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Der Flow der Zombies – ferngesteuerter Arbeitsweg

© Aaron Amat – Fotolia.com

Jeden Morgen finde ich mich in einem Horror Film wieder. Ich sehe Menschen mit ausdruckslosen Gesichtern, die wie ferngesteuert durch die Welt laufen. Ich arbeite nicht als Assistent am Set eines Horrorfilms, ich Pendel zur Arbeit wie Millionen andere auch.
Bei vielen Menschen setzt beim Pendeln sogar das Aufzug Gen aus. Dies ist der Reflex, dass alle nach kurzer Zeit auf den Boden starren, weil sich die Blicke im innenseitig verspiegelten Aufzug zwangsläufig treffen müssen. Wenn hier noch der Trio Klassiker, du siehst, mich nicht, ich seh dich nicht, greift ist es unter Pendlern ein Zen Mantra. Ich sehe dich, lass los, sehe durch dich hindurch, erkenne dein Wesen, du bist Pendler wie ich und bist mit dem Kopf nicht da.
Den apathischen Zustand dieser Spezies Zombie Sapiens, erkennt man, wenn sie aus dem Zustand heraus gerissen werden. Die Frage, ob dies der richtige Zug sei oder welches Buch der Zombie gerade liest, dringt erst nach 5 Sekunden zu im durch und eine Antwort braucht genau so lange.
Irgendwann öffnen sich die Türen des RE am Bahnhof, Menschen strömen die Treppen herunter, als ob es etwas umsonst gibt und nur die ersten 20 etwas bekommen können. Sommerschlussverkauf ist ein Witz gegen dieses Gedränge. Kaum einer nimmt Rücksicht, jeder geht auf seiner eigenen Ideallinie zum nächsten Bestimmungsort.

Ich fühle mich da manchmal wie der Aufgeweckte zwischen den Schläfern. Ich bin im Moment, erlebe Sonnenaufgänge, schöne Bäume am Wegrand und genieße die Zeit im direkten Moment.
Fragt doch heute auf dem nach Hause jemanden nach dem Weg oder seinem Buch und lockerst damit seine Heimfahrt etwas auf!
Wie nehmt Ihr denn euch als Pendler und die anderen wahr?

Und der Bezug zum Blog? – Minimalismus heißt – bewusstes Erkennen ohne Ablenkung. Im Jetzt sein

5 Kommentare

  1. Ferun Namid

    Dieses Thema finde ich nun etwas einseitig betrachtet. Man könnte so auch demjenigen, der in der Sonne oder auf dem Sofa liegt und ein Buch ließt auch vorwerfen nicht im hier und jetzt zu sein ohne Ablenkung. Egal wo ich eine Buch lese, wenn ich dabei nicht äußere Einflüsse ausblende, dann kann ich schlecht konzentriet lesen und die ganze Breite des Textes erfassen ohne jeden Augenblick abgelenkt zu werden.
    Ich bin selber Pendler und musste früher mit Bus und Zug überall hin. Heute geht es leider nur mit dem Auto. Und selbst beim Autofahren kann ich bewusst Sonnenaufgänge betrachten und die Nebelschwaden über den Feldern.
    Was das Ausströmen mancher Menschen an Haltestellen betrifft, das hat oft was mit den Fahrplänen und Verspätungen der Bahn zu tuen. Niemand mag eine halbe bis eine Stunde am Bahnhof vertrödeln wenn er den Anschlusszug verpasst.

    LG

  2. Viel lustiger finde ich die Menschen (, körperliche Probleme mal außen vor gelassen) , die vor Rolltreppen und Aufzügen auf ihre Beförderung warten anstatt die Treppe zu nehmen.
    Mein Leitsatz war immer jede Treppe „mitzunehmen“. Und manchmal vermisse ich all diese Treppen sogar.
    Aber jetzt erstmal: ein schönes Wochenende!

  3. Also ich bin – was Bus und Bahnfahren angeht – ein ziemlicher Extremist. Das liegt daran, dass ich schon immer, mein ganzes Leben lang Pendler mit Öffis bin. Hab keinen Führerschein und finde sowas in einer Großstadt nicht nur überflüssig sondern mittlerweile sogar peinlich. Dieses zombiehafte, gedankenverlorene „in Eile sein“ finde ich ganz ganz schlimm. Nicht nur, dass niemanden mit Rollatoren, Schwangern, Rollstühlen, Muttis mit Kinderwagen oder alten Leuten Platz gemacht wird, nein, die Leute schalten auf Autopilot und plaudern DIREKT VOR den Rollentreppen, die ich IMMER gehend nehme (weil man dann mit weniger anstrengung schneller oben ist), wenn sie nicht gerade von unaufmerksamen Stehern blockiert werden. Oder sie stehen einfach mal so MITTEN auf dem Gehweg oder VOR dem Fahrstuhl.
    Ich stehe auch immer so an der Haltestelle, dass ich meistens die erste bin, die den Bus betritt (wenn er neu eingesetzt wird) und ich freie Platzwahl habe. Und ja, ich setze mich hin, weil ich erstens einen Weg von 20 Minuten habe und zweitens ich dann aus dem Weg bin für andere. Wenn zwei Mütter mit jeweils einen Kinderwagen ankommen, dann ist der Bus total voll und sorry, aber die Leute schnallen es echt nicht – sie stehen dann im Weg, verstopfen das Durchkommen und der Bus kann nicht pünktlich losfahren und alle kommen zu spät obwohl – und das ist das Schlimme – ALLE pünktlich nach Hause wollen. Das ist sowas von nicht mitgedacht und das kotzt mich total an, weshalb ich manchmal auch meinen Zorn den Leuten ins Gesicht knalle. Ganz famos sind ja auch die Sonntagsfahrer, die in der Rushhour gerne mal ihr Täschchen auf nem Sitzplatz parken, damit da jaaaa kein anderer sitzen kann. Oh und super sind auch die Blitzmerker, die immer noch nicht wissen, dass man hier seit März (!!!!) bei dem Bussen vorne einsteigt und die Fahrkarte vorzeigen muss.

    Diese Unachtsamkeit ist wirklich fürchterlich. So. Genug in Rage geredet.

  4. hahan, wie sich die menschen doch ähneln.

    du triffst (für mich) den nagel auf den kopf wenn du schreibst, dass du apathie und dieses gewissermaßen „gedankenverlorene“ in deinen mitpendlern siehst. das geht mir genau so.

    ich fahre morgens mit dem auto (umweltsau) zu arbeit und beobachte diese apathie zum beispiel bei meinen „an der ampel mitwartenden eine spur weiter“ auch.

    und ebeso wie du bin ich oft morgens, wenn der tag (und ich auch) noch frisch ist „im augenblick“ und nehme die nuancen meiner umwelt (schöner überlandweg mit feldern, wäldern etc.) dann immer besonders wahr.

    wenn ich das so von dir lese – frag ich mich: sehe ich vielleicht in meinem „jetzt-sein“ nicht ebenso so zombiemäßig aus? ist mein eher negatives bild der „massenhaften zombihaftigkeit“ der „anderen“ nicht nur mein eigenes ding“? und: sollte ich so ein gesicht machen wie die anderen auch, bin ich dann nicht auch teil dieser zombimasse? und weiter: dann ist das aber auch so, wenn ich dieses gesicht nicht mache… und dann… frage ich mich immer, wie wir uns alle quasi „ent-zombifizieren“ können

    super post

    • Danke für das Lob. Ich habe mich bei dem Post auf ein kleines Experiment eingelassen und etwas farbenreicher geschrieben und bin froh über so viel Zuspruch. Wenn wir früher den Hans guck in die Luft hatten, ist es heute der Kevin schaut auf sein iPhone. Vielleicht brauchen wir so etwas wie Farbcodes. Sprich mich nicht an ich lese, ist blau und suche Smalltalk über die Welt, das Leben und dich, grün. Ich kann auch versunken in meinem Kindle sein, aber das lässt mich nicht vergessen wo ich bin und mein Blick schweift öfter mal durch all die anderen Gesichter.

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