Gastartikel Digital oder Analog?

© acinquantadue - Fotolia.com
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Digitale Waren werden immer beliebter. Internetbuchhändler verkaufen fast ein Viertel der Bücher in digitaler Form. Die Musikabteilungen in den Elektrofachmärkten schrumpfen. Heute wird Musik für einen Festpreis im Monat gestreamt, der einen freien Zugang zu bis zu 25 Millionen Songs ermöglicht. Filme können wir uns online leihen, wenn diese nicht schon bei einem der vielen Streamingangebote, ebenfalls zum Monatsfestpreis, vorhanden sind. Selbst datenintensive Computerspiele werden heute über die Onlinestores der jeweiligen Plattformanbieter angeboten und können so erworben werden.
Dazu kommt, dass viele Angebote günstiger sind, als das im Laden verfügbare, physische Pendant. Teils sogar erheblich.

Als Minimalist möchte ich meine Besitztümer gering halten. Jedes Teil scheint mich und meine Leben zu beschweren. So überlege ich mehrfach, ob ich etwas wirklich physisch besitzen möchte. Oft ist das nicht der Fall.
Also würde es doch Sinn machen, wenn möglich, alle ersehnten „Dinge“ in digitaler Form zu erwerben. Doch ganz so einfach gestaltet sich der Entscheidungsprozess für mich nicht.

Am Anfang steht die Frage: Muss ich den Gegenstand besitzen? Oder will ich ihn nur für kurze Zeit konsumieren? Meist sieht bei mir die Antwort so aus, dass ich den Inhalt lesen, hören oder sehen will und der Gegenstand als solcher für mich keinen großen Wert mehr besitzt.

Der Königsweg wäre nun, wenn ich mir den Gegenstand irgendwo ausleihen könnte. Ich würde ihn oder dessen Inhalt nutzen können und wenn ich ihn nicht mehr benötige, würde er dem Verleiher zurückgegeben werden. Für diesen günstigsten Fall würde ich sogar gerne einen kleinen Nutzungsbetrag bezahlen wollen.
Ideal für alle Medien ist hier wieder einmal die Bücherei positiv hervorzuheben. Für eine niedrige Jahresgebühr habe ich vollen Zugang zu sehr vielen verfügbaren Medien.

Nun gibt es aber auch Medien, die ich in der Bücherei nicht bekomme, weil diese vielleicht zu neu sind oder einer Nische angehören.
Finde ich keine Alternative, stellt sich für mich die Frage, wo bzw. wie ich den Artikel am günstigsten bekommen kann. Oft ist hier die Antwort, den Gegenstand gebraucht zu erwerben. Dabei tue ich nebenbei noch etwas für die Umwelt, weil der Artikel einer längeren Nutzungsdauer unterzogen wird. Gut für’s Karma.
Da ich den Artikel aber nicht bei mir herumstehen haben will, muss ich mir nach dem Gebrauch die Mühe machen, diesen wieder zu veräußern. Das ist mit Arbeit und Zeitaufwand verbunden.

Jetzt kann es aber auch sein, dass ich zwar weiterhin Zugriff auf den Inhalt haben möchte, aber den Gegenstand nicht besitzen will. Ein Dilemma: Gebe ich den Gegenstand weg, muss ich ihn, wenn ich diesen nochmals benötige, aufwendig wiederbeschaffen. Oder ich behalte ihn und beschwere mein Leben.
In meinem Fall sind das meistens Bücher, in denen ich irgendwann noch einmal etwas nachschlagen will. Mein kleines Bücherschränkchen, das ich über die letzten Jahre auf 20 Bücher limitieren konnte, will ich aber nicht wieder auffüllen.

Eine wunderbare Alternative wäre das digitale Buch. Es nimmt keinen physischen Platz weg, es ist fast sofort verfügbar, leicht wiederzufinden und durchsuchbar.
Allerdings ist es auch nicht verleihbar und auch nicht wiederverkaufbar.

Der Idealzustand sähe für mich wie folgt aus: Ich würde alle Bücher, die ich in meinem Schrank habe, in digitaler Form besitzen. So müsste ich diese nicht mehr physisch besitzen und könnte die Bücher freilassen.
Leider weiß ich nicht schon vorher, ob ein Buch so gut bzw. wichtig ist, dass ich es auch nach dem Lesen weiter besitzen möchte. Das weiß ich meistens erst nach dem Lesen. Aber alles von vornherein digital zu beziehen würde mich der Möglichkeit des Weiterverkaufes und des Verleihens berauben. Ich müsste also für die reine Nutzung mehr als nötig bezahlen.

Heute behelfe ich mir so, dass ich mir die wirklich wichtigen Bücher oft zweimal kaufe. Wenn mir ein Buch so wichtig ist, erwerbe ich es später nochmals in digitaler Form und muss es so nicht mehr in meinem Schrank stehen haben. Ich kontrolliere einmal im Jahr, ob ein bislang noch nicht digital vorhandenes Buch mittlerweile verfügbar ist.
Als Alternative schaue ich auch immer mal wieder in den Büchereien in meiner Umgebung nach, ob das Buch dort mittlerweile verfügbar ist. Falls ja, kann ich meine Kopie loslassen, falls nein, habe ich auch schon das ein oder andere Buch gespendet. So stelle ich es der Allgemeinheit zu Verfügung, habe selbst noch Zugriff drauf.
Das gleiche ist natürlich auch bei Filmen oder Computerspielen möglich.

Natürlich habe ich so einen höheren Preis bezahlt, als wenn ich das gedruckte Buch einfach behalten würde. Aber ich entscheide mich so für die Vorteile des Digitalen. Zudem muss ich die Gegenstände so nicht mit mir herumschleppen.

Ich würde mir wünschen, dass die Möglichkeiten des Leihens, auch von digitalen Gütern, in Zukunft weiter zunehmen würde. Das muss nicht immer von Konzernen übernommen werden. Das Private verleihen hat seit meiner Kindheit in den 90ern aus meiner Sicht immer weiter abgenommen. Vermutlich wegen dem einfachen und günstigen Zugang über das Internet. Oder einfach, weil wir heute viel zu viel und viel zu spezifisch konsumieren.
Schön wäre eine private (und funktionierende) Tauschplattform, auf der sich alle Arten von Dingen regional, persönlich und unentgeltlich verleihen und leihen ließen.
So könnte jeder einzelne weniger besitzen und ein leichteres Leben führen. Bis dahin versuche ich, Dinge, die ich behalten möchte, möglichst digital aufzubewahren.

Danke Daniel für Deinen Gastartikel. Daniel bloggt auf Schlichtheit.com

  1. Guten Tag,
    solche Tauschstationen gibts bereits. Für physische Dinge wie Küchengeräte oder Tassen, aber auch für digitale Files. Meist ist letzteres illegal. Denke das ist nicht in deinem Sinn. Kennst du Netflix, Daniel? Das kommt bald in Deutschland. Da kann man Filme und Serien (ganz neu) streamen. Ansonsten: good luck
    Grüße Max

    • Ich denke, dass wenn man etwas konsumieren möchte, auch ein Preis für die Erstellung des Produktes verlangen kann. Somit scheiden alles illegalen Wege natürlich aus.
      Auf Netflix freue ich mich bereits. Wobei ich denke, dass wir alles doch enttäuscht sein werden, das der Katalog nicht wirklich viel besser als die Konkurrenten sein wird.

  2. Beim Lesen des Artikels fiel mir ein, dass ich schonmal davon gehört oder gelesen habe, dass es im Internet inzwischen auch Leihbörsen gibt. Dort lassen sich u.a. auch Bücher leihen oder verleihen. Aber auch alle möglichen anderen Dinge. Selbst probiert habe ich es aber auch noch nicht, werde das aber sicherlich in Zukunft mal ausprobieren. – Tja, ist halt die Frage, ob dann ausgerechnet das passende Buch zu leihen ist.
    Hier ein Beispiel (da gibts bestimmt auch noch andere): http://www.leihdirwas.de/buecher-leihen/

    • Mir ist durchaus bewusst, dass es solche Plattformen gibt, aber leider funktionieren sie nicht.
      Bei deiner ersten Seite wird Geld für das Leihen verlangt. Nach dem Gesetz stellt dies wohl eine Gewinnabsicht dar und bedarf, wenn wir genau sind, einer Gewerbeanmeldung.
      Die zweite Seite war mir nicht bekannt, habe mir die aber eben einmal näher angeschaut. Ich wohne im tiefsten Ruhrgebiet und finde nicht wirklich gescheite Angebote, die ich mir in meiner Umgebung leihen könnte. Zudem sind es auch nur weniger als 60 Teile. Und viele sind schon seit sehr langer Zeit dort eingetragen. Da bleibt die Frage offen, wie aktuell dieses Leihangebot ist.

      Damit eine solche Plattform funktioniert müssten Millionen Menschen daran teilnehmen und ihre Gegenstände dort einstellen. So wie es bei den Kleinanzeigen oder Internetauktionen der Fall ist.

      Die praktischste Form des Leihens ist heute halt das Leihen via Geld: Gegenstand günstig kaufen, konsumieren, wieder verkaufen. Aber hier steckt auch wieder das Problem im Detail. Je nach Umfang bedarf es auch hier wieder einer gewerblichen Meldung um auf der sicheren Seite zu sein. Sehr schwierig alles….

  3. Ergänzung: Bei dieser Leihbörse kann man/frau sogar mittels Postleitzahl suchen. Erstaunlich was sich dort so alles finden lässt: http://www.frents.com/

  4. Hallo!
    Auf den Wunsch im letzten Absatz nach einer Tauschplattform fiel mir ein, dass ich über die Planung einer solchen gerade gelesen hatte: http://www.raphaelfellmer.de/2014/07/26/sommerszeit-zeit-der-freude-und-der-buchuebersetzug/ Auf dem unteren Drittel der Seite berichtet der Gründer der Lebensmittelretter von seinem Plan zu einer solchen Plattform und… man darf auch mithelfen! 😉
    Gruß, Vanni

  5. Nur immer aufpassen, dass sich gerade im digitalen nicht auch wieder zuviel Zeug ansammelt. Dann ist nämlich eigentlich auch nichts gewonnen. Das ist nur eine Veränderung von physischer zu virtueller bzw. binärer Existenz und ändert eigentlich nichts am Haben / Besitz (und der Masse des Medienkonsums).
    Ich für meinen Teil bleibe beim Physischen, so merke ich wirklich was ich habe…..oder eben nicht. Dafür mache ich mich lieber von digitalen Geräten unabhängiger.

  6. Digitale Buecher kann man schon verleihen – weiterverkaufen weiss ich nicht genau… Man loggt sich mit dem Account des Verleihers ein und ladt alle Buecher nochmals runter! Sie gehoeren Dir ja und nur weil Dein Geraet zb. kaputt geht, hast Du nicht die Rechte verloren – ergo, kann man auf alle Buecher an allen anderen Geraeten auch Zugriff haben

  7. Hallo,

    bei amazon und anderen Diensten kann man mittlerweile offiziell seine digitalen Medien verleihen. Sie stehen einem dann so lange sie jemand ausgeliehen hat nicht zur Verfügung. Genau wie bei einem physischen Verleih auch.

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