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Wenn Speicherplatz keine Rolle spielt

© Photocreo Bednarek - Fotolia.com

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In immer kürzeren Abständen wird Speicherplatz billiger. Egal ob es sich dabei um USB Sticke, Festplatten oder Onlinespeicher wie Dropbox oder Google Drive handelt. Der Preis für Speicherplatz kennt nur eine Richtung: nach unten. Meine erste Festplatte hatte rund 800 MB Speicherplatz. Damals habe ich noch geglaubt, dass man einen CD Rohling mit Daten kaum voll bekommen kann. Heute habe ich auf der Arbeit einen USB Stick mit gut 50 GB an Daten mit Software, Images und verschiedenen Linux Distributionen.

Wenn ich mir die Daten auf meiner Festplatte genauer ansehe, dann sind es aber immer wieder die üblichen Verdächtigen, die die größten Teil des Speichers beanspruchen.  Fotos, Videos, Audiodateien und Musik. Für mich, wirft das immer die Frage auf. Brauche ich das alles?

Es geht los mit den Fotos. Seitdem ich digital fotografiere sind die Dateigößen pro Bild von einem halben MB auf 2-4 MB gestiegen. Ich mache zurzeit meinen Fotos ausschließlich mit dem Smartphone. Bei Bildern einer digitalen Spiegelreflex im RAW Format  reden wir locker über das 10 -fache.

Ich möchte ganz bewusst alle diejenigen ein Stück weit ausklammern die Daten beruflich nutzen. Dort kann es sinnvoll sein viel Rohmaterial zu bewahren und es fällt für ein Projekt im Video Bereich auch schnell eine große Datenmenge an. Aber wenn ich wieder zu uns „normalen“ Usern komme, frage ich mich immer wieder, wer sich 300 Bilder von einem Urlaub wirklich ansieht. Zurück zur Analogen Zeit, denke ich an Diaprojektor, Leinwand und stundenlange Vorträge, mit über 30 kennt man so etwas noch aus Kindertagen.

Ich bin daher dazu übergegangen radikaler auszusortieren. Die Menge der Fotos die ich behalte sind maximal 15% von dem, was ich gemacht habe.  Ich habe lieber 40 schöne Fotos aus einem Urlaub, die besondere Momente, Sehenswürdigkeiten und Stimmungen einfangen, als 400 Fotos die wenig aussagen.

Bei der Musik ist es ähnlich. Früher habe ich Internet Radiosender mitgeschnitten und es haben sich Unmengen von Daten angehäuft, es waren bestimmt 1 TB an MP3s die sich gesammelt haben. Ich hätte glaube ich 3 Jahre lang jeden Tag ein anderes Lied hören können, ohne etwas doppelt zu hören. Der viele Speicherplatz und die kostengünstige bis kostenlose Verfügbarkeit verführen sehr, in eine Art von Sammelleidenschaft zu verfallen.Ich habe mich vor gut einem Jahr von meiner Digitalen Musiksammlung getrennt. Ich nutze zur Zeit Spotify oder wenn ich etwas kaufe, dann über Beatport.Auch von dem Rohmaterial, was für eine Folge des Minimalismus Podcast anfällt trenne ich mich recht schnell. Die fertige Folge reicht am Ende vollkommen.

Filme, Videos haben bei mir noch nie eine große Rolle gespielt. Seitdem ich mir Filme über das Netz gegen eine kleine Gebühr ausleihe, ist meine DVD Sammlung auf unter 10 DVDs geschrumpft.Alles an Daten, was ich besitze, inklusive Backups der Blogs sind rund 60 GB.Auch wenn Speicherplatz immer billiger geworden ist, fallen doch immer wieder kosten an. Für die Backup Festplatte, den Cloud-Dienst, ein Upgrade des vorhandenen Speicherplatzes. Je mehr Geräte zusätzlich angeschlossen werden, desto größer ist auch der Stromverbrauch. Normale Festplatten haben auch nur eine mittlere Lebensdauer von 2-3 Jahren.

Meine Tipps sind:

  • Hortest du noch oder benutzt du die Daten auch? Mehr ist nicht automatisch besser
  • Soziale Netzwerke für Schnappschüsse nutzen: Es gibt  ja immer wieder Abende mit Freunden, den man festhalten möchte, ob ich diesen noch in 20 Jahren sehen will, ist fraglich, daher Teile ich dann lieber mal einen Moment in einem sozialen Netzwerk mit einem eingeschränkten Nutzerkreis als mir meine Festplatte mit Fotos von Essen und Co vollzumüllen.
  • Weniger ist mehr 20 großartige Fotos zeigen mehr als ein Fotobuch mit 150 langweiligen Bildern
  • Hör mal wieder Radio oder abonniere einen Podcast und entdecke neue Musik. Eine viel bessere Möglichkeit ist es, mit Freunden gemeinsam Musik zu hören. Wenn die Generation meiner Eltern noch Plattenstapel durch die Gegend tragen musste, reicht heute schon das Smartphone oder der MP3 Player
  • Frag dich genau, wie wichtig ist mir dieses Foto, dieser Film oder dieser Song, kann ich ohne ihn leben? Hat er eine große Bedeutung für mich? Würde ich mir dieses Foto in einen Rahmen stellen oder ein Poster davon anfertigen?
  • Den Überblick behalten: Viele Sammeln Ihre Daten an 10 verschiedenen Orten. Auf Speichersticks, in der Handy Fotogallerie, auf einem USB Stick, einer Platte oder ein paar DVDs. Mir hat es sehr geholfen das ganze zu zentralisieren. Nur noch Laptop + ein online Backup, so sieht meine Lösung aus.  Das spart Zeit, Geld und Nerven.

 

 

10 Kommentare

  1. j. candido

    Hi,
    Ich habe meine musik sammlung schon extrem reduziert, ich benutze hidrive als datenspeicher auch fotos habe ich so reduziert dass ich insgesamt nur 5 GB brauche !!

    Lg

    Ps.: guter anfangs artikel 🙂

  2. Eine große Frage, die man sich über die Jahre stellt, ist die der Dateiformate. Was passiert in 10 Jahren? Können Programmdateien wie zum Beispiel Photoshopdateien (psd) noch geöffnet werden, oder gibt es bis dahin einen anderes Paradeprogramm?
    Man konnte es auch mit Datenträger vergleichen, denn der Wandel Diskette, CD, DVD e.c. ist bestimmt noch lange nicht vorbei. Daraus resultiert sich früher oder später sicher eine große Arbeit, denn Dateien oder Datenträger müssen umgespeichert werden. Große digitale Archive stehen somit vor einem Haufen Arbeit.

    Sind dann Arbeit und Kosten immer noch gegen Null?

    Dies mal nur kurz dazugeworfen.

    • Chris

      Man sollte bei Dateiformaten, solange man die Daten über viele Jahre aufheben will, schon sorgsam sein. Am besten setzt man auf offen Formate, denn für diese wird es zur Not immer einen Konverter geben. PDF/E eignet sich für Dokumente beispielsweise besser, als irgendwelche proprietären Microsoft docx Formate. Bei Fotos JPEG oder TIFF.
      Alte Word Dokumente von vor nichtmal 10 Jahren, kann man ja schon heute teilweise nicht mehr lesen.

  3. Chris

    Generell Stimme ich dir bei vielem zu. Als passionierter Hobbyfotograf, hebe ich aber doch gerne mehr Fotos auf. Es macht einfach Spaß mit Freunden ab und an im digitalen Archiv zu kramen und sich Bilder von vor 10 oder 15 Jahren anzusehen.
    Allerdings werfe ich nun auch deutlich mehr Bilder in den digitalen Mülleimer. Bilder die verwackelt oder anderweitig nichts geworden sind, kommen jetzt direkt weg. Früher habe ich auch die RAW-Dateien aufgehoben. Nach der Entwicklung behalte ich nun nur noch die fertigen JPGs.
    Das spart schon ordentlich Platz. Videos hebe ich bis auf einige Raritäten nichts mehr digital auf.
    Mein Musikarchiv habe ich allerdings auf Platte in einem Lossless-Format. Von da aus kann ich es dann einfach für die entsprechenden Endgeräte konvertieren.

    Viel schlimmer finde allerdings den ganzen Krempel der sich überall ansammelt. Downloads, Dokumente, kurz die Eigenen Dateien unter Windows in deren Ordnern sich über die Jahre einiges ansammelt.
    Ich werde deinen Artikel mal wieder zum Anlass nehmen auszumisten.

  4. Mario

    Ich weiß nicht wie es euch geht,aber Stundenlanges ausmisten macht mir am meisten spaß.Allerdings ist das nicht mehr möglich,da mein Minimalismusprozess schon fast abgeschlossen ist.
    Der Minimalismus hat mit dem Buddhismus z.B. gemeinsam dass wir uns nicht nur von Materiellen lösen können, sondern auch von Gedanken.
    Die Digitale Welt als verlängerter Arm unserer Gedanken sollte genauso kritisch betrachtet werden wie unsere Gedanken ansich.

    Danke für den Blog

    Gruß Mario

    • Maj

      Ich finde es interessant was du ansprichst. Denn das „Problem“ habe ich schon länger: ich würde gerne ausmisten, aber es ist fast nichts mehr da. Dabei hat das so einen Spaß gemacht. Und nun frage ich mich wo die Grenze dessen liegt, d.h. ob man irgendwann vielleicht zu viel ausmistet? Fragen über Fragen 😉

    • Martin

      Hallo Mario
      Ich denke, du legst hier einen Fingen in einen wunden Punkt. Geht es nicht den meisten Minimalisten so? Minimalist sein, weil ich gerne wegwerfe? Die Sucht des Wegwerfens? Und was ist, wenn nichts mehr da ist? Die Leere – innerlich und äusserlich? Ich versuche hier wieder in ein gesundes Mass zu kommen. Heute habe ich wieder bedeutend mehr Dinge als vor 2 Jahren – und es tut mir gut. Hingegen digitale „Dinge“, an denen hänge ich nicht. Die lohnen sich für „mich“ nicht aufzuheben (ausser man muss es behalten wegen Behörden usw.)
      Und um Maj zu antworten: Ja, man kann auch zuviel Ausmisten. Ich lebe/lebte extrem minimalistisch und merke, das hat auch Grenzen. Extrem Minimalismus kann auch eine Krankheit sein, so wie Messies krank sind.
      Wir müssen gesund leben. Gesunder Besitz der sich im Rahmen hält und gesunder Minimalismus, der nicht in sich davon lebt wegzuschmeissen.
      Die gesunde Balance – in den wahren Dingen und auch in den digitalen Daten.
      Martin

  5. Meine Beziehung zu digitalen Medien ist eher zwiegespalten.
    Meine CDs habe ich schon sehr reduziert. In den letzten Jahren habe ich allerdings auch immer seltener bewusst Musik gehört. Keine Ahnung warum das so ist. Es gibt Musik, die ich beim Tanzen höre und das reicht mir meist schon. Selbst meine MP3 Sammlung könnte ich mal ausmisten. Momentan höre ich eh Spotify oder Radio. Aber einige schöne CDs bleiben.
    Digitale Fotos werden bei mir meist recht nichtssagende Schnappschüsse, aber es sind dennoch Erinnerungen an Feiern, Urlaube etc. Meine kleine Cam macht aber auch eher schlechte Fotos. Lichtstimmungen schafft sie selten einzufangen. Aber da ich jetzt ein analoges Schätzchen aus den 60ern habe, werde ich das ändern und wieder vermehrt richtige Fotos ansammeln. Das ist mir aber auch egal, denn ich gehe los und mache nicht irgendwelche Schnappschüsse, sondern suche ganz bewusst schöne Motive.
    Meine Lieblingsfilme habe ich noch auf DVD… Das sind nicht mehr viele. Einige werde ich auch noch abgeben. Wenn ich etwas schauen möchte, leihe ich es mir in der Videothek aus.
    Bücher kaufe ich manchmal für den Kindle, manchmal auch in Papierform ( Mängelexemplare). Nach dem Lesen, werden sie verschenkt oder in den offenen Bücherschrank gestellt.
    Auch meine Kunst habe ich aussortiert. Oft besitze ich nicht mal mehr ein Foto von verschenkten Bildern. Jemand anderes erfreut sich daran und ich habe nur das, was ich wirklich für mich male. Grad in dem Bereich verzichte ich auf digitales, denn nichts geht über eine echte Zeichnung mit Pastellstiften oder Aquarellfarben.
    Aus alle diesem ergibt sich, dass ich nie ein 100% Minimalist sein werde. Das macht aber auch nichts. Ich hab weniger Ballast als die Meisten und genug schöne Dinge zum Anfassen an denen ich mich wirklich erfreue.

  6. Philipp

    Ich weiß es passt nicht 100%tig zum Thema. Aber für alle, die ihre Sachen gern sichern wollen, ohne unnötig Geld auszugeben: Auf mega.nz bekommt man kostenlos 50 GB Cloudspeicher. Allerdings sollte jedem klar sein, dass es nicht sinnvoll ist, wichtige persönliche Daten wie Passwörter, Dateien fürs Onlinebanking etc. unverschlüsselt in einen Cloudspeicher zu laden.

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