Kommentare 6

Gastartikel: Minimalismus als Königsdisziplin des nachhaltigen Konsums

hands holding growing on coins

© showcake – Fotolia.com

Jeder der sich ernsthaft für einen umweltfreundlichen Lebensstil interessiert kommt am Thema Minimalismus nicht vorbei. Minimalistisch zu leben bedeutet nicht, nicht zu konsumieren. Es steht viel mehr für einen bewussten und deutlich reduzierten Konsum, ohne auf etwas verzichten zu müssen, das einem wichtig ist. Unterscheiden zu können, was man tatsächlich benötigt um ein zufriedenes Dasein zu führen, und was einen eher daran hindert, ist die Basis worauf Minimalismus aufbaut. Die Königsdisziplin des nachhaltigen Konsums benötigt Selbstvertrauen, denn der Verzicht auf materielle Statussymbole ist in unserer Gesellschaft ungewohnt und provoziert. Nicht diejenigen werden bewundertet, die durch einen einfachen Lebensstil unseren Planeten nicht überfordern, sondern diejenigen die durch verschwenderischen Konsum Erfolg ausstrahlen.

Glücklicherweise gibt es heutzutage für nahezu jedes Bedürfnis eine nachhaltige Alternative. Sich für ein nachhaltiges Produkt bzw. eine nachhaltige Dienstleistung zu entscheiden, ist das, was viele unter nachhaltigen Konsum verstehen. Doch dies ist nur ein Bruchteil dessen was verantwortungsbewusstes Konsumieren ausmacht. Den Aspekten: Reparatur, Zweite Hand und Teilen, sollte eine weitaus höhere Bedeutung zu Gute kommen als der Neukauf nachhaltiger Produkte. Beispielsweise ist ein Smartphone nicht defekt nur weil die Batterie nachgibt. Der Austausch der Batterie ist weit nachhaltiger als der Kauf eines neuen Fairphones.

Der Begriff „Verzicht“ wird in unserer Gesellschaft als Unwort behandelt. Die über uns allen unausgesprochene aber latent vorhandene Botschaft lautet: Wer konsumiert unterstützt unser Wirtschaftssystem und schafft Arbeitsplätze. Nach dieser Logik dürften Raucher nicht aufhören zu rauchen, da sonst Arbeitsplätze in der Tabakindustrie verloren gehen würden. Wir leben in einem wirtschaftlichen System, das auf Wachstum ausgerichtet ist. Doch endloses Wachstum in einer Welt mit endlichen Ressourcen ist nicht möglich. Die Glücksforschung hat erfreulicherweise längst bewiesen, dass wir in den Industrieländern für ein erfülltes und glückliches Leben keine wachsende Wirtschaft benötigen. Ein erhöhter Konsum führt nicht zu wachsender Zufriedenheit. Im Gegenteil, denn eine große Menge von materiellen Gütern will gepflegt und genutzt werden und verursacht dadurch Stress.

Die internationale Wissenschaft hat sich darauf geeinigt eine Erderwärmung über 2°C t zu vermeiden um einen für unseren Planeten bedrohlichen Klimawandel zu verhindern. Um dieses Ziel zu erreichen dürfte jeder Erdenbürger jährlich nur noch 2,7 t CO2 produzieren. Im Jahre 2013 lag die jährliche Pro-Kopf-Emissionen eines Deutschen bei 11,5 t CO2. Wir  übersteigen demnach unser CO2-Budget um das Vierfache. Die freiwillge Konsumreduktion auf ein für die Umwelt verträgliches Mass, ist gelebte Klimagerechtigkeit.

Gastbeitrag von Christian Holeksa. Er betreibt eine Informationsplattform zum nachhaltigen Konsum www.unterfluss.de. Auf spielerische Art und Weise kann hier sein Wissen in Bezug auf Nachhaltigkeit getestet und erweitert werden.

6 Kommentare

  1. Hallo!

    Du sprichst mir aus der Seel! Deshalb kaufe ich seit fast 2 Jahren fast nichts Neues mehr, schaue immer ob ich es second-hand bekomme, warte bis ich es doch bekomme (unheimlich befriedigend!!! Und ein Hoch wenn nach langem Warten das Teil doch zu bekommen ist), repariert wird was geht (habe eine eigene LinkParty dazu).

    Netten Blog hast Du da, hab mal reingeschaut.

    lg
    Maria

  2. Hallo Maria,

    mir gibt es auch immer ein gutes Gefühl die Lebensdauer von Gegenständen zu verlängern. Sei es in Form von Second-Hand oder Reparatur. Natürlich braucht man für die Recherche oft ein wenig Zeit aber gleichzeitig spart man ja auch ein paar Euros. Das eingesparte Geld reicht eventuell aus um aus einer Vollzeit- eine Teilzeitstelle zu machen. Dadurch hat man wiederum mehr Zeit und der Kreis ist geschlossen. 🙂

    lg
    Christian

  3. Pingback: Du bist ein Sklave. Und selbst mit schuld daran. (Ein Wutausbruch.) | freeyourworklife.de

Schreibe eine Antwort