Gastartikel: Wenn die Freiheit mal frei hat!

Freiheit Bergbesteigung Gipfel
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Eigentlich bin ich durchaus ein selbstbewusster Mensch und bin auch immer davon ausgegangen selbstbestimmt zu handeln. Wir sprechen oft von Freiheit. Ich möchte frei sein. Damit verbinden wir meist nicht den Wunsch zeitnah aus der JVA entlassen zu werden, sondern fokussieren uns auf richtige Luxusprobleme. Ich hätte gerne mehr Zeit für Dinge, die mir wichtig sind, ich möchte mehr Geld verdienen oder endlich die berufliche Selbständigkeit erreichen.

Oberflächlich betrachtet geht es hierbei auch um gewisse Freiheiten, aber ich denke, dass man erst wirklich frei ist, wenn man glaubhaft ein Bewusstsein entwickelt, das einen in die Lage versetzt, niemanden mehr beeindrucken zu wollen, außer sich selbst. Freiheit ist deshalb für mich auch ein Stück weit Minimalismus.

Meine Freiheitsliebe hat letztendlich auch dazu geführt, dass ich die Löschung meiner Facebookseite beantragt habe. In kurzer Zeit hatte ich 3.000 Likes angesammelt. Täglich habe ich mehrere Stunden auf Facebook verbracht und erfolgreich am Wachstum der Seite gearbeitet. Allerdings habe ich dabei zwei Dinge verwechselt: Reichweite und Menschen erreichen sind zwei völlig unterschiedliche Angelegenheiten. Mit 3.000 Likes habe ich mich schon ziemlich groß gefühlt, aber wie groß muss sich der Mode-Discounter KiK erst fühlen, mit über 300.000 Likes? Absurdes System!

Insbesondere auf Facebook zeigen sich die Schattenseiten des Minimalismus sehr deutlich. Viele Menschen scannen nur noch Überschriften, anstatt tatsächlich zu lesen. Für jemanden wie mich, der Texte mit ca 1.000 Wörtern schreibt, ist dieser minimalistische Ansatz eine Katastrophe. Digitales Schulterklopfen durch einen Klick auf  “Gefällt mir” ist vielleicht für einen Moment befriedigend, aber langfristig kann das keine reflektierten Reaktionen auf das Gelesene ersetzen. Der Zeitgewinn, den ich durch den Verzicht auf die aktive Teilnahme an “sozialen” Netzwerken eingestrichen habe, ist beachtlich. Täglich zwei bis drei Stunden mehr für nachhaltige Freizeitbeschäftigungen wie z.B. Sport oder Schlagzeug spielen.

Beim Thema Freiheit werde ich zum Maximalist

Es klingt wahrscheinlich zunächst einmal paradox, wenn ich behaupte, dass ich in Teilbereichen meines Lebens durch Minimalismus ein Maximum an Freiheit erreiche, aber das ist durchaus möglich. Ich habe jetzt wieder mit dem “intermittierenden Fasten” begonnen. Mir geht es dabei gar nicht so sehr um Gewichtsreduktion (das geschieht “en passant”), sondern vielmehr um den gewonnenen Freiraum. Ich nehme 16 Stunden keine feste Nahrung zu mir und habe dann ein Zeitfenster von ca. 8 Stunden, um eine oder zwei Mahlzeiten zu mir zu nehmen. Ich will nicht zu technisch werden, aber durch einen sehr konstanten Insulinspiegel verspüre ich wenig bis keinen Hunger und bin so in der Lage einen gesamten Arbeitstag ohne Essen leistungsfähig zu bleiben. Das ist eine wahnsinnige Freiheit! Und es ist amüsant die unterzuckerten Kollegen bei der hektischen Nahrungssuche zu beobachten. Durch den Wegfall des Frühstücks und eine geschickte Zusammenstellung der Lebensmittel verringert sich auch der Zeitaufwand für den Einkauf und die entsprechende Zubereitung. Diese Form der Ernährung ist sicher nicht für jeden geeignet, aber immer einen Versuch wert.

Für das Jahr 2016 hat mir mein Arbeitgeber ein dreimonatiges Sabbatical genehmigt. In der “Ansparphase” arbeite ich die ersten 9 Monate in Vollzeit und bekomme dafür 75% Prozent meines bisherigen Gehaltes. In den letzten drei Monaten des Jahres bin ich freigestellt und schau mir die Welt an. Ich bekomme aber weiterhin 75% meines Gehaltes ausgezahlt. Fairer Deal! Ein Hinweis an diejenigen unter Euch, die diese Idee großartig finden, das aus einem bestimmten Grund jetzt aber nicht machen können. Ich habe alle diese Gründe schon gehört und sie sind alle völliger Quatsch. Der richtige Zeitpunkt ist immer genau jetzt. Natürlich ist dieser finanzielle Rückschritt auch mit materiellen Einschränkungen verbunden. Aber selbst hier ist ein weiterer Gewinn an Freiheit zu verzeichnen. Durch den wirtschaftlich erforderlichen Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel stehen mir jetzt täglich zwei Stunden zur Verfügung in denen ich endlich ungestört die Bücher lesen kann, die mich schon seit langer Zeit traurig aus dem Regal angeschielt haben. Den staubedingten Dauerstress vermisse ich bisher nicht. Damit ist kein effektiver Zeitgewinn verbunden, aber die Lebensqualität erhöht sich spürbar.

Wie frei bist Du?

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Mein Name ist Axel Löwenstein. Als freier Autor schreibe ich humorvolle Kurzgeschichten. Darüber hinaus gibt es Themen, die mich sehr bewegen und zu denen ich auch gerne Stellung nehme. Minimalismus ist so ein Thema. Da es hier bei Michael mit sehr viel Hingabe und Respekt behandelt wird, ist das auch der geeignete Ort für einen Gastbeitrag.

  1. Nach 3 Stunden nachdenken (bin nicht so schnell):

    Freiheit ist: Ich kann heute schlafen w a n n ich will. Das war nicht immer so. Das ist purer Luxus! Teenie-Kinder sind klasse! Freiheit ist meine Heizung zum Aufdrehen. Freiheit ist mein Aquarellkasten (immer auf dem Küchentisch). Freiheit ist mein Singleleben. Ich muss für niemanden da sein. Vor allem: Ich muss keinen auf Familie machen.

    Hut ab, Frau Heller: Ich bin meine Hardcore-Gewohnheit losgeworden. Das ist wirkliche Freiheit! Heute Tag 71 . Das war nicht einfach (Stressreduktion). Freu mich auf Tag 100! Gewohnheiten ändern ist das pure Abenteuer. Man braucht keinen VW-Bus. Die Reise zu sich selbst.

    Hab auch lange gefastet. 16 Stunden nix essen klingt viel. Aber du schläfst ja 8-10 Stunden. Mit den Händen was tun ist viel besser als Computerzeit. Wir sind einfach nicht dafür gemacht.

    Liebe Grüße – Tanja

    Danke! Der Artikel hat mir das Badputzen versüßt.

  2. Hallo Axel!

    Schön wieder von Dir zu lesen!

    Deinen Deal mit der Arbeit finde ich super. Ich habe übrigens für mich auch einen Deal ausgehandelt. Ich arbeite nur noch 3 Tage die Woche und habe den Rest frei für alles, was ich gerne möchte.

    Das ist meine Freiheit, ich verzichte gerne auf das Geld und kann so besser leben.

    lg
    Maria

    • Hallo Maria!

      Schön auch von Dir zu lesen!

      Einen ähnliche Deal hatte ich auch schon. Ich habe immer drei Wochen gearbeitet und hatte dann eine Woche frei. Alles ist möglich, man muss es nur machen.

      Gruß Axel

      P.S.: Dank Deines Blogeintrages habe ich mir das Buch „Heimische Superfoods“ zugelegt. Danke für diesen tollen Tipp!

  3. Hallo Axel,

    den Zusammenhang zwischen mehr und weniger im Leben finde ich sehr wichtig!

    Bei deinem Ernährungszyklus stellt sich mir die Frage, wann du dann eigentlich schläfst? 🙂

    Ja zu mehr Selbstbestimmung! Ich wünsche dir schon jetzt viel Spaß bei deinem Sabbatical!

    Lieber Gruß,
    Philipp

    • Hey Philipp!

      Schlaf ist ein elementares Thema, wenn wir von Gesundheit sprechen. Ich persönlich lege den Schlaf vorzugsweise in die Fastenphase! 😉

      Vielen Dank auch für Deinen Gastbeitrag hier bei Michael. Da sind schöne Ansätze zur gesunden Ernährung dabei!

      Gruß Axel

  4. Hallo Axel,
    dieses spezielle Fasten ist mir schon mehrfach über den Weg gelaufen, und ich glaube das werde ich auch mal probieren. An der Arbeit nervt es mich, daß ich zu so (für mich) falschen Zeiten essen muss, und ich habe auch die dumme Angewohnheit immer mal zwischendurch hier ein Snack und da ein Snack. Mir geht es am Besten, wenn ich mal vergessen habe etwas zu essen, und dann eben ein Mal am Tag etwas mehr esse. Dann fühlt sich mein Körper gut. Na mal sehen ob es was für mich ist.

    Glückwunsch zur Auszeit. Ich selbst wollte das auch schon mal machen, leider ist das bei mir in der Firma nicht möglich, weil es gleich abgeschmettert wird. Mehrfach habe ich es angesprochen, leider spielt da die obere Etage nicht mit 🙁 Sehr frustrierend. Auch würde ich gerne ein oder zwei Tage insgesamt weniger arbeiten, ein Teilzeitjob wäre einfach perfekt für mich. Dazu müsste ich aber nicht nur meine Firma, sondern auch die Branche wechseln, da das in meinem Job nicht üblich ist, und auch gar keine Teilzeitangebote zu finden sind. Noch mal neu anfangen, irgendwo…? Gerade nicht so mein Ding. Und zusätzlich wüsste ich gar nicht was ich machen sollte…. So baue ich mir eben weiterhin erst mal meine Selbstständigkeit auf und schaue ob es was wird.
    Danke für de Artikel!

    Liebe Grüße,
    Sandra

    • Hallo Sandra!

      Du hast wirklich eine hervorragende Eigenschaft, um Deinen eigenen Weg für eine passende Ernährung zu finden: Du spürst noch, wann sich dein Körper gut anfühlt! Das haben viele verlernt.

      Dein Arbeitgeber (besser wäre Arbeitskraftnehmer, Arbeitgeber klingt so nach Wohltäter) ist leider in guter Gesellschaft. Aber es wird für solche „alten Strukturen“ zunehmend schwieriger die gesetzten Ziele zu erreichen. Mit dem Denken von gestern geht man die Probleme vom morgen an. Wird wohl nicht immer funktionieren. 😉

      Deine Zeit kommt noch und ich wünsche Dir jetzt schon mal viel Spaß!

      Gruß Axel

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