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Wenn der Paketbote 3x klingelt

Paketzusteller übergibt ein Päckchen

© the rock – Fotolia.com

Oder: Selbsttherapie eines online Bestellers. Letzte Woche ist es wieder passiert, ich habe Kaffee online bestellt. Ich habe wirklich kaum noch Kaffee zu Hause gehabt und es war nötig für Nachschub zu sorgen. Macht mich diese online Bestellung nun weniger minimalistisch?

Einen Tag später ist die Bestellung in der Packstation angekommen. Das sind diese anonymen Fächerkästen auf dem Weg nach Hause bei denen man seine Post mit HandyTan + Karte 24h am Tag entnehmen kann. Wie ich gerade dieses Päcken nach Hause trage, frage ich mich ob ich diesen Café nicht zuletzt auch in einem Supermarkt gesehen habe. Aber lag der wirklich um die Ecke? Und war es der gleiche Preis? Meine Gedanken ziehen weitere Kreise und mir kommt wieder diese tolle Rösterei in Köln in den Sinn, die Bio & Faitrade Café zu einem annehmbaren Preis herstellt und vertreibt. Ich wollte schon längst einmal dort gewesen sein, um mich durch die 3-4 Sorten zu probieren und eine Entscheidung zu treffen.

Zu Hause angekommen packe ich den Café aus, fülle ihn um und statte der Rösterei einen virtuellen Besuch ab um Öffnungszeiten, Preise, und weitere Informationen in Augenschein zu nehmen. Da gehe ich das nächste Mal hin höre ich mich spontan Murmeln und dann entdecke ich,die online Bestellmöglichkeit.

Was nun? Auf gut Glück Café kaufen der vielleicht nicht schmeckt oder den Weg in kauf nehmen? Ich wiege ab. Was ist Nachhaltiger? Mit der Bahn in die Stadt vs. beim alten Café zu bleiben. Der Ausweg aus der Krise schießt mir in den Sinn. Ich wandre aus und werde Café Bauer, eigene Plantage, keine Kinderarbeit, Sonne.

Kaufentscheidungen sind keine einfache Sache mehr für mich. Wo ziehe ich die Grenze. Welcher Preis für welche Produktionsbedingungen, wie viel Zeit für den Einkauf. Was bin ich bereit für den Versand zu bezahlen und kann ich es verantworten Pakete zu bekommen die mir von Menschen gebracht werden die 5 Euro netto die Stunde dafür bekommen.

Dann ist da noch die Sache mit dem Verpackungsmüll, das abwägen von Alternativen und direkten Versorgungsmöglichkeiten vor Ort. Wie sehen eure Kaufentscheidungen online aus? Seid Ihr auch manchmal hin und her gerissen oder bestellt Ihr noch auf Teufel komm raus?

Auch wenn der Einkauf für mich dadurch definitiv nicht einfacher geworden ist, kann ich mit Bestimmtheit eines sagen: Er ist bewusster geworden.

15 Kommentare

  1. Mit solchen Entscheidungen plage ich mich auch oft rum. Es frisst oft Zeit verschiedene Läden abzuklappern. Ich habe immer gern alles an einem Ort. Daher kaufe ich meist im normalen Supermarkt ein und versuche zumindest wenn wieder das erste Gemüse in heimischen Gefilden wächst den Hofladen auf dem Weg zur Arbeit einen Besuch abzustatten. Der Markttag wurde mir oft zu stressig, den nehme ich nur mit, wenn ich eh vor habe an einem Samstag in die Stadt zu fahren. Oft verbinde ich das bei gutem Wetter und angenehmeren Temperaturen mit einer Fahrradtour.
    Leider merke ich immer mehr wie wenig Auswahl bzw ökologische und biologische Alternativen ich hier auf dem Land hab. Unsere paar kleinen Biomärkte decken für mich leider nicht das Angebot, dass ich brauche bzw nutze.
    Genauso bei Bekleidung. Wenn ich alle lokalen Läden durchgeschaut habe weiche ich wieder aufs Internet aus, weil ich dort mehr Auswahl habe und auch die passende Größe finde, die hier kein Laden vorrätig hat.
    Momentan suche ich auch nach Biostoffen und Upcycling von möglichst Deutschen Designern, wenn ich etwas benötige. Leider passt es nicht immer in mein Budget. Dawanda ist momentan mein Finanziellertod, wenn ich all das kaufen würde, was auf meiner Wunschliste steht. 😉
    Was die meisten Produkte angeht, so haben sie doch alle einen mehr oder minder langen Transportweg hinter sich – auch zum Laden. Irgendwer wird in der Produktion oder Lieferung wohl immer zu gering bezahlt. Ich glaube da sollte man nicht zu sehr drüber nachdenken, sonst muss man alles selber Produzieren.

    LG
    Mareike

  2. Ich kaufe fast gar nichts online. Früher mal ein paar englischsprachige Bücher via Amazon (wenn es sich nicht vermeiden lässt) oder die Edelstahlboxen und Trinkflaschen, die es in keinem Laden gab. Ansonsten kaufe ich immer draussen in der realen Welt. Ich mag dieses „dörfliche“ Gefühl von Laden zu Laden zu wandern, einzukaufen, mit den Leuten einen Plausch zu halten. Der Zeitfaktor spielt für mich da keine Rolle, da ich sowieso alles auf dem Arbeitsweg/Nachhauseweg oder in der Mittagspause oder am Wochenende erledige.

  3. Martin

    In diesem Dilemma landen wir wohl alle weniger oder öfter. Ich denke, man muss dabei die Gesamtökobilanz im Auge behalten. Vermutlich sind es ein paar Wege weniger die Ware macht, wenn du sie im Geschäft in der Stadt/Ort kaufst. Denn da wird es in Grossmengen en bloc geliefert. (z.B. der Kaffee in grossen Juttesäcken (25 kg) zum Kaffeeröster) Die Ware im Paket zu dir hingegen geht zuerst zum Grossröster, wird dann einzeln Abgepackt!! geht dann zum Zwischenhändler und wird erst dann zu dir geliefert (das Ganze wenn möglich zweimal quer durchs ganze Land – denn Transport ist heute hochsubventioniert und spottbillig). Von der Verpackung reden wir erst mal gar nicht (Tüte mit dem Kaffee, evtl. nochmals in Plastik eingetütet, Stopfmaterial, Lieferschein, Kartonschachtel, Klebeettikette, Plastikkleber zum Verschliessen). Gehst du zum Kaffeeröster in der Stadt, kannst du mit deiner geliebten Kaffeedose hingehen und es direkt hineinfüllen lassen (= kein Abfall). Das Ganze transportierst du im wiederverwendbaren Stoffsack oder deinem Rucksack oder Lederbeutel. Gemüse auf dem Markt, Milch in der Glasflasche, das Brot gar nicht in einer Tüte sondern direkt in den Stoffsack usw.
    Versandhäuser sind regelrechte Müllproduzierer. Deshalb: «Think global – act local»

  4. Michaela

    Ich oute mich als Amazon-Opfer. Habe aber auch jede Menge Ausreden parat, aber das Wichtigste – schlicht und ergreifend: es spart mir jede Menge Zeit. Montag bis Donnerstag 10 Stunden im Büro, am Freitag kürzer, dafür steht nachher das Elend des wöchentlichen Großeinkaufes auf dem Plan, was mich auch nicht wirklich früher heimkommen lässt. Sonntags widme ich mich ganz meinem Hobby, dem Reiten. Und eine Tag in der Woche brauche ich einfach Stillstand – das ist der Samstag. Da habe ich einfach keine Lust von Geschäft zu Geschäft gemeinsam mit den anderen Massen zu drängen. Außerdem bewahren mich meine (mittlerweile elendslangen) Wunschzettel für Impulskäufen – denn auf vieles hab ich nach 2 Wochen überhaupt keine Lust mehr und bin dann froh kein Geld verschwendet zu haben.

  5. Christina

    Ich bestelle selten bis nie im Internet, denn bevor ich etwas kaufe, muss ich es aus-/anprobieren können. Wenn ich etwas im Internet bestelle, es bezahle und es mir dann doch nicht gefällt, wenn ich erst Mal live und in Farbe vor mir habe, dann muss ich es wieder zurückschicken, wozu ich schlicht und ergreifend zu faul bin. Außerdem habe ich Bedenken beim Bezahlen, „per Nachnahme“ stirb durch Weiterentwicklung von Paypal und co. ja langsam auch aus. Wenn ich etwas kaufen will, dann gehe ich in ein Geschäft, schaue mir das Produkt meiner „Begierde“ sehr genau an und entscheide dann, ob ich es kaufe. Sollte ich mich fehlentscheiden, dann habe ich den Kassenzettel und gebe es leicht wieder zurück.

    Gruß Christina

  6. JebJosi

    Guten Tag!
    Ich beschäftige mich ebenfalls (wenn auch flüchtig) mit dem Thema, was man im Internet bestellen muss und was nicht.
    Allerdings muss ich wirklich sagen dass ich von Einzelhandel mehr als enttäuscht bin. Der örtliche Tierladen ist der einzige wo ich einmal im Monat glücklich mit allem was ich brauche rausgehe und weiß: Ich komme wieder, da wird mir geholfen“.
    Elektronikmärkte sind meiner Meinung nach im Moment die größten „Loser“ und das zu Recht. Einige von den „Beratern“ sagen nur positive Eigenschaften von Produkten, haben gar keine Ahnung von irgendwas oder sind gar überhaupt nicht auf zu finden? Das, was den Einzelhandel vom Internet unterscheidet, den Service (für den ich bereit bin mehr zu zahlen) gibt es kaum! Außerdem hat man von einem Produkt in der Packung ein genauso schlechtes Bild wie auf der Detailansicht im Internet. Es tut mir Leid, aber es gibt Geschäfte die betrete ich garnicht mehr, weil der 10km weite Weg es nicht wert ist hinein und hinaus zu gehen ohne das benötigte Produkt oder die Lösung für ein Problem zu haben. Der Zeitaufwand ist mir zu groß.

    Der Tipp, zu prüfen was man kauft finde ich sehr gut. Ich neige dazu viele Sachen zu besitzen, aber aber gelernt zu hinterfragen, ob ich etwas wirklich brauche oder nur zu faul bin mir da Gedanken drüber zu machen. Also überlege ich mir vor einem Shoppingbummel mit Freunden „Was brauche ich“ und suche dann ganz speziell nur danach und bin dann auch zufrieden wenn ich etwas finde. Etwas anderes zu kaufen versuche ich mir zu verbieten.

    Gruß, Josephine

  7. Beim Online-Shoppen spar ich Zeit und muss das Neonlicht in den Geschäften nicht ertragen. Ich mache auch weniger Fehlkäufe als live, weil ich Rezensionen lesen kann. Was mir richtig Spaß macht. Ich spar dann wahrscheinlich doch keine Zeit. Vermutlich bin ich einfach süchtig 🙂 Kaffee hab ich aber noch nie gekauft.

  8. Hallo Michael.

    du schreibst „[..] und kann ich es verantworten Pakete zu bekommen die mir von Menschen gebracht werden die 5 Euro netto die Stunde dafür bekommen.“.

    Hier gibt es von mir ein klares Ja!

    Der Arbeitslohn, den wir erhalten, ist der Preis für die Arbeit. Ein Preis wird nicht einfach frei vom Käufer oder Verkäufer festgelegt, sondern pendelt sich da ein, wo das Angebot und die Nachfrage sich treffen („Equilibrium“), sofern der Staat nicht in die natürliche Preisbildung eingreift. Anders gesagt: wenn genug Menschen bereit sind, für 5€/h für den Paketdienst zu arbeiten, wir der Preis der Arbeit diesen Wert haben. Finden sich nicht genug Arbeitskräfte, wird der Paketdienst mehr zahlen. Werden die Paketdienste jedoch gezwungen, einen höheren Lohn zu zahlen, steigen ihre Kosten und sie müssen die Preise anheben. Wenn die Preise angehoben werden, nutzen Menschen und Unternehmen tendenziell weniger häufig den Paketdienst, da es ihnen zu teuer wird. Wenn ein Paketdienst dann weniger genutzt wird, muss er die nun mehr nicht mehr benötigten Arbeitskräfte abbauen, um wettbewerbsfähig zu bleiben – nun verdient der Paketbote keine 5€/h mehr, sondern gar nichts! Außerdem kann das Geld, das ein Kunde/eine Firma für die Nutzung eines Paketdienst ausgibt, nicht mehr gleichzeitig für andere Dinge ausgegeben werden. Wenn also der Preis für den Versand von Paketen steigt, muss, global betrachtet, die gleichzeitige Nachfrage nach anderen Gütern und Dienstleistungen entsprechend sinken.

    Preise sind *das* Mittel, um die Nutzung von Ressourcen in unserem Wirtschaftssystem zu steuern, da sollte man nicht eingreifen, wenn man nicht sehr genau weiß, was man tut. Wenn du bei den 5€/h ein schlechtes Gewissen hast, steht es dir ja frei, „deinen“ oder alle Paketboten finanziell zu fördern.

    Ich möchte damit nicht sagen, dass es mir egal ist, dass Paketzusteller wenig Geld zum Leben zur Verfügung haben, sondern dass ich den Eingriff in die Preisbildung (z. B. Mindestlöhne) für den falschen Weg halte, ihm zu mehr Einkommen zu verhelfen.

    • Hallo Thomas,

      du hast recht, wahrscheinlich war ich in meinem Artikel nicht genau genug.

      Alternativen wären an dieser Stelle wünschenswert, also einen Dienst, der die Vorzüge, wie schnellen Versand und einfach Bestellung diverser Produkte anbietet, allerdings höhere Löhne zahlt und andere Versanddienste nutzt.
      Ich denke, dass es eine gewisse Menge von Menschen gibt, die gerne bereit wären, höhere Transportkosten für bessere Bezahlung in Kauf zu nehmen, wie es im Bereich der grünen Mode schon jetzt geschieht.

      Danke für Deine Anmerkungen

  9. Maj

    Hallo Michael, ich habe lange überlegt ob ich was schreibe, denn ich möchte niemanden bevormunden, aber hast du schon mal überlegt (oder auch andere), dass Kaffee nicht gesund ist? Bei Alkohol oder Zigaretten weiß das jeder, aber Kaffee ist die Volksdroge Nummer 1. Ich sage das nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern nur weil ich weiß, dass Minimalisten sich über (fast) alles so ihre Gedanken machen, auch um die Gesundheit und auch um Abhängigkeiten. Braucht man(n) Kaffee? 😉

    • Kaffee ist grundsätzlich nicht ungesund. Ich denke es ist wichtig, dass man sich des Suchtpotentials bewusst ist. Ich habe vor ein paar Jahren festgestellt, dass ich auf der Arbeit sehr viel Filterkaffee trinke und wenn ich diesen weglasse, klassische Entzugserscheinungen, wie zum Beispiel Kopfschmerzen bekommen habe. Ich habe dann für eine gewisse Zeit gar keinen Kaffee mehr getrunken und genieße ihn jetzt viel mehr in Maßen. Lieber weniger und in einer guten Qualität als jeden Tag 4 große Becher nebenbei.

      Ich finde aber deinen Einwand durchaus berechtigt, nicht jeder ist sich dessen bewusst und es ist gut, dass du diesen Umstand ansprichst. Ich habe für mich einen guten Weg gefunden und ganz auf das „schwarze Gold“ verzichten zu müssen.

  10. Hallo.

    Ich muß keine Entscheidungen treffen.
    Ich verweigere online kaufen.
    Nach ein paar massiven fehlkäufen habe ich für mich beschlossen, Finger weg.
    Die Bilder machen vieles schöner als die Wirklichkeit zeigt.
    Und grade bei Sachen wie Stoffen kann das fatal enden.

    Liebe Grüße Andrea

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