Freizeitstress

© Ingo Bartussek - Fotolia.com
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Jeder kennt dieses Spiel mit Karten oder Bierdeckeln. Man versucht ein Haus zu bauen, begonnen bei einem soliden Fundament, was immer weiter in die Höhe gebaut wird, und irgendwann erreicht man eine Höhe, wo es kritisch wird und der Turm wackelt. Nur noch eine Ebene, eine letzte Karte, bald sind alle Karten verbaut und das Meisterwerk vollbracht.
Doch dann passiert es. Eine Karte war zu schräg, ein Windstoß rüttelt am Fundament, irgendwo vorher war schon ein kleiner Fehler. Und dann stürzt das Kartenhaus ein.

So ist es mir passiert mit meiner privaten Planung. Ich hatte Freizeit Stress. Minimalismus Stammtische hier und da, Facebook Gruppe, mehrere Websites, Deep House Podcast, Termine mit Freunden, Verwandtschaft und Co und dazu eigentlich nur wenig Freizeit innerhalb der Woche.
Ich wollte zu viel und irgendwann flog mir der Erste und dann einige weiteren Termine um die Ohren. Ich habe Zeiten nicht richtig eingeschätzt und war jeden Tag nur noch unterwegs.
So konnte es einfach nicht mehr weiter gehen. Der Zustand hat mich zunächst dazu verleitet, zu resignieren, Dinge liegen zu lassen und gar nicht mehr anzufassen.

1. Erkenntnis: Erst muss der Leidensdruck groß sein, damit eine Veränderung passieren kann

Was macht man aber nun, wenn der Kartenstapel vor einem liegt? Einfach liegen lassen, war keine Option, also habe ich angefangen, mir ein paar Fragen zu stellen.

Welche Projekte kann ich auf Eis legen oder abbrechen?
Welche Dinge sind mir wirklich wichtig?
Welche Termine kann ich vielleicht verkürzen?
Welche Termine kann ich im Intervall verlängern?

2.Erkenntnis: Es kommt keiner und ordnet dein Leben für dich

Nach dem Ich mir diese Fragen gestellt habe, war es relativ klar, dass mein Fokus zurück auf Minimalismus-leben.de gehen wird. Es gibt viele Dinge die ich auf Minimalismus leben voran treiben will. Konkret wollte ich schon seit Längerem einen Newsletter einrichten, bin dann aber vor dem Aufwand und den rechtlichen Hürden zurückgeschreckt. Svenja hat mir einige hilfreiche Links zugeschickt, die ich bald umsetzen werde.
Außerdem wollte ich den schon vorhandenen Youtube Kanal nutzen, um direkter mit euch in Kontakt treten zu können. Außerdem wird dieser Kanal von Minimalisten kaum bedient, obwohl es einen Bedarf dafür gibt. Der Smartphone Halter und das AnsteckMicro liegen schon zu Hause und warten auf Ihren Einsatz.

Nicht überlebt hat das Ausmisten der BarDJ Podcast. Ich wollte Musik auflegen und habe mir über die GEMA eine Podcast Lizenz besorgt und 4 Episoden online gestellt.
Der Aufwand pro Episode bestand aber nicht nur im Selektieren, Mixen, Finalisieren, Hochladen der neuen Episoden. Sondern auch im Durchhören von Hunderten von Tracks. Das hat dazu geführt, das der Zeitaufwand pro Episode bei rund 10 Stunden lag. Und das wollte ich alle 2 Wochen durchziehen.
Das ist einfach nicht drin gewesen. Ich hoffe, dass sich aufgrund der positiven Reaktionen auf die ersten 4 Folgen jemand meldet, bei dem ich ab und zu mal live Musik spielen kann.

3. Erkenntnis: Es tut im ersten Moment weh, Dinge aufzugeben.

Freizeit Stress kann genauso extreme Formen annehmen wie der Stress im Berufs- und Alltagsleben. Man ist getrieben von Dingen, die man noch tun möchte, die man noch tun muss und von Dingen, die man schon längst hätte erledigen sollen. Man hat ständig das Gefühl etwas vergessen zu haben und selbst Produktivitätstools helfen nur bedingt. Wenn keine Zeit mehr da ist, ist keine Zeit mehr da. Anstatt nun zu versuche Aufgaben für 6 Stunden in ein Zeitfenster von 2 zu quetschen, sollte man die Aufgaben reduzieren.

4. Erkenntnis: Freizeitstress darf man nicht unterschätzen.

Ein großes Problem stellen auch immer wieder die Situationen da, in denen ein Termin kurzfristig auftaucht oder einfach nicht verhandelbar ist. Er ist da und muss erledigt werden. In so einem Fall gibt es nicht nur die Möglichkeit „Augen zu und durch“, sondern auch eine ganz einfache Lösung. Man muss ich Puffer einbauen. Damit meine ich nicht Freiräume, diese kommen im nächsten Punkt.
Wenn ich meine Termine nur einhalten kann, wenn alles perfekt läuft, bekomme ich sehr schnell Probleme. Wenn ich zum Beispiel um 20:15 einen Termin vereinbare aber direkt von der Arbeit dahin komme, darf sich an Folgendem nichts ändern. 1) Arbeitsschluss um Punkt 18:00. Jeder, der mal im Support gearbeitet hat, weiß, dass so etwas nicht immer möglich ist. 2) Die S-Bahn ist pünktlich. In der Regel fährt diese pünktlich, aber das muss nicht immer so sein, und wenn Punkt 1) abweicht, gibt es schon ein Problem. 3) der Anschluss Bus muss auch pünktlich sein.
Somit haben wir hier 3 Variablen, die ich nicht beeinflussen kann, die aber alle dazu führen können, dass ich einen Termin nicht wahrnehmen kann.
Es geht, wie Ihr euch schon denken könnt, darum ein paar sinnvolle Puffer einzubauen.

5. Erkenntnis: Es kann immer etwas dazwischen kommen

Wenn Ihr nun eure Termine und Verpflichtungen reduziert und Puffer eingebaut habt könnte ja alles perfekt sein. Allerdings vergessen hier die meisten, sich auch Freiräume einzuplanen. Mit Freiraum meine ich keine Aktivität. Der Meditationskurs, Yoga und Crossfit ist kein Freiraum. Dies sind Hobbys, die Ihre regelmäßigen Platz gefunden haben sollten.
Es geht um Freiraum. Zeit um gedankenlos einer MusikCd zu lauschen, spontan einen Film zu sehen, oder sich auf die Couch zu legen und die Punkte der Raufasertapete zu zählen.

6. Erkenntnis: Freiraum ist ein MUSS

Ich hoffe ich konnte euch mit dem Mix aus Persönlichem erlebten und ein paar Erkenntnissen helfen euren Freizeitstress zu reduzieren, oder euch zumindest kurz mit diesem Thema zu beschäftigen.

  1. Das Gefühl kenne ich nur zu gut. Am Ende ist man so platt und blockiert, dass garnichts mehr geht. Ich habe immer mal wieder Hobbies aufgegeben und meine Projekte verkleinert um auch diese schaffen zu können. Außerdem muss man damit Leben nicht immer alles haben zu können, weshalb ich selten mehr als eine zusätzliche Aktivität pro Arbeitstag habe und auch am Wochenende nie zig verschiedene Treffen über den ganzen Tag ansetze. Immer eines und der Rest ist Freiraum für mich und das worauf ich gerade Lust habe.

    LG

  2. Minimalist im Maximalstress. Ja, ich kenne dasGefühl nur zu gut. Und schön, hast du rechtzeitig gespürt wann Genug Zuviel ist. Ich denke es ist enorm wichtig, uns auf wenige Dinge zu konzentrieren. Diese richtig zu machen und uns nicht zu verzetteln. Neben Arbeit, Familie und Schlafen bleiben mir noch Kochen und Rennradfahren. Mehr will ich nicht. Und Rennradfahren ist für mich genau dieser Freiraum. Aufsitzen und Losradeln, wohin mich die Räder tragen – immer wieder ein erfüllendes Gefühl.
    Wie geschrieben: Weniger ist mehr! Geniesse es!

  3. Hallo Michael,

    danke für den ehrlichen Einblick. Fundament allein reicht nicht. Sonst bräuchte ja keiner einen Statiker. 🙂 Lieber ein kleines Kartenhaus, das dir Spaß macht. Ich hatte mich schon gefragt, wie du das alles schaffen willst. Die ganzen Kanäle müssen ja auch gefüttert werden. Ob du noch Lust hast auf den Blog und den Podcast war mir mittendrin auch nicht mehr klar. Oder ob dir andere Projekte wichtiger werden. Was ich auch verstehen könnte. Ich war z. B. nur an dem einen Tag in der Facebook-Gruppe, als wir uns kurz geschrieben haben. Dann war es mir einfach zu viel. Sicher eine tolle Gruppe. Aber mir ist mein Offleben mittlerweile wichtiger oder soll es wieder werden. Du wolltest doch umziehen. Was ist denn mit dem Projekt? Kommst du überhaupt zu deinen eigenen Zielen? Musik hören finde ich auch total wichtig.

    Liebe Grüße und viel chillen!
    Tanja

  4. Keine Zeit zum kommentieren… muss die Punkte der Raufasertapete zählen… xD

    … ich stimme Dir zu und werde meine Freizeitplanung jetzt auch nochmal überdenken. Freizeitstress ist einem oft gar nicht bewusst, bis man ein schlechtes Gewissen bekommt, weil man nicht mehr allen Freunden gerecht werden kann.

    Liebe Grüße und bis demnächst,
    Julia

  5. Sehr gut zusammengefasst, finde mich in vielen Punkten wieder. Besonders bei **Erkenntnis 2** musste ich laut lachen.
    Banal, aber so sehr wahr.
    Genieße den Tag!

  6. Doch, ich hätte es dir gerne geordnet (Punkt 2). Musst mich nur anrufen. Ich nehme mir dann ein Blatt und schreibe mit und wir streichen dann durch.

    Hat es auch mit der zeitversetzen Kommunikation zu tun (neue Medien)? Ich finde das nämlich immer so nervig und anstrengend. Also – wir wollen dich entspannt und, dass es dir gut geht.

  7. Ich merk das mittlerweile immer schnell, wenns mir zu viel wird. Ich lebe damit weniger Kontakte zu haben. Neben meiner 40-Stunden-Arbeit ist einfach nicht so viel möglich. Ich brauche faule FREIzeit, ohne Pläne, Alleinsein oder zu Zweit sein. Ruhe. Stille. Ich sein. Einfach sein.

  8. Das kenne ich nur zu gut,
    Einfach handy aus und die welt welt sein lassen 😉

    Ich finde diese bist du tot sms echt lustig
    Wenn man bedenkt dass man damals auch nicht fragte ob man tod sei nur weil der brief länger brauchte bis man ankam , diese ständige erreichbarkeit ist stress pur besagt auch die forschung!

    Liebe grüsse
    Frau minimalismus

    https://frauminimalismus.wordpress.com/

  9. Erfahrungen sind dazu da um daraus zu lernen.

    Du hast dadurch erkennen können, was Dir wirklich wichtig ist. Ich denke, das ist eine wirklich wichtige Erfahrung!

    lg
    Maria

  10. Hallo Michael,

    man muss sich immer Freiräume halten. Meist kann man über eine bestimmte Zeit viele Aktivitäten aufrecht erhalten und dann wird es zu viel.
    Wichtig ist auf seine Gesundheit zu achten. Sollte noch ein Überforderungs- oder Erschöpfungsgefühl dazu kommen, wenn Kartenhaus zusammenfällt ist auch ein Check der Blutwerte beim Arzt angesagt.
    Ich sage das, da ich eine Immunkrankheit habe, die in Verdacht steht u.a. durch Stress ausgelöst zu werden.

  11. Hallo Michael,

    das Problem kenne ich nur zu gut.
    Die letzte Woche über von Montag bis Sonntag hatte ich höchstens ein paar Minuten Freiraum, mehr nicht. Das ist auch der Grund, weshalb ich gestern und heute krankgeschrieben war. Ich lag krank im Bett mit Herzrasen und Stechen in der Brust. Mittlerweile habe ich aber eine natürliche Intuition entwickelt, die mir sagt, ich sollte mir mehr Zeit für mich nehmen. Auf dieses Gefühl habe ich die Woche über aber nicht geachtet. Jetzt wurde ich eines besseren belehrt und werde dafür sorgen, dass mir dieser Fehler nicht noch einmal passiert. Wenn ich keine Lust mehr habe, sollte ich auch mal einen Termin absagen.

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