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Wir alle, haben unsere Geschichte

© Warren Goldswain - Fotolia.com

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Ich mag die Fahrt morgens in der Bahn. Es gibt so viel zu entdecken, so viele Menschen und Gesichter. Die einen sind schläfrig oder übernächtigt, die anderen lesen gedankenverloren oder angestrengt ein Buch. Wieder andere hören Musik, der man leise, bisweilen auch viel zu laut zuhören kann.

Worum es mir eigentlich geht, ist, dass jedes Gesicht eine Geschichte abzeichnet, sei es, die der letzten Stunden oder durch Lebensereignisse der letzten Jahre gezeichnet. Jeder Mensch in dieser Bahn hat seine eigene Geschichte und doch sind wir alle darin verbunden Mensch zu sein, zu atmen zu denken zu leben.
Ein Mann mit zu kurzen Hosen und einem Anzug schaut zu mir rüber und denkt vielleicht, immer diese Typen mit Ihren Smartphones, bekommen nichts mit, der sollte mal ein Buch lesen. Ich lese in dem gleichen Moment auf seinem Paperback Buchrücken das Wort „Verhandeln“ und stelle mir ihn als einen Anwalt vor, der kurz vor dem Staatsexamen steht.
So geht es vielen anderen in der Bahn. Diese Momente sind so intensiv, dass man in Aufzügen voller Spiegel immer wieder beobachten kann, dass 4 erwachsene Menschen nach 5 Sekunden alle auf den Boden schauen, weil sich Blicke allzu intensiv und direkt kreuzen.

Wir kategorisieren unsere Mitmenschen, Schubladen werden geöffnet und geschlossen. Auch wenn wir diesen Mechanismus brauchen um unser Leben zu organisieren wird mir heute Morgen aus irgendeinem Grund diese Tiefe Gemeinsamkeit bewusst. Wir sind doch alle Menschen.  In Zeiten, wo der Krieg in Syrien tobt und uns Politiker mit ihren nice Guy Posen angrinsen sollten wir uns etwas zurücknehmen und das Mitgefühl in den Fokus rücken.
Wir gewinnen dadurch auf der einen Seite ein Verständnis für unsere Mitmenschen und auf der anderen Seite fühlen wir einen tiefere Verbundenheit mit uns unbekannten. Im Geiste Rücken mir alle diese Menschen ein Stück näher.

Ich möchte dir diesen Gedanken für die Woche mitgeben, egal ob Minimalist oder Konsument, wir haben alle unsere Geschichte, wir sind alle Menschen.

5 Kommentare

  1. Ein ehemaliger Klassenkamerad hat mich 35 Jahre nicht gesehen. Als wir uns trafen fragte er mich was ich beruflich so mache. Ich sagte ihm, dass ich nicht mehr beruftätig bin. Sein Kommentar: „Mit dem Arbeiten hattest du es ja nie.“
    Hallo! Er hatte keine Ahnung was ich beruflich bzw. geschäftlich gemacht habe. Ob ich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr berufstätig bin oder ob ich aus finanziellen Gründen nicht mehr arbeiten muss. Womit ich mein Geld verdiente bzw. verdiene. Aber er meint mich zu kennen und bewertet mich.
    Jeder hat sein Leben zu leben und alleine das verdient Respekt!

  2. S.B.

    Das ist ein schönes Thema, das du da aufgegriffen hast. Sich das bewusst zu machen hilft nicht nur dabei, andere Menschen besser zu akzeptieren, sondern auch sich selbst (was ja nicht immer eine leichte Übung ist!).

  3. Danke für deinen Einblick in deinen morgendlichen Arbeitsweg. Komisch, dass wir Menschen so ticken. Schubladen brauchen. Ich habe mich bisweilen versucht damit zu arrangieren. Aber nur, weil ich merke, sie selber auch zu brauchen, um meine Welt zu ordnen. Meine Idee: diese Schubladen, wenn irgendmöglich offenstehen lassen. Einfach um mir und dem anderen die Möglichkeit des Aussteigens oder Kletterns zwischen den Schubladen meines Wandschrankes zu geben.

    Außerdem fiel mir das Sprichwort ein, in dem es darum geht, mindestens eine Meile in den Mokassins eines anderen gelaufen zu sein, bevor wir uns anmaßen über seinen Lebensweg zu urteilen. Ich komme nur leider nicht darauf, wo ich davon gelesen habe… In einem Blog? In einem Bildband? In einem SocialMediaNetzwerk? Ich weiß es einfach nicht mehr und kann nicht sagen, wer der Urheber ist. Ich jedenfalls nicht.

    Ach ja, und das mit dem Klassentreffen… Schade, dass das nach 35Jahren immer noch so ist. Dachte dass 10Jahre vielleicht nicht ausreichen würden und die 20Jahre zumindest neue Rollenverteilungen mit sich bringen würden… Das kann ich dann ja wohl knicken. :/

  4. Fabian

    Ein schöner Text. So geht es mir sehr oft in der Bahn. Daher habe ich mich direkt wiedererkannt.

    Ein Satz stößt mir etwas sauer auf, nämlich der Letzte. Die Unterscheidung zwischen Konsument und Minimalist finde ich hier nicht nur fehl am Platz. Ich finde sie völlig falsch.
    Aber das ist ein anderes Thema 🙂

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