digital vs analog

Gastartikel: digitaler Minimalismus

Wir erleben eine fortschreitende Digitalisierung. Die Vernetzung von intelligenten Geräten, 3D-Druckern, autonomen Fahrzeugen und künstlicher Intelligenz, kurz KI genannt, verändert unsere Gesellschaft wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte. Das „Internet der Dinge“ und der Online Handel wirken auf die Wirtschaft ein. Aber nicht nur die Ökonomie ist von der Digitalisierung betroffen, sondern jeder erdenkbare Bereich. Auch die Gesellschaft, die Politik und natürlich unser Privatleben.

Alleine über unser Smartphone haben wir einen unbegrenzten Zugang zu Wissen und Bildung. Mit Hilfe von Dating Apps wie Tinder oder Parship verlieben wir uns. WhatsApp, Skype und Facetime überwinden alle Distanzen. Allerdings müssen wir ständig Updates downloaden oder technische Geräte erneuern, wenn man up-to-date bleiben will. Ohne Internetzugang und E-Mail Postfach kann kaum noch ein Beruf ausgeübt werden. Von der ständigen Erreichbarkeit fühlen sich immer mehr Menschen zu Recht überfordert.

Technischer Fortschritt ist und war immer schon irreversibel. Das heißt, er kann nicht aufgehalten werden und es gibt kein zurück. Daher kann ein neuer Umgang mit innovativen Medien und ein bewusstes Ausfiltern der Informationsflut von Vorteil sein. Achtsamkeit lautet der neue Gegentrend. Ein bewusster Umgang mit unserer Ressourcen, Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Zero Waste sind die Folge und führen zu mehr Klarheit. Passen Digitalisierung und Minimalismus überhaupt zusammen und wenn ja, wie bekommt man beides unter einen Hut? Die Medaille hat wie immer auch in diesem Fall zwei Seiten.

Die Digitalisierung bietet, wenn man sie richtig einsetzt, natürlich viele Vorteile für ein minimalistisches Leben. Auf der einen Seite schießen zwar immer mehr technische Geräte aus dem Boden, auf der anderen Seite werden jedoch auch viele materielle Dinge überflüssig. Die folgende Auflistung gibt ein paar Anregungen inwiefern die Digitalisierung beim Minimalisieren helfen kann:

Dokumente & Papiere

Wer kennt sie nicht, die Papierberge, die schneller wachsen als man sie abarbeiten kann? Papier ist eines der Materialien, die sich durch die Digitalisierung am besten reduzieren lassen. Alle wichtigen Dokumente können eingescannt und abgespeichert werden. Es kostet zwar ein bißchen Zeit, dafür kann man von überall auf seine Unterlagen zugreifen. Nur die wichtigsten Papiere müssen natürlich weiterhin als Original vorliegen.

Fotos & Filme

Dank unserer Smartphones können wir jederzeit alles fotografisch festhalten. Früher wurden Bilder in Alben oder sperrigen Schuhkartons einsortiert. Heute lassen sich Erinnerungen digital festhalten. Es gibt natürlich auch Firmen, die sich darauf spezialisiert haben, alte Fotos, Filme und Tonaufnahmen zu digitalisieren.

Bücher

Bei dem Thema eBooks gehen die Meinungen auseinander. Nach einer Umfrage bevorzugen auch viele Minimalisten weiterhin Bücher aus Papier. Das haptische Gefühl und der Geruch gehören zum Lesegenuss einfach dazu. Und trotzdem: Bücher lassen sich problemlos als eBook anschaffen und schon ist wieder mehr Platz im Bücherregal. Für den Urlaub sind sie besonders praktisch, denn man spart Gepäck.

CDs & DVDs

Die meisten konsumieren Musik und Filme längst digital. CDs, DVDs und die dazugehörigen Abspielgeräte werden verzichtbar. Anders als bei Büchern ist das haptische Gefühl nicht wichtig. Es ist ja die Musik oder die Geschichte, die uns fasziniert und nicht die Verpackung.

Stadtpläne, Landkarten & Atlanten

Dank google Maps, google Earth und modernen Navigationssystemen werden Karten, die einst zur Orientierung dienten, überflüssig. Forscher warnen allerdings davor dass unser Orientierungssinn, den die Menschheit über Jahrtausende erworben hat, dabei verloren gehen könnte.

Telefon- & Notizbücher

Diese Funktionen werden heute von jedem Smartphone übernommen. Damit fallen auch gleichzeitig die benötigten Schreibgeräte weg.

Briefe & Postkarten

Sie wurden längst durch Mails, SMS und WhatsApp Nachrichten ausgetauscht. Fotos, Filme und Sprachnachrichten können direkt mitgeliefert werden. Aber mal ehrlich: Schön waren Briefe und Postkarten ja doch irgendwie. Wer weiss, vielleicht gibt es eines Tages einen Retro-Trend.

Dank Digitalisierung können viele Bereiche im Alltag minimalisiert und Materielles durch Bits und Bytes ersetzt werden. Nachteil ist natürlich, dass Daten auch verloren gehen können. Regelmäßige Sicherheitskopien auf externen Festplatten, USB-Sticks oder in der Cloud sind erforderlich. Es steht in den Sternen, auf was wir mit Hilfe des technischen Fortschritts in naher Zukunft noch verzichten können!

Danke an Alexandra von Involvo.de für den Beitrag

  1. Hallo Michael.
    Danke für deinen interessanten Artikel. Er macht mich an, gewisse Dinge jetzt mal in Angriff zu nehmen.
    Zwei Dinge sind mir aber aufgefallen: reversibel bedeutet umkehrbar. Du meinst vermutlich irreversibel (nicht umkehrbar).
    Und … der Boom nach Notizbüchern ist gewaltig. Moleskine, Leuchturm1917 und und und. Wohl ein Gegentrend zum Smartphone?
    Grüsse Martin

  2. Jede sollte wie bei allem wissen wie viel ihm gut tut. Die einen empfinden die Digitalisierung als Bereicherung und für andere bedeutet es Stress. Man sollte schauen wie man das mit dem für einen selbst am besten funktionierenden Lebensstil in Einklang bringt.

  3. Ein grosser Nachteil der Digitalisierung ist der vollkommen gläserne Mensch. Alles was ich auf meiner Platte habe, gebe ich auch Preis.

    • Das ist richtig und das ist auch das große Problem bei der Sache. Daher habe ich kein Smartphone, nirgends eine Cloud etc.
      Und ich bin davon überzeugt, dass man auch mit Notizbücher, Telefonbüchern, Landkarten, Büchern im Regal, Fotos im Album oder an der Wand, Ordnern mit Dokumenten etc. minimalistisch leben kann.

      • Ich mag Bücher aus Papier, es ist viel gemütlicher darin zu lesen. Auch sollte das analoge Schreiben im Training bleiben, sonst fängt man an, es zu verlernen, daher werde ich sicher nicht auf Notizbücher usw. verzichten. Zudem ich Dinge aufschreiben will, die sicher privat bleiben und ich nicht das Gefühl möchte, dass dies ausspioniert wird.

        Daher ist die Digitalisierung von etlichen Sachen zwar „die Dinge abschaffend“, aber für mich als minimalistisch eingestellten Mensch, mag ich auch das Analoge, das ich anfassen, riechen und betrachten kann.

        Der Artikel ist ein guter Ansatz für hier und dort, aber mir persönlich zu radikal. Und der Weg zu der Idee, warum noch in den Urlaub fahren, wenn ich unter Virtual-Reality auch Orte besuchen kann, ist nicht mehr weit entfernt.

  4. Hallo,
    nur eine kleine Anmerkung: „Reversibel“ ist das Gegenteil von „kann nicht rückgängig gemacht werden“. Will man letzteres ausdrücken, schreibt man „irreversibel“.

  5. Ich finde es für mich angenehm, wenn ich auch im digitalen Bereich nicht alles mögliche ansammle. Daher miste ich auch dort immer regelmäßig auf, so dass alle wichtigen Daten auf einen USB-Stick passen (ich habe allerdings auch kaum Videos und Audios). Außerdem muss ich mich nicht lange damit befassen, irgendwas zu sortieren.
    Aber es wirklich nochmal eine gute Erinnerung, nochmal zu schauen, welche Unterlagen ich auch einfach digitalisieren kann und nicht mehr abgeheftet im Ordner aufbewahren muss. Dann doch lieber einen digitalen Ordner, als den Aktenordner im Schrank.

  6. Ich muss sagen, dass mir viele Aspekte des Artikels etwas einseitig und oberflächlich betrachtet erscheinen. Zum Beispiel geben sich viele Kreative heute viel Mühe dabei, aufwändige und entsprechende analoge Medien (CDs, Schallplatten oder Kassetten samt Hüllen, Booklets etc.) herzustellen – gleiches gilt für Bücher, die mit ihren Einbänden und Seiten viele kreative Möglichkeiten bieten. Solch aufwändige Produktionen sind zwar eher die Ausnahme, allerdings würde ich die Medien ungern als so kompromisslos ersetzbar darstellen wie du es im Artikel getan hast.

    Für Dokumente sehe ich die Anwendung aber nahezu einschränkungslos – hier sind z.B. E-Mails und digitale Dokumente umweltschonender, schneller, sicherer und komfortabler als Papier. Deswegen sollten auch bald Gesetze, Ämter und Unternehmen nachziehen, um bürokratische Prozesse möglichst papierfrei abzuwickeln (was in Deutschland leider sehr lange zu dauern scheint).

    Noch ein Nachteil der komplett digitalen Welt: Die Abhängigkeit von Elektrizität bzw. funktionierender Hardware kann sich oftmals als überraschender Showstopper herausstellen (gerade Smartphones sind ja für ihre kurzlebige Akkulaufzeit bekannt). Und vielleicht sollte man auch auf die aufwändige und gar nicht umweltschonende Herstellung von z.B. E-Book-Readern hinweisen? (siehe z.B. http://www.br.de/radio/bayern1/inhalt/experten-tipps/umweltkommissar/buch-ebook-lesen-umwelt-100.html)

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