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Adieu – private Bar

© PhotoSG - Fotolia.com

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Gestern Abend mit dem neuen Lohn auf dem Konto habe ich mich hingesetzt und bei diversen online Händlern meine Heimbar bestückt. Aber bevor ich auf Senden gedrückt habe, wollte ich noch einmal alles hinterfragen. Was mache ich denn da? Ich bin doch Minimalist? Ist der Wunsch, eine perfekte Heimbar aufzubauen wirklich damit vereinbar? Ist es ein Hobby von mir Semi-Pro Bartender zu werden, oder nur eine fixe Idee, die sich mit der Zeit verselbstständigt hat?

Also habe ich etwas tiefer in mich reingehört und dann ist mir etwas eingefallen, was mal ein früherer Arbeitskollege zu mir gesagt hat. Wenn ich ein Regal für ein Geschäft kaufen will, gehe ich zu einem Schreiner, und wenn dieser Schreiner eine Brille braucht, dann kommt er zu mir. Es gibt für alles Profis, die schneller, besser und effizienter sind. Nutze alsodie Experten, damit sich der Kreislauf schließt.

Dann habe ich mir die Frage gestellt, wo ich gerne Cocktails trinke. Die Antwort war ganz klar, in einer guten Bar, mit einem professionellen Bartender, der weiß, wovon er spricht, sich im Hintergrund hält und ab und zu eine gute Geschichte zu einem Drink erzählen kann. Und die Antwort war da. Ich brauche zu Hause keine Semi Bar mit Spirituosen und Utensilien, die, wenn alles perfekt sein sollte, einige Hundert Euro kosten.

Wenn mir nach einem guten Cocktail sein sollte, gehe ich zu einem Profi.Und wenn er eine Brille braucht, sollte er zu meinem alten Arbeitskollegen gehen.

Ich habe gleich heute Morgen mein bestes Cocktailbuch eingepackt um es jemandem zu schenken, der den Wunsch der eigenen Bar noch nicht aufgegeben hat. Die restlichen Utensilien & Gläser werde ich nach und nach an Bekannte, Verwandte und Freunde weggeben.

An dieser Stelle möchte ich noch betonen, dass ein maßvoller Umgang mit Alkohol sehr wichtig ist und sich jeder, der regelmäßig etwas trinkt, fragen solle, ob er das braucht und damit etwas anderes kompensiert, oder ob es unter die Kategorie unregelmäßiger bedachtvoller Genuss fällt.

15 Kommentare

  1. Mir ist jetzt schon klar, dass dieser Artikel polarisieren wird und daher mache ich den Anfang mit einem eigenen Kommentar. Ich möchte euch bitte, den Post als das zu sehen, was er ist. Ein weiterer Schritt zu weniger im Haushalt und bewussterem Umgang mit Ressourcen und einer Erkenntnis, dass ich diese Dinge nicht zu Hause haben muss. Ich hoffe das die Diskussion nicht einseitig über das Thema Alkohol geführt wird.

  2. Bebbo

    Das ist natürlich alles richtig was du hier schreibst. Ich selber bin ein Hobby Koch. Ich habe Utensilien für mehrere Hundert Euro. Sicher brauche ich diese nicht alle. Allerdings bereitet es mir in meiner Freizeit Freude für Freunde oder Familie etwas neues zu kochen. Es ist eine Leidenschaft. Und diese macht mich auch in meinem Freundes Kreis Interessant. Wer hört nicht gern von anderen das man etwas gut macht. Das stärkt ungemein das eigene Ego 🙂
    Zudem bin ich ein sehr Gesellschaftlicher Typ
    Sicher könnte ich auch sagen, wozu das Ganze. Ich gehe einfach Wochenends in ein gutes Lokal und lasse mich bekochen.

    Ich denke es ist wie alles Ansicht Sache. Wenn einem etwas Spaß macht und er eine Leidenschaft dafür entwickelt sollte er es nicht aufgeben. Wenn er jedoch alles Hinterfragt nach Nutzen und Kosten, kann er sich auch gleich nackt in eine Höhle setzten. Dann hat er zwar ein fettes Konto sitzt aber ohne Besitz(und mit sich selbst im Reinen kalt).

    Für was verdiene ich denn mein Geld? Um mir ein Leben zu gestalten so wie es mir gefällt.
    Vielleicht sollte man aber auch seinen eigenen Job mal hinterfragen. Was dieser für ein Nutzen und welche Nachhaltigkeit dieser besitzt. Gerne dürften das viele tun. Denn dann kämen sie zum Entschluss das die Pflegeberufe jene sind die den eigentlichen Nutzen an unsere Gesellschaft haben. Ich empfehle einen Besuch in einem Altersheim.

    • Hallo Bebbo.

      Danke für deinen Kommentar. Ich kann das mit dem Kochen sehr gut verstehen, seit ich mir letztes Jahr einen Wok gekauft habe, liebe ich es für andere etwas zu kochen und neue Rezepte zu entdecken.
      Natürlich hast du auch recht, dass man sich von seinem Geld etwas gönnen sollte und wenn deine Passion das Kochen ist, spricht nichts dagegen dafür dieses Geld auch einzusetzen.
      Ich habe da mal ganz tief in mich reingehört und gemerkt, dass ich Cocktails mag und auch die Art eines Barkeepers, aber das ich im letzten Jahr vielleicht 3-4x für Freunde und Bekannte ein paar Drinks gemacht habe.
      Das hat mich dahin gebraucht, dass dies nicht meine Leidenschaft sein kann. Meine Leidenschaft ist, wieder in Tai Chi und Qigong einzusteigen und eines fernen Tages dieses Wissen auch an andere weiterzugeben. Das wird ein langer Weg sein, aber der beginnt ja auch mit dem ersten Schritt.

  3. Für mich hast Du nachvollziehbar erklärt, warum Du Deine Bar auflöst. Ich mag auch Deinen Satz “Es gibt für alles Profis, die schneller, besser und effizienter sind”. Schönes Argument dafür, den Fernseher auszulassen und mal wieder ins Kino zu gehen. Allerdings würde ich jetzt nicht für alles zum Experten laufen. Dinge, die ich gerne und gut machen und nicht zu aufwändig sind, erledige ich meist selbst. Wer ein bisschen kochen kann, isst zuhause (gerade als Vegetarier) besser als in der durchschnittlichen Gastronomie. Zum Reifen wechseln fahre ich hingegen lieber in die Werkstatt.

    Hatte wie Du vor Jahren zuhause eine fast perfekte Bar. Konnte alle gängigen Cocktails jederzeit mixen. Hatte noch nie so oft so viele Freunde zu Besuch 😉 Die Bar ist längst aufgelöst. Es war mir einfach zu aufwendig und ich wollte mich nicht jeden zweiten Abend damit beschäftigen bzw. Cocktails trinken.

    Ich bin allerdings der Meinung, dass auch ein Minimalist eine gut sortierte Bar haben kann oder ein anderes Hobby bis zur Perfektion zelebrieren kann. Wenn es ihm Freude bereitet, wenn er sich darauf fokussiert, wenn es ihn nicht von anderen für ihn wichtigen Dingen ablenkt – warum nicht?

    Viele Grüße aus Franken,

    Christof

    • Hallo Christof,

      wieder eine Gemeinsamkeit, langsam wird mir das schon etwas Unheimlich 😉

      Minimalistische Bar würde bei mir zum Beispiel vom momentanen Geschmack her so aussehen. 1 Fl guter Gin + 1 Fl Lime Juice. Wie ich in meiner Antwort auf den vorherigen Kommentar von Bebbo schon geschrieben habe, sind wir hier auch einer Meinung. Wenn es deine Passion ist, mach es!

  4. Uhh! Also wenn Kochen oder Bar wirklich eine Leidenschaft wäre, dann würde ich auch nicht drauf verzichten. Auch wenn es nur ein Hobby ist und mit Geld und Material verbunden.
    Momentan geht es mir mit Kunst- und Handarbeitskram so. Ich schränke mich da ungern ein und will nicht zu minimalistisch werden. Aber da ich meine bevorzugten Medien schon gefunden habe, ist die Auswahl schon mal etwas eingeschränkt und ich will mein Material erstmal aufbrauchen. Mir fehlt manchmal einfach die Ruhe und die Zeit für die Hobbies, aber ich gebe sie trotzdem nicht auf.

    Bei anderen Dingen habe ich nicht den Ehrgeiz und so lasse ich dies von einem Profi erledigen.

    • Hallo Mareike,

      Danke für deine regelmäßigen Kommentare & die Verlinkung unter schöne Seien. Ich sehe es genau so wie du.
      Ich würde mich auch zu den “gemäßigten” Minimalisten zählen, deren Wohnung nicht direkt so aussieht, als wenn man noch 10 Kartons einräumen musste.

  5. Hej Michael,
    ich hab mich so gefreut, als ich deinen Artikel gelesen habe. Total verrückt. Ich konnte mir einfach vorstellen, wie das gewesen sein muss, diese Entscheidung gestern Abend getroffen zu haben, der Gedankengang im Vorfeld. Ich schließe mich Mareike an und du hast es ja auch schon erwähnt, als Minimalist kann ich auch eine Leidenschaft haben. Auch ohne Experte zu sein. Auch ohne tagtäglich den SkizzenBlock in der Hand zu haben.
    Dennoch habe ich mich von echt vielen Dingen ähnlich getrennt, wie du es in deinem Artikel beschrieben hast. Auch wenn ein Auge weinte, spürte der Rest doch ungeheure Freiheit und würde sich in deinem Fall riesig auf den nächsten BarBesuch freuen. 😉 Letztes Jahr habe ich mir dann die Nähmaschine meiner Oma reparieren lassen. Ich würde das nämlich gerne können. Hab keinen Schimmer von der Maschine. Auch nicht vom Nähen. Bislang bin ich nicht dazu gekommen. Aber ich freu mich so wahnsinnig drauf, dass es keine Option ist, sie wieder herzugeben.

  6. Das ist ein weites Feld, was du hier beschreibst und für dich war die Erkenntnis die Bar aufzulösen (wenn man dich aus dem Podcast kennt) bestimmt auch kein leichter. Aber du sagst es selbst, bei 3-4 mal Benutzen im Jahr? Das ist wohl nicht zu vergleichen mit einer intensivem täglichen Benutzung der Küche, weil man gerne kocht.

    Meine Erfahrung dazu: Eine Sache sein zu lassen bedeutet im Minimalismus sich auf andere Dinge noch intensiver einlassen zu können.

    • Marcus

      Danke für diesen Satz:
      “Meine Erfahrung dazu: Eine Sache sein zu lassen bedeutet im Minimalismus sich auf andere Dinge noch intensiver einlassen zu können.”
      Genau das beschreibt auch meine Meinung zum Minimalismus. Nicht nichts mehr haben, sondern nur was einem wichtig ist uns Spaß macht. Und nur darauf konzentrieren.

      Rest kann weg….;-)
      Gruß
      Marcus

  7. Martin

    Hallo
    Dein Blogeintrag hat mich angesprochen. Ich kann deine Gedankengänge sehr gut nachvollziehen.
    Ich hab mir vor ein paar Jahren eine halbwegs gute Heimbar eingerichtet und muss feststellen, dass es doch nur 2 bis 3 Drinks sind, die ich mir gern zuhause mache. Eigentlich reichen für mich schon 5 Flaschen (Die Zutaten für einen Negroni – Gin, Martini, Campari, eine gute Flasche Whisky und einen hervorragenden Grappa). Alle anderen Sachen stehen nämlich fast gänzlich ungebraucht herum. Und wie du gehe ich lieber in eine Bar und lass mir einen wirklich guten Drink mixen.
    Aber es ist ja nicht nur bei der Bar so. Wie oft gauckeln wir uns vor, nur mit einer perfekten Ausrüstung liesse sich das oder jenes bewerkstelligen. Wir kaufen die gesamte Sportausrüstung anstatt diese zu mieten, richten uns einen kompletten Hobbykeller und und und.
    Ich glaub ich weiss jetzt was ich machen werde: meine Bar ausmisten

    • Hallo Martin, ja hast ja so recht. Die Gymnastik Matte, die Hanteln, die Therabänder, die Funktionsshirts, Pulsmesser und co um dann doch nur 1 mal Joggen zu gehen. die Minimale Heim-Bar wäre bei mir 1x (guter) Gin / 1x Lime Juice.

  8. Smitti

    Hallo ihr Lieben,
    Wer zu “Nichts” taugt, ist zu “Allem” fähig.
    Wenn der Reiz-Überflutung-Zunami an Kraft verliert und der Überfluß an überflüssigen Gedanken, Handlungen und Gegenständen sich zurückzieht, werden die gewaltigen Schäden sichtbar, die er angerichtet hat. Erst jetzt besteht die Möglichkeit aufzuräumen, jedoch ohne “Du sollst” oder gar “Du mußt”. Körper, Geist und Seele öffnen sich HIER für den Jahres-, Tages- und Lebens-Zyklus, für den Frühlingswind, die Vogelstimmen, den erdenen Geruch, den salzigen Geschmack, die feinen Seelen der Mitmenschen und erfahren wie die Synergie von Allem mit Allem um einiges schöpferischer ist, als die Summe ihrer Teile. “Per-son” bedeutet durchtönen (per-sonare). Jesus (Leben) wird im durchwindeten Stall geboren, nicht in Wärme- und Schallgedämpften Herrbergen unendlich logischer Gedankenketten. Die heitere Kraft der Stille trägt das mitfühlende Herz, den lauschenden Atem und die kontemplativen, zunehmend gewohnten Schritte, hin zu dem jetzt sichtbaren, not-wendigen, vielleicht auch beruflichen Wandel, der mitten im Engagement von selber geschiet.
    Danke für die Mitteilung eurer klarsinnlichen (einfältig-unkompliziert-minimalistischen) Erfahrungen . :-))

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