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auf Umwegen ans Ziel

© Mopic - Fotolia.com

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Manchmal merkt man schon zum Beginn einer Reise, dass man in die falsche Richtung unterwegs ist. Man hat eine bestimmte Vorahnung, möchte sich aber nicht mit dieser auseinandersetzen sondern fährt weiter in die falsche Richtung, bis man selbst den nötigen Abstand gewinnen kann, um seine Entscheidung zu überdenken.

Mir ging es die letzten Wochen auch so. Ich habe eine Reihe neuer Projekte gestartet, die in neuen Blogs enden sollten. Ich habe mir Logos designen lassen, mir Domains gesichert, erste Brainstormings gemacht um dann festzustellen, dass ich gar keine Zeit dafür haben werde, mich diesen Projekten mit der nötigen Zeit und Disziplin zu widmen. Ich wollte übers Abnehmen schreiben, darüber, wie man einen Blog aufzieht und eine kleine Seite mit ein paar leckeren Cocktailrezepten anlegen (mein kleines eigenes Rezeptbuch). Doch heute kann ich sagen. Nein, das werde ich nicht tun.

Vielleicht hat es auch etwas mit dem Tod meines Vaters zu tun, den ich bis jetzt immer noch nicht begreife. Ich bin immer noch in der Phase des nicht wahr haben Wollens. Ich muss mich dieser Situation in nächster Zeit intensiver stellen. Ich glaube ich bin davor weggelaufen und wieder in mein altes Muster, des ständig beschäftigt Seins geflüchtet. Zuletzt habe ich beim Ausparken erneut die rechte Wand im Parkhaus gestreift. Ein Schaden, der mich jeden Tag daran erinnert, wozu Unkonzentriertheit führen kann.

Minimalismus hat mir mal wieder die richtige Richtung gezeigt. Weniger ist mehr.

Was ich daraus gelernt habe, ist, dass viele Entscheidungen bei mir aus dem Bauch heraus gefällt werden. Keiner dieser Ideen war grundsätzlich schlecht und ich hätte viel Herzblut in diese Projekte gesteckt (ganz abgesehen von den finanziellen Mitteln). Ich war aber etwas naiv zu glauben, dass es mit minimalem Zeitaufwand funktionieren könnte.

Wichtig finde ich, dass man an diesem Punkt, nach einer solchen Erkenntnis nicht zu hart mit sich ins Gericht geht. Viele Menschen müssen einfach ihre eigenen Erfahrungen machen, um an ihnen zu wachsen. Was sich als Umweg herausgestellt hat, war aber vielleicht genau der Weg, den ich gehen musste um wieder konzentrierter die Dinge anzugehen, die wirklich wichtig sind.

Ich sehe den Blog, den Podcast und die Treffen und Stammtische als Möglichkeit euch ein Stück weit aus meinem Leben zu erzählen und auch etwas von euch zu erfahren. Gemeinsam wachsen wir so,  Schritt für Schritt hin zu einem glücklicheren, stressfreieren, selbstbestimmten und reduziertem Leben.

 

19 Kommentare

  1. Steffi

    Lieber Michael,

    ich kann Dich gut verstehen, gerade nach solch einem Verlust (mein Vater ist vor 5 Monaten verstorben) ist es wichtig, sich auf sich selbst zu besinnen, Dinge auch loslassen zu können und sehr genau darauf zu achten, wie viel oder wie wenig man sich zumuten kann.
    Ich wünsch Dir viel Kraft und viel Zeit für Dich, um den Tod Deines Vaters in der Zeit zu verarbeiten, die dafür notwendig ist.

    Alles Liebe
    Steffi

  2. Spontan ging mir beim Lesen der Spruch durch den Kopf “Umwege erhöhen die Ortskenntnis”. Die Kunst ist wohl, sich nicht in den Umwegen zu verheddern. Das kenne ich auch: Der Übergang von aktiv zu Aktivismus ist schleichend und meistens wird irgendwas verdrängt: Eigentlich nötige Entscheidungen, verdrängte Emotionen, vor sich her schieben von unangenehmen oder langweiligen Aufgaben, Erschöpfung nicht wahr haben wollen, usw. – Mir hat dein Beitrag wieder einmal gezeigt, dass Minimalismus sehr viel mehr bedeutet, als “nur” Gegenstände zu reduzieren. Minimalismus bedeutet auch, immer wieder den eigenen roten Faden im Leben zu finden.

    • Ja genau so ist es. Ich habe in einem Podcast in den letzten Tagen gelernt, dass diese Ablenkung im Englischen auch einen speziellen Namen hat, der mir vorher nicht geläufig war. Das Shiny Object Syndrom

      Shiny Object Syndrome – Shiny Object Syndrome is the tendency for someone to get distracted by new thoughts and ideas, their own and others, and never focus or complete anything. In effect, the internet marketer is in such a state of constant distraction that they continually lose themselves in imagination and dreaming, instead of seeing the bigger picture and getting things done.” – from
      http://www.warriorwiki.com/w/index.php?title=Shiny_Object_Syndrome&oldid=435

  3. Sonja

    Ich habe mich in den ersten Sätzen wieder erkannt und überdenke gerade meine Entscheidung, die mal wieder mein Kopf getätigt hat. Dabei wächst mein Bauch Jahr für Jahr und ich beachte ihn und seine Wünsche nur sehr selten. Vielleicht wächst er darum. Keine Ahnung warum ich das ausgerechnet hier schreibe. Hat mein Bauch wohl entschieden und mein Kopf versteht es nicht.

    • Der Kopf muss nicht immer alles mit Logik entscheiden. Wir sind ja schließlich keine Vulkanier. Aber ich weiß was du damit sagen willst. Gib ihm einfach mal öfter die Chance und schau dann später einmal wie Sinnvoll diese Entscheidungen waren. Das schafft vertrauen und vielleicht auch eine andere gute Richtung

  4. anna

    lieber michael und liebe steffi

    euch beiden mein beileid! auch mein papi ist vor einem halben jahr gestorben und ich habe in dieser trauerzeit leider alles mit shoppen verdrängt. alles, was ich mir so mühsam verkauft und verschenkt habe, liegt nun wieder da und ich kann von vorne beginnen.

    ich habe es irgendwie schon erkannt, mein altes muster, aber ich wollte es in dem moment nicht sehen und habe mich einfach mit tausenden von paketen getröstet…

    fühlt euch unbekannterweise gedrückt!
    anna

    • Steffi

      Liebe Anna, ich kann Dich gut verstehen! Ich habe früher auch mit Shoppen meine Gefühle versucht, unter Kontrolle zu bekommen und mir bei zu viel Druck einfach etwas Gutes zu tun. Als HSP war und bin ich sehr schnell unter zu viel Druck. Bleib bei Dir und sei lieb zu Dir, das ist alles, was ich sagen kann und was mir geholfen hat. Und es gelingt mir nicht immer – heute tröste ich mich nicht mehr mit Shoppen sondern mit Essen. Der Grund ist der Gleiche, leider.

      Fühl Dich ebenfalls gedrückt!

      • Steffi, ich kenn leider auch beides.. Ich habe Jahre gebraucht um den Punkt zu finden. Minimalismus hat mir beim Kaufen geholfen und ich bin gerade dabei den Punkt mit dem Essen zu meistern. Es wird noch eine weile dauern, aber manchmal muss man wirklich an einem so extremen Punkt sein, dass dieser Moment kommt, wo es klick macht und man dann erst weiterkommt. Bei mir war es so. Ohne dieses Klick im Kopf, kann keine wirkliche Veränderung stattfinden.

  5. Hallo Michael,

    mir geht es gerade ähnlich mit 2 Projekten. Auf Umwegen lernt man die Landschaft kennen. Ich habe im Kopf Ideen. Es zündet aber nicht. Ich hab keine Lust und kann ja auch ohne Projekte sein. Sitze im Park und schreibe mir auf was ich alles n i c h t tun werde.

    Immer dieses Bloggen. Braucht man doch gar nicht. Hier und da mal ein Gastartikel ist schön.

    Vielleicht gefällt dir ja der Blog der “Fettlöserin?” Sie motiviert mich sehr. Auch ihr Humor. Zwar in ganz anderer Sache wo ich nicht weiterkomme.

    Liebe Grüße – Tanja

  6. Diese aufflammende Begeisterung für ein neues Projekt. Das kenne ich nur zu gut von mir selbst. Und auch die Erkenntnis, dass man sich den Teller mal wieder voller gemacht hat als vernünftig wäre. Danke für den Eintrag! Und weiterhin alles Gute auf dem “großen Weg”, den wir ja alle irgendwie gemeinsam bereisen.

  7. Hallo Michael,

    der abgenudelte Satz: “Der Weg ist das Ziel”, nervt zwar manchmal, trifft es aber ganz gut – finde ich.
    Früher habe ich mich über diese Umwege geärgert. Zeitverschwendung, ineffizient, Ressourcen unnütz verballern, Ziel aus dem Auge verloren … und andere Gemeinheiten die ich mir selbst an den Kopf geworfen habe. 😉

    Mittlerweile wenn ich so zurückschaue, sehe ich, dass ich auf meinen Umwegen auch viel gelernt habe. Der Kern ist, das was man tut, gern zu tun. Dann ist es auch nicht so schlimm wenn es länger dauert!

    Ich habe letztens auch 8 Domains gekündigt, bzw. 3 Projekte begraben. Ich kann mich noch an die alten Gedanken erinnern „oh das kannst du noch …!“. Bei der Kündigung musste ich über mich selber lachen. Was dazwischen passierte kann ich nicht rekonstruieren. Irgendwann hat es klick gemacht – wie du es schon gesagt hast.

    Mach weiter so!

    Ich freu mich auf das Interview in unserem Podcast.

    LG
    Eugenia

  8. Pingback: Fundstück: auch Minimalisten finden Umwege gut - ZeitgenossenZeitgenossen

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