Gastbeitrag: Woran Nachhaltigkeit schon scheitert

Als ich das erste Buch zum Thema Nachhaltigkeit in der Hand hielt, wurde mir bewusst, dass die nachhaltige Forstwirtschaft ein eigenes Studium ist. Nachhaltige Forstwirtschaft betrifft zwar nicht jeden, aber nachhaltige Stromerzeugung schon eher. Es ist offensichtlich, dass die Frage, ob nachhaltige Stromerzeugung in Deutschland möglich sei, davon auch abhängt wie viel erzeugt werden kann und wie groß der Bedarf ist.

Der erste Schritt (den jeder gehen könnte) wäre zum Beispiel, dass man sich informiere wie viel nachhaltiger Strom überhaupt nach aktueller Lage jeder Person in Deutschland zur Verfügung stehen würde, denn dann könnte man zu mindestens in Erfahrung bringen, ob der eigene Verbrauch von dieser Stromerzeugung aktuell gedeckt werden kann. Sollte dies nicht der Fall, so kann man zum Beispiel seinen Konsum überdenken oder es sich ganz einfach machen und hoffen, dass in Zukunft der Konsum gedeckt werden kann. Die erste Entscheidung wäre mit Vernunft begründbar, aber die zweite eben nicht. Sollte man aber glauben Strom nachhaltig zu verbrauchen, dann sollte man folgendes bedenken: Solarzellen und Windräder erzeugen zwar Strom, aber sie speichern ihn nicht! Wem dies nicht klar ist, der könnte seinen Verbrauch erneut hinterfragen: Kann man zum Beispiel den größten Teil vom Strom verbrauchen, wenn die Sonne strahlt oder der Wind weht? Dies würde die Speicherproblematik erleichtern. Einfache Überlegungen und einfache Schritte, nichts Wildes. Unvernünftig wäre es erneut, wenn man glauben würde, dass in der Zukunft alles besser sein wird und man sein Verhalten nicht ändern muss. Dann kann man auch alles mit einem Gott begründen, der sich irgendwann mal zeigen wird. Das Thema Elektroauto und deren Batterieproblematik lasse ich an dieser Stelle mal weg.

Als Mathematiker möchte ich auf zwei Personen der Mathematik verweisen: David Hilbert und Alexander Grothendieck. Hilbert hat den Ruf (noch vor Gauß und Newton!) der größte Mathematiker aller Zeiten zu sein und nicht weit davon folgt ihm Grothendieck. Beide verbindet, dass sie eine nachhaltige Veränderung anstreben wollten. Hilbert nutze seine Bekanntheit aus um die Mathematik nachhaltig zu reformieren. Er setzte sich für strenge Beweisführungen, exakte Definitionen und allgemein akzeptierte Axiome ein. Dies war nämlich zu der Zeit von Gauß nicht so, was zu falschen Beweisen führte. Hilbert hatte Erfolg und bis heute profitieren Mathematiker von seinem Programm. Der Erfolg von Hilbert war nicht unrealistisch. Er hatte zu seiner Zeit den höchsten Ruf. Sollte sich sein Programm durchsetzen, so hätte man leichter zu lesende Artikel und weltweit die gleichen Definitionen sowie Axiome. Die Mehrheit der Mathematiker sah ein, dass diese Reformation vernünftig wäre.

Der Nobelpreisträger Bertrand Russel wirkte an dieser Reformation mit und kommentierte dies mit dem Satz: „Seit man begonnen hat, die einfachsten Behauptungen zu beweisen, erwiesen sich viele von ihnen als falsch.“ Nach David Hilbert stach der Mathematiker Alexander Grothendieck heraus. In den 60’ern (nach seinen Verdiensten in der Mathematik) wollte Grothendieck seine Bekanntheit ausnutzen um auf den Umweltschutz aufmerksam zu machen. Er war unter anderem so konsequent gegen Atomstrom, dass er den Strom komplett in seinem Haus abschaltete. Auch wies er auf die Gefahr hin, dass der Einsatz von Antibiotikum resistente Keime hervor bringen könnte. Grothendieck hatte die Hoffnung, dass er die Mathematiker gewinnen kann sich einer Umweltbewegung anzuschließen, da sie doch Logiker sind. Trotz seiner Argumente blieb das Interesse aus.
Jeder Versuch einer Bewegung mit Vernunft die Gegenseite zu überzeugen, muss scheitern, wenn die Gegenseite den Argumenten nicht folgen kann. Selbst wenn die Gegenseite den Argumenten folgen kann, kann sie immer noch sagen „Mir egal“ oder auf eine bessere Zukunft hoffen. Was spricht dagegen nur noch Fleisch zu essen, was aus Tierhaltungen stammt, welche kein Antibiotikum einsetzen umso die Züchtung von resistenten Keimen zu verhindern? Sachliche Gegenargumente begegneten mir nie, aber durchaus Desinteresse oder der Glaube, dass es immer bessere Behandlungsformen geben wird. Vielleicht werden die Bilder von sterbenden Kindern, die sich bei dem Verzehr von Hamburgern mit super resistenten Keimen angesteckt haben, alle wach rütteln. Vielleicht! Sollte dies eintreffen, dann werden manche diese Maßnahmen ergreifen. Es wäre dann weniger ein Sieg mittels Vernunft, sondern einer mittels Gefühlen und Emotionen. Wir sollten uns vor Augen halten, dass solche Methoden funktionieren können, selbst wenn das rationale bzw. vernünftige Denken etwas anderes sagt.

Die Preise mancher Produkte sind ja auch nicht mit dem Preisleistungsverhältnis rational begründbar, dass sie aber trotzdem Absatz finden, ist dem Umstand geschuldet, dass die Produkte unsere Gefühle ansprechen und man uns Wissen vorenthalten will. So planen manche Modemarken bewusst ein, dass ihre Produkte überteuert angeboten werden, damit Käufer glauben, dass sie ein Schnäppchen machen können, wenn die Preise reduziert werden. Gefühle können das rationale Denken zur Seite schieben und daher werden sie gerne angesprochen, aber man darf nicht vergessen: Gefühlsmethoden können sich abnutzen (egal ob man damit gutes oder falsches bezwecken möchte), aber 1 + 0 = 1 gilt immer. Man solle sich nun keine Hoffnung machen, falls die Psycho- und Gefühlspolitik gescheitert ist, dass am Ende die Logik und die Vernunft übrig bleiben werden. In einer relativierten Welt wie wir sie leben, ist die Logik und Vernunft eh längst relativ. Angela Merkel kritisierte Gerhard Schröder einst dafür, dass er gegen den Irakkrieg sei, weil er damit die Wahrscheinlichkeit erhöhe, dass der Krieg tatsächlich eintreten würde.

Danke Chris für deinen Beitrag

  1. Vernunft und Logik mögen in unserer (künstlichen) Welt leider relativ geworden sein. Doch sie wird mit aller Härte zurückkehren, sich uns aufzwingen, wenn unsere Traum-Blase, die sich auf Raubbau und Rücksichtslosigkeit stützt, platzt. Der Wachstumsmarkt, die Konsumgesellschaft befindet sich in der Phase der Dekadenz. TTIP/CETA zeigen überdeutlich, dass den USA langsam die Luft ausgeht, sein kapitalistischer Körper hat schon die ersten Todes-Zuckungen und ringt nach Luft. Die Gier und das haltlose Bedürfnis, andere Menschen mit einem parasitären System auszusaugen, wird unweigerlich in eine harte, bittere Sackgasse führen.

    Knappe 150 gut miteinander vernetzte Konzerne halten die gesamte Wirtschaft und Geld in ihren Händen, ALLES wird dem Markt untergeordnet. Der Mensch zu einer ökonomischen Größe dekradiert und nach und nach entwürdigt. Es bahnt sich eine Marktdiktatur an, die die Demokratie als nicht marktkonform erst untergräbt, dann ausmerzen wird. Politiker sind Sprachrohre der Lobby geworden, es macht bald keinen Unterschied mehr, wenn wir direkt von der Lobby regiert werden.

    Letztlich sind wir alle zu perfekt abhängigen Konsumenten geworden, wehe die Supermärkte hätten keine Ware mehr, es gäbe in kurzer Zeit Bürgerkrieg, weil wir schlicht verhungern würden.

    Viele wissen, wie es sich anfühlt, wenn kleine Blasen platzen, aber es wird die Welt zutiefst erschüttern, wenn die große Blase platzt. Dann hoffentlich wird der Mensch wieder zur Vernunft und Logik zurückkehren, weil er sonst nicht überleben kann.

  2. Danke für den Artikel, war sehr Informativ.

  3. Ein schönes Lob auf die Vernunft, wie einfach es doch sein könnte!
    Danke für den sehr guten Beitrag!

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