Gastartikel: Minimalisten als Gegenbewegung?

© Thomas Vogt - Fotolia.com
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Sie leben in einer Leistungsgesellschaft. Es wird viel von ihnen erwartet. Der Druck ist groß aber das viele Geld und die Anerkennung ist es wert. Wer mehr leistet, dem sei auch mehr gegönnt. Simpel und logisch ihre Schlussfolgerung. Die Realität sieht meist anders aus. Neid und Habgier sind feste Bestandteile unserer Gesellschaft. Sie fürchten um ihr Dasein, nicht mehr wahrgenommen zu werden. Sie möchten alle Spuren hinterlassen, dass sie einmal ein glückliches Leben geführt haben. Um diesen Zustand zu erreichen, arbeiten sie hart und viel. Sie missachten die Umwelt und akzeptieren jeden Umstand, wenn Produkte durch Ausbeutung noch erschwinglicher werden. Skandale, Burn-outs und Umweltzerstörungen prägen das Gesellschaftsbild schon heute. Das Paradoxe ist: Sie machen weiter. Sie wissen, dass sie sich in einem Teufelskreis befinden. Sie können nicht aussteigen, denn sie sind stets Teil des Kreises, auch wenn sie es manchmal nicht wahr haben wollen. Sie fördern jegliche Art der Zerstörung und ernähren weiterhin die Gier der Reichen. Denn WIR sind Nährboden gleichzeitig aber auch Zerstörer für schlechte Zustände in der Welt.

An diesem Punkt stellt sich Frage, ob der Mensch eine Alternative hat? Uns wird suggeriert, es gäbe keine. Wir sind alle Menschen, die auf der Suche nach dem Grund unseres Daseins sind. Doch viele enden in der Sackgasse. Sie stürzen sich in ein Leben von Arbeit und Konsum.
Oft kommt in einem der Gedanke auf, einen Gang runter zu schalten. Oder ganz auszusteigen. Oder Minimalist zu werden? Denn Minimalisten denken und leben nicht nach einer Neigung oder Richtung, die ihnen aufgezwungen oder empfohlen wird. Ihre Lebensphilosophie ist so individuell, wie sie selbst. Lediglich ihre Erfahrungen und Entwicklungen werden geteilt und für jeden zugänglich gemacht. Immanuel Kant würde den wahren Minimalisten heute als aufgeklärten, also selbstständig denkenden, Menschen sehen. Weil der Minimalist, im Gegensatz zu dem Menschen, der sich von Werbung verführen lässt und sich seine Meinung durch falsche Massenmedien auch noch erkauft, sich grundlegend unterscheidet. Weil er selbstständig denken kann.
Die Entscheidungen des Minimalisten fallen nicht unbewusst, sondern mit Vernunft und Rationalität. Können sie ihren Besitz des iPads oder iPhones rational erklären? Nein? Die Selbstständigkeit des Minimalismus erfüllt jedoch nicht das Kriterium, das Minimalismus eine Bewegung sei, obwohl oft davon die Rede ist. Die Definition einer Bewegung ist eine zusammengeschlossene Gruppe mit der Eigenschaft, gesellschaftliche Veränderungen durch infrage stellen von Werten und Normen, hervorzurufen. Genau darin liegt aber der Punkt, der zum Verwechseln ähnlich ist. Minimalismus hat die besondere Eigenschaft, eher die Nebenwirkung, das infrage stellen zu fördern.
Zurück zum Teufelskreis. Ein Leben im Konsum ist leer und macht blind. Und je schlechter die Lebensqualität und die sozialen Bindungen werden, desto mehr flüchten wir in materielle Dinge. Ich glaube, diese Leere, die aus der Konsum- und Leistungsgesellschaft hervorgeht, können nur die wenigsten Menschen verstehen. Diejenigen die sie verstehen sind möglicherweise bereit mit dem Aufräumen zu beginnen, um ein lebenswertes und glückliches Leben anzufangen.
Denn Minimalismus ist eine Alternative auszusteigen – ohne auszusteigen.

M.L.

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Danke an M.L. für Deinen Gastartikel. Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr eure Meinung zu diesem Artikel in den Kommentaren verewigt. Für Gastautoren ist es so die einzige Möglichkeit Feedback zu bekommen.

  1. danke erst einmal für den beitrag!!

    aber nun auch eine kritik meinerseits. hier wird die kritik am konsum(-terror) benannt, vor allem die wohlbekannten apple-produkte ipad und ipod.
    komischerweise macht ihr in diesem beitrag gleichzeitig 2 mal werbung für ein gewinnspiel, bei dem es ein ipad zu gewinnen gibt.
    was hat das noch mit der grundidee des minimalismus zu tun?

    lasse mich natürlich auch gerne eines besseren belehren, falls meine ansicht gut fundiert widerlegen läßt 😉

    • Hallo Pascal,

      Danke für deinen Kommentar. Ich mache hier auf diesem Blog auf keiner einzigen Seite Werbung für ein Gewinnspiel, bis auf ein paar Links zu Büchern bei Amazon gibt es so etwas nicht. Das widerspricht meinem Sinn für Minimalismus.

      Warum du Werbung gesehen hast, kann ich mir nur so erklären. Vielleicht liest du ja diesen Blog nicht direkt über http://www.minimalismus-leben.de sondern über einen Feedreader. Diese Apps haben meist in den kostenloses Versionen Werbung geschaltet um sich und die hinterliegende Serverstruktur zu refinanzieren. Wenn dich also diese Werbung stört, schau doch direkt auf der Seite vorbei. Das Layout, was ich benutze bietet auf einem mobilen Gerät eine optimierte Ansicht an.

      Viele Grüße
      Michael

  2. @Pascal, sollte es nicht am Feedreader liegen, so kann es auch Malware sein, die sich bei dir eingenistet hat. Diese findest du dann häufig als installiertes Browser-Plugin bzw. Toolbar vor.

    Meine Kritik zum Artikel:
    Ich bin die ganze Zeit am Überlegen, wer mit „sie“ gemeint ist. Überhaupt habe ich den Eindruck, dass der Autor des Artikels glaubt, er sei aus dem Teufelskreis „Konsum“ vollständig ausgebrochen. Minimalisten entscheiden bewusst und lassen sich nicht durch Werbung beeinflussen? Nun, dann bin ich kein Minimalist, denn mir gelingt es leider nicht immer. Vielmehr sehe ich Minimalismus als VERSUCH bewusst zu entscheiden und als VERSUCH sich nicht durch Werbung beeinflussen zu lassen. Fehlt es mir an Willenskraft? Oder ist der Artikel lediglich etwas ungeschickt formuliert?

    Ansonsten möchte ich mich an dieser Stelle einmal herzlich für den Blog bedanken, ich habe in den vergangenen Tagen hier ein wenig gestöbert und dabei viel Interessantes entdeckt.

  3. muss mich hier natürlich entschuldigen!!! lag/liegt anscheinend wirklich an malware…
    da bin ich auch eher beruhigt, denn mir gefällt die seite sehr und es wäre schade, wenn ich durch meinen falschen „alarm“ schaden anferichtet hätte. in welcher weise auch immer.

  4. „Denn Minimalismus ist eine Alternative auszusteigen – ohne auszusteigen.“ Der letzte beschreibt Minimalismus, wie ich ihn verstehe, sehr gut. Ich möchte noch hinzufügen: „Und jeder nach seiner individueller Art und Weise.“

  5. Der Artikel gefällt mir sehr gut, nur könntest du an der Formatierung noch ein wenig arbeiten. War unnötig schwer zu lesen…

    Grüße

    Tim

  6. Christoph

    Guter Artikel, dem ich mich nur anschließen kann. Ich habe mal probehalber ein halbes Jahr im Minimalismus verbracht (Es war schon eher Askese), danach kam allerdings wieder der Konsumwahn. Ich habe mit Leuten lang und breit über dieses Thema diskutiert. Man darf nicht vergessen, dass der ‚Jäger und Sammler‘-Drang genetisch bei uns Menschen vorprogrammiert ist. Demnach ist ‚Nimm was du kriegen kannst‘ nicht so einfach abzustellen sonst würde jeder Minimalist werden. Die meisten wenden sich entsetzt ab wenn man erzählt solch eine Lebensweise hätte auch Vorteile was für mein Verständnis ein Zeichen ist, wie tief die urzeitliche Denkweise des Menschen in uns verankert ist. Es ist witzig dass der Mensch immer von ‚Fortschritt‘ redet obwohl er tagtäglich mit allem was er tut nur seinen ältesten Instinkten folgt. Diese Denkweise ist in keinster Weise fortschrittlich und ich begrüße den minimalistischen Gedanken mit so wenig Aufwand wie möglich, soviel Lebensqualität wie möglich herauszuholen. Ich halte das für effizient, modern und zukunftsorinetiert nur eben nicht für einfach umzusetzen. Ich hoffe dass in Zukunft noch mehr Menschen draufkommen, dass Glück keine Sache äußerer Umstände ist. Man kann nichts besseres für die Allgmeinheit tun als an sich selbst zu arbeiten denn andere Faktoren kann man in der Realität ohnehin nur sehr begrenzt kontrollieren, sofern man sie überhaupt kontrollieren kann.

    Abschließend möchte ich noch rational erklären wieso ich ein iPhone besitze: Nachdem bei mir schon die sechste oder siebte Generation an Sony-Ericsson Handy/Smartphone das Ende seiner geplanten Obsoleszenz erreicht hatte, dachte ich, ich versuche mal etwas ‚wertigeres‘ in der Hoffnung nicht alle drei Jahre ein neues Mobiltelefon zu benötigen. Grund nummer zwei war, dass man heutzutage an jedem zweiten Audiogerät schon einen iPod anschließen kann und den hat das iPhone ja integriert, womit das herumschleppen von CDs entfällt. Grund nummer drei, als zufriedener MacBook Pro-User war die Wahl naheliegend. Nichts desto trotz bin ich nicht unbedingt ein Fan der Apple-Firmenpolitik aber Dinge ohne Nachteile zu suchen, habe ich schon aufgegeben.

    lg. Christoph

  7. Hallo,
    ich finde diese Seite sehr Informativ. Leider ist die Schriftgröße der Artikel dermaßen klein
    das ich große Schwierigkeiten habe sie zu Lesen. Selbst die Vergrößerungsfunktion meines Browsers
    ändert daran nichts.
    Bitte benutzen sie eine größere bzw, skalierbare Schrift.
    Denn nicht alle Menschen haben Adleraugen.
    MfG

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