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Gastbeitrag: Das Leben ist Laut

© Jana Dillo (http://janadillo.de)

© Jana Dillo (http://janadillo.de)

Damit meine ich nicht die ganzen Geräusche, welche wir hören. Nein. Egal wohin ich blicke, überall schreit mir die Buntheit der Dinge entgegen.
Ein Spaziergang durch die Stadt ähnelt einem lauten Basar. Überall buhlen Schilder und Werbungen um meine Aufmerksamkeit. Dabei wird mit Größe, Formen und Farben nicht gespart.

Als Fotografin visuell geprägt, gehe ich mit offenen Augen durch die Welt. Stetig auf der Suche nach Schönem. Zu meinem Nachteil finde ich meine Lieblingsmotive Hauptsächlich in urbanen Regionen. Oder ist es nicht doch eine Herausforderung?
In diesem Konsumdschungel bahne ich mir mit der Kamera den Weg und versuche die Lautstärke zu ignorieren, welche um mich herum herrscht.
Mit meiner schon etwas betagten analogen Kamera zur Entschleunigung gezwungen, bin ich auf der Suche nach Linien. Ruhe inmitten der Werbewelt. Da mir Farben inzwischen generell zu laut und aufmerksamkeitsraubend sind, fotografiere ich fast nur noch Schwarzweiß.
Diese Ruhe in meinen Bildern ist mir sehr wichtig. Wenn schon alles um mich herum und in meinem Kopf schreit, ich möchte versuchen die noch herrschende Ruhe aufzuspüren und festzuhalten.

Vielen Dank an Jana für diesen Gastbeitrag und das tolle Foto

12 Kommentare

  1. Martin

    Ja, unsere Welt ist laut – viel zu laut. Überall schreit es von den Plakatwänden, aus den Zeitungen, dem Radio, Fernseher.
    STILL, seid endlich STILL will ich rufen, doch keine hört mich. Zu beschäftigt und zugedröhnt hasten sie weiter …
    Zum Glück gibt es gelegentlich noch Orte wo ich Stille spüren und erleben kann – bei einem Spaziergang an der Ostsee im Urlaub, bei einer Wanderung auf eher versteckten Wegen in den Glarner Alpen …
    Und dann gibt es ja auch Fotografinnen und Fotografen die Stille und Ruhe einfangen, wie Jana.
    Ich denke da an Sugimoto oder Kenna.
    Auch mutige Politiker gibt es wie 2010 in São Paulo, als dort die ganzen Reklamen verschwanden.

    Aber auch ich sollte gelegentlich in mich gehen und mich ernsthaft fragen, ist es nötig, dass ich jetzt was sage?, dass ich hier meinen Senf dazu gebe? … … …

  2. Gabi

    Ich verstehe nicht warum z. B. in der Radiowerbung immer so geschrieen werden muss. Wenn ich im Auto Radio höre schalte ich während der Werbung auf CD. Und in einer kurzen Umfrage im Freundeskreis machen das ganz viele so. Also ist das Geschrei der Werbemacher doch kontraproduktiv wenn es so viele nervt.
    Private Sender habe ich im Fernseher keinen einzigen mehr aktiviert. Früher hat mich dort die laute Werbung total genervt. Ohne RTL und Co. geht es mir auf jeden Fall besser. Und ich lebe gut damit wenn ich nicht bei anderen Leuten dank der Kamera in die Privaträume schauen kann.
    In denen komischerweise oft Geschrei und Randale war – fällt mir beim Nachdenken grad ein…

    • Die Werbung ist aus einem bestimmten Grund so laut: Man möchte die Aufmerksamkeit auf die Werbesendung lenken. Die Leute lassen sich vom Radio und auch vom TV-Programm oft nebenbei berieseln, ohne wirklich hinzuhören. Wenn die Werbung kommt und lauter ist als das Normalprogramm, haben sie die Aufmerksamkeit der Hörer wieder und zwar genau in dem Moment, in dem es für den Sender ans Geldverdienen geht. Natürlich könnten die Leute dann umschalten, aber das tun vermutlich die wenigsten und so ist der (für die Werbetreibenden, ergo für den Sender) positive Effekt weit größer als die negativen Folgen.

      • Ich verzichte nicht umsonst auch auf Fernsehen und Radio.
        Wenn ich bei Freunden oder Familie doch mal ein bisschen mitsehe, bin ich immer sehr überfordert und halte es nicht lange aus. Buntheit, Lautstärke, schnelle Bildwechsel…… und unnötige Konsumprodukte werden angepriesen.

        Zum Glück wohne ich im Schwarzwald und kann in den Wald laufen, wenn ich Ruhe benötige. Aber hier kommt auch keine Kamera mit, höchstens ein Hund oder Mitmensch.

      • In Erinnerung ist mir Barbra Streisands Anruf beim Fernsehsender, sie mögen gefälligst die viel zu laute Werbung in den Unterbrechungen des Spielfilms leiser drehen.
        Es lief grad einer ihrer Filme. 🙂

    • Volker W.

      Auch hier bin ich also kein Einzelfall. In die Top 20 hat es nur noch ein privater Sender geschafft (D-Max, der ist nicht „ganz so laut“ und ich bin absoluter Auto-Fan). Vox und Kabel 1 erreichen „hervorragende“ Plätze 21 und 22. Pro 7 wird nur aufgezeichnet, live halte ich den nicht aus. Sat 1? RTL? Wer sind die?

  3. M. Wehning

    Mich nervt Werbung total. Wenn ich z.B. abends einen Film auf einem „Privaten“ sehe, muss ich mich bestimmt 20 Minuten meines -na ja- kostbaren Feierabends zuschwallen lassen.
    Wir haben uns so daran gewöhnt, dass wir es oft gar nicht mehr merken. Erschreckenderweise werde ich andererseits unruhig, wenn ich gefordert bin, einem Film 1 1/2 Stunden aufmerksam zu folgen.
    Werbung macht kirre, zerstört unsere Fähigkeit zur Konzentration und unterminiert unser Denken.
    Ich finde, eine neue Form von Kolonialismus unserer Gedankenwelt.
    In Frankreich gibt es Leute, die gegen Werbung vorgehen (habe ich im Film „Weniger ist manchmal mehr“ auf Arte gesehen).Wieso gibt es insgesamt so wenig Widerstand dagegen?

  4. Sehr schön! Vielen Dank. Ich liebe es auch zu fotografieren. Und wenn ich auf den Auslöser drücke, ist es so, als würde ich kurz das Leben pausieren. Ein Moment abfangen. Mir ist die Welt auch oft zu laut, daher bleib ich oft stehen und schaue, atme und fühle. Versteh immer nicht, wohin alle durchs Leben rennen…

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