Gastartikel: Was kostet mich mein Besitz?

© Gina Sanders - Fotolia.com
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Mit jedem Gegenstand den wir kaufen, kaufen wir Folgekosten.

Gerade beim Auto wissen wir dies denn wir zahlen zum Beispiel Benzin um es zu nutzen.  Wenn wir allerdings das Auto zu unserem Lebensstandard zählen, dann bekommt das Auto in unserem Leben ein Lebenszyklus welcher nicht endet. Wollen wir immer eins besitzen, dann beginnt der Zyklus mit dem Erwerb, geht in eine Phase der Nutzungs- und Wartungskosten über und endet in dem Verkauf oder der Verschrottung, was den nächsten Erwerb einleitet. Diesen Lebenszyklus besitzt jeder Gegenstand von dem wir sagen, dass wir ihn als Eigentum brauchen. Damit generiert jeder Gegenstand den wir zu unserem Lebensstandard zählen Kosten in der Gegenwart und/oder in der Zukunft.  Pflegeprodukte sind irgendwann aufgebraucht, Nahrung wird gegessen und neben Elektrogeräten kann selbst ein Teller zu Bruch gehen. Wenn wir nun statistische Durchschnittswerte hätten von all unseren Besitztümern, so könnten wir unsere Besitztümer mit Zahlen bekleben, welche uns sagen wie viel Geld wir zur Seite legen müssten im Monat um alles im Schuss zu halten. Wie hoch wäre dieser Betrag in meinem Leben? Ich müsste mich mit meinem Besitz beschäftigen und jedem Gegenstand oder Gegenstandsgruppe einen sinnvollen Wert zuordnen. Ich tat dies (puh!) und kam bei meiner Schätzung auf folgendes Ergebnis:

Ort/Zimmer Euro im Jahr
Außerhalb der Wohnung 2325
Bad 944,91
Wohnzimmer 707,97
Küche 314,63
Schlafzimmer 226,57
Abstellkammer 58,3
Flur 30,33

Insgesamt sollte ich 4607,70 Euro pro Jahr nur für die Instandhaltung meines Besitzes von 642 Gegenständen zur Seite legen. Mir war zwar bewusst, dass mein Auto (außerhalb der Wohnung) mit der ADAC-Schätzung von ca. 2200 Euro Spitzenreiter ist, aber dass mein Bad auf Platz 2 mit ca. 944 Euro ist, habe ich nicht erwartet. In Nachhinein lässt sich das teure Bad dadurch erklären, dass die Kosten der vielen kleinen Produkte, welche teilweise Markenprodukte sind, sich durch ihre kurze Lebensdauer ins Portemonnaie nieder schlagen. Bei Küche und Wohnzimmer kamen die elektronischen Gegenstände ins Spiel (z.B. Spülmaschine, Kochplatten, E-Gitarre, Laptop). Zwar sind im Schlafzimmer keine elektronischen Gegenstände aber dafür Kleidungsstücke. Die Abstellkammer ist zwar sehr klein, enthält aber unter anderem eine Waschmaschine.

Ob 4607 Euro für 642 Gegenstände viel oder wenig ist, soll jeder Leser  für sich selbst entscheiden. Auf jeden Fall wurde mir klar, dass ich Probleme hätte (auch als Minimalist) von Hartz IV zu leben und dass Menschen unwissentlich über ihrem Einkommen leben, weil sie sich nicht im Klaren sind was ihr Besitz an Kosten verursacht. Ebenso kann jeder Leser für sich selbst versuchen zu schätzen was sein Besitz ihm an Geld kostet oder es einfach sein zu lassen. Wer ein Selbstversuch wagen möchte, der soll nun weiterlesen.

Was das Schätzen angeht, so habe ich das Fermi-Prinzip angewandt, welches nach dem Physiker Fermi benannt ist, der ein Meister im Schätzen war. Fermi war der Ansicht, dass man mit Allgemeinbildung und gesundem Menschenverstand gute Schätzer für Probleme finden kann ohne Alles zu wissen. Beim Schätzen jeder einzelnen Komponente verschätzt man sich zwar nach oben und nach unten, aber diese Verschätzer gleichen sich in der Summe aus. So habe ich im Nachhinein die Kosten meiner Brillen zu niedrig angesetzt, aber die Kosten meiner Instrumente zu hoch. Wenn das Bundesamt für Statistik errechnen würde, dass mein Besitz 5500 Euro an Kosten pro Jahr erzeugt, dann würde dies kaum einen Einfluss haben auf meine Erkenntnisse (siehe oben). Sehr wichtig beim Schätzen der Kosten ist, dass man sich fragt, ob man einen Gegenstand neu, gebraucht oder gar nicht kauft.

Hier kommen wir nun zu paar Beispielen aus dem WC:

Gegenstand Wartung+Neukauf Lebensdauer in Jahren Kosten im Jahr
Shampoo 5 1/12 60
Seife 3 1/6 18
Deoroller 25 1/2 50
Parfüm 40 1/2 80
400 Zahnstocher 5 40 0,125

Diese 5 Artikel erzeugen Kosten von 208,125 Euro im Jahr.

Ein Tipp zum Schluss: Wenn man zu viele Gegenstände besitzt, so sollte man beim Schätzen gleiche oder ähnliche Gegenstände als eine Einheit zählen. Der Vorteil ist, dass es keinen Einfluss hat auf die Kosten, denn eine Packung mit 400 Zahnstochern erzeugen zusammen die gleichen Kosten wie 400 einzelne Zahnstocher.

Danke Christian vom Minimalismus Stammtisch Düsseldorf für Deinen Gastbeitrag!

  1. Super Idee, das mal alles auszurechnen. Wenn man jetzt noch die Zeit dazu addieren würde, die man für Aussuchen, Kauf, Wartung, Pflege und Entsorgung aufwenden muss, würde man wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen …

  2. Oh, das ist ja eine super Idee. Generell halte ich auch sehr viel davon, mal genauer hinzuschauen, wo das Geld eigentlich bleibt. Für die meisten Leute ist es altmodisch, aber ich führe seit ca. 20 Jahren ein Haushaltsbuch – und bin endlos froh darüber. Das hat dann auch nichts mit Geiz oder übertriebener Sparsamkeit zutun, sondern einfach nur mit Überblick und bewussterer Entscheidungsfindung. Mit dem Auto seid ihr noch gut dran. Wir notieren die Kosten seit Jahren recht genau und kommen – einschließlich eingerechneter Anschaffungskosten – auf rd. 3600€/Jahr bei einem Kleinwagen(!).

  3. Hallo Christian,

    interessantes Experiment! Mittlerweile würde ich wohl bei vielen Dingen einfach davon ausgehen, dass ich sie nicht neu beschaffe.

    Ich finde es auch wichtig, umzurechen, wie viel Zeit man letztlich für bestimmte Gegenstände aufwendet. Wie Sandra schon andeutete, beschäftigt man sich ja auch vorher mit der Thematik und wählt erstmal ein bestimmtes Produkt aus. Im Falle von Technik verwendet man sehr viel Zeit für die Wartung und Nutzung der Geräte, auch wenn es nicht immer notwendig ist und man die Zeit sinnstiftender nutzen könnte. Und dann kommt natürlich noch die Zeit dazu, die man benötigt, um das Geld zu verdienen, welches man für Anschaffung und Instandhaltung benötigt.

    Alles Liebe,
    Philipp

  4. Seit ich kein Plastik mehr in der Wohnung habe und alle Produkte in kleine Glasflaschen umgefüllt hab, spare ich enorm viel Geld im Bad. Weil ich etwa nur noch ein Drittel an Shampoo, Waschmittel, Spülmittel, Creme und so benutze. Was ich spare monatlich, sehe ich ja an der bisherigen Bestellhistorie. Kann ich nur empfehlen.

  5. noch interessanter wirds wenn man ausrechnet wieviel Geld das in 20 Jahren bei einer bestimmten Verzinsung wäre. Für mich kostet ein I Phone nicht 600 € heute sondern 1200€ in 20 Jahren!

  6. Die Begeisterung für solche Rechenakrobatik kann ich nicht teilen. Für was soll das gut sein? Will da jemand seinen Minimalismus monetarisch gutheissen lassen? Ich mache mir doch keine Gedanken über Dinge, die ich nicht mehr habe, Dinge, die ich mal hatte oder haben könnte?
    Sicher ist es wichtig, dass man ein Budget/einen Finanzplan aufstellt, falls man besonders auf sein Geld schauen muss, weil man nur sehr wenig hat. Aber in dieser Detaillierung?
    Ich werde den Gedanken nicht los, dass es hier um eine Rechtfertigung gegenüber sich und anderen geht für ein persönliches Verhalten, seinen eigenen Lebenstil.
    Seid ihr wirklich Minimalisten, weil euch das Geld fehlt? Oder gar weil ihr geizig seid? Geizig euch selbst gegenüber?

    • Also bei einen Deo für 25 Euro würde ich jetzt mal nicht von geizig reden. Es geht ja vielmehr darum Kosten für Dinge die man braucht auf eine andere Weise darzustellen und sie mit dem Faktor Zeit zu verbinden. Es bleibt ja jedem offen welchen Schluss er daraus zieht. Ich finde die Idee interessant, somit sieht man gewisse Anschaffungen vielleicht in einem anderen Licht.

      Ich für meinen Teil habe mir zum Beispiel ein Budget für wichtige Haushaltsgeräte wie Waschmaschine Herd und Kühlschrank gesetzt aber auch welche für Consumer Electronics wie Handy Laptop Kopfhörer Fernseher etc. ich fahre damit ganz gut. Eine einmalige Aufschlüsselung ist wirklich eine gute Sache in Bedarfe zu planen und zu wissen was sein aktuelles Minimum beim jetzigen Lebensstil ist, unabhängig davon ob man Minimalist ist oder nicht.

  7. Danke für diesen super Beitrag! 🙂
    Einfach klasse.

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