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Minimalismus Podcast Folge 7

MK

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Die neue Folge des Minimalismus Podcast ist gerade online gegangen und über iTunes und die Website verfügbar. Heute geht es um Erich Fromm und von Haben zum Sein.

Ich wünsche euch viel Spaß beim hören.

P.S. über Kommentare auf www.minimalismus-podcast.de freuen wir uns sehr

4 Kommentare

  1. shinsei

    Hallo,

    vielen Dank für die angenehm ausführlich Podcast-Folge. Die Differenzierung zwischen Dingen, die einen Zweck erfüllen und solchen, die darüber hinaus auch noch anderen Zwecken dienen, erscheint mir problematisch. Wenn man immer nur das einfachste Produkt wählt, dass eine bestimmte Funktion erfüllt, ist es ohne Frage leicht und zu geringen Kosten ersetzbar, so dass man keine Angst vor Verlust hat. Oft sind solche Produkte aber nicht die langlebigsten und nachhaltigsten Produkte. Außerdem lese ich immer wieder, dass Minimalisten nur wenige, dafür aber hochwertige Produkte wählen.

    Nehmen wir als Beispiel eine Armbanduhr: Den Zweck die Zeit anzuzeigen, erfüllt eine Casio-Digitaluhr zum Preis von ca. 25 Euro voll und ganz (und meiner Meinung nach besser als eine Swatch für 65 Euro). Wählt der Minimalist hingegen eine mechanische Uhr, möglicherweise mit Manufakturkaliber, so wird diese auch dem eigentlichen Zweck dienen, die Uhrzeit anzuzeigen, wird darüber hinaus von anderen Personen eventuell als Statussymbol interpretiert. Wie geht Ihr damit um? Den Gedanken, dass Eigentum an hochwertigen Produkten und die Furcht vor deren Verlust belastet, hatte ich bisher noch nicht in mein Minimalismus-Konzept einbezogen und habe statt vieler lieber ein einziges Produkt gewählt, das dafür aber hochwertig und dessen Ersatzteilversorgung langfristig gesichert ist. Das ging aber stets mit einem hohen Anschaffungspreis einher (Rolex statt Casio, Leica statt Canon etc.). Dass es auf der anderen Seite sehr befreiend sein kann, nur wenige Dinge zu besitzen, die dann auch noch einen geringen Wiederbeschaffungswert haben, klingt logisch, fügt sich aber derzeit nicht in mein Konzept bzw. mein Bild vom modernen Minimalismus ein und steht meiner Meinung nach auch im Widerspruch zum Gedanken der Nachhaltigkeit. Viele (nicht alle) Produkte mit geringem Wiederbeschaffungswert habe ich im Geiste als typische Konsumprodukt betrachtet, die gerade unbedacht erworben und schnell „verkonsumiert“ werden, ohne dass dich der Käufer Gedanken über die Konsequenzen des Konsums machen würde. Allerdings muss ich eingestehen, dass ich bisher noch keine Umweltbilanz über die Auswirkungen der Anschaffung von 10 Casio-Uhren gegenüber der Anschaffung einer Rolex gelesen habe, die dann über 30 Jahre getragen wird, ohne dass andere Produkte in Anspruch genommen werden.

    Kurzum, ich empfinde ich es widersprüchlich, auf der einen Seite bei der Anschaffung nur die Funktionalität zu einem geringen Wiederbeschaffungswert im Auge zu haben und auf der anderen Seite möglichst hohe Qualität und Langlebigkeit zu fordern und habe aus der aktuellen Podcast-Folge herausgehört, dass Euch der Erwerb von Produkten des Status wegen nicht behaglich ist. Ich habe es bisher so gesehen, dass der typische Konsument ohne sich Gedanken über die Auswirkungen auf die Umwelt zu machen alle paar Jahre Jahre mit einem neuen Produkt daherkommt, um seine Nachbarn zu beeindrucken (eine Canon-Kamera nach der anderen), während der Minimalist über Jahrzehnte mit einem Produkt zufrieden ist (ein Mal eine Leica gekauft und Ruhe ist). Nun zeichnen sich aber doch gerade die hochwertigen Produkte durch eine Statuswirkung aus. Mir war das bis zu Eurem Podcast egal bzw. war für mich der Preis des Minimalismus (wenig, dafür aber hochwertig). Seht Ihr an dieser Stelle einen Konflikt und wie geht Ihr damit um?

    Besten Dank für Eure Meinung hierzu und viele Grüße

    shinsei

    • Hallo shinsei,
       
      Danke für Deinen sehr ausführlichen Kommentar. Ich sehe in der Wahl eines qualitativ hochwertigeren und damit langlebigeren Produktes keinen Widerspruch zu den Ausführungen von Fromm. Dein Beispiel mit der Uhr trifft es sehr genau. Es handelt sich hier um eine Marke, die trotz des hohen Preises eine sehr gute Qualität bietet. Dies ist längst nicht mehr bei allen sogenannten premium Marken der Fall. Die Ersatzteilbeschaffung über Jahrzehnte ist nicht mehr gewährleistet und bei Elektronikgeräten werden künstliche Sollbruchstellen eingefügt, die den Konsumenten zu Neuanschaffungen zwingen sollen.
      Minimalismus ist für mich nicht nur wenig aber hochwertig, Sondern auch ein Stück weit Askese und Verzicht, den Widerspruch sehe ich somit in der Außenwahrnehmung.
      Für mich ist eine Uhr zum Beispiel durch mein Smartphone überflüssig geworden. Allerdings habe ich mir vor 2,5 Jahren ein MacBook Air gekauft. Ich nutze dieses 11 Zoll seither für alles und habe andere Desktop Pc´s und Laptops weggegeben. Die Qualität (93% Akkuleistung nach 2,5 Jahren und über 500 Ladezyklen) steht dem recht hohen Anschaffungspreis in einem guten Verhältnis gegenüber.

      Viele Grüße

      Michael

      • shinsei

        Hallo Michael,

        vielen Dank für Deine Antwort. Bei mir ist es anders: Ich nutze mein MacBook aus 2008 und überlege auf mein iPhone 4 mit Auslauf des Vertrags zu verzichten, da ich es eigentlich nur zum Konsum von Podcasts verwende und sonst alles mit dem MacBook erledige. Eine Armbanduhr erscheint in meinem Alltag hingegen unerlässlich, da ich darauf verzichtet habe in jedem Zimmer eine (Regal- oder Wand-) Uhr unterzubringen und die freien Flächen genieße.

        Beste Grüße, shinsei

  2. Die Podcasts sind klasse! Ich bin jetzt minus 200 Sachen und vermisse nichts. Es ist viel Arbeit Plastik zu reduzieren, jedes Blättchen Papier durchzugehen, zu schreddern oder ordentlich abzuheften. Es lohnt sich! Ein Befreiungsschlag! Ich beneide meine Freunde nicht um ihre 6 Herdplatten, 2 Autos, ihr Haus. Sondern: Um ihre Feuerstelle im Garten. Und dich Michael um den Toplader. Irgendwann wieder.

    PS: Zum Glück habe ich eine Uhr am Handy. Sonst würde ich es gar nicht nutzen 🙂

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