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Ich bin was ich Besitze? Nicht wirklich !

© Christopher Nolan - Fotolia.com

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Ihr kennt bestimmt noch alle den Werbespot einer großen Sparkasse, wo sich 2 Männer übertrumpfen. Mein Haus mein Auto meine Jacht. Aber wie viel davon braucht man wirklich? Es kommt mir immer so vor, wie das Imponiergehabe im Tierreich. Eine der häufigsten Fragen an Minimalisten ist wohl: „Wie ist die Reaktion der Menschen in deinem Umfeld auf deinen Minimalismus?“.  Diese sind sehr unterschiedlich von „Du hast kein Auto?“ „Hast du denn überhaupt einen Führerschein?“ „Du musst sicher lange pendeln?“ „Du hast „nur“ 42qm und kein separates Schlafzimmer?“. Irgendwie ist in der Gesellschaft immer noch mehr haben gefordert und nicht das mehr Sein.

Die Gesellschaft, „hast du was, bist du was“, definiert sich über das Materielle und nicht darüber, was den Kern eines Menschen ausmacht. Es gibt da draußen so viele Menschen, die sich an Ihren besitzt, klammern, denen Ihr Laptop als Erweiterung der Selbstdarstellung dient.
Es macht mich traurig, dass Menschen sich nicht mehr als das begegnen, was sie sind, sondern was sie versuchen darzustellen.

Das letzte Hemd hat keine Taschen und deswegen sollten wir nicht versuchen krampfhaft an allem und jedem festzuhalten, sondern uns im Loslassen üben.
Natürlich brauchen wir einen gewissen Konsum um die Wirtschaft am Laufen zu halten, aber Konsum bedeutet an sich: Kauf und verbrauch von Gütern des privaten Ge und Verbrauchs. Das ist grundsätzlich nichts Schlechtes, gehört zum Leben dazu.
Ich kann an der Stelle nur einmal wieder auf Haben oder Sein von Fromm verweisen.

Die Summe dessen, was mich ausmacht, kann man nicht erfassen, wenn man durch meine Wohnung geht, oder sieht, welche Bücher ich gelesen habe, mein sozial Media Profil durchsucht. Sondern nur in persönlichen Gesprächen und einander kennenlernen. Deswegen ist mein Fazit: Ich bin nicht, was ich besitze, sondern viel mehr.

Wie sieht dein Fazit aus?

16 Kommentare

  1. Ich versuche mal eine Gegenposition einzunehmen.
    Natürlich kann ich dich (teilweise) erfassen, wenn ich deine Konsumentscheidungen kenne, weiss, was du kaufst, welche Bücher du gelesen hast und dein Social Media Profil studiere. Auch wenn immer ein Puzzle-Teilchen (oder mehrere) fehlen. In persönlichen Gesprächen werde ich dich realistisch auch niemals ganz erfassen und kennenlernen können.

    Viele Menschen unterschätzen, wie viel wir über Menschen erfahren können, wenn wir aufmerksam ihre Verhaltensweisen beobachten. Egal wie klein die Dinge sind, die sie tun. Ich lerne so viel mehr über dich, wenn ich dir zusehe, wie du der Dame hinter dir beim Weg aus dem Kaufhaus die Tür vor die Nase knallen lässt, als wenn du mir im Gespräch erzählst, dass du gesteigerten Wert auf soziale Rücksichtnahme im Alltag legst. (wobei ich nicht sagen will, dass du dies tun würdest 😉

    Ich denke, „Du bist, was du machst“ ist treffender als „Du bist, was du hast“ oder „Du bist, was du sein willst“. Das Haben ist für mich ein sichtbares Zeichen dessen, was du gemacht hast. Machst du einen Führerschein, dann hast du die Karte in der Hand. Zugegeben, mit massig Interpretationsspielraum, aber immerhin ein erster Ansatzpunkt.

    Auf meinem Laptop klebt ein Aufkleber. Damit habe ich also „Dinge als Erweiterung der Selbstdarstellung“. Dennoch würde ich mich nicht zu den Menschen zählen, die sich durch ihren Besitz definieren. Womöglich wirke ich aber doch nach außen so.

    Mein Fazit ist, die Summe dessen, was mich ausmacht, wirst du bzw. irgendjemand niemals ganz erfassen können. Ich vermutlich selbst auch nicht. Aber ich kann mich entscheiden, welche Bereiche ich gerne betonen möchte und mich entsprechend verhalten. Und ich bin ganz und gar bei dir, was ich besitze bin nicht ich nur, aber eben auch.

      • Stephan S.

        Genau das stimmt. Jeder kann sagen was er tut oder nicht. Für mich ist wichtig was ein Mensch macht. In den Social Medias kann jeder eine Scheinwelt aufbauen, was er eigentlich gar nicht ist. Deshalb schaue ich mir Menschen gerne Real an, da fällt ganz schnell der Schein. Ich habe auch mich räumlich verkleinert von 72m2 auf 25m2. Es tat einfach gut. Besonders in den Bergen muss ich nicht sein,sondern ich bin. Ich habe wenig Kleidung, dafür gute.

  2. Weniger ist mehr. Wenn das Wenige exzellent ist. Die wenigen Dinge, die ich noch besitze, will ich in guter Qualität. Hab ich ne Senseo, weil mein Besuch denkt, die hat ne Senseo? Oder weil mir der Kaffee so am besten schmeckt? Ich glaube: beides. Ich bin nicht frei von Statussymbolen. Insgesamt geht’s mir aber ums Erleben. Nicht um Dinge besitzen und pflegen. Vor Jahren hab meine Bohrmaschine und Akkuschrauber einem kleinen Jungen geschenkt. Ich mach das schneller von Hand (Bröselwände). Schadet das jetzt meinem Image? Ein separates Schlafzimmer ist gut, wenn man es nutzt. Das Konzept ging bei mir nicht auf 🙂

  3. nyl

    Ist es nicht so, dass man gerade als Minimalist, der eine bewusste Entscheidung darüber trifft, was er besitzt oder nicht besitzt, viel eher durch den Besitz widerspiegelt, wer man ist?

    Von daher würde ich mein Fazit (auch als nicht praktizierende Minimalistin) „ich bin nicht nur, was ich besitze, sondern viel mehr“ lauten (für einige mag aber auch „ich bin ein Teil von dem, was ich besitze“ zutreffen…).

  4. Christina

    Die Menschen, die am meisten besitzen sind oft tatsächlich die ärmsten, weil sie nimandem haben, mit dem sie ihren Besitz teilen können oder zu viel arbeiten, um die angeschafften Dinge dann auch genießen zu können.

    Gruß Chrisi

    • Das sehen wir in romantischen Hollywood-Filmen, ja. Aber ich zweifel daran, dass das wirklich so ist. Eine simple Gleichung: Viel Besitz gleich seelische Armut greift für mich zu kurz.

      Wenn ich andere Menschen mit meinen eigenen Gutmenschen-Maßstäben messe, dann sind sie – sofern sie abweichen von meinem Idealbild – eben arm dran. Aber womöglich haben andere Menschen auch andere Lebensmaßstäbe.

      Wie der Rheinländer sagt: Jeder Jeck ist anders. Wir sehen uns quasi mit einer Vielzahl von möglichen Lebensmodellen konfrontiert. Und gerade Vielfalt ist es doch, die bereichert?!

    • Ich weiß nicht. Die Menschen, die ich kenne, die viel besitzen, haben es in der Regel erarbeitet. Ich stelle mir das sehr gut vor: Mut haben, etwas zu wagen, eine Selbstständigkeit, einen Weg zu wählen und dann alles daran zu setzen, das Gewünschte zu erreichen. Und am Ende der Erfolg, der vielleicht auch finanziell gesehen weit über dem liegt, was ein „normaler Angestellter“ je erreichen kann. Alle, die ich kannte, haben nicht nur geteilt, sondern auch ihren Erfolg genossen.

      Ich weiß nicht, woher Deine Erfahrung rührt – ich selbst kenne nun auch nicht unendlich viele wohlsituierte oder reiche Menschen. Und sie sind auch sehr unterschiedlich.

  5. Ich bin nicht, was ich besitze. Jedoch beschäftigt mich mein Besitz. Umso mehr ich habe, umso bin ich gehalten, mich zu kümmern … Womit verbringe ich meine Zeit und was macht das mit mir? Habe ich Zeit, um das zu tun, was ich möchte und was mich weiterbringt?

    Mein Fazit heißt daher: Meinen Besitz möchte ich darauf beschränken, was ich wirklich benötige in meiner aktuellen Lebenssituation. Das kann auch der ein oder andere Luxusgegenstand sein, wenn er mir Freude schenkt. Über massives Entrümpeln von Dingen und zeitliche Begrenzung ab und zu notwendiger Alltagspflichtaufgaben habe ich mir daher Zeitfenster geschaffen, um die Dinge zu tun, die mir am Herzen liegen und mich wachsen lassen, zu der, die ich wirklich bin.

    Viele Grüße,
    Anja

  6. Ich denke dass das in unserer Gesellschaft nicht mehr als logisch ist.

    Jeder Grundschulabbrecher weiss Ferrari = Reich = Mehr als Ich.

    So einfach ist die Welt und so funktioniert sie auch.

    Es ist eben einfacher materielle Dinge als Reichtum zu bezeichnen als immaterielle.

    Grüße aus Kaiserslautern

    Philipp

  7. Stephan (ein anderer)

    Ich glaube, das große Problem ist nicht, dass andere von uns erwarten, dass wir dieses oder jenes Konsumgut besitzen, sondern dass wir glauben, dass sie es von uns erwarten. Ich habe zum Beispiel kein Auto, hatte noch nie eines, obwohl ich einen Führerschein gemacht habe. Zunächst dachte ich auch, dass das vielleicht etwas komisch wirkt, aber ich wurde nie darauf angesprochen. Ich lebe in einer kleinen Ein-Zimmer-Wohnung, viele Freunde und Bekannte leben in ihren schicken großen Stadtwohnungen, aber nie hat mich jemand gefragt warum ich in dieser kleinen Wohnung lebe, obwohl ich mir etwas größeres leisten könnte. Eine Bekannte von mir hat keinen Internetanschluss, aber warum sollte mich das weiter interessieren? Was sagt das über die Person aus? Nichts.

    Es ist dasselbe wie mit kleinen Schönheitsmakeln. Man steht morgens ewig vor dem Spiegel und versucht den kleinen Pickel auf der Stirn zu verstecken, der, so glaubt man, jedem sofort ins Auge springen müsste, versucht ewig die Frisur vernünftig zu legen und ärgert sich über die Strähne, die nie so fällt, wie man es sich wünscht. Tatsache ist: uns selbst fallen diese kleinen Makel viel mehr auf als anderen. Viele bemerken sie gar nicht erst und wenn doch mal jemand den kleinen Pickel bemerkt, dann ist ihm das meist völlig egal und keinen Kommentar wert.

    Das Problem ist also nicht wirklich die Gesellschaft an sich, sondern unser Bild von der Gesellschaft, das recht verdreht ist. Es ist die Werbung, die uns glauben macht, es würde sich alles nur um Schönheit und Besitz drehen. Und dieses Bild, dass uns über die Werbung vermittelt wird, versuchen wir in die Wirklichkeit zu übertragen, wir glauben daran und sind oft blind dafür, dass unsere Gesellschaft in Wirklichkeit wesentlich weniger oberflächlich ist, als wir denken.

    • Cooler Kommentar, Stefan. Ich finde, Du triffst es ziemlich genau: „Die Gesellschaft“ ist nur in unserem Kopf, natürlich fleissig beeinflusst durch Werbung, Medien, Mitmenschen… Wir sollten eben gerade nicht das Bild der Gesellschaft aus Werbung in unser Leben übertragen. Wir sollten erkennen, dass es ein Bild ist. Vielleicht ist es nur unsere Bequemlichkeit, die uns das vorgegebene Bild wählen lässt.
      Ich selber hatte angeregt durch diesen Beitrag auch etwas in meinem noch recht frischen Blog w5x.de geschrieben. Was mich momentan sehr beschäftig ist genau dieser Schritt: Wenn man das Bild der Gesellschaft nicht einfach mitleben will, sondern rebelliert, etwas Eigenes möchte: Wie man da hin kommt. Ich finde, dass es da anfängt spannend zu werden.

  8. Pingback: Der Kern des Menschen | willnix

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