollen und das eine beeinflusst das andere.
In diesem Sinne wünsche ich euch ein wenig Entschleunigung.

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Minimalismus in der Aktuellen Stunde im WDR

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© WDR.de

Heute Abend werden die Minimalismus Stammtische, der Minimalismus Podcast und Minimalismus leben, Thema im WDR, in der aktuellen Stunde sein. Ich habe soeben die Info bekommen, dass der Beitrag heute gesendet wird. Ab 18:50 heißt es dann WDR Fernsehn schauen. Nach dem Dreh im Dezember habe ich gar nicht mehr mit einer Veröffentlichung gerechnet. Danke an Susanna und das Dreh Team für die tolle Arbeit!
Ich werde morgen den Link zur Mediathek ergänzen.

NACHTRAG: Ich möchte mich bei allen Entschuldigen, die heute vergeblich auf den Beitrag gewartet haben. Der Beitrag wurde kurzfristig aus der Sendung herausgenommen, weil andere Themen aktueller waren. Ich habe heute Abend noch mit einigen vom WDR sprechen können. Sie entschuldigen sich auch dafür. Der Beitrag wird bald gesendet werden.
Danke Susanna für den tollen Beitrag!

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Gastartikel: Warum Du auf keinen Fall deine Mitte finden solltest.

Mein Name ist Axel Löwenstein. Ich bin 44 Jahre alt und lebe mit meiner Frau und meinem Hund in der Nähe von Hamburg. Ich habe mich für den Weg „Blogger ohne Blog“ entschieden. Mein Interesse gilt besonders den Themenbereichen Minimalismus und Nachhaltigkeit, weshalb ich hierzu regelmäßig Gastbeiträge verfasse.

Im heutigen Beitrag geht es aber eher um die Irrungen und Wirrungen im Dschungel der Persönlichkeitsentwicklung.

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© Kadmy – Fotolia.com

Warum Du auf keinen Fall deine Mitte finden solltest.

Lebensfreude ist eine todernste Angelegenheit

Beim Stöbern in den zahlreichen Blogs, die sich mit der Persönlichkeitsentwicklung und ihren Derivaten befassen, stößt man sich nicht selten die Nase an den erhobenen Zeigefingern der Selbsthilfegurus, die dort das lasterhafte Verhalten ihrer Jünger anprangern.

Hierbei lächeln die Gurus verkrampft von einem gestellten Foto, dem man den Drahtseilakt zwischen Lockerheit und Seriosität deutlich ansieht. Kopf leicht zu Seite geneigt, den Blick leicht gesenkt und bitte recht freundlich. Man sieht den Bildern ebenfalls die stundenlangen Diskussionen mit dem Fotografen an, ob man nicht vielleicht doch das Sakko anbehalten soll. Und alle entscheiden sich dann am Ende dafür, aber bitte mit offener Knopfleiste und mit offenem Hemdkragen. Soll ja schließlich auch locker wirken, nur halt nicht zu locker. Ein Teufelskreis.

Mit der Wucht des Imperativs wird einem jetzt die digitale Botschaft um die Ohren gehauen. Du musst einfach nur machen, was ich sage und schon wird dein Leben reich und erfüllt sein. Hatte ich das e-Book erwähnt? Ein Schnäppchen, wenn man damit seine Leben tatsächlich neu ordnen kann.

Was mir dabei fehlt ist oft die nötige Lockerheit und eine charmante Portion Selbstironie. Hey, auch als Guru kann man Spaß haben im Leben.

Selbst ist der Mann

Es war Zeit für einen Selbstversuch. Ich finde meine Mitte, geh raus und verändere die Welt mal eben positiv. War der Tipp von einem dieser Gurus.

Den entscheidenden Ansatz lieferte mir  -wie so oft- mein spiritueller Führer und der einzige für mich noch real existierende Philosoph auf diesem Planeten:

„Das Problem ist nicht das Problem. Das Problem ist deine Einstellung zum Problem!“ (Captain Jack Sparrow)

Ich sitze also seit Stunden im Wohnzimmer und suche angestrengt meine Mitte, als meine Frau es nicht mehr ertragen kann. Sie kommt auf mich zu und piekt mich mit ihrem Zeigefinger ziemlich grob in den Bauch.

„Da“, ruft sie, „da ist deine Mitte und jetzt hör auf zu nerven!“

Oh, das war einfach. Meine Mitte befindet sich also ziemlich genau in der Mitte. Da muss man erst mal drauf kommen.

Hinaus in die Welt

Bewaffnet mit einem strahlenden Lächeln und meiner Mitte treibt mich mein Appetit in den nächsten Supermarkt. Vor der Tür steht ein Überbleibsel der 80er. Ich weiß gar nicht, wie man diese Leute heute politisch Korrekt nennt. Früher waren das Punks.

„Ey, hast Du mal nen Euro?“, schnorrt er mich an. Dabei mustert er mich nachdenklich und sagt: „Alter, was grinst Du denn so? Bist Du ein Psychopath oder so was?

„Nein nein, ich hab nur meine Mitte gefunden und gehe jetzt lächelnd durchs Leben!“, entgegne ich fröhlich.

„Scheiße Mitte. Psychopath hätte ich geiler gefunden“, lallt er.

Einen Euro später trennen sich unsere Wege wieder. Ich gehe lächelnd und er kopfschüttelnd.

Ich hätte es besser wissen müssen. Du kannst nicht einfach als Jedi-Ritter mit einem grenzdebilen Dauergrinsen durch den Todesstern schlendern und erwarten, dass dich keiner bemerkt. Da kannst Du auch direkt in ein veganes Restaurant gehen und an der mitgebrachten Kabanossi knabbern. Die finden bestimmt auch deine Mitte und schlagen kräftig rein.

Ich konnte aber jetzt nicht einfach aufgeben. Der Guru hatte ja gesagt, dass es nicht einfach wird, die Lösung für dieses Problem kommt aber erst im zweiten e-Book. War ja klar. Weiter lächeln und schön mittig bleiben.

Fleisch ist keine Lösung

Irgendwie macht mich Weltverbessern immer hungrig und ich hole mir zwei Frikadellen von der Theke mit den warmen Speisen. An der Kasse wirft die junge Frau vor mir einen kritischen Blick auf die heißen Fleischklumpen. Ich bemerke die „Vegetarisch Fit“ in ihrem Einkaufskorb und mir wird klar, dass jemand der die „Bravo für Fleischlose“ liest bestimmt kein Verständnis für meine Menüwahl zeigen wird.

Um ihr und mein Gewissen zu beruhigen, entschärfe ich die Situation gekonnt.

„Nicht das sie denken ich würde die Dinger essen“, lache ich übertrieben.

„Sondern?“, fragt sie ängstlich zurück.

„Äh ich, ich wärme mir nur die Hände daran. Ist aber auch kalt heute.“, heuchle ich.

Mit einer Mischung aus Abscheu und Verwirrung im Blick, hastet Fräulein Carnevale aus dem Laden. Die Kassiererin lächelt mich zwar an, aber ich meine da erste Anzeichen des Stockholm-Syndroms zu erkennen. An der Nachbarkasse steht ein kleiner Junge, der sich mit dem Zeigefinger lachend an die Stirn tippt. Mit dem anderen Zeigefinger deutet er auf mich.

Niemals aufgeben

Wenn man so weit hinten liegt, kann man nicht plötzlich seinen besten Schlagmann vom Platz nehmen, also lächle ich tapfer weiter und bezahle.

Auf dem Weg nach draußen begegne ich einer stolpernden älteren Dame, die ich nur mit einem beherzten Griff vor dem sichern Sturz retten kann. Trotz der vermeintlichen Gebrechlichkeit schwingt sie ihren Spazierstock schnell und präzise. Nur mit großer Mühe kann ich der nach Hilfe schreienden Greisin zunächst ausweichen. Doch dann trifft sie mich. Genau in die Mitte.

Als die herbeigeeilten Polizisten vor mir stehen, muss ich eine Entscheidung treffen. Auf welcher Seite stehst Du? Wirst Du dich dem System beugen, oder dem Schnäppchen-Ratgeber des Gurus folgen? Meine Fehlentscheidung führte mich direkt in den Streifenwagen.

Auf der Fahrt zu meiner Wohnanschrift hörte ich in Wortfetzen, dass sich die Polizisten über mich unterhielten. Irgendwie blieben mir nur die Worte „Freak“ und „Klinik“ im Gedächtnis. Als die Beamten meine Frau fragten, ob sie meine angegebenen  Personalien bestätigen könne, zögerte sie verdächtig lang.

In dem e-Book klang es aber doch alles so simpel mit der Mitte. Vielleicht sollte ich mir ein anderes Buch kaufen. Gurus gibt es ja genug. Vorerst bleib ich besser mittelos!

Aber eine Sache habe ich aus meinem Selbstversuch gelernt: Frikadellen schmecken auch kalt.

Danke Axel für den tollen Gastbeitrag. Ihr findet Axel auch auf Facebook: Bloglos Glücklich und hier seine WebSite

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My Stuff – Kinostart 5. März

www.mystuffmovie.de

www.mystuffmovie.de

Wenn mich jemand gefragt hätte, ob es möglich ist, Minimalismus auf die große Leinwand zu bringen, hätte ich Nein gesagt. Wer ist schon so verrückt, ein Jahr lang sein Leben filmen zu lassen.
Wenn ich mir die Trailer und die Story hinter myStuff ansehe, dann denke ich. Genau so einen Film müsste man darüber machen.

Der Film startet in Deutschland am 5. März in den Kino´s und ich habe vorab ein paar Informationen vom Filmverleiher bekommen, die ich gerne mit euch teilen möchte.

„Es war zunächst nur eine Idee: Ich werde alles Zeugs los und es wird eine reinigende Kraft haben“ – Petri Luukkainen

Petri steckt tief in einer echten Existenzkrise, als er sich entscheidet, ein Selbst-Experiment zu starten: Er packt alles (wirklich alles!), was er hat in ein Self Storage-Lager und legt klare Regeln fest: 1. Das Experiment dauert ein Jahr. 2. Jeden Tag darf er einen Gegenstand aus dem Lager zurückholen. 3. Neue Dinge kaufen, darf er in dieser Zeit nicht. Er setzt sein Leben zurück auf Anfang.

Petris neues Leben beginnt nackt in einem leeren Apartment. Die Uhr tickt, er wartet auf Mitternacht, wenn er den ersten Gegenstand aus dem Lager holen darf. Und als Petri losläuft; durch eine bitterkalte Januarnacht in Helsinki, nur bekleidet mit einer Zeitung aus dem Müllcontainer, kann er die Herausforderungen nur erahnen, die sich ihm in diesem Jahr stellen werden.

MY STUFF stellt die Frage, was wirklich wichtig ist im Leben. Dabei hält der Film uns allen auf humorvolle Weise einen Spiegel vor. MY STUFF ist ein Film der Selbsterkenntnis. Wundervoll leicht erzählt und geschnitten und musikalisch gestaltet vom finnischen Jazz-Star Timo Lassy.

Links: Trailer / Website / Facebook

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Minimalismus Podcast 16 – Denis Sandmann

MK

MK

Die 16. Ausgabe des Minimalismus Podcasts ist gerade online gegangen. Diesmal mit Denis Sandmann. => Link zur Folge

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das Archiv

© jarerd - Fotolia.com

© jarerd – Fotolia.com

Heute möchte ich euch einmal auf das Blog Archiv hinweisen. In den letzten drei einhalb Jahren sind rund 250 Beiträge entstanden, die Ihr alle übersichtlich im Archiv wiederfinden könnt. Ich habe schon über viele Themen geschrieben, die heute bei anderen Blogs erst aktuell werden. Bei gewissen Themen ist für mich schon ein Häkchen dran und ich möchte euch nicht mit alten Artikeln langweilen. Trotzdem sehe ich, dass viele nur die letzten 5-10 Artikel ansehen, ohne einen weiteren Blick in die Tiefe zu wagen. Deswegen möchte ich heute gerne die Archivseite verlinken.

DAS ARCHIV

P.S. Archiv-Seiten wie diese gibt es viele im Netz und wer weiß, was Ihr alles noch an wissenswertem auf euren anderen Lieblingsblogs ausgraben könnt. Viel Spaß beim stöbern.

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Wochenrückblick 4 – 2015

© fcscafeine - Fotolia.com

© fcscafeine – Fotolia.com

So schnell sind wieder 2 Wochen vorbei und es wird Zeit für einen Wochenrückblick.

In den letzten beiden Wochen habe ich mich mit ziemlich vielen Leuten ausgetauscht. Unter anderem mit Chris und Andrea von weggedacht.de, mit Anna von passionflow.de, mit Denis von Sandmann.co (seid gespannt auf den nächsten Podcast), mit Svenja von Apfelmädchen.de und Finn von Finnsland.net. Es ging, wie ihr euch denken könnt, um das Thema Minimalismus. Über Podcastaufnahmen, Stammtische, das große Minimalismus Treffen im Sommer, Newslettererstellung, das Leben im Allgemeinen und Besondern und vieles mehr.

Vor 2 Wochen waren meine Freundin und ich in Münster unterwegs und haben zunächst bei einer Ihrer Freundinnen gefrühstückt. Nachmittags haben wir uns dann mit Peter getroffen, den wir auf dem Minimalismus Stammtisch in Essen kennengelernt haben. Zwischen einer Tour von der ältesten Studentenkneipe hin zum Schloss war auch der Stammtisch Münster im Gespräch und ich freue mich sehr, dass Peter in Münster einen festen Stammtisch gründen wird.

Außerdem war viel los in der Minimalismus Facebook Gruppe. Die Gruppengröße ist auf über 1200 Leute angestiegen und die Diskussionen wurden intensiver und persönlicher. Das hat leider dazu geführt, dass sich einige von der Gruppe verabschiedet haben. Die Gruppe ist nun geheim und neue Mitglieder können nur per Einladung hinzugefügt werden.

Ernährung ist ja momentan ein großes Thema für mich und ich freue mich, dass wir auf der Arbeit nun gemeinsam kochen. Morgens gibt es immer öfter mal ein paar selbst gemachte Omeletts mit Kresse, Tomaten, Schinken, Parmesan und vielem mehr. Ein tolles leichtes Frühstück. Mittags ist es meistens eine Gemüsepfanne für 3, die einer von uns zubereitet. Wir schaffen es zwar noch nicht jeden Tag so zu kochen, aber sind auf einem guten Weg. Christof von einfachbewusst.de hatte mir von seiner Kochgruppe erzählt und damit einen Anstoß gegeben. Den Artikel dazu findet ihr hier.

Ich habe in den letzten zwei Wochen festgestellt das mein Feed Reader überläuft und im Januar rund 250 Artikel zum Thema Minimalismus auf ihm gelandet sind. Das ist einfach zu viel. Ich werde nun im Wochenrückblick immer ein paar Links zu interessanten Fundstücken posten. Dabei muss nicht immer Minimalismus im Vordergrund stehen. Ich finde es toll, dass die Blogwelt so bunt geworden ist. Vor 3 Jahren sah das noch ganz anders aus. Ich wünsche euch viel Spaß mit den LinkTipps und einen guten Start in die neue Woche.

LinkTipps:

Frau Momos Minimalismus – Superbuch Guide für unerschrockene Handschriftliche
einfach Bewusst – minimalistischer Reichtum
Apfelmädchen & Sadfish – dem Plastik auf der Spur
widerstandistzweckmaessig – selbst gemacht statt selbst gekauft
minimalism.us – Meditation Teil 2