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Gastartikel: Loslassen

A young woman is sitting on the grass in a park and is meditating at sunset

© LoloStock – Fotolia.com

Es gibt Dinge, von denen wir uns ganz leicht trennen können. Das sind zum Beispiel Stifte, Werbegeschenke oder alte Zeitschriften. Dann gibt es aber auch Dinge, bei denen es uns sehr schwer fällt. Der Hauptgrund liegt darin, dass wir eine emotionale Beziehung zu unseren Besitztümern aufgebaut haben – der eine mehr, der andere weniger:

1 Wir identifizieren uns mit unserem Besitz

Ein Eigenheim kann zum Beispiel dafür stehen, was wir schon alles erreicht haben. Je mehr wir uns mit unseren Besitztümern identifizieren, desto mehr haben wir das Gefühl, sie auch zu brauchen, um zu wissen, wer wir sind oder um von anderen wertgeschätzt zu werden. Es fällt uns schwerer loszulassen und es kann sogar soweit führen, dass wir uns persönlich abgewertet fühlen, wenn jemand unseren Besitz abwertet. So kann sich eine innerliche Leere breit machen, obwohl wir von vielen Dingen umgeben sind.

Lass einfach los! Du bist nicht was du hast! Hast du weniger Besitz, bist du deshalb nicht weniger Wert. Trenne dich also getrost von all den Dingen, die du nicht wirklich brauchst, die nicht zu dir passen und die du nur besitzt, um andere zu beeindrucken. So löst du die emotionale Beziehung zu deinen Besitztümern langsam auf. Du machst dich unabhängig von ihnen und bist freier, weil du dir selbst genügst. Ohne diese Dinge, kommt zum Vorschein, wer du wirklich bist. Und wer sich seiner selbst bewusst ist, ist selbstbewusst – auch ohne materiellen Besitz.

2 Wir leben unsere Träume durch unseren Besitz

Manche Dinge nutzen wir dazu, um der Realität zu entfliehen. Wir träumen mit ihnen davon, jemand anderes zu sein oder etwas anderes zu tun. Ein Reiserucksack kann in uns zum Beispiel die Hoffnung wecken, irgendwann als Backpacker die Welt zu bereisen, anstatt unsere Tage im Büro zu verbringen. Diese Art, seine Träume zu leben, bleibt aber auf Dauer unbefriedigend, wenn wir sie nicht in die Tat umsetzen. Und diese Dinge erinnern uns daran. So fällt es uns schwer, sie loszulassen, weil wir damit akzeptieren müssen, dass das, wovon wir geträumt haben, durch sie nicht real geworden ist.

Lass einfach los! Du brauchst keine materiellen Dinge, um von einem anderen Leben zu träumen. Trenne dich von all den Dingen, die du mal gekauft hast, um dich besser oder anders zu fühlen, obwohl du sie eigentlich nicht brauchst. Sie halten dich nur davon ab, dein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Materielle Dinge machen uns nicht besser, verändern unser Leben nicht und erfüllen unsere Träume nicht. Nur du selbst kannst das, indem du es einfach tust.

3. Unser Besitz ist ein Teil unserer Vergangenheit

Dinge, die an unsere Vergangenheit erinnern sind zum Beispiel Sportpokale, ein Schuljahrgangsbuch oder eine Hose, die nicht mehr passt. Davon loszulassen fällt schwer, weil sie uns daran erinnern, wer wir einmal waren. So ist es zum Beispiel nicht nur der Abschied von einer Hose, die nicht mehr passt, sondern auch der Abschied von der Figur, die wir einmal hatten und der Hoffnung, irgendwann doch wieder hineinzupassen.

Lass einfach los! Diese Dinge halten dich in der Vergangenheit fest. Was zählt ist aber dein Leben, wie es jetzt gerade ist und was du noch daraus machen kannst. Alles Wichtige, was vergangen ist, ist bereits in dein jetziges Ich eingeflossen in Form von Erfahrungen und Lernprozessen. Die schönsten Momente bleiben dir in deinen Erinnerungen erhalten. Lass Vergangenes, was keine Bedeutung mehr in deinem Leben hat, einfach los und schau nach vorn. So schaffst du Platz für neue Erfahrungen. Das kann zum Beispiel auch eine neue Hose sein, die nun viel besser zu dir passt.
4. Wir fühlen uns anderen gegenüber verpflichtet, etwas zu behalten

Oft freuen wir uns über Geschenke oder über Vererbtes. Manchmal gehen sie jedoch völlig an unseren Wünschen vorbei, sodass sie ein trauriges Dasein als Staubfänger in unserem Zuhause fristen oder uns ungewollt an sich binden, wie zum Beispiel eine vererbte Immobilie. Dennoch fühlen wir uns dem Menschen gegenüber verpflichtet, der sie uns geschenkt oder vermacht hat und halten daran fest. Diese Dinge können schnell zur Last werden, da wir uns ständig um sie kümmern müssen, wenn wir das nicht wollen.

Lass einfach los! Lass dich von Geschenken und Vererbtem nicht verpflichten. Die Autorin Marie Kondo schlägt in ihrem Buch „Magic Cleaning“ vor, diese Dinge wegzugeben, da sie in dem Moment des Schenkens, ihren Zweck bereits erfüllt haben, nämlich dir eine Freude zu bereiten. Dann kannst du es mit gutem Gewissen im Laden umtauschen und dir etwas anderes davon kaufen oder anderweitig weggeben. Verfüge frei über alles, was in deinen Besitz übergegangen ist. Nur du entscheidest über dein Leben. Wenn du etwas verschenkst oder vererbst, lasse auch anderen die Freiheit, damit zu tun, was sie für richtig halten.

5. Wir haben Angst, den Gegenstand doch nochmal gebrauchen zu können

Oft fällt es uns schwer, uns von Dingen zu trennen, weil wir Angst haben, sie doch noch gebrauchen zu können. Dahinter verbirgt sich die Angst, ein zukünftiges Bedürfnis mal nicht befriedigen zu können. Das fühlt sich natürlich nicht gut an. Wenn du jedoch alles für den Fall der Fälle behältst, wirst du nicht loslassen können und immer wieder von Gegenständen umgeben sein, die du nicht wirklich brauchst. Die Feng-Shui Beraterin Karen Kingston vergleicht sie in ihrem Buch „Feng Shui. Gegen das Gerümpel des Alltags“ als unerledigte Aufgaben, die stets eine Forderung an uns stellen. So fühlst du dich in deinem eigenen Zuhause schnell überfordert und unwohl.

Lass einfach los! Ich sage dir aus Erfahrung, dass du es nicht bereuen wirst, wenn du innerlich wirklich losgelassen hast. Denn dann ist jede Entscheidung bewusst und gut von dir durchdacht. Die emotionale Beziehung zu den Gegenständen ist aufgelöst. Falls du einem Gegenstand doch einmal hinterhertrauern solltest, dann frage dich einfach wieder, warum du dich davon getrennt hast, zum Beispiel weil ein Kleid nicht richtig gepasst hat. So lässt du innerlich noch einmal los. Außerdem ist in einer Überflussgesellschaft immer mehr als genug da. Das meiste wirst du jederzeit wieder beschaffen können.

6. Das, was in unserem Besitz ist, hat für uns einen größeren Wert

Es gibt Gegenstände, die wir offensichtlich nicht brauchen, wie zum Beispiel eine analoge Spiegelreflexkamera, die nicht mehr zeitgemäß ist. Dennoch fällt es schwer, uns davon zu trennen, da sie für uns einen viel höheren Wert hat als für andere, zum Beispiel weil wir viel Geld dafür ausgegeben haben. Potenzielle Käufer sind aber nicht dazu bereit, den von uns verlangten Preis zu zahlen. Bezeichnet wird dies als Endowment-Effekt.

Lass einfach los! Fakt ist: Du hast bereits dein Geld dafür ausgegeben. Das kannst du nicht mehr rückgängig machen. Verkaufe oder verschenke den Gegenstand, wenn du ihn nicht mehr brauchst. So hast du eine Verpflichtung weniger im Leben. Und wenn du es für weniger Geld hergibst, ist es immerhin besser als nichts dafür zu bekommen und darauf sitzen zu bleiben.

7. Wir haben viel Arbeit und Zeit in die Gegenstände investiert

Loslassen fällt ebenso nicht leicht bei Gegenständen in die wir viel Arbeit und Zeit investiert haben. Das können zum Beispiel selbst gemalte Bilder sein oder selbst Genähtes. Auch in unsere Studien- oder Schulunterlagen haben wir viel investiert. Sie haben daher einen hohen emotionalen Wert für uns.

Lass einfach los! Deine Schul- und Studienunterlagen haben ihren Zweck erfüllt. Auch eine selbst gehäkelte Mütze hat ihren Zweck erfüllt. Wenn du sie nicht mehr brauchst, gib sie weg. Du selbst hast von ihnen längst in deiner Schaffensphase profitiert.

LOSLASSEN. Wenn du loslässt, verändert sich die Beziehung zu deinen Gegenständen. Du löst die emotionale Bindung zu ihnen auf und siehst sie wieder als das was sie sind, nämlich als Gegenstände – nicht mehr und nicht weniger. Das verändert auch dich, weil du nicht mehr an deinen Besitztümern haftest. Du bist nicht mehr abhängig von ihnen sondern frei. Mit jedem Gegenstand den du loslässt, wird dir bewusst, wie sehr das Streben nach materiellen Dingen dein Leben in Anspruch genommen hat, indem sie deine wertvolle Lebenszeit, deine Energie und dein Geld beansprucht haben. So veränderst du den Fokus in deinem Leben von mehr Haben zu mehr Sein.

Noch ein Tipp zum Abschluss: Setz dich nicht zu sehr unter Druck. Loslassen soll befreien und nicht mit Verlust verbunden sein. Lass nur Dinge los, wenn es sich für dich auch gut anfühlt. Du wirst auch nicht nur einmal loslassen sondern immer wieder. Betrachte es als einen minimalistischen Lebensweg, den du gehst. Manche Gegenstände kannst du erst nach einigen Jahren loslassen. Manche nie. Wichtig ist, zu erkennen, was du selbst für ein gutes Leben brauchst.

http://minimalkonzept.de/

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Auf ihrem Blog MinimalKonzept schreibt Huong über Minimalismus.

Es geht nicht nur um das Entrümpeln sonder auch darum, sich seine eigene Freiheit zurück zu erobern. Minimalismus als Weg. Außerdem hat Sie das Buch „die Minimalismus Diät“ geschrieben. bei Facebook findet ihr sie hier.

 

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