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von der Erkenntnis zum Minimalismus

„Erst die Möglichkeit eine Traum zu verwirklichen, macht unser Leben lebenswert“ – aus der Alchemist von Paulo Coelho

 

Man schaut aufs Meer

© Katja Xenikis – Fotolia.com

Regelmäßige Blogleser werden sich nun bestimmt Fragen, was das ist … Das erst mal, dass ich einen Artikel mit einem Zitat anfange. Aber dieses Zitat konnte ich einfach nicht nur in diesem Buch lassen. Kennt Ihr es auch, wenn Ihr ein Buch das zweite Mal mit einem anderen Hintergrund lest? Ich habe heute Morgen wieder angefangen den Alchemist zu lesen. Dieser Hirte auf dem Weg der Erkenntnis über das Leben, die Liebe, sich selbst und die Menschen an sich. Man kann dieses Buch so, oder so lesen, es hat also tiefere Ebenen. Ich habe das Buch vor einigen Jahren Gelsen, wo Minimalismus für mich nur ein Wort gewesen wäre. Aber schon die ersten Seiten haben mich gerade völlig in Ihren Bann gezogen.

Dieser junge Mann, der anstatt Priester zu werden, nach einem Gespräch mit seinem Vater, seinen Traum verwirklicht zu reisen, ist einfach ein riesengroßes Bild, was man auch auf den Minimalismus anwenden kann. Er hat eine Klosterschule besucht, auf der man ihm Latein und viele andere Dinge beigebracht hat und er wird sich eines Morgens, wie er mit den Schafen über das Land zieht darüber bewusst, dass man Gott auch nicht in einem Priesterseminar erfahren kann. So ähnlich geht es ja auch jedem Minimalist. Es gibt dieses unwohl sein, das Gefühl, das irgendwas nicht stimmt, ein Zuviel an Medien, Besitz, Informationen, Verpflichtungen und dann reift die Erkenntnis etwas ändern zu müssen.
Ich möchte hier nicht zu romantisch werden, aber genau das ist es doch. Wir haben alle etwas gesucht und in diesem Lebensstil gefunden. Für den Hirten war es die Freiheit zu reisen.

Wie war es für dich. Also diese Erkenntnis, dass etwas nicht stimmt und du den Weg zum Minimalismus gefunden hast. War es eher ein schleichender Prozess oder eine kleine Offenbarung, hat es Klick gemacht oder hast du zeitlich in den Rückspiegel geschaut und dein altes Ich angelächelt.

Ich würde mich sehr freuen, wenn du Deine Geschichte hier mit mir und den anderen Lesern teilen würdest. Das kann gerne als Kommentar zu diesem Artikel geschehen oder auch als Gastpost (auch wenn du keinen eigenen Blog hast und noch nie etwas im Internet veröffentlicht hast, gerne auch Anonym)

5 Kommentare

  1. Danke für diese Gedanken!

    Ich kannte das Buch bisher nur vom Namen und erkenne gerade, dass da auch zu meinem Parallelen gibt. Ich habe den Minimalismus auf meinen Reisen kennen- und lieben gelernt. Vor 20 Jahren bin ich mehrmals mit dem Rucksack, dem Zug und einem Interrailticket durch Europa gereist. Zunächst machte ich mir Sorgen, dass ich etwas vergessen oder zuwenig dabei hatte. Doch dann merkte ich, dass diese Einfachheit unterwegs viel Freiheit verschafft. Ich konnte mich auf das Reisen und die Begegnungen mit den Menschen konzentrieren. Ich kam mit wenig aus, aber hatte doch alles. Ich war frei, alles war möglich.

    Zurück in Deutschland, im Studium und später im Job fand ich diese Freiheit nicht mehr. Ich führte es darauf zurück Alltag und Reisen eben zwei paar Stiefel seien. Im Alltag umgab man sich mit unnützen Dingen und Aufgaben, unterwegs blühte man auf.

    Dann nahm ich 2006/2007 eine Auszeit und radelte anderthalb Jahre um die Welt. Wieder kam ich mit wenig aus und fehlte es mir an nichts. Doch diesmal erkannte ich, dass ich nach Rückkehr in Deutschland diese Freiheit auch in mein alltägliches Leben bringen konnte, indem ich minimalistisch lebte. Nach und nach trennte ich mich von Besitz, belastende Beziehungen und unnötigen Aufgaben. Seitdem fühlt sich mein Leben an, als würde ich ständig nur reisen.

    Viele Grüße,

    Christof

    • Zu meiner Geschichte, die ist evtl. etwas länger.

      Minimalismus als Begriff, konnte ich nie was anfangen, bzw. war nicht in meinem Wortschatz vorhanden.

      Karen Kingston kannte ich, Feng Shui gegen den Gerümpel des Alltags nahm ich immer wieder zur Hand um mich zu motivieren auszumisten. Auszumisten war so ziemlich das Wort für Minimalismus oder so.

      Bereits als ich 6-7 Jahre alt war, begann ich immer wieder auszumisten. Jedoch nicht im großen Stil, sondern ich hatte bereits in diesem Alter bereits zwei Nichten und zwei Neffen. Mein Bett hatte zwei riesengroße Schubladen, ich machte auf und überlegte, was kann ich den anderen davon abgeben. Niemand hat mich je dazu animiert. Ich wollte es tun. Da ja dort sonst kein Platz mehr ist.

      Ich habe das jedes viertel Jahr bzw. jedes halbe Jahr praktziert und irgendwann schrien die Kinder, Anette mistet aus. Hehe. Das war ein heiden Spaß, denn sie konnten wieder viel Zeug von mir mitnehmen und ich war einfach froh Platz für neues zu schaffen.

      Meine Eltern sind Kriegskinder. Meine Urgroßeltern wanderten von Deutschland nach Russland aus, da Russland Arbeitsplätze versprach. Also siedelten sie um, da sie deutsche waren, mussten sie dann unter Hitlers Fahne kämpfen und wurden von den Russen als Kriegsgefangene verschleppt. Meine Großeltern erlebten dies alles noch genau und meine Eltern wurden in russischen Konzentrationslagern geboren (nicht vergleichbar wie die in Deutschland, aber auch sehr schlimm). Sie mussten oft umziehen, da der Staat das wollte, so verloren sie durch die eiseskälte viele Geschwister, die dann einfach im kaspischen Meer „entsorgt“ wurden.

      Warum ich das erzähle? Meine Eltern mögen zwar Ordnung und haben mir das oft eingetrichtert. Aber sie sind Hamsterer! Kann man ihnen das verübeln, nachdem sie früher mit kaum was auskommen mussten oder Dinge gegen ihren Willen abgeben mussten?

      Als ich auszog, bekam ich Geschirr für fast 50 Leute mit. Ich habe seehr viel Geschirr bekommen in allen Variationen. Badetücher, Handtücher für Großfamilien usw. Ich platzte dadurch in meiner ersten Wohnung selbst aus allen näten.

      Mein Ausmistverhalten behielt ich bei, aber auch immer mit dem unbewussten Gedanken, Platz für neues schaffen, wenn das alte nicht mehr gebraucht wird. So häuften sich dinge in mehrfacher anzahl an.

      Als ich umzog, wurde natürlich ordentlich ausgemistet. Ich zog von einer 1,5 Zimmerwohnung in eine 2,5 Zimmerwohnung und hatte somit auch Platz für noch mehr Unrat, auch verteilt auf Keller und Dachboden!

      Irgendwann hatte ich meinen ersten Freund und aus finanziellen Gründen zogen wir nach fast 8 Monaten zusammen. Hier kam der Schock, Scheiße, wie willst du das alles hintun? Mein Freund hat bereits eine Wohnung mit allem was dazugehört. Wohin mit den Möbeln, wohin mit meinem Zeug? Ich hatte ca. 2 Monate um mich zu reduzieren.

      Ich kramte nach Karen Kingston merkte aber schnell, das ich das Buch schon verkauft habe. Shit. Keine Motivation. Ok schaust du mal im Internet. Da ich Minimalismus aus dem japanischen kannte, wie man seine Wohnung mit nichts füllt, googelte ich aus langeweile danach und fand dazu Bilder, doch auch Bilder mit vorher-nachher von normalen Wohnungen und nicht von reichen.

      Also suchte ich auch im textbereich und so fand ich unzählige Blogs darunter auch deinen. Und mich hat das Ausmistfieber in einer ganz neuen Dimension gepackt.

      Ich hatte ein riesengroßes Bücherregal + Vorratsschrank + Kellersammlung. Insgesamt an die ca. 500 Büchern. Okay, da wusste ich, hier kann ich ordentlich ausmisten.

      Jetzt kommen eher gefühlte Schätzbeträge. Aus 500 wurden 450. Ganz easy, kein Schmerz. Zu viel noch da, nochmal durch, hm, ok, 420. Zu viel da. Okaaay, 390. Immer noch zu viel. Schmerz. 380. Jetzt gings nicht mehr weiter. Was tun um diese ganzen Büchern loszuwerden. Ich werde meine Lieblinge Digitalisieren. Abfotografieren und zum Ebook umwandeln. Es hat eine gefühlte Ewigkeit gedauert und dauert auch noch heute an. Ich besitze aktuell nur noch an die 100 Bücher, hier und da bekomme ich welche von meiner Mutter. Selbst habe ich aber seit 5 Monate keine mehr gekauft. Immer in digitaler Form. Was nicht immer erfreulich ist, wenn das Buch nicht in digitaler Form gibt. Aber dafür gibts ja die Bibliothek.

      Also 500 auf 100 Bücher reduziert. Was hat das für Geld in die Kasse gespült und mir den Arsch gerettet. 🙂

      Handtücher habe ich ausgemistet. von 30 Stück auf 4. Salatschüsseln von 8 auf 3. Mein Vater hat mich geschimpft das ich die Salatschüsseln noch brauchen werde. Ich meinte nein! Egal wo ich wohnen werde, wie groß der Essbereich ist, ich werde niemals 8 Schüsseln brauchen. 3 Stück waren ein Set, die man so inenanderschlichten kann, das sie dann ineinanderstehen und von der Höhe nichts wegnehmen.

      Gabeln und Messer habe ich ich ausgemistet. Wer braucht 100 Teile von jeder Sorte? Gläser für 60 Personen? Dekoartikel wurden ausgemistet. Möbel entsorgt. Z. B. mein Bett und die Badschränke. Auch meine Waschmaschine musste daran glauben. Die hat nicht mehr so sauber gewaschen. nach 25 Jahre, durfte sie gehen.

      Meine Ausbildungsunterlagen habe ich digitalisiert. Zeitschriften digitalisiert.

      Jetzt passt mein ganzer Hausstand in 19 qm Lager. Kleidung habe ich säckeweise ausgemistet. Das was ich nicht brauchte, haben meine Eltern zum Teil als Lappen verwertet für die Werkstatt meines Bruders. Was gut war, wurde behalten, was nicht mehr sooo gut war, Kleidersammlung.

      Die Sachen die mir noch passen, kann ich auf ca. 40 Stück schätzen. Wenn ich jetzt mal schätzen würde, was ich an Teile in der Wohnung meines Freundes habe, würde ich auf 250 kommen.

      Mein Lager platzt aus allen Näten, da auch zeug das von meinem Freund ausgemistet wurde reinkam. Ich kann mit gutem gewissen sagen das ich 70% davon ausmisten kann und demnächst auf einem Flohmarkt verkaufen werde.

      Mir gab wie meinen Eltern Sicherheit, wenn man Dinge besitzt. Doch ich war ein extremer Messie! Ich habe mich zugemüllt im wahrsten Sinne des Wortes. Ich kann es zwar heute auch nicht wirklich abstellen, eher gezwungenermaßen. Da mein Freund ein Ordnungsfanatiker ist. Aber sobald ich wieder alleine wohne (ja, meine Vermieterin hat mir deutlich gesagt das sie mich rausschmeisst, weil sie mich nicht leiden kann und das nur aufgrund einer Frage, wieso der Handwerker nicht gekommen ist, seltsame Welt) könnte das wieder über mich hereinbrechen. Jedoch weiss ich ich werde auch da nicht mehr viel besitzen. Ich kann mit weniger leben. Ich brauche keine 10 Ordner, die zu 70% leer sind, aber man sie für den Fall der Fälle halt da hat. Schminke, die man bis zum Rentenalter benutzen kann (hach da habe ich auch ausgemistet. Denn ich brauche genau 3 Farben). Fashionsachen, wie unzähligen Schmuck, Schminksachen, Stylingsachen für die Haare. Nicht notwendig.

      Ich habe mich auch von Verträgen gelöst, die ich sowieso nicht brauche, oder nie genutzt habe. Ich praktiziere Minimalismus auch in Neuanschaffungen. Wenn jemand was Schenken will, dann Gutscheine, für digitale Bücher. Darüber freue ich mich immer. Ansonsten wird es entweder nicht angenommen, weils einem halt einfach nicht gefällt. Z. B. Mutter hat wieder was schönes für einen gekauft. Ne, gefällt mir nicht. Oder doch und dafür muss ein anderes Kleidungsstück weichen.

      Auch ökologisch habe ich mich gewandelt. Essen wird meist in Bioqualität gekauft. Meist gezwungenermaßen, da man zum Veganer mutiert ist.

      Da ich Shiatsu-Praktikerin bin, tut mir die Reduziertheit sehr sehr gut. Finanziell freier, und es lässt sich viel schöner meditieren wenn nicht so viel um einen herum ist.

      Minimalismus erstreckt sich über so vieles und kann nicht nur in einer Wohnsituation genutzt werden. Minimalismus kann auch zu mehr Achtsamkeit führen, achtsam mit sich umgehen, achtsam mit anderen umgehen. Sich und die Dinge die man hat, einfach nicht mehr so wichtig ansehen.

      Jedoch würde ich Minimalismus nicht als solches ansehen, nur noch ein T-Shirt, ein Pulover, eine Hose und eine Unterhose ansehen. Das bereitet mehr Stress. Jeden Tag waschen, besonders dann wenn man auf reisen ist. Das ist einfach Extremismus. Jedoch finde ich die Aktion mit nur 100 Sachen auskommen sehr interessant. Auch wenn ich es nicht erreichen werde und will. Aber sich dem annähern und auf gesunde weise Verzicht zu üben, das inspiriert wirklich.

      Ach ja, ich liebe mein Ipad! Auch wenn ich mir es damals angeschafft habe, da es für mich eher den Reiz einen Ipad zu besitzen, ist es heute etwas sehr essenzielles. Ich besitze die 2te Generation und bin zufrieden. Ich trade intensiv mit meinem Ipad, blogge hier und da. Surfe im Internet, nutze es für sinnvolle Dinge, wo man sonst so viele andere Sachen braucht. Hier kann ich es auf ein Gerät einschränken. Das finde ich total klasse, da auch bestimmte Dinge mit Laptop einfach nicht funktionieren.

      Demnächst werde ich eine größere Entscheidung fallen müssen. Ich habe einen Rechner, einen Laptop und einen Minilaptop. Eigentlich will ich einen Apple Laptop. Aber das wird in nächster Zeit nicht angeschafft. Entweder mein Laptop oder mein Minilaptop oder beide müssen weichen.

      Ich finde es spannend und deine Blogbeiträge verfolge ich intensiv und freue mich über jede Inspiration, die ich für mich verwerten kann, die ich hier finde. Danke. 🙂

      Gruß

      Artemis

      PS: Sorry für den langen Kommentar

  2. Für Minimalismus zu interessieren begann ich mit der „Finanzkrise“. Derivate braucht kein Mensch (das wusste ich auch schon vor der Finanzkrise). Aber plötzlich wurde mir bewusst, dass es auch in anderen Lebenssituationen und – bereichen Derivate (Ableitungen) gibt. Beispiel Kommunikation: für mich reichen persönliches Gespräch, Brief (alternativ e-mail) und Telefon völlig aus. Und zwar dann, wenn es wirklich wichtiges auszutauschen gibt. Was ist für andere und für mich wirklich wichtig und interessant?! Mich konnte noch niemand für die Notwendigkeit eines Smartphones überzeugen. Wohlgemerkt: das gilt für mich.
    Oder nehmen wir mal die zig Varianten im Bereich Verkaufstraining. Wer sein Produkt oder Dienstleistung herunterbricht auf „was will/ braucht mein Kunde“, wird automatisch und natürlich die richtige Bedarfsanalyse, Vorteil-Nutzen-Argumentation und die richtige Einwandbehandlung durchführen.
    Auch was der Konsum von Informationen angeht bin ich aufmerksamer geworden. Ich lese bewusst die Zeitungsüberschriften und entscheide bewusst welchen Artikel ich lese. Das Stichwort „Achtsamkeit“ ist hier ganz wichtig. Nebenbei: Politikerinterviews lese ich gar nicht. Überwiegend nichtssagend – Zeitdiebe.
    Minimalismus ist vielfätig und individuell. Mit seinem Zitat „Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer mit dem Besten zufrieden“, outet sich auch Oscar Wilde als Minimalist.

  3. Christina

    Es gibt ein Buch in meinem Besitz, das ich nie hergeben würde und das ist „der Alchemist“. Dieses Buch hat mir schon damals, als es mir mein Vater nahegelegt hat, ich muss heute noch darüber lachen, dass ich ausgerechnet durch ihn dazu gekommen bin, sehr viel gegeben, obwohl ich, so wie du von Minimalismus noch nichts wusste. Heute ist es voll mit Notizen meiner persönlichen Gedanken. Ich habe meinem Bruder vor kurzem ein Exemplar geschenkt, ich weiß nicht, ob er es noch hat, er geht mit Geschenken momentan leider sehr nachlässig um.
    Warum ich es heute so komisch finde, dass ich das Buch damals ausgerechnet von meinem Vater ans Herz gelegt bekommen habe, ist, dass ich nicht verstehen kann, wie er sich damit identifiziert hat, da er meiner Aufassung des Buches nach, so gar nicht nach ihm handelte, aber in diesem Fall hast du wohl Recht damit, dass man es auf so viele verschidene Arten lesen kann und so muss es ihm wohl auf seine Art so viel geben, wie es mir auf meine Art gibt.

    Gruß Christina

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