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Gastbeitrag: Zufriedenheit

© LoloStock - Fotolia.com

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Minimalismus ist in aller Munde und einige Minimalisten messen sich indem sie die extremste Form ausleben. Sie bewohnen Tiny Homes oder sind digitale Nomaden. Manch eine Wohnung wirkt da schon eher steril als wohnlich.
Ich selber bin an einem Punkt angekommen an dem noch vieles aussortiert werden kann und ein Außenstehender meinen Lebensstil als normal ansehen würde. Minimalisiert habe ich nämlich nicht nur materiell. Es gibt Dekoration und ich will Bilder, Musik, Filme nicht nur in digitalisierter Form nutzen. Viele kreative Menschen mögen schöne Dinge und die Haptik von Material. Daher wird ein extremer Minimalismus nichts für mich.
Natürlich war ich zu Beginn auch angefixt von den Ideen sein Leben sehr frei gestalten zu können und sein eigener Chef zu sein. Ich war zu dem Zeitpunkt eh unzufrieden mit meinem Leben aber manchmal sind eben diese Ideen nur eine Art Fluchtgedanke und verbessern das Leben nicht, weil die eigentlichen Probleme nicht angegangen werden.
Heutzutage wird der Neid und das Vergleichen durch schöne Bilder auf Social Media Seiten geschürt. Aber man muss sich immer klar machen, dass das Leben jener Menschen auch seine Schattenseiten hat. Es läuft nicht alles perfekt und das Gras ist bestimmt nicht grüner auf der anderen Seite. Im hier und jetzt zu leben und sich hin und wieder seine Hirngespinste zu hinterfragen, ist der beste Weg sich wieder zu erden und Zufriedenheit in seinem Leben zu finden.
Ich will euch ein paar Beispiele aus meinem Leben nennen…

Ich reise furchtbar gerne. Aber möchte ich nur auf Reisen sein mit immer fremden Menschen um mich herum? Immer in Hotels schlafen und die Erlebnisse allein genießen anstatt die Freude zu teilen? Nein. Ich habe meine kleine Homebase hier im Sauerland. Ich liebe die Wälder, Berge und Seen. Natürlich gönne ich mir auch mal einen Tapentenwechsel in Form von Reisen in andere Länder. Aber die Art des Reisens ist für mich wichtiger geworden. So kann ich zu Fuß viel mehr von der Umgebung wahrnehmen und entschleunige mein Leben indem ich alles was ich brauche in einem Rucksack bei mir habe. Es muss auch nicht Übersee sein, denn in Europa gibt es genug für ein ganzes Leben zu entdecken.

Ja, so ein Wohnwagen auf einer grünen Wiese mit kleinem Nutzgarten wäre schon was feines… aber ich müsste die Finanzen haben und die Zeit. Ich hatte das Glück im Elternhaus eine kleine Wohnung einrichten zu können und vielleicht wird es irgendwann auch eine größere in selbigen. Warum soll ich mich auf extrem kleinen Wohnraum beschränken und finanzieren, wenn mir der Raum zur Verfügung steht… dazu noch ein Garten und unendlich viel Wald hinter dem Haus.

Ich bin sehr kreativ … tanze, male, schreibe, musiziere… Es ist natürlich ein Traum Kreativität zum Beruf zu machen aber dazu müsste ich mich auf eines festlegen. Das will ich nicht und ich weiß wie furchtbar schwer es ist auf Punkt kreativ zu sein. So kann es von Woche zu Woche schwanken ob ich mich mehr auf Tanz, Malen oder Schreiben konzentriere. Ich lebe in einem kreativen Flow von dem ich mich treiben lasse. Setze ich mich unter Druck blockiert mich das, deshalb gehören sogar kreative Auszeiten zu meinem Leben und ich konzentriere mich dann mehr auf andere Dinge, wie Ernährung, Sport etc.
Das gute an einer normalen geregelten Arbeit ist auch, dass ich meist pünktlich Feierabend machen kann und mich danach auch nicht mehr mit dem Job beschäftige. Als Selbständiger ist man ständig in Kontakt mit Kunden und nach dem Tagewerk muss auch noch die Buchhaltung erledigt werden.

Zufriedenheit kann man nicht erzwingen aber man kann sie sich Stück für Stück zurück holen indem man sich klar macht was einem wirklich wichtig ist. Nicht Trends oder Traumschlössern zu erliegen, sondern die Dinge auch anzuerkennen, die hier und jetzt glücklich machen anstatt neidisch auf das Leben anderer zu sein. Es kann inspirieren aber jeder Mensch ist anders und nicht jeder ist für dieses andere Leben geschaffen.

Danke Mareike für deinen Gastbeitrag.
Schaut doch mal auf Ihrem Blog vorbei:  “Weggefährte | ein Blog von Pilgern für Pilger

15 Kommentare

  1. Martin

    Danke Mareike für diesen ansprechenden Text.
    In Vielem darin habe ich mich auch gesehen.
    Es gibt so Aspekte eines «Minimalismus», den viele vielleicht gar nicht als solchen erkennen würden. Das Wichtigste scheint mir aber immer und immer wieder, dass man in dem was man tut, hat und ist, glücklich ist. Und vor allem nicht vergleicht. Denn wie sagte es der dänische Philosph Søren Kierkegaard so treffend: «Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit. »

  2. Jondy

    Danke 🙂 Insbesondere der Jobaspekt spricht mich an – da ich mich hier immer etwas unter Druck fühle – du musst DAS finden – und sonst lebst du nicht richtig. (und mich das Thema gerade auch generell sehr sehr beschäftigt)
    In Bezug auf den Minimalismus. Habe ich für mich erst resümiert, dass ich ja (noch) keinen entsprechenden Lebensstil lebe. Andererseits hat bei mir die Beschäftigung mit dem Thema einen Einstellungswechsel bewirkt. Den Blick auf die Dinge. Dass ich nicht unbedingt alles brauche – und auch, dass der Wunsch danach dann “weg” sein kann – und sich das unheimlich gut anfühlt. Und das, trotz einer noch vollen (chaotischen) Wohnung. Also ist Minimalismus vielleicht auch mehr ein angenehmes Gefühl im Kopf und eben, wie du sagtest, die Konzentration aufs Wesentliche. Und das kann alles auch ein Prozess sein.

    • Ja ein Prozess ist es auf jeden Fall. Es hat bei mir auch einige Jahre gedauert bis ich an diesem Punkt angekommen bin und hin und wieder träume auch ich noch von einem etwas anderen Leben. Aber wenn man sich dann ganz bewusst mit sich und dem was man hat auseinander setzt, ist es oft garnicht mehr wünschenswert. Alles ist gut so wie es ist. Vielleicht ein paar kleine Optimierungen heir und da und dann ist es perfekt.

  3. Hallo Mareike,
    Danke, dass du so offen schreibst, was viele denken.
    Aber: Digitaler Nomade zu sein ist “extrem”? Das empfinde ich absolut nicht so. Es ist einfach ein anderer Weg. Auch als Digitaler Nomade kannst du eine Homebase haben und reist nicht zwangsläufig ständig von einem Ort zum anderen. Aber ich glaube ich verstehe trotzdem was du meinst. Minimalismus muss nicht immer gleich bedeuten, dass du nichts mehr besitzt, auf dem Boden schläfst und dein Konsum gen Null geht oder dass du ohne Wohnung lebst und dich selbstständig machst, weil Angestellten-Jobs Zeitfresser sind. Was für den einen ein Traum und Luftschlösser sind ist für den anderen gelebte Realität, in der er sich wohlfühlt.
    Dass ich tatsächlich ähnlich denke, wie du, kannst du auch an meinem Artikel sehen, der heute zum Thema “Verzicht” online gegangen ist. Ich möchte auch nicht verzichten. Nicht auf schöne Dinge und auch nicht auf das Ausleben meiner Kreativität. Aber “Verzicht” bedeutet eben nicht für jeden das gleiche und fängt auch bei jedem Menschen woanders an.
    Ich hoffe, dass du mit diesem Artikel ein paar Menschen wachrütteln konntest, die gerade ihr Leben in eine Richtung lenken, in die nur wollen, weil es gerade so viele tun. Als Digitaler Nomade um die Welt zu reisen ist nämlich tatsächlich nicht immer die grünere Seite 😉
    Liebe Grüße, Silke

    • Hallo Silke,

      natürlich ist das digitale Nomadentum nur eine andere Lebensweise und nicht unbedingt ein Extrem. Man kann auch da bestimmt viele Formen entwickeln. Es ist natürlich schön, wenn ich einfach mit einem kleinen Netbook an einem Badesee in der Nähe in der Sonne liegen kann und damit Geld verdiene. Es muss nicht der exotische Strand in Thailand sein.
      Deinen Artikel, werde ich mir nachher in Ruhe einmal durchlesen.

      LG

  4. Ich kann dich so gut verstehen.

    Wir sind eben alle verschieden und nicht jedes Lebenskonzept passt für jeden.

    Es hört sich toll an, sein eigener Chef zu sein. Ich habe nach 10 Jahren Selbstständigkeit diesselbe dieses Jahr an den Nagel gehängt und bin wieder in eine Festanstellung gegangen. Und ich fühle mich dadurch so frei. Freier als mit der Selbstständigkeit.

    • Hallo Birgit,

      es ist schön auch mal eine andere Sicht zu lesen. Mich würde interessieren, was dich genau dazu bewegt hat wieder in eine Festanstellugn zu gehen. Die Selbständigkeit wird momentan gerne auf Lebensberatungsblogs als Ausbruch aus dem Hamsterrad propagiert aber auch viel schön geredet. Aber ich finde es immer sehr einseitig beleuchtet.

      LG

  5. Hallo Mareike,
    schöner Artikel. Danke!
    Denke ähnlich.

    Würde gerne um 15 qm verkleinern wenn ich eine süße, kleine Wohnung zentral finde. Deshalb macht meine Minimalismus-Safari durch meine Wohnung auch gerade wieder Sinn. Und Spaß! Ich denke mal, es liegt an der Lebensphase. Kind groß. Ich koche kaum noch. Wenn, brauche ich 5 Sachen dazu. Alles, was nicht da ist, macht keine Arbeit. Ist immer mein Motto. Und langfristig denken. Bauwagen restaurieren und dann doch wieder in einer Wohnung leben, macht für mich auch keinen Sinn. Auch die Geschichten gibt es. Will ich 600 Arbeitsstunden in so was investieren? Auch die Angaben sind immer spitze. Dann sitze ich da mit Taschenrechner und überlege, dass ich mit kleiner Mietwohnung mehr Freiheit hab. Ich muss nur anrufen und die Sachen werden repariert. Die Stelle ist wieder nass vom Sommer. Bin gespannt wann die erste Holzmotte wieder hier rumflattert. Vielleicht bin ich dann schon weg.

    Liebe Grüße – Tanja

    @ Michael
    Könntest du den DVD auch selbst reparieren für Mama Klumb, wenn du beruflich so filigrane Dinge reparierst?

    • Ja manchmal rechne ich auch gegen ob es der Aufwand und der Stress wert ist und dann merke ich dass eigentlich alles gut so ist, wie es ist. Wenn sich etws im Leben änder geht es auch immer mit anderen Veränderungen einher, die dem angestrebten Minimalismus entgegen wirken. Aber genau an dem Punkt ist es ratsam einen Schritt zurück zu treten und vielleicht eine Auszeit von seinem angestrebten Ziel zu nehmen. Man kann es später bestimmt weiter führen.

  6. Zufriedenheit erreicht man meiner Meinung nach nicht im Verfolgen von großen Plänen oder dem neidvollen Blick auf das, was andere Menschen haben. Das hast du schön beschrieben. Gerade beim Thema beruflicher Zufriedenheit, ist das etwas, was vermutlich viele Menschen (mich auch immer wieder mal) umtreibt. Man sollte (das schreibst du ja auch) nur vorsichtig mit dem Wunsch umgehen, sein liebstes Hobby zum Beruf zu machen. Eben aus denen von dir genannten Gründen.

    Gruß, Marco

    • Genau das sind die Kernpunkte. Ich glaube man kann sich sein liebstes Hobby auch dadurch vermiesen, wenn man sich damit selbständig macht. Es kann eine Art Hassliebe entstehen und das möchte ich für mich vermeiden.

  7. Hi Mareike,
    dank dir für den Text, er hat viel Wahres. Entschleunigung ist ein wirklich wichtiger Aspekt zum glücklich sein. Über einen Satz stolperte ich aber besonders: Es muss auch nicht Übersee sein, denn in Europa gibt es genug für ein ganzes Leben zu entdecken.
    Für mein Leben habe ich die Priorität gesetzt möglichst viele Erfahrungen zu machen, allerdings auch ein möglichst glückliches Leben zu leben.
    Nun habe ich in letzter Zeit viel über das Thema Nachhaltigkeit nachgedacht und wie ich es überhaupt wagen kann, zu planen einmal um die Welt zu reisen. Viele meiner Ziele liegen zwar in Europa oder auf dem eurasischem Kontinent, aber reicht das wirklich aus? Was ist mit all den Wundern die ich verpasse? Ist es nicht mir selbst gegenüber die Pflicht mehr zu sehen?
    Nachdem ich heute Abend deinen Text und diesen Satz las dachte ich nochmal nach und musste feststellen, das es eben nicht mein Leben mit möglichst viel vollzustopfen, sondern viel eher genug zu machen um nicht zu bereuen aber dennoch nicht zuviel. Da mich dies nur belasten würde. Denn dann wäre ich wieder einer jener unersättlicher Menschen, wie die ich eben nie werden wollte.
    Natürlich ist das alles ein wenig hypothetisch und vielleicht wäre mir dieser Gedanke auch an einem späterem Zeitpunkt oder vielleicht beim Reisen gekommen. In diesem Fall aber kam mir dieser Gedanke dank der 17 Worten von dir.
    Ich denke du erreichst einige Menschen, aber in diesem Falle hast ein Teil meines elementaren Denkens verändert und verbessert und dafür denke ich dir. 🙂
    Ach und bitte entschuldige den langen Text.

    Gruß Wochenendabendteurer Tom

    • Das freut mich Tom. Ich war auf dem Jakobsweg mit unheimlich vielen Menschen in Kontakt von Japan bis Australien. Manche davon regelrechte Weltenbummler. Eine Person ist mir dahin gehend eher negativ aufgefallen. Da kam viel Selbstwert über Reisen und Geld. Aber vor der eigenen Haustür kennen die wenigsten Menschen die Sehenswürdigkeiten und die schöne Natur. Reisen sind Momentaufnahmen und was ist danach? Es ist ein Erinnerung aber lohnt sich manchmal die lange Anreise? Ich muss Interesse an der Landschaft und der Kultur haben um in ein Land zu Reisen, daher fallen viele Länder, die andere unbedingt sehen möchten für mich schon mal raus. Manche Ziele werden auch einfach total gehypt oder gut vermarktet wie z.B. günstige Backpacking Trips durch Asien.

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