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Gastbeitrag: 7 Tipps, wie Du der Reizüberflutung im Internet entgehst

modern computer gadgets - laptop, tablet and phone close up

© neirfy – Fotolia.com

Hast Du Dich schon einmal dabei erwischt, direkt nach dem Aufwachen sofort zum Smartphone zu greifen, auf dem schon zahlreiche Benachrichtigungen warteten? Hast Du Deine E-Mails schon mal mehr als fünf Mal am Tag gecheckt? Warst Du schon mal mehr als zehn Stunden online?

Bist Du inzwischen genervt vom Überangebot der Informationen und der allgegenwärtigen Werbung im Netz? Bist Du vielleicht sogar häufiger unausgeglichen, unkonzentriert oder gar überfordert, bekommst schneller Kopfschmerzen und hast ein höheres Stressempfinden? Ich glaube, wir müssen reden!

Die Schattenseiten des Internets

Informationen prasseln insbesondere in den digitalen Medien wie Fernsehen oder Internet beständig auf uns ein. Gerade letzteres hat sich als allmächtige Wissensquelle etabliert, obwohl die Richtigkeit der Informationen manchmal eher zweifelhaft ist. Schnell können wir einer unerträglichen Reizüberflutung ausgesetzt werden.

Wer seine Zeit tagtäglich vor den Rechner verbringt, kann sich nicht nur die Augen und den Rücken verderben.

Der dänische Forscher Jakob Nielson bemerkte bereits 1997 eine Veränderung im Lesefluss der Menschen im Internet. Anstatt wie in einem Roman jeden einzelnen Satz wahrzunehmen, scannen wir nur noch die wichtigsten Textstellen und suchen nach »Stoppern« wie Zwischenüberschriften, Listen oder markierten Wörtern.

Betsy Sparrow von der Columbia University entdeckte dann 2011 den so genannten Google-Effekt. Durch die ständige Erreichbarkeit von Informationen trainieren wir unserem Gedächtnis an, nur noch zu wissen, wo man sie nachschlagen kann, anstatt sie bewusst abzuspeichern.

Inzwischen hat selbst die Werbewirtschaft entdeckt, dass überfüllte Webseiten und blinkende Banner sich durch die permanente Reizüberflutung negativ auf die Markenwahrnehmung auswirken.

Selbst beim heute vorherrschenden Flat-Design und schon fast minimalistischen Seitenstrukturen vieler Anbieter lässt sich vermuten, dass der Wunsch nach Einfachheit auch im Netz sehr groß ist.

In kleinen Schritten dagegen wirken

Natürlich muss man deshalb noch lange nicht das Internet verteufeln. Auch wenn die geballte Ladung an negativen Punkten erschreckend wirkt, stellt sie lediglich die Kehrseite der Medaille dar.

Das Smartphone durch ein Festnetztelefon zu ersetzen und dem Computer den Stecker zu ziehen, wäre hier genauso fatal:

Wir müssen bei weitem nicht gegen den Fortschritt sein, um mit dem Fortschritt sinnvoll umzugehen.

In vielen Situationen ist die Verwendung von Technik und Internet auch gesellschaftlich oder sogar rechtlich erforderlich. Und diejenigen, die online arbeiten, wollen ja schließlich auch nicht gleich ihren Job verlieren.

Mit ein paar kleinen und einfachen Methoden kannst Du aber der Reizüberflutung entgegen wirken. Das betrifft natürlich nicht nur das Internet ansich, sondern auch die Technik, mit der wir arbeiten.

1. Finde einen Ruhepol

Der erste Tipp zur Stressprävention lautet ja immer, sich einen Ausgleich zu suchen. Baue also regelmäßig Pausen ein, um Deinen Informationskonsum zu unterbrechen. Hier hilft beispielsweise ein Pomordoro-Timer, der Dich immer nach 25 Minuten zu 5 Minuten Pause anhält.

Da die Reizüberflutung im Internet ja vor allen Dingen die visuellen und auditiven Reize betrifft, solltest Du auch hier ansetzen: Entspannende Hintergrundbilder bzw. Bildschirmschoner und Stille (z.B. durch Noise-Cancelling-Kopfhörer) können hier wahre Wunder verbringen.

2. Minimalisiere Deine Interessen

Insbesondere kreative Menschen haben häufig das Problem, ständig von neuen Ideen und Interessen, die durch Internet-Recherche enstehen, überrollt zu werden. So hastest Du schnell von einem Thema zum nächsten, lässt Dir aber für keines wirklich Zeit.

Gehe einmal alle Deine Interessen durch und frage Dich, ob sie Dich weiterbringen und glücklich machen. Eliminiere Zeitfresser, mit denen Du Dich nur halbherzig beschäftigen möchtest. So kannst Du Dich auch viel mehr auf das Wesentliche konzentrieren.

3. Lerne wieder, langsam zu lesen!

Wenn Du viele News- oder Blogartikel liest, solltest Du auch hier reduzieren. Überfliege dazu alle Artikelüberschriften Deines News-Readers und speichere (z.B. in Pocket) nur die ab, die Dich wirklich interessieren.

Suche Dir dann eine feste Zeit am Tag, an der Du Dich nur dieser Artikel widmen kannst und lese sie langsam und aufmerksam. Nutze dazu ablenkungsfreie Reader oder den Reader-Modus Deines Browsers. Möglicherweise kannst Du Deinen täglichen Nachrichten-Konsum auch auf Deinen E-Book-Reader bringen.

4. Konfiguriere Deine Benachrichtigungen

Die größten Störenfriede der Technik und des Internets sind die zahlreichen Benachrichtigungen. Insbesondere auf dem Smartphone und Tablet können sie von den Dir wichtigen Aufgaben ablenken.

Konfiguriere deshalb jede Benachrichtigung, insbesondere für die sozialen Netzwerke, Newsreader und den E-Mail-Client. Entferne aber auch ungenutzte Apps, die Dich weiterhin mit Benachrichtigungen nerven. Aktiviere den »Nicht stören«- und VIP-Modus, um zu bestimmten Zeiten gar nicht mehr belästigt zu werden.

5. Schränke Deine Kommunikation ein

E-Mails, Messenger, SMS und Telefonanrufe können ebenso nervtötend sein. Reduziere Deine vorhandenen E-Mails auf ein Minimum (Stichwort »Zero-Inbox«) und entferne alle Konversationen, die abgeschlossen oder lange Zeit unbeantwortet geblieben sind.

Bestelle nach und nach alle Spam- und Werbe-Nachrichten ab und ersetze Newsletter durch RSS-Feeds. Richte Dir außerdem feste Zeiten ein, an denen Du Nachrichten beantwortest und arbeite dann alle ab, bis keine mehr übrig bleibt.

6. Reduziere Deinen Internet-Konsum

Mal Hand aufs Herz: Wieviele Webseiten nutzt Du wirklich regelmäßig? Beschränke Dich auf diese wenigen, anstatt das ganze Netz nach neuen Informationen zu durchforsten. Frage Dich auch immer nach dem Nutzen, bevor Du eine neue Webseite hinzufügst.

Lösche auch die Bookmarks auf Deinem Rechner und in der Cloud, um nicht wieder daran erinnert zu werden. Melde Dich unbedingt von allen Plattformen ab, die Du mal ausprobiert hast und nur noch ab und an darüber stolperst.

7. Logout

Natürlich sollte ich nicht vergessen zu erwähnen, dass Du auch die Zeit, die Du im Internet, am Computer, auf dem Smartphone oder Tablet verbringst, ebenfalls minimieren kannst.

Manche schränken sich hier einfach etwas ein und gehen lieber in die Natur oder unter Menschen. Besonders spannend ist aber auch ein internet- oder sogar technikfreier Tag pro Woche.

Was auch immer Du davon ausprobierst – gehe es langsam an und probiere Schritt für Schritt, welche Dinge für Dich funktionieren und welche nicht.


Mirko

Mirko Schubert schreibt auf digitaler-minimalismus.de über das reduzieren des digitalen Lebens auf ein Minimum. Außerdem ist er in Musik, Pädagogik und einigem mehr bewandert. Schaut doch einmal auf seinem Blog vorbei oder startet eine Diskussion in der dazugehörigen Facebook Gruppe. Ich habe heute zum Start seines neuen Blogs auch einen Artikel beigesteuert (Abschied vom Apple Kosmos).

 

15 Kommentare

  1. Über dieses Thema denke ich gerade sehr häufig nach (deshab habe ich den Beitrag auch gleich auf FB geteilt *lach*)

    Als Blogger ist es für mich schwierig mich so zu verhalten, wie ich es eigentlich gerne möchte. In letzter Konsequenz würde es bedeuten, den Bog aufzugeben.

    Gar nicht so leicht da einen guten Weg zu finden.

    lg
    Maria

  2. Für langsames Lesen gibts Bücher bzw. eBooks und ich habe ehrlich gesagt auch überhaupt keine Lust mehr meinen Internetkonsum einzuschränken. Ich gammel gern mal 4 Stunden im Internet ab, weil es für mich genauso Unterhaltung ist wie Filme gucken oder Bücher lesen. Und als Blogger brauch ich das abgammeln und kommunzieren und ziellose durchs-Netz-stolpern, um überhaupt auf Ideen zu kommen. Durch Messenger-Apps und überhaupt durchs Smartphone habe ich mehr Kontakt zu Menschen, die ich gern habe als früher. Das will ich nicht mehr einschränken.

    Im Grunde hast du Recht mit dem minimalisiseren, aber ich glaube insgesamt muss insgesamt eine Balance finden und das ganze Internet genießen. Denn eigentlich ist es doch DIE Errungenschaft, die uns als Gesellschaft überhaupt zusammen- und weiterbringt.

    • Hallo Frau DingDong,
      Unsere Einstellungen sind glaube ich gar nicht so weit voneinander entfernt. Ich spreche gar nicht gegen das Internet oder die Technologie – das wäre ja in etwa so, also würde ich den Fortschritt verteufeln. Ich finde aber, dass wir uns den Gefahren (z.B. Reizüberflutung, Sucht…) bewusst sein sollten und gerade als Minimalisten auch einmal einen Schritt zurück treten und für uns überprüfen sollten, was uns gut tut. Beispielsweise heißt ja weniger lesen und dafür achtsamer die Worte aufnehmen nicht automatisch, gar nicht mehr zu lesen. Und Messenger-Apps haben natürlich ihren Vorteil, können aber im Extremfall dazu führen, dass wir durch die vielen Anfragen und Kontakte überfordert werden.
      Liebe Grüße, Mirko

      • Hi Mirko,
        die Frage ist ja, wie erkennt man selbst Internetsüchte? Dieses „aufs-Smartphone-starren“ findet ja jeder total schlimm, aber es ist gesellschaftlich so verbreitet, dass es den meisten gar nicht auffällt.
        Diese Push-Nachrichten wirken auf die meisten ja wie diese pawlowsche Glocke, da brummt was und schon wird aufs Handy gestarrt.
        So ne Checkliste wäre super (thema-idee für deinen Blog! :D)

        Viele Grüße,
        FDD

  3. Franz

    8. Das Smartphone zu Hause lassen

    Das mache ich häufig. Ich komme ganz gut klar ohne. Man kann auch z. B beim Warten auf den Bus einfach mal die Leute beobachten oder die Umgebung anschauen, direkt, meine ich und nicht ein App starten, um zu schauen, welche Geschäfte in der Nähe empfehlenswert sind!

  4. Ich denke aber, man kann es nur mit Zeit in den Griff kriegen. Wenn ich dreimal am Tag 20 Minuten ins Internet gehe, mache ich automatisch nur die wichtigsten Dinge und lese nur noch was mich weiterbringt. Für den Rest ist einfach keine Zeit.

  5. Hallo Mirko!

    Ich habe gerade meine Facebook-Seite niedergebrannt. In relativ kurzer Zeit hatte ich dort fast 3.000 Likes angehäuft. (Ohne darum zu bitten!)

    Wenn man sowas schaffen möchte, muss man unfassbar viel Zeit investieren. FB hat sich so für mich zu einem unerträglichen Zeitfresser entwickelt. Da helfen viele Likes absolut nicht!

    Ich habe also diesen radikalen Schritt gewählt, um mich nur noch auf meinen Blog fokussieren zu können.

    Für mich passen Minimalismus und soziale Netzwerke inzwischen nicht mehr zusammen!

    Gruß Axel

    • Hallo Axel,
      Natürlich hast Du Recht – Social Media (Marketing) frisst jede Menge Zeit und da stellt man sich als Minimalist immer die Frage, ob man das braucht.
      Allerdings muss ich hier auch differenzieren: Wer als Blogger mehr oder minder privat über seine Interessen berichtet, kann Social Media sicher vernachlässigen und sich lieber auf den Content konzentrieren. Wer aber mit seinem Blog Geld verdienen möchte, wird um Facebook und Co. kaum herum kommen. Trotzdem gibt es Wege (und Tools), um zumindest das Teilen und Veröffentlichen zu automatisieren und somit Zeit einzusparen. Zusätzlich könnte man sich auch eine feste Zeit aussuchen, an der man Fragen beantwortet und kommentiert.
      Liebe Grüße, Mirko

  6. Laura

    Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter als Axel: Für mich persönlich passen mein Minimalismus und das Internet nicht (mehr) zusammen! In sozialen Netzwerken bin ich sowieso nicht, habe auch kein Smartphone. Ich muss zwar eine E-Mail-Adresse haben, maile aber nicht und sage das auch allen. Man muss keine E-Mails beantworten! Lesen muss man sie natürlich auch nicht.
    Bücher lese ich in gedruckter Form, vor ein paar Jahren habe ich mal keine Online- News mehr gelesen, das war toll! Ich wurde dann persönlich angerufen, wenn jemand meinte, es sei etwas für mich Wichtiges geschehen.
    Ich überlege ernsthaft, ob ich nicht mal für eine Weile das Internet ganz kündige. Der einzige Grund, warum ich es nicht mache: Ich traue mich nicht!
    Viele Leute finden mich seltsam, weil ich nicht übers Internet kommuniziere und verstehen nicht, dass ich gerne persönliche Kontakte pflegen möchte, für die ich keinen Strom und keine seltenen Erden und keinen Funk und kein WLan , kein Plastik und all das brauche und schon gar nicht alle paar Jahre neu …
    Am liebsten wäre mir, das Internet würde wieder abgeschafft werden.

    • Hallo Laura!

      Du hast meinen allerhöchsten Respekt !!! Den Mut habe ich bisher noch nicht gehabt. Abschaffen geht mit etwas zu weit, aber persönlich weiter reduzieren ist erklärtes Ziel.

      Ich mache Menschen sprachlos, in dem ich auf eine WhattsApp-Nachricht mit einem Anruf reagiere und wieder Briefe schreibe. Briefe? Das sind sowas wie analoge E-Mails. 😉

      Viel Erfolg auf deinem Weg!

      Beste Grüße
      Axel

  7. Ich kenne auch Leute noch ohne E-Mail-Adresse oder sogar ganz ohne Adresse. Für mich ist das ein Riesenakt. Ich mag keine Briefe. Schon gar nicht schreiben. Ich mag nicht extra hingehen. Das bedeutet Mehraufwand. Internetsucht wird ja mit Spielsucht gleichgestellt. Wir sind uns der Gefahren nicht bewusst. Persönlicher Kontakt ist das Schönste. Was hat man von Fans, die man nicht sieht, mit denen man nicht Kaffee trinken kann? Die eine Vorstellung von mir haben, wie ich nicht bin. Nicht sein kann. Ich kann dich verstehen, Laura. Hab auch kein Smartphone. Wanze in der Hosentasche, sag ich nur.

    Liebe Grüße – Tanja

    • Hallo Tanja,
      Ganz richtig, wir sind uns der Gefahr nicht bewusst – zumindest so lange nicht, bis wir im Extremfall an Burnout/ Depressionen/ sozialen Phobien erkranken und uns wundern, wo das denn plötzlich herkommt.
      Wie ich oben schon erwähnt habe, muss man da aber differenzieren. Privat ist der persönliche Kontakt natürlich immer vorzuziehen. Wer das Internet geschäftlich nutzt, hat aber auch von den Fans einen nutzen: Er baut eine Community auf, die als Besucher der Webseite und ggf. auch Käufer sehr wertvoll sind. Mit jedem Leser eines Blogs einen Kaffe trinken gehen zu wollen, nur weil er Interesse daran hat, was Du zu sagen hast, wäre glaube ich nicht sehr realistisch 😉
      Liebe Grüße, Mirko

  8. Tobias

    Es verhält sich wie mit allem, wenn es mich stresst, ändere ich es oder lasse es bleiben. Wichtig ist zu tun, was man liebt und sich nicht gesellschaftlichen Normen anzupassen. Der eine verteufelt das Internet, der eine geht darin auf. Ein guter Beitrag für Menschen die weniger surfen wollen.

    Gruß
    Tobias

  9. Vielen Dank für den Artikel 🙂
    Einige Aspekte zum Leseverhalten sind mir etwas unter den Tisch gefallen: Nur weil sich der Lesefluss dem Informationsangebot anpasst (Menschen also Textstellen überfliegen, etc.) heißt das nicht, dass das per se schlecht ist. Natürlich, für Lesegenuss ist das vielleicht nicht geeignet, aber ich behaupte jetzt auch mal kühn, dass es im Experiment nicht um „pleasure reading“ ging, sondern um Informationstexte, die eventuell sogar von den Wissenschaftler_innen zur Verfügung gestellt worden sind, und von den Proband_innen als solche wahrgenommen worden sind. Pflichtlektüre quasi.
    An Universitäten und in der Wirtschaft wird „Speed Reading“ empfohlen und z. T. auch gelehrt. Ökonomisch und sinnvoll ist es also auf jeden Fall, natürlich nicht immer und zu jeder Zeit, aber es hat schon seine Berechtigung.
    Ich persönlich bemerke in meinem Alltag, dass ich im Internet wie beschrieben vorgehe: also Zwischenüberschriften lesen, einzelne Wörter scannen, etc., aber Romane, und generell „Genuss-Lektüre“ lese ich nach wie vor Wort für Wort.
    Gruß,
    Jasmin

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