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Gastbeitrag: Du musst mehr aus dir heraus kommen!

Portrait of a beautiful woman with big eyes and smooth skin looking at camera

© Antonioguillem – Fotolia.com

Du musst mehr aus dir heraus kommen! Muss ich das wirklich?

Meine Persönliche Antwort darauf ist: NEIN! Ich muss nicht das tun, was andere von mir erwarten, wenn es mich selbst nicht glücklich macht.
Ich habe schon so oft gehört: „Du musst dich mehr öffnen, du musst mehr aus dir herauskommen.“ Aber das macht mich nicht glücklich.
Warum möchte dein Gegenüber, dass du dich mehr öffnest? Es gibt ihm Sicherheit, je mehr du von dir preisgibst, desto weniger muss er es tun. Je mehr du von dir offen legst, desto angreifbarer bist du. Je mehr ein Mensch über dich weiß, desto mehr Macht hat er über dich.
Ausserdem sucht der Mensch von Natur aus Bestätigung. Sei es indem du ihm zustimmst, seine Meinung ebenfalls vertritts oder genau andersherum. Wenn du nämlich nicht seine Ansichten vertritts, ist er bestärkt darin, dass es ja viel besser ist, wie er sein Leben führt. Ja.. So einfach sind leider manche Menschen. Über andere Meinungen nachzudenken bedeutet Anstrengung, Zeit zu investieren und Demut zu zeigen, falls man merkt, dass seine eigenen Vorstellungen vielleicht doch nicht die besten oder perfektesten sind.

Warum öffne ich mich nicht jedem , der es von mir erwartet?
Ich frage mich immer, möchte ich mit diesem Menschen meine Gedanken und meine Zeit teilen? Wenn nicht, ist es verschwendete Energie verschwendete Zeit. Ich habe für mich selbst gemerkt, dass es mir nicht gut tut wenn ich zuviel von mir zeige. Jeder Mensch ist anders, das musst du ganz für dich selbst entscheiden.
Zudem fällt es mir schwer Smalltalk zu halten, da es für mich einfach keinen Sinn ergibt. Ich möchte nur das tun, was mich und auch meinen Gegenüber weiterbringt.
Ich öffne mich nur noch den Menschen, die es mir wert sind, die ich an meinem Leben teilhaben lassen möchte. Das sind die Menschen die ich liebe.
Es ist mir nicht wichtig was andere über mich denken, deshalb ist es auch nicht wichtig dass sie meine Ansichten kennen oder was ich gestern gemacht habe, wann ich das nächste mal in den Urlaub fahre oder warum ich mein Kleiderschrank nicht voll ist mit Markenklamotten.

Was möchte ich dir mit auf den Weg geben? Tue das, was dich glücklich macht. Nicht das, was andere von dir erwarten. Bleib dir selbst treu und zeige nur so viel von dir, dass es dich nicht belastet. Der Mensch ist ein Individuum und ich möchte nicht sagen, dass Menschen die offen sind und schnell auf Menschen zugehen, es in Zukunft sein lassen sollen. Nein, dieser Artikel richtet sich an zurückhaltendere Menschen (wie mich), denen oft nachgesagt wird sie seien schüchtern. Denen oft Druck gemacht wird, mehr von sich preiszugeben. Das musst du nicht! In erster Linie musst du dir selbst gefallen und nicht den Menschen, die du wahrscheinlich nie wieder siehst. Ich habe mich lange unter Druck setzen lassen, habe versucht offener zu werden. Aber das bin nicht ich, nein!
Deshalb: Sei du selbst, sei das, was DICH glücklich macht, nicht das was andere von dir erwarten, auch wenn es manchmal der steinigere Weg ist.
Bleib dir treu. Sei glücklich.

Komm bald wieder.

Deine Hanna


Danke Hanna für deinen Gastbeitrag! Hanna findet Ihr im Netz unter   Projekt Hanna  – Instagram

 

18 Kommentare

  1. Julia

    Schöne Worte.
    Diesen Beitrag zu lesen hat mir richtig gut getan.
    Ich empfinde es als sehr erleichternd, wenn man von Zeit zu Zeit daran erinnert wird, dass man garnichts muss. Die schwierigste Disziplin ist dabei wahrscheinlich an dem Punkt zu kommen, an dem es egal ist was andere denken (für mich zumindest :))
    Wir Introvertierten sind gut so wie wir sind.

  2. Als introvertierter Mensch kann ich deinen Gedanken sehr gut folgen und stimme ihnen fast komplett zu.
    Es gibt nur eine Frage, die sich mir stellt: woher weiß ich bei Menschen, die ich gerade erst getroffen habe, ob es sich lohnt, sich ihnen gegenüber zu öffnen? Wie sollte ich wissen, ob jemand irgendwann zu meinen engsten Vertrauten zählen könnte, wenn ich nie versuche, das heraus zu finden?

    Am Ende ist es oft abhängig vom Tag und den Umständen des Treffens, ob ich mich auf Gespräche einlasse. Es ist gut sich bewusst zu machen, dass ich nichts muss und nicht zu Smalltalk verpflichtet bin, denn vor allem neue soziale Kontakte kosten doch sehr viel mehr Kraft als man denkt.

    • Heike

      Ein toller Artikel der mir aus dem Herzen spricht. Bei Menschen die ich gerade kennenlerne, halte ich mich zurück, beobachte und höre zu.
      Gesten erzählen mir meist mehr als Worte.
      Schnell merkt man, wie das Gegenüber tickt und ob man mit ihm kann und möchte. Wenn mein Bauch nein sagt, vertrau ich ihm. Ich habe auch für mich gemerkt, mit Menschen die ich mag, kann ich mich prima unterhalten.

  3. Sophia

    Ich kann mich in deinem Beitrag wiederfinden. Ich bin auch introvertiert, mag (eigentlich) keinen Smalltalk und teile vieles nicht mit. Aber ich bin der Meinung, dass Smalltalk und eine gewisse Offenheit das Leben angenehmer machen. Freundliches Plaudern, egal wie oberflächlich, hebt die Stimmung. Man fühlt sich ganz anders, wenn man belanglos plaudert und charmant ist. Smalltalk ist das Öl im sozialen Getriebe. Ohne Smalltalk knirscht und rostet es bald. Eine Taxifahrt, die im angespannten Schweigen verläuft, ist viel unangenehmer als eine Fahrt mit ein bisschen Smalltalk. Ich vergebe mir doch nichts, wenn ich der Fahrerin erzähle, dass ich gerade vom Flughafen komme und im Urlaub war.

      • Sophia

        In meinem Kommentar wollte ich sogar zunächst auf den Bereich Arbeit eingehen, habe mich dann aus irgendwelchen Gründen aber für das Taxibeispiel entschieden. 😉 Gerade im Berufsleben geht es mit Offenheit und Smalltalk besser. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es der Horror schlechthin ist, acht Stunden täglich in einem Büro zu sitzen, in dem die Stimmung total schlecht ist und alle sich eisig anschweigen. Das ist eine große Qual und macht krank. Wenn man sich mit anderen ein Büro teilt, ist Smalltalk und eine gewisse Offenheit quasi ein MUSS. In der Schule „darf“ man ruhig verschlossen sein, das fällt nicht auf, wenn es in der Klasse 30 Leute gibt, die alle quatschen. Aber wenn man dann im Beruf mit fünf Leuten im Büro sitzt und die Chemie nicht stimmt, hat man schnell ein großes Problem. Da geht man irgendwann dran kaputt. Und im Büro reicht es schon, einen einzigen „kalten Schweiger“ zu haben. Der schafft es, die ganze Stimmung kippen zu lassen.

  4. Sini

    Liebe Hanna,

    nein, natürlich musst du dich nicht öffnen! Du darfst so sein, wie du bist und wie du dich wohl fühlst.

    Aber vielleicht lohnt es sich ja trotzdem einen Schritt weiter zu gehen?

    Du schreibst , dass andere wollen, dass du dich öffnest, damit
    – sie sich sicher fühlen und sich nicht öffnen müssen
    – sie Macht über dich haben, da sie Deine Schwächen kennen und Dich angreifen können
    – er von Dir bestätigt wird

    Als introvertierter Mensch kann ich diese Sichtweise gut verstehen. Aber im Laufe der Zeit bin ich zu der Erkenntnis gekommen, das man dieser doch etwas bitteren Sicht auf Menschen etwas anderes entgegensetzen kann.
    Wenn ich dich treffen würde, dann würde ich mir wünschen, dass du dich öffnest, weil ich dir „begegnen“ möchte, weil ich dich „erkennen“ möchte. Weil ich von dir lernen möchte. Weil ich das Geschenk unserer Begegnung nicht „unausgepackt“ an mir vorrüber ziehen lassen möchte. Und nicht weil ich Macht über dich haben möchte.

    Wenn ich inzwischen offen mit Menschen umgehe, dann erlebe ich dass als äußerst befriedigend. Ich erlebe viele Menschen als unsicher, ängstlich und auf der Suche nach Nähe. Mit Smalltalk kann ich dafür sorgen, dass sie sich wohler fühlen. Mit meiner Offenheit und mit dem Preisgeben meiner Schwächen und Verletzungen kann ich zeigen, das auch sie schwach und verletzlich sein dürfen und das das okay ist. Beschenkt werde ich von den Menschen danach, dass sie ihre perfekten Masken fallen lassen und wirkliche warme bereichernde Nähe entsteht. (Wie unglücklich, diesen Artikel mit so einem perfekten Modell zu bebildern! )

    • Interessante sichtweise. Ich werde mir Gedanken darüber machen 🙂
      Ich meine in dem Artikel auch hauptsächlich Räume, wie die Schule oder die Arbeit, Orte an denen man „gezwungen“ wird mit bestimmten Menschen Zeit zu verbringen, vielleicht hätte ich das noch deutlicher schreiben können 🙂
      Vielen Dank für deinen Kommentar! Habe mich sehr gefreut!

    • Heike

      Danke, da werde ich drüber nachdenken.
      Du hast recht, doch leider sind es sehr wenig Leute, die ehrliches Interesse am Gegenüber haben, ohne ihr Eigenes in den Vordergrund stellen zu wollen. Oft werde ich, wenn ich denn mal erzähle, nach ein paar Worten schon unterbrochen.

  5. Das ist nicht gelebtes Leben, sich nicht zu öffnen. Aus meiner Sicht. War mal eine Challenge, mittlerweile Automatismus: Egal wo ich bin, ich rede immer mit einer fremden Person. Macht Spaß! So muss ich nicht aus mir heraus gehen, sondern bin immer draußen. 🙂 Probier’s mal aus! Lohnt sich!

    • Aber das bin nicht ich und ich fühle mich dabei nicht wohl. Für dich ist es richtig, für mich ist es im grossen und ganzen nichts 🙂 und das möchte ich in diesem Artikel sagen: jeder sollte soviel aus sich herauskommen wie er möchte und nicht wie andere es wünschen! 🙂

    • Heike

      Hab ich auch schon probiert und ist stark abhängig vom Gegenüber und meiner eigenen Verfassung. Mein Gefühl lässt mich bei Manchen nicht die richtigen Worte finden und mit Anderen plaudere ich einfach drauflos. Trotzdem zwinge ich mich nicht zum Reden , das mag ich von anderen auch nicht. Schweigen ist auch mal schön, man kann auch einfach nur lächeln 😉

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