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Gastbeitrag: Was fehlt dem Minimalisten noch zu seinem Glück?

Cashewnüsse aus dem Vorrat

© Doris Heinrichs – Fotolia.com

Oder wie ein Minimalist wohl eher sagen würde: Was habe ich noch zu viel zu meinem Glück?
Stellt euch mal vor, in eurem Badezimmer liegt statt einer Shampooflasche, einer Duschgelflasche, einer Handwaschseife, einer Flasche Rasierschaum und einer Gesichtsreinigungslotion nur ein einziges Stück Seife. Klingt das nicht wie ein minimalistischer Traum?

Es sind ja schließlich nicht Dinge, die einen Minimalisten glücklich machen, sondern viel mehr, sich von unnötigen Dingen zu trennen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Was aber bleibt, wenn die Wohnung ausgeräumt ist und alle Schränke entrümpelt sind? Der Unort des reduziertesten Haushaltes ist versteckt unter der Spüle in der Küche – der Hausmüll. Denn selbst der konsumreduzierteste Mensch wird sich in unserer Gesellschaft in mindestens zwei Bereichen weiterhin versorgen müssen: Körperpflege und Lebensmittel. Und diese zwei Bereiche reichen aus für ein völlig unkontrolliertes Chaos in der Tonne. Einmal einkaufen und der Mülleimer ist wieder voll. Die wirkliche, minimalistische Vollendung kann also nur finden, wer auch diesen Ort unter Kontrolle bringen kann.

Zero Waste ist das Stichwort. Zero Waste macht nicht nur vor, wie man im Badezimmer aus fünf Plastikflaschen Eins machen kann, sondern auch wie Vorräte von Toilettenpapier, Papiertaschentüchern, Küchenrolle und Frischhaltefolie der Vergangenheit angehören. Solche Einwegprodukte durch Mehrwegprodukte auszutauschen spart neben Müll auch Geld, Einkaufsaufwand und Platz in der Schublade. Alleine dadurch wird der Mülleimer schon ein ganzes Stück übersichtlicher.

Bei Lebensmittel ist es die Verpackung, die den Unterschied macht. Betrachtet man die Verpackung selbst als Produkt, so hat dieses Produkt einen klaren Nutzen, wie die Plastiktüte an der Kasse. Ihre Lebensdauer ist aber so gering, dass sie ökologisch nur schwer zu rechtfertigen ist. Wieso also die Verpackung nicht einfach selber mitbringen? Bei Obst, Gemüse, Käse, Brot und auch Kaffee ist das kein Problem. Spätestens auf dem Wochenmarkt oder in der Kaffeerösterei ist alles lose erhältlich und geht in die eigenen Stoffsäckchen, Dosen oder Gläser. Milchprodukte und Getränke nutzen ihre Verpackung einfach mehrmals, im Pfandsystem. Nur die trockenen Lebensmittel wie Reis, Linsen, Nudeln und Co haben es in sich. Paradoxerweise würde man denken, dass solche Lebensmittel am wenigsten Verpackung benötigen, aber genau sie sind es, die am meisten Kunststoff oder Aluminium mit sich bringen. Im normalen Einzelhandel haben wir da keine Chance.

Wie gut, dass endlich auch durch Deutschland eine Welle schwappt, die diesen Wahnsinn beenden kann und den Einzelhandel rück-revolutioniert. In bereits mehr als 20 sogenannten “Unverpackt-Läden” gibt es alles lose aus großen Lebensmittelspendern zum selber abfüllen in die eigenen mitgebrachten Gefäße und Beutel. Kiel hat es vorgemacht und Berlin und viele andere folgten dem Beispiel. Nur wir in Köln sitzen in unserer Wohnung immer noch auf 25 Kilo Lebensmittel-Pappsäcken. Der minimalistische Teil meines Herzens wird durch dieses Hamsterverhalten immer wieder auf die Probe gestellt. Der umweltbewusste Teil aber kann nicht mehr zurück zur Kunststoff-Kleinpackung aus dem Bioladen.

Deshalb machen wir nun endlich Schluss mit dem entscheiden und eröffnen den Unverpackt-Laden für Köln jetzt selbst Mit “Tante Olga” werden wir noch diesen Spätsommer eröffnen. Ohne fremde Hilfe schaffen wir dieses ambitionierte Ziel aber nicht und haben ein Crowdfunding gestartet, um Spenden zu sammeln. Das tolle am Crowdfunding ist, niemand muss viel Geld haben, aber wenn viele wenig Geld haben und nur ein bisschen davon abgeben, können solche tollen Projekte Realität werden. Deshalb rufe ich jedes minimalistische Herz dieser Nation auf: Unterstützt unsere Kampagne mit einem noch so kleinen Beitrag auf www.tante-olga.de und teilte sie mit möglichst vielen Menschen.

Über die Autorin:

Olga Witt lebt mit ihrem Mann Gregor Witt seinen drei Kindern und bald erwartetem weiteren Nachwuchs so müllfrei wie es ihnen möglich ist. Seit mehreren Jahren bloggt die Kölnerin über ihr Leben mit Zero Waste (www.zerowastelifestyle.de) und gibt Workshops und Vorträge zu dem Thema, um es anderen Menschen näher zu bringen und eine wirkliche Veränderung in der Gesellschaft anzustoßen. Um auch selbst an unverpackte Lebensmittel, als letzten fehlenden Baustein ihres müllfreien Haushaltes zu kommen, eröffnet sie mit ihrem Mann und ihrer Partnerin Dinah Stark im Sommer 2016 den 1. Kölner Unverpackt-Laden (www.tante-olga.de).

2 Kommentare

  1. Das ist auch crazy. Darüber habe ich auch schon mal nachgedacht. Ich finde ja zu extremen Minimalismus etwas bedenklich. Aber wie viel Müll produziert wird, ist tatsächlich übel. Gerade ist die Tonne leer … nach dem Mittagessenzubereiten ist sie schon wieder voll. Also ich finde den Wochenmarkt super. Ich habe auch mal einen Blogpost über “Einkaufen ohne Verpackung” geschrieben. Das war ein schwieriges unterfangen in einem Supermarkt ohne Tüten einkaufen zu gehen. Sogar am Ende an der Kasse möchte sie mir jedes mal noch eine kleine Gemüsetüte andrehen. Ich stöbere mich bei dir auf dem Blog noch weiter durch. Liebe Grüße aus Berlin, Catharina

  2. Irgendwie toll. Und irgendwie nicht. Ich kann mir das Einkaufen leider schlecht in so einem Laden für mich vorstellen. Denn: Wie transportiere ich die Gläser als Fußgänger? Ist das nur was für Autofahrer? Gibt es dann auch unbehandelte Papiertüten für mich? Ich hab mir heute Nacht noch ein Bea Johnson Video angesehen wo sie Mehl lose im Stoffbeutel nach Hause transportiert mit dem Auto und Kekse in einem anderen Stoffbeutel und legte sie zu den anderen im Glas. Ist das hygienisch? Will ich das? Ehrlich gesagt: irgendwie auch nicht. Wurde da letztens noch die lose Seife drin transportiert? Dauert das nicht ewig, die Sachen abzufüllen? Was ist wenn ich es mir an der Kasse anders überlege und ich Dinge zurücklegen will? Ja, das gibt es bei mir. Ich bin gerne flexibel. Hm. Wochenmarkt ist irgendwie einfacher. Ich hab schon so vieles von plastikfrei wieder zurück umgestellt weil es sich auf Dauer nicht bewährt hat. Gläser sind schwer, selbst innerhalb der Wohnung, gehen schnell kaputt. Haarseife machte meine Haare kaputt, Seife siffte vor sich hin in meinem Bad ohne sie nass viel zu berühren, Holzartikel schimmelten in meinem Bad und … so schade, wie ich es finde, ist es nicht einfach und frustrierend.

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