Gastbeitrag: Minimalismus – Sicht einer Grafikerin

minimalistische tierillus
© Grafikstudio Herbst

Als Grafikdesignerin hantiere ich täglich mit Farben und Formen. Schon seit der Oberstufe trage ich am allerliebsten Schwarz-Weiß. Ich kann es gar nicht genau erklären, aber obwohl ich Farben liebe, spiele ich bei meiner eigenen Garderobe lieber mit verschiedenen Formen und Materialien in den immer gleichen Nichtfarben.
Auch unsere Einrichtung besteht größtenteils aus Schwarz und Weiß – neben Pflanzen und Holz ist ein rotes Sideboard der einzige Farbtupfer im ganzen Haus. Wenn ich das so anderen erzähle, schauen sie meist erschrocken und können sich nicht vorstellen, so zu leben. Aber wenn sie es dann sehen, ernten wir immer begeisterte Zustimmung.
Bei meiner Arbeit ist mir auch die Ordnung (digital & analog) unglaublich wichtig. Wenn ich mal nicht weiterkomme, räume ich meinen Schreibtisch oder den Desktop radikal auf und fühle mich sofort befreiter. Danach kann es weitergehen!

Auch meine Entwürfe sind im Normalfall ziemlich schlicht. Ich arbeite gerne mit Weißraum, verwende kaum Effekte und selten mehr als drei Farben. Dabei würden Grau, Schwarz und Gelb für mich bereits drei Farben darstellen.
Ich kann auch gar nicht anders! Ich überlege mir, welche Elemente man noch weglassen könnte, sodass man das Konzept immer noch versteht. So entstehen z.B. rein typografische Märchencover oder abstrakte Strichzeichnungen von Tieren. Bei letzterem haben mich die simplen Linien-Zeichnungen von Picasso inspiriert. (Google- Suche „Picasso Tierzeichnungen“)

Bei Medien wie der Plakatwand ist es beispielsweise unerlässlich, dass die Aussage in Sekundenschnelle verstanden wird, damit auch die vorbeifahrenden Autofahrer angesprochen werden.
Auf der anderen Seite kann ich eben doch nicht immer alles weglassen: Bilder – manchmal sogar detailreicher – ziehen die Blicke auf sich und erklären im Idealfall schon das Thema, bevor man anfängt zu lesen.
In diesem Fall kann man, meiner Meinung nach, den Hang zum Minimalismus immerhin noch auf die Art ausleben, dass innerhalb eines Konzeptes oder innerhalb eines Markenauftritts ein roter Faden wiederzufinden ist. Wer seinen Flyer mit minimalistischen Service-Piktogramme gestalten lässt, sollte beim nächsten Flyer nicht plötzlich auf skeuomorphe (naturnahe) Piktos umschwenken.

All diese Schlichtheit hat aber leider auch ihre Nachteile: Zum einen ähneln sich schlichte Entwürfe verschiedener Designer schneller, zum anderen bleibt es im Einzelfall zu klären, ob das Werk überhaupt die nötige Gestaltungshöhe erreicht hat, um urheberrechtlich geschützt zu sein. (eh)

Denkt ihr, dass man als Grafikdesigner alle Aufträge minimalistisch lösen kann? Gefällt euch minimalistisches Design oder habt ihr euch vielleicht schon daran satt gesehen?

Danke an Ellen für diesen Gastbeitrag. Ihr findet das Grafikstudio Herbst hier im Netz & auf Facebook

  1. Hallo Ellen,

    ich kann mich an minimalistischem Design gar nicht sattsehen. Genau genommen ist sehe ich Minimalismus sogar als Kriterium für gutes Design, so ganz nach Rams. 🙂

    Lieber Gruß,
    Philipp

  2. Magdalena

    Je einfacher und schlichter desto fülliger und mehr sagend….

  3. Die Entwürfe auf der Website sind leider nicht alle so minimalistisch, wie ich es mir erhoffte … aber die Märchen, die sind großartig! Gibt es die im Handel?

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