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die Anziehungskraft von Marken

© Michael Klumb

Heute Morgen hat in Köln ein neuer Apple Store eröffnet.

Weil ich später sowieso beim  Minimalismus Stammtisch in Köln bin, habe ich mir gedacht, dass ich mir diese kostenlose Show mitnehme. Zunächst muss ich sagen, dass ich gedacht habe der Andrang ist viel größer. Einige reihen Absperrband, wie am Flughafen, 25 Security Leute und die am Eingang typischen 10 Mitarbeiter, die neue Kunden mit Wooooohooo und abklatschen begrüßen.

Ich sitze jetzt in einem Café mit W-Lan Zugang in einem Kaufhaus gegenüber und frage mich, wie es zu solch einer Faszination für eine Marke kommen kann.

Ich glaube der Hauptgrund ist, dass eine Marke für gewisse Werte steht, Werte mit denen man sich identifizieren kann und die einen verbinden und Teil etwas Größeren sein lassen (auch wenn das nur ein Trugschluss ist).

Im Fall von Apple sind das sicherlich Werte  und Eigenschaften wie, Perfektion, Einzigartigkeit, Exklusivität, Beharrlichkeit, Künstlertum und die Story, von einer Garage aus, das wertvollste Unternehmen der Welt gegründet zu haben.

Wir begehen allerdings einen fatalen Fehler, wenn wir diese Schlüsse ziehen. Wir gehen davon aus, dass wir durch den Kauf der Produkte, diese positiven Eigenschaften für uns in Anspruch nehmen können.

Egal welche Produkte wir kaufen, im Bereich Fashion, Sport und Elektronik. Diese können bestenfalls ein Hilfsmittel sein, dass es uns ermöglicht gewisse Resultate umzusetzen.

Nur weil ich Laufschuhe einer bestimmten Marke kaufe, bin ich noch kein Usain Bolt. Mit einem MacBook bin ich noch kein berühmter Schriftsteller und mit einer Dose Proteinpulver noch kein Bodybuilder.  

Dieser Denkfehler werden wir uns auch nach kurzer Zeit bewusst. Wenn die erste Euphorie des Einkaufs nachlässt kommt es zur Ernüchterung. Die Schuhe müssen genauso geputzt werden, das weiße Blatt auf dem Monitor ist auf einem MacBook genauso erdrückend, wie auf Papier und mehr Protein ohne Training formt aus euch keinen Arnold Schwarzenegger.

Ich glaube das viele Menschen auf der Suche nach Werten sind. Wir leben in einer unbeständigen Zeit. Die Weltwirtschaft hat in den vergangenen 10 Jahren mehrere Krisen gesehen, die Gott sein Dank nicht so schlimm aus gefallen sind, wie andere in den letzten 100 Jahren. Terror ist leider in den letzten Jahren allgegenwärtig und dass es nicht allen Menschen so gut wie uns geht, sieht man vor allem auch an den massiven Flüchtlingswellen, die den Weg zu uns gefunden haben.

 

 

An dieser Stelle kommt Minimalismus ins Spiel. Durch die Beschäftigung mit Minimalismus lernen wir einige elementare Dinge über uns selbst. Vor allem im ersten Schritt, was wir wirklich brauchen. Dies ist viel weniger, wie wir vorher angenommen haben. Wenn wir dann auch bewusster konsumieren treffen wir andere Kaufentscheidungen. Bei vielen spielt Nachhaltigkeit, Qualität und die Produktionsbedingungen eine größere Rolle.

Der zentrale Punkt ist glaube ich, dass wir mehr bei uns ankommen und wirklich erfahren wer wir sein wollen und was uns glücklich macht.

6 Kommentare

  1. Hm.
    Im Grossen und Ganzen stimme ich Dir ja zu. …. und dennoch den Artikel etwas flach. Gerade die unter uns die sich schon länger mit Minimalismus befassen und die erst Euphoria des Bewussten Entsagens hinter sich haben, wissen doch: so ganz ohne geht es auch nicht. Soll es ja auch nicht, ich weiss. Anstatt müssen wir noch genauer hinschauen. Die Oberflächliche Show, die Werte die das Unternehmen zu dem gemacht haben was es ist, was davon noch übrig ist, wer das Geld einsteckt, was für Alternativen es gibt. Wem wir eher unser Geld geben wollen, wenn wir es schon ausgeben. Wie wir unsere eigene Oberflächlichkeit beiseite legen und aufhören können so limitierte, künstlich hochgepuschte Ware zu begehren. Was sind die Werte die wir selber leben wollen? Gibt es andere (Menschen, Produkthersteller,…) die uns ähnlich sind, für die wir uns ohne Marketinghysterie begeistern können? Nichts konsumieren geht nicht. Besser konsumieren schon. Nur die Mühe zu suchen müssen wir uns machen!
    Hm, vllt fehlt uns einfach „mehr Marketing“ für die richtigen Alternativen!

  2. Hallo Michael,
    danke für deine Recherchearbeit in Köln.
    Ich arbeite zwar selbst mit Apple-Produkten und bin auch sehr zufrieden, habe den Hype darum aber nie verstanden. Es sind qualitativ hochwertige Produkte. Nicht mehr und nicht weniger. Sich dessen bewusst zu werden, fällt vielen Menschen jedoch nicht leicht, da sie nicht wahrhaben wollen, dass sie durch ein Markenprodukt nicht zu einem anderen Menschen werden. Ich stimme dir vollkommen zu, dass wir heutzutage nicht nur andere Sorgen haben (sollten), sondern uns auch auf die wesentlichen Dinge zurückbesinnen sollten. Ob nun mit oder ohne Markenprodukte sollte dabei jedem selbst überlassen werden – solange er diese Entscheidung bewusst und durchdacht trifft.
    Liebe Grüße,
    Silke

  3. Hey, ich war selbst schon mal bei einem iPhone Start mit in der Schlange gestanden – hab mir aber nichts gekauft, ich wollte einfach nur dabei sein und Leute kennen lernen die genau so Ticken wie ich ^^

    Freue mich „Wöchentlich“ auf neue Beiträge von dir 🙂

  4. Hallo Michael,

    bewusste Markenwahl reicht meines Erachtens nicht. Nachhaltige Produkte sind ein essentieller Faktor, nützen aber nichts, wenn immer noch zu viel davon konsumiert wird.

    Lieber Gruß,
    Philipp

  5. DerMitleser

    „…dass es nicht allen Menschen so gut wie uns geht, sieht man vor allem auch an den massiven Flüchtlingswellen, die den Weg zu uns gefunden haben.“

    Klar geht es DENEN nicht gut – weil WIR deren zu Hause zerbomben, damit es UNS weiterhn gut geht.

  6. Hallo Michael,

    du hast recht mit deiner Aussage, dass ich mit meinem Mac kein besserer Autor, Programmierer und mit meiner Nike Sportbekleidung nicht automatisch sportlicher werde.

    Dennoch kann man, wenn man bewusst konsumiert, auch die vermittelten Werte des Unternehmens als Motivator für seinen Weg nutzen.

    Um beim Beispiel Nike zu bleiben: Ich kann Teil einer Gruppe sein, ein Unternehmen, dass viele Top-Sportler, die auch für mich ein Vorbild sein können, sponsert. Genauso gut kann es sich dabei um Under Armour oder Adidas handeln. Vielleicht motiviert mich aber auch die fair hergestellte Sportbekleidung.

    Dieser Anstoss ist eben sehr individuell.

    Und natürlich ist das bei den Großen wie Apple oder Nike Kommerz, dennoch glaube ich auch weiterhin an Visionen von Unternehmen und dass es eine felsenfeste Überzeugung für diese Vision des Unternehmens seitens des Gründers, aber auch seiner Mitarbeiter geben muss, mit dem Ziel einen Mehrwert für die gesetzte Zielgruppe zu schaffen.

    Ich bin auch davon überzeugt, dass viele dieser Unternehmen auch nur deshalb überhaupt so erfolgreich werden konnten.

    Gruß,
    Marco

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