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Sauer aufgestoßen: Hilfsbereitschaft in Bus & Bahn

© Nicole Effinger – Fotolia.com

Gestern stand ich wie die letzten Tage wieder in der Straßenbahn und musste folgendes Szenario zum dritten Mal in Folge beobachten. Die Straßenbahn war so überfüllt, dass die Gänge und der Türbereich sehr vollwar. Es sind dann Menschen eingestiegen, die für jeden offensichtlich einen Sitzplatz benötigen. Ob ältere Mitmenschen, oder Menschen mit körperlicher Einschränkung, das Bild war immer das gleiche. Sie haben sich zuerst Richtung Sitzplätze bewegt und dann gezögert. Niemand hat einen Sitzplatz angeboten bekommen. Wenn das nicht schon traurig genug ist, wurde das Ganze noch bizarrer. Die Menschen, die offensichtlich den Sitzplatz benötigten, holten ein Ausweisdokument hervor um sich für einen Sitzplatz zu legitimieren. Obwohl ich gestanden habe, hat mich das sehr tief berührt. Ich mache mir Gedanken über unsere Gesellschaft. Wenn es so viele egozentrische Menschen gibt, die noch nicht einmal einen Sitzplatz räumen, oder anbieten, ohne dass Sie ein Ausweisdokument sehen, wo kommen wir denn da hin?

Natürlich sind alle dann aufgestanden und haben den Sitzplatz freigemacht. Aber es sind diese Dinge, die eine Gesellschaft ausmachen.Die Tür aufgehalten, auf jemanden gewartet, jemand eine Stufe hoch geholfen, der Mutter mit dem Kinderwagen Hilfe angeboten. Ich weiß, dass viele jetzt auch mit dem Kopfschütteln werden und es Genua so sehen wie ich, aber trotzdem sollten wir einfach bei jedem dieser Vorfälle einmal darüber nachdenken, Hilfe pro aktiv, also als Erster anzubieten.Und als Ergänzung ist mir noch wichtig zu sagen, dass es nicht, junge Schüler waren, mit Rucksäcken, die ihren Platz nicht freigemacht haben.Es hätte jeder von uns sein können.

Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, die keinen Respekt vor dem Alter hat und keine Hilfsbereitschaft, schwächeren gegenüber zeigt. Also lasst uns alle, die Augen etwas weiter öffnen und jeden Tag aktiv jemandem helfen.

Wie sind eure Erlebnisse, als Helfer, Betroffener oder Zuschauer?

4 Kommentare

  1. Dieses Erlebnis in der Straßenbahn habe ich erlebt: Die Bahn war u.a. mit einer Schulklasse besetzt. Zugestiegen ist eine sehr alte, krummbeinige Frau mit Gehstock. Schon beim einsteigen in die Bahn hatte sie Schwierigkeiten. Die Beine funktionierten einfach nicht mehr so richtig. Ich kann mir vorstellen, dass ihr jeder Schritt weh getan hat. als die Bahn anfuhr, konnte sie sich kaum auf den Beinen halten. Schüler sind nicht aufgestanden – das habe ich (leider) erwartet. Aber geschockt war ich darüber, dass die begleitende Lehrerin keine Ihrer Schüler aufgefordert hat Platz für die alte Dame zu machen oder gar selbst aufzustehen. Dabei ist es doch ein so schönes Gefühl, wenn sich die älteren Mitmenschen für ein Platzanbieten freuen – für mich jedenfalls.

    Da fällt mir noch ein Witz dazu ein:
    Eine ältere Dame bat einen Halbwüchsigen in der Straßenbahn um seinen Sitzplatz, Der wurde verweigert. Die Frau bemerkte, dass das aber nicht sehr nett sei. Da schaltete sich eine Frau, die bei dem Jungen im Gang stand ein und sagte: „Mein Junge ist antiautoritär erzogen und kann selbst entscheiden ob er jemandem sein Sitzplatz frei macht.“ Darauf spuckte ein anderer Fahrgast die Mutter an, mit der Bemerkung: „Ich bin auch antautoritär erzogen.“

  2. Viola

    Ich habe da ganz andere Erfahrungen gesammelt. Bietet man einer älteren Person einen Sitzplatz an, dann sind diese sehr erbost und zornig. “ Ich habe das nicht nötig, ich bin noch nicht so alt “ oder “ Ich steige gleich wieder aus „. Auf der anderen Seite beobachte ich jeden Morgen das es viele junge Menschen gibt, die den Sitzplatz frei machen.
    Ich finde man kann dies nicht alles über einen Kamm scheren.
    Viel schlimmer sind die Leute, die über Ihr Handy gebeugt fern der Realität sind und in letzter Sekunde aufspringen, um aus zusteigen, andere anrempeln,weg schubsen und eventuell noch mit Gewalt die Türe öffnen.
    Es ist jeden Morgen ein interessanter Film…….

    • soki

      Fahre mit einer kurzen Ausnahme von 2-3 Jahren nur mit dem ÖPNV. Leider muss ich Viola recht geben. Ich wurde so erzogen, das ich immer aufgestanden bin und die älteren Menschen aktiv meinen Sitzplatz angeboten habe. Leider waren die negativen Reaktionen in der Überzahl, „von der schwankenden Oma mit Handtasche, die fast hinfiel „Nein Danke so alt bin ich noch nicht !“

      Von auf die Jugend weiterschimpfenden Opa während er sich auf meinen Sitzplatz bugsierte oder aggressive Antworten ala “ Du stehst ja sowieso nicht auf, Scheiß Jugend, kommt erstmal in mein Alter“ war alles dabei.

  3. Saskia

    Ich bin so erzogen worden: Für Senioren und körperlich eingeschränkte Personen räumt man den Platz, Bei Rollator, Kinderwagen und Co. bietet man Hilfe an beim Rein-/Rausheben und wenn man jemanden auf die Bahn zuhasten sieht, kommt der eigene Fuß in die Tür.

    Für mich sind diese Dinge selbstverständlich, leider gibt es aber genügend, die sowas offentsichtlich nicht kennen oder nicht kennen wollen.

    Gruß Saskia

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