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die Professionalisierungsfalle

DJ stand in the club glow

© sad – Fotolia.com

In einer Welt, in der es nur wenig beständige Regeln gibt und sich Konventionen von Generation zu Generation immer mal wieder ändern gibt es eine Konstante, die sich immer gehalten hat. Das Streben nach Anerkennung innerhalb einer Gruppe.
Man kennt das Prinzip schon aus dem Tierreich. Der Anführer siegt gegen die Herausforderer oder der Clevere, führt die Herde zu einer sicheren Wasserstelle.
Anerkennung erfüllt mehrere Funktionen. Wir sind in einer Gruppe akzeptiert, wir haben eine Leistung erbracht, wir setzen und von anderen ab, wir bedeuten etwas.

Viele Anbieter von Waren bedienen dieses konstante Streben mit einer Diversifikation ihrer Produkte in Einsteiger, Semi und Pro Linien.
Egal ob es vom Mac Mini über den iMac zum MacPro geht oder von der 10 Euro Pfanne bis zur Chefkoch Hightech-Beschichtung.

Ich bin in meinem Leben auch öfter mal in diese Professionallisierungsfalle getreten. Ich habe in der Vergangenheit schon einmal darüber geschrieben, dass ich Hobbys immer sehr exessiv betrieben habe.
Irgendwann vor gut 10 Jahren wurde meine Leidenschaft für Tee geweckt. Der Normalsterbliche Nicht-Teetrinker kennt ja eigentlich nur Schwarz-Grün-Kräuter und Erkältungstee.
Bei mir hat es dazu geführt, dass ich mich mit Herkunftsregionen, Blattqualitäten, saisionalen Tees und vielem mehr auseinander gesetzt hatte. Ich hatte nicht 4 sorgen Schwarzen Tee sondern 6 Sorten Darjeeling. Hochebene, einen für jeden Tag, einen besonderen, einen für Leute, die ich anfixen wollten.
Richtig gemerkt habe ich es erst, als ich mich mal wieder gefragt habe, wo mein ganzes schwer verdientes Geld hingegangen ist.

Den umgekehrten Fall habe ich allerdings auch erlebt.
Ich habe mich immer schon für Musik interessiert und seit gut 15 Jahren habe ich immer mal wieder bei privaten Feiern den DJ gegeben.
Am Anfang habe ich mit 2 normalen CD Playern und einem 100 Mark Dj Pult angefangen. Später hatte ich dann pitchbare CD Player, Boxen und einen DJ Mixer von Pioneer, der quasi Diskotheken Standard Anfang 2000er war.
In Clubs und Veranstaltungen habe ich dann immer wieder schlechte DJs erlebt. Kein Spannungsbogen im Set, keine Interaktion mit der Crowd, lausige Übergänge und kein Gefühl für den nächsten Track.
Das hat mir gezeigt, dass es dort viel weniger auf die Technik ankommt. Die beste Technik ersetzt nie ein gutes Gespür und Feeling.

Um es auf den Punkt zu bringen.Man braucht keine Hightech um Profi in etwas zu sein. Man kann das Beste aus den Dingen herausholen, die man heute schon besitzt.

Mich interessieren Eure Erfahrungen. Wo seid Ihr schon in diese Professionalisierungsfalle getappt?

11 Kommentare

  1. Bin ich da überhaupt mal reingetappt? Denke nicht. Bin ja minimalistisch aufgewachsen und hab alles selbst hergestellt, was ich nicht hatte. Dann ist es personalisiert. Hat Charakter. Ich kenne Marken oft nicht. Was das für ein komischer Style ist, hab ich mal Leute in meinem Haus gefragt. „Bench Jacken.“ Ach so. So geht es mir mit vielen Dingen. Technik interessiert mich nicht. Kennst du den Typ, der am Times Square auf Plastikeimern trommelt? War auch bei Sido Unplugged. Aus nix was machen. Das Rustikale. Das ist Minimalismus, wie ich ihn liebe.

  2. Bettina A

    ja, sowas passiert mir auch gern mal, so wurde aus dem Wunsch mal in der Freizeit nett zu radeln ein selbst aufgebautes MTB im Wert von bald 1000 Euro…. aber es hat Spaß gemacht und fahren tut es toll. Aber generell neige ich auch dazu leicht in diese Falle zu tappen und muss mich immer wieder selbst bremsen und mich fragen, ob man es nicht erstmal einfacher versuchen kann.

  3. Bei der Fotografie bin ich teilweise reingelatscht in diese Falle.
    Nach der ersten Anfänger DSLR kam nach gut einem Jahr dann die Semiprofi DSLR und in dem Zuge auch jede Menge Fotozubehör was ich mittlerweile nicht mehr brauche weil festgestellt, ist unnütz. Das Flagschiff der DSLR wird es bei mir aber nicht mehr geben, denn meine Semi macht genau das was sie soll und was ich von ihr will, Bildqualität ist hervorragend und hält locker mit dem Flagschiff mit. Robust ist meine auch also was will ich mehr?
    Lustigerweise ist mein „Baby“ beim Hersteller unter ProfiDSLR gelistet trotzdem sie ein recht Altes Modell ist.
    Liebe Grüße
    Aurelia

  4. Bei mir ist es eigentlich eher umgekehrt: Ich bin grade am Anfang nicht zu grpßen Investitionen bereit. Einfach weil ich weiß, dass ich viel zu schnell bei machen Themen hin und her springe und etwas zu schnell wieder vorbei sein kann.
    Deswegen wird erst gekauft, wenn es wirklich notwendig. Und vor allem bei Abos, in welcher Form auch immer, halte ich meine Finger weg. Ausnahme: monatliche Kündigungsmöglichkeit!

  5. hmm…interessantes Thema…
    Ich stümpere mich viel zu oft durchs Leben und bin zu ungeduldig für Großprojekte, d.h. Zeug schaffe ich überhaupt nicht viel an. Das war schon immer so.
    Was ich aber schon mache, ist so ein Expertenwissen aneignen, wenn mir was gefällt. Das geht wunderbar mit Büchern. Dann lese ich nicht nur einen Ratgeber oder ein Fachbuch sondern es muss mindestens noch ein zweites und drittes sein. Obwohl da nicht mehr viel Informationen kommen. Da hab ich mein Maß noch nicht gefunden 😀

  6. Linda Be.

    Da ich Aquarell male, kann das auch gefährlich für mich werden in ein Geschäft für Künstlerbedarf zu gehen. Aber ich konnte mich zügeln. Da gibt es ja auch so richtig teure und tolle Papiere, Farben und Pinsel. Ich denke ein Meister malt auch auf billigem Papier toll. Ich zähle mich aber noch zu den Anfängern. Da sollte man sich auch nicht das preiswerteste kaufen, aber von der besseren Qualität braucht man nicht viel.
    Es ist zu vergleichen mit deiner Arbeit als Dj.
    Lg

  7. Pingback: Unsere Netzhighlights - Woche 38/2015 | Apfelmädchen & sadfsh

  8. Vor einigen Jahren ist mir das auch häufiger passiert. Meine erste selbstgekaufte Kamera war eine Spiegelreflex, weil ich dachte, durch meine Teilnahme an der Foto-AG zu Schulzeiten, wäre ich vielen schon voraus. Ich kann bis heute keine guten Fotos machen, davon abgesehen, dass ich eigentlich gar nicht so gerne Fotografiere. Heutzutage reicht mir die Kamera an meinem Handy.

    Ähnlich sah es mit Videospielen oder Filmen aus. Aus allem wurde eine Art Sammlung, die natürlich professionell sein sollte. Meistens gescheitert, weil das Geld auf Dauer dafür nicht gereicht hat (also für diese zusätzlichen Ausgaben).

    Es lässt sich aber, wie du schreibst, auf fast jeglichen Lebensbereich anwenden.

    Seit ich bewusst ein einfaches Leben führe halte ich es wie Daniel:

    Deswegen wird erst gekauft, wenn es wirklich notwendig. Und vor allem bei Abos, in welcher Form auch immer, halte ich meine Finger weg. Ausnahme: monatliche Kündigungsmöglichkeit!

    Mein Problem besteht aktuell eher darin, dass es überhaupt unglaublich schwer für mich geworden ist, Spontankäufe zu tätigen. Ich überlege vor jedem Kauf ziemlich lange, gehe die Opportunitätskosten durch und zögere den Kauf dadurch weiter hinaus oder verwerfe ihn schließlich.

  9. Nein, kenne ich gar nicht.
    Ich tappe eher in die selbstgemacht-ist-besser – Falle.
    Ich habe ein sehr breites Interessengebiet, und bin auch meine Fähigkeiten betreffend sehr breit aufgestellt. Aber halt wenig in die Tiefe gehend. Ins Extreme zu gehen, das lag mir noch nie.
    Ich versuche aus dem was ich habe möglichst das Beste zu machen, ähnlich wie Tanja Heller.

    Ich denke man muss einen guten Mittelweg finden. Ich glaube man kann mit mittelguter Ausrüstung passable, ausreichende Qualität erreichen.
    Spannend dass Menschen da so unterschiedlich ticken.

    lg
    IRis

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