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Gastbeitrag: Barfuß

Bare feet on the soft summer grass

© antiksu – Fotolia.com

Wer nach einem langen Arbeitstag oder einer Wanderung seine Schuhe und Socken auszieht, weiß das Gefühl zu schätzen. Ein Gefühl der Freiheit. Gewöhnlich halten wir das tragen von Schuhen für selbstverständlich, doch warum tragen wir überhaupt welche? Sind es Gründe des Schutzes oder eher ästhetische Gründe? Angefangen hat es sicher mit dem ersten Grund, doch bei der heutigen Auswahl an Schuhen, denken viele sicher an den zweiten. Leider ist es so, das uns heutige Schuhe kaum mehr schützen, sondern eher schaden. Sie verformen Füße, die Muskulatur bildet sich zurück und sie sind Auslöser für Gelenkschmerzen. Dazu bekommen wir auch mal Blasen an den Füßen, wir knicken um und verletzen uns. Ebenso entstammt der Fußpilz nur dem warmen und feuchtem Milieu im Schuh. All das, obwohl sie uns eigentlich schützen sollten?

Wer das erste mal im Park oder der Stadt seine Schuhe auszieht, stellt schnell fest, wie empfindlich er auch gegen kleinste Steinchen ist. Das liegt daran, das unsere Füße meist über viele Jahre nie direkten Kontakt zur Außenwelt bekommen haben und sie entsprechend weich und sensibel geworden sind. Doch wer einmal damit beginnt hin und wieder draußen auf Schuhe zu verzichten, fängt an eine Lederhaut zu entwickeln, die beständig ist aber trotzdem weich und geschmeidig bleibt. Wer dabei bleibt, tut also einiges für seine Gesundheit, doch auch das Selbstbewusstsein wird größer, denn nicht jeder fühlt sich in einer U-Bahn ohne Schuhe auf anhieb wohl. Wer die Kopfsache einmal hinter sich hat, sollte sich dann auf seinen Laufstil konzentrieren. Wer lange Schuhe getragen hat, läuft meist auf der Ferse und belastet beim Barfußlaufen damit noch mehr seine Gelenke. Somit ist es wichtig auf dem Ballen aufzukommen, denn so wird jeder Schritt sauber abgefedert.

Ein häufiges Argument gegen das laufen ohne Schuhe sind sicherlich die vielen Scherben, die über all herum liegen. Doch wer das mal ausprobiert, merkt, das es viel weniger Scherben auf dem Boden gibt als man zunächst vermutet. Man bekommt auch ein Auge für Gefahrenstellen und läuft einfach drumherum. Wer aber doch mal einen kleinen Splitter in den Fuß bekommt, bedient sich einfach einer Pinzette. Die Verletzungen sind meist minimal und stehen in keinem Verhältnis zu den gesundheitlichen Vorteilen. Durch eine stärkere Durchblutung ist das laufen auch bei kühleren Temperaturen möglich, nur bei starker Hitze sind Schuhe sicher nicht verkehrt. Dafür gibt es Barfußschuhe, welche mit einer dünnen Sohle, fehlendem Absatz und einer hohen Zehenfreiheit punkten.

Wir haben das richtige laufen verlernt, doch mit etwas Umstellung bekommen wir dieses herrliche Gefühl der Freiheit wieder zurück. Mutter Natur hat sehr viel zu bieten und ohne Schuhe können wir ihre ganze Vielfalt am besten erleben.


Danke Stefan für deinen Gastbeitrag

13 Kommentare

  1. Kann ich absolut nur so unterschreiben: Jede Minute ohne Schuhe ist eine gute für mich.

    Kannst du ein wenig beschreiben, wie sich deine Mitmenschen verhalten, wenn du barfuß unterwegs bist? Gibt es viele Leute, die Kommentare machen?

    • Stefan

      Viele Kommentare bekomme ich nicht zu hören, doch meine Erfahrung hat gezeigt, das es überwiegend positive sind. Hin und wieder werden mir auch fragen gestellt, doch es hält sich in Grenzen. Viel mehr fallen einem die vielen Blicke auf, doch daran gewöhnt man sich schnell und da ich aus es Überzeugung mache, lasse ich mich davon auch nicht irritieren.

  2. Hans Peter

    Ich laufe jeden Tag nach der Arbeit nach Hause. Das sind ca. 3km.
    Seit einiger Zeit ziehe ich mir ab der Hälfte immer die Schuhe aus.

    Das Gefühl ist neu für mich und einfach umwerfend befreiend! Es ist schwer zu beschreiben: Man spürt den Straßenbelag, die Steine und die schönen weichen gummiartigen Fugen.
    Es sind bestimmt 25 verschiedene Fußgefühle die ich auf dem Weg aufnehme.

    Barfußlaufen bedeutet mittlerweile für mich ein kleines bischen Freiheit 🙂

    Schöner Artikel, Vielen Dank.

  3. Pia

    Hallo Stefan,

    Toller Beitrag! Für mich ist barfußlaufen das Sommerfeeling schlechthin. Als Kinder haben wir uns im Sommer immer barfuß in den eiskalten Bach neben dem Haus gestellt. Wer das am längsten aushielt, hatte gewonnen.

    Zuhause laufe ich auch barfuß, auch gerne durch Gras oder über durch die Sonne erwärmte Pflastersteine.

    Was mich am meisten ängstigt sind nicht Steine oder Scherben, sondern meine Zehen. Dass ich damit irgendwo hängen bleibe oder umknicke. Früher, als es noch normal war, keine Schuhe zu tragen, mussten die Menschen ständig gebrochene Zehen haben… Ist dir das schon mal passiert?

    LG
    Pia

    • Stefan

      Ich bin nur zuhause schon öfters mal mit meinen Zehen hängen geblieben, da ist meiner Meinung nach auch die größte Gefahrenquelle. Das hat mir letztes Jahr auch einen gebrochenen kleinen Zehen eingebracht. Dagegen hilft wenn man einfach mal etwas entschleunigt und seine Schritte bewusster und achtsamer setzt.

  4. Maik

    Moin,

    ich laufe jetzt schon seit ungefähr 4 Jahren von Frühling bis Herbst weitesgehend Barfuß und ich liebe es!!
    Ich hatte als Jugendlich eine Platt-Spreiz-Senk-Fuß
    Klingt heavy!
    Jetzt hab ich einen gesunden Fuß 🙂

    An die Blicke der Leute gewöhnt man sich schnell.
    Auch an die blöden Fragen.

    Und ich glaube auch, dass die Akzeptanz demgegenüber gerade ziemlich wächst 🙂

    Gibt auch immer wieder blöde Erlebnisse, aber davon sollte man sich nicht schocken lassen.

    Zum Beispiel darf man Fernbus “aus Sicherheitsgründen” nur mit Schuhen fahren….auch mit FlipFlops….barfus aber nicht ^^
    Manchmal wird man aus Supermärkten herausgeworfen, weil “da Scherben liegen könnten”.

    Diese Leute ohne Eigenschaaften kann man aber recht schnell in Grund und Boden argumentieren 🙂

    Also: Schuhe aus! 🙂

  5. Beim ersten Lesen fand ich das Thema befremdlich. Ich hatte während meines Studiums mal eine Phase, da wollte ich unglaublich alternativ daherkommen und bin eine ganze Woche so viel Barfuß gelaufen wie möglich. Natürlich vor allem draußen. Mit den Jahren im genormten Leben eines Büroristen kommt man dann aber zur Einsicht, dass nur echt Schräge Leute draußen barfuß laufen. Bei dem was die Leute so auf den Boden werfen und Spucken bin ich davon auch noch weit entfernt. Es hat schon seinen Grund warum ich darauf bestehe, dass die Schuhe hinter der Wohnungstür ausgezogen werden. Das zum Punkt Ekel. Da braucht es erst eine Menge Hornhaut, sowohl am Fuß als auch im Kopf.
    Naja, bevor ich aber lästere, dachte ich mir, ich lass den Artikel eben unkommentiert.
    Aber warum nicht einfach mal versuchen wieder mehr barfuß zu Laufen? Der Gedanke hat etwas virales. Man muss ja nicht gleich als Nacktfuß wandern gehen. Aber in der eigenen Wohnung spricht ja gar nichts dagegen, dann vielleicht mal den Müll rausbringen und irgendwann spart man sich die Schuhe beim Gang in den Garten. Mal sehen wo das hinführt. Interessant, interessant …

  6. Hihi Michael, jetzt weiß ich was du meintest! 😀

    Also ich trage oft tagelang keine Schuhe, aber meine Flipflops sind meist dabei, falls der Boden doch mal zu heiß oder richtig eklig wird. Mit meinen Zehen hatte ich noch nie Probleme.
    Jedoch sehen meine Füße (Sohle) sehr schlimm aus und viele finden das gruselig. Meine Mutter ist Fußpflegerin und macht mir ab und an die Füße schön, aber es hilft nicht lang….ist mir auch egal.

    Ich liebe es vor allem Barfuss in Pfützen zu springen, bzw. bei Gewitterregen ohne Schuhe spazieren zu gehen. Und im Sommer, wenn es warm ist, gibt es doch dieses schwarze kaugummiartige Füllmaterial auf den Straßen (mir ist der Name entfallen)…..da freu ich mich jedes Mal wie ein Kind wenn ich da drauftreten darf.
    Zudem bin ich inzwischen ein richtiger Materialfetischist geworden und freue mich über die Vielfalt der Untergründe.

    Leider haben sich auch einige Macken herausgebildet. Manchmal habe ich auch einfach den Drang die Schuhe ausziehen zu müssen (im Winter trage ich feste Schuhe) z.b. wenn ich Ausstellungen aufbaue oder im Studio fotografieren soll. Ich kann dann einfach keine Schuhe ertragen 😀

  7. Sonja

    Ich liebe meine Barfußschuhe und ich liebe es barfuß im Watt zu laufen.
    Wenn meine Hunde an mir vorbei rasen und mich mit Matsch bespritzen und ich feststelle das eine
    helle Hose nichts für mich ist. Morgens gehe ich barfuß die Hühner füttern und Tomaten pflücken.
    Sogar auf der Arbeit sind meine Barfußschuhe erlaubt. Na sagen wir mal ich hab nie gefragt.:-)

    Der erste 3 Stunden Spaziergang mit Barfußschuhen war schon eine Erfahrung, ich hatte
    meine Muskel in den alten Schuhen vergessen. Jedenfalls fühlte es sich so an.

  8. Uwe

    Ich laufe schon lange in Barfußschuhen. Das war schon ein tolles Gefühl von Freiheit. Seit einiger Zeit erlaube ich mir aber auch direkte Wege, wenn es möglich ist. Statt z.B. um das Feld/ die Waldfläche rum, einfach mitten durch. Natürlich ohne Schäden zu hinterlassen. Aber das ist auch ein weiteres Freiheitsgefühl.

  9. Stina15

    Hey ihr 🙂

    Cool, dass es noch mehr Menschen gibt, die so gerne Barfuß sind wie ich 😀
    Dachte, bin voll der Freak haha

    Bin 15 Jahre alt und komme aus dem Norden.
    Auf Schuhe und Socken verzichte ich erst seit ende September ^^

    War mit einer Freundin in Hamburg shoppen und hatte neue ballarinas an, die schon nach 30 Minuten in der Stadt total unbequem waren, gedrückt haben wie sau und einfach nervten.

    Meine Freundin meinte: zieh doch einfach aus,
    als wir auf einer Bank saßen .
    Klar… Bei 8 Grad haha dachte ich mir.
    Aber als das drücken an den Zehen trotz sitzen nicht weniger wurde, musste ich meine Füße da einfach raus holen -.-
    Wir erschraken beide etwas beide etwas, als wir meine krebsroten Zehen sahen.

    Sie fragte ob wir wie wieder nach Hause wollten als ich jammerte, aber ich wollte so gern bummeln und über eine std bus und Bahn fahren sollte auch nicht umsonst gewesen sein und so verneinte ich.
    Bevor sie was sagen konnte hob ich die shuhe auf und warf sie genervt in die Mülltonne neben der Bank lol.

    Ich meinte: Dann geh ich halt barfuß haha schlimmer als in den Dingern kanns auch nicht sein hm.
    Sie lachte und schüttelte den Kopf, wärend sie aufstand.
    Ich stand ebenfalls auf und erschrak als meine Füße den eiskalten Beton berührten xD boah war das frostig im ersten Moment 🙁
    Aber ers

  10. Stina15

    Huch xD zu früh abgeschickt >.<

    Aber dem ersten Schock folgte überraschend die Erkenntnis, dass es zwar arg kalt ist, aber vom Gefühl her noch aushaltbar irgendwie oO
    Ich nahm allen Mut zusammen und lief tatsächlich Barfuß + lange Herbstklamotten weiter mit Ihr Richtung Stadt. Gott war mir das peinlich. Gar nicht mal vor meiner Freundin, da sie mich dafür voll gefeiert hat und es sogar irgendwie cool fand.
    Aber als wir nach 200-300 Metern auf die erste Passantin trafen, wär ich am liebsten im Boden versunken vor Scham, da sie fragend & mit großen Augen auf meine Füße schaute und ich fast doch wieder nach Hause gehen wollte.
    Ich sagte, dass mir das grade total unangenehm und peinlich war und ich vielleicht doch lieber umkehren würde.
    Sie schaute mich an und war verwundert, da sie erwartet hatte, dass ich wenn wegen kalter Füße oder so zurück wollte.
    "Was? Wieso? Halt mich für bescheuert, aber ich muss sagen, dass es ehrlich ziemlich süß und hübsch auf mich wirkt mit dein Füßen hihi
    Kein Plan wieso, aber passt voll zu dir und braucht dir absolut nicht peinlich oder so sein hehe"

    Diese Worte zauberten mir ein breites Grinsen ins Gesicht, da ich wusste, dass sie es ehrlich meinte.
    Und beim Blick nach unten, musste ich ihr tatsächlich zustimmen *.* wie meine Füße da so auf dem Beton standen mit der langen Jeans, sah wirklich recht nice aus.

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