gehe langsam, wenn du es eilig hast

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Die lange Arbeitszeit macht mich krank, ich bin müde und schlapp, ich habe zu viele Termine, ich kann es nicht ändern, das Hamsterrad lässt mich nicht los. Irgendwann wird alles besser. Diese Sätze kennt bestimmt jeder von uns, teils von Freunden und Bekannten oder von sich selbst. Was ich durch meine Auseinandersetzung mit Minimalismus und Achtsamkeit gelernt habe, ist, dass dies zwar alles stimmt, aber man dieses Thema auch von einer ganz anderen Seite betrachten kann. Du kannst alle anderen in deinem Leben dafür verantwortlich machen, dass du gestresst bist, oder du kannst selbst Verantwortung dafür übernehmen und etwas ändern. Man kann sich kleine Oasen schaffen, in dem man das Aufbrühen von Tee oder Kaffee zu einem Ritual erhebt, man kann langsamer gehen, oder den Abwasch von Tellern dazu nutzen, um runter zu kommen. Manchmal sind es ein paar tiefe und bewusste Atemzüge, die uns die Kraft geben herunter zu kommen.

Wenn wir diese Schritte gegangen sind, können wir uns auch mit den anderen Baustellen beschäftigen. Macht mir mein Job gar keinen Spaß? Oder kann ich die Situation durch gezieltes Ansprechen in Meetings oder eine Reduzierung der Stundenanzahl entschärfen. Wenn mein privater Terminkalender zu voll ist, sollte ich mir Zeit für wesentlichere Dinge reservieren, Zeit für einen Spaziergang im Wald einplanen oder für das bewusste lesen einiger interessanter Blog Artikel.

Als Tipp möchte ich dir noch auf den Weg geben, dass du einfach einmal auf Zeitlupe umschaltest für ein paar Minuten. Das mag sich zwar etwas komisch anhören, allerdings, wenn du es einmal ausprobierst, wirst du den positiven Effekt spüren. Gehe ganz langsam durch deine Wohnung, nimm dir 3 Minuten für das Abspülen eines Tellers oder verlangsame dein Sprechtempo. Das innen und außen ist mehr miteinander vernetzt, als wir uns eingestehen wollen und das eine beeinflusst das andere.
In diesem Sinne wünsche ich euch ein wenig Entschleunigung.

  1. Hey Michael,

    hier ist dazu mal ein Auszug aus einem älteren Beitrag von mir. Passt perfekt zu deinem Statement, wie ich finde:

    „…An einem Sommernachmittag fuhr ich mit meinem Wagen über eine viel befahrene Landstraße. Auf der Rückbank saß mein fröhlich pfeifender Neffe, den ich absprachegemäß zu einer bestimmten Zeit wieder zu seinen Eltern bringen wollte. Da kam mir der, durch einen überbreiten Mähdrescher verursachte Stau mehr als ungelegen.
    Ich schäumte vor Wut und mein Neffe sprühte Funken vor Begeisterung, wobei er seiner Affinität zu Landmaschinen freien Lauf ließ. Ich habe ein ärgerliches Hindernis gesehen und er ein unglaublich spannendes Vehikel. Ich befand mich fluchend im Unglück und er war glücklich. Auf seine Frage, warum mich das so ärgern würde, erklärte ich ihm, dass wir jetzt zu spät kämen, was so nicht sein sollte.
    Er lachte und sagte: „Ich finde das aber sehr schön. So kann ich noch etwas mehr Zeit mit dir verbringen. Das ist doch mal ein tolles Geschenk. Danke Mähdrescher!“
    Und das muss ich mir von einem 11jährigen anhören. Wir saßen jetzt gemeinsam lachend im Auto und haben uns über das kleine Geschenk gefreut. Irgendwo auf dem Weg langen Weg müssen meine Sensoren …
    Manchmal liegt das Glück also tatsächlich im Unglück verborgen!
    Dieser besondere Moment mit meinem Neffen hat meine Sichtweise auf das Glück grundlegend verändert. Manchmal ertappe ich mich jetzt dabei, wie ich schmunzelnd vor einer roten Ampel stehe und „Danke“ sage, oder in der Schlange an der Kasse kurz lächelnd durchschnaufe. Etwas mehr Demut und Dankbarkeit hat noch niemandem geschadet. …“

    Gruß Axel

    • Haha, die Weisheit eines 11 Jährigen darf man nicht unterschätzen! Ist die Frage an welcher Stelle wir „Erwachsenen“ diese Weisheit verloren haben…

  2. Miss Coolblue

    Hallo!
    Da muss ich dir zustimmen. Manchmal übermannt einen der Stress regelrecht. Grad bei Stau, wie heute Morgen und Termindruck. Ich versuche dann auch immer runterzufahren. Ändern kann ich eh nichts.
    Ich habe mir angewöhnt Dinge wie Abwasch und Betten machen zu erledigen, getragene Kleidung nicht in die Ecke zu werfen, sondern aufzufalten und für den nächsten bereit zu legen. Mal schauen wie lange ich das durchziehe. Komischerweise ist das weniger stressig als gedacht, weil die Wohnung immer ordentlich ist und ich so keinen Gedanken an das Aufräumen und die Unordnung verschwende. Erst danach gehts ab auf die Couch. Was solche Kleinigkeiten schon im Stressempfinden bewirken können ist klasse. Aber auch die 5 Stunden weniger Arbeitszeit haben einiges bei mir bewirkt. Wenn ich die wieder drauf packen würde, dann wäre Stress vorprogrammiert.

    LG

  3. Entschleunigt bin ich seit ich ein Kind habe. Kinder kann man nicht antreiben. Sie beschleunigen nicht. Die haben immer Zeit.

    Es ist alles Lebenszeit. Die will ich genießen und nicht abarbeiten. 🙂

  4. In unserem hektischen Alltag übersehen wir alle manchmal wie schön es eigentlich um uns herum sein kann. Mir war der Auslöser allerdings kein Kind, sondern mein Hund =D. Während ich darauf gewartet habe endlich wieder rein gehen zu können und weiterzuarbeiten, hat mein Hund genussvoll jeden Moment beim Spaziergang genossen, egal ob es die leichten Schneeflocken, erste Sonnenstrahlen oder interessante Gräser und Bäume waren. Alles um uns herum war interessant und wenn man anstatt auf sein Handy auf die Umwelt um sich herum achtet, bemerkt auf einmal wie schön manche Sachen eigentlich sind =) LG aus dem Grödnertal

  5. Hallo Michael – 100% Ja!!
    Vor weltbewegenden Änderungen, ggf. auch (sinnvolle) neue Jobsuche – erstmal ganz konkret und direkt und langsam, bei all den Dingen, die so gerade anstehen. Mir hilft es schon manchmal einfach einige Male bewusst und lange auszuatmen. Ich bin beruflich öfter mit Dienstwagen unterwegs: Ich achte dann öfters drauf, wenn ich ins Auto gestiegen bin: Wie unter Strom stehe ich da gerade? Müssen die Schultern hochgezogen sein? Manchmal nach einem sehr anstrengenden Termin, halte ich auch auf einem Parkplatz erstmal wieder an, ein paar Mal hoch und runter laufen – da reichen oft 2 Minuten. – Spülen zum runter kommen: das werde ich auch nochmal ein wenig probieren – gelingt mir nämlich noch so gar nicht.

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