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Kaufrausch – besser fühlen durch Konsum

© Odua Images - Fotolia.com

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Samstags vormittags in Köln. Die Straße ist gepflastert mit Menschen, die Einkaufstaschen neben sich hertragen. Es hat neues Geld gegeben und die Menschen konsumieren auf Teufel komm raus. Bist du schlecht drauf?Dann geh mir deiner besten Freundin shoppen, nach so einem Kaufmarathon geht es dir bestimmt besser. Du bist glücklich, hast dir etwas gegönnt, du freust dich über die neuen Shirts, Hosen, elektronische Gadgets, was auch immer.

Ich denke an Frauen in Bekleidungsläden und leuchtende Augen an den Umkleidekabinen, die stolz neue Dinge präsentieren und Männer, die sich die neusten Blue Ray Player, Hi-Fi Anlagen und Digitalkameras im Elektronik Großmarkt ansehen und dem Impuls nachgeben und sich einen lang ersehnten Wunsch erfüllen.

Aber sieht so Glück aus? Nicht wirklich!

Man sollte einfach für sich entscheiden, ob man diese Dinge wirklich braucht. Was mir geholfen hat, ist alles auf eine Liste zu setzen. 30 Tage lang hat man nun die Möglichkeit sich Gedanken darüber zu machen, ob man diesen Gegenstand wirklich kaufen möchte oder ob man doch nur ein anderes Bedürfnis damit befriedigen will.

Ein Aufschub des unmittelbaren Kaufimpulses lässt ihn mit der Zeit verblassen. Manche Menschen geben diesem Impuls viel zu schnell nach und kaufen unreflektiert auf Teufel komm raus. Die Kehrseite der Medaille sieht so aus, dass die Befriedigung durch den schnellen Einkauf nur eine kurze Zeit bleibt und sich viele Haushalte verschulden, um mit den aktuellen Trends und Standards mithalten zu können. Die 0%-Finanzierungverlockt viele, sich doch die digitale Spiegelreflex, denFlatscreen Fernseher oder den „besten“ Laptop zu kaufen.

Wer den Drang etwas zu kaufen, damit es ihm besser geht, erst einmal als solchen identifiziert hat, ist schon sehr nah an der Lösung. Er sollte sich dann dem wirklichen Problem stellen und sich nicht der kurzfristigen Ersatzbefriedigung durch Konsum hingeben. Mir ist bewusst, dass dies nur ein Teilaspekt ist und nicht jeder , der von sich sagt, dass er gerne shoppen geht, damit unbewusst andere Probleme verdrängt, aber eine kleine Selbstreflexion ist dieser Aspekt durchaus wert.

Wie sieht es in eurem Leben aus? Kennt Ihr den Shoppingwahn in dieser Form und wie geht Ihr damit um.

17 Kommentare

  1. Emma

    ja, ich kenne es vor allem dass man sich mit Konsum belohnen oder trösten will…
    Als ich angefangen habe zu arbeiten habe ich gerne was gekauft wenns nicht rund lief…egal ob neue bunte Teller, ein Tshirt oder teure Schokolade. Jetzt lebe ich dank Wohnungskauf (und dem Wunsch mit weniger Zeugs zu leben!) sparsamer und es fehlt nicht wirklich…obwohl ein bisschen schon, es ist schwer den Verführungen der Werbung etc zu widerstehen und „sich selbst zu trösten“ respektiv andere Wege zu finden mit negativen Gefühlen umzugehen. Es fiel mir übrigens leichter auf Konsum zu verzichten als ich Studentin war, da hatte man halt nicht viel Geld und war zufrieden wenn man gutes Essen kaufen konnte und ein paar Biere trinken in der Kneipe 🙂 außerdem gab es natürlich nicht den Druck eine tolle Wohnung mit allerlei Schnickschack zu haben (werde dieses Jahr 30 und alle um mich rum wohnen superstylish 😉

  2. Pingback: Woche 11 – Unsere Netzhighlights | Apfelmädchen & sadfsh

  3. Felix

    Dieser Kaufrausch ist echt allgegenwärtig… aber ich habe mir irgendwann bewusst dass ich eigentlich gar nicht so viele (neue) Dinge brauche.
    Ich habe es (auch dank der Anregungen von Blogs wie diesem hier!) geschafft, einige Kisten auszusortieren und nicht jedem Kaufreiz nachzugeben. Klamotten zu kaufen macht mir ohnehin keinen Spaß, immer diese anstrengende Sucherei in tausenden Geschäften! Da ist es schöner, einfach nur mit dem Rad zu fahren 😉
    Und das mit dieser bestimmten Zeit nach dem „unmittelbaren Kaufimpuls“ stimmt für mich auch. Wenn ich nach ein paar Tagen über eine Fast-Kaufentscheidung nachdenke, frage ich mich manchmal, was ich mir denn dieses neue Ding wirklich gebracht hätte — absolut nichts!

  4. Kaufimpulse habe ich mittlerweile nur noch sehr wenige. Durch mein Jahresmotto bin ich ja sowieso eher auf den Gebrauchtmarkt beschränkt, da macht es dann wieder richtig Spaß Dinge zu kaufen, weil ich sie dort erst entdecken muss und weil ich dann auch nur Dinge kaufe, die ich brauche.

  5. Manuela

    Kaufrausch? Was ist das?
    Durch meine absolute Liebe zum Minimalismus, trifft auf mich wohl eher das Wort „Entrümplungsrausch“ zu.
    Ich glaube, wenn man sich erst mal bewusst gemacht hat, wieviel Spaß es machen kann, nur mehr Dinge zu besitzen die man auch wirklich benutzt, fällt das sogenannte „verzichten“ auch einfach leicht.

    • Tobias

      Seit wenigen Monaten denke ich genauso. Dieser „Entrümplungsrausch“ gibt mehr als jeder werbegesteuerte Konsum. Nebenbei hat man mehr Zeit und Aufmerksamkeit für die wichtigen Dinge.

  6. Martin

    Unsere Gesellschaft ist konditioniert darauf, dass wir konsumieren. Wenn wir mit offenen Augen durchs Leben gehen, merken wir, dass unsere westeuropäische Kultur eine Kutur des absoluten Konsum ist. Es dreht sich eben alles ums Kaufen – nebst dem nötigen auch im Grunsatz als Beschäftigung.
    Aber: Ist der Gegenentwurf „Entrümpelungsrausch“ nicht das Gleiche wir Shoppen – nur mit umgekehrten Intensionen. Wenn es nur darum geht zu entrümpeln, damit es mir besser geht, dann ist es das gleiche wie einkaufen. Minimalismus ist nicht gleichzusetzen mit der Sucht des Wegwerfens.

  7. TeneoFox

    „You buy furniture, you tell yourself, this is the last sofa I will ever need in my life. buy the sofa, then for a couple of years you’re satisfied that no matter what goes wrong, at least you’ve got your sofa issue handled, then the right set of dishes, then the perfect bed. The drapes. The rug.
    Then you’re trapped in your lovely nest, and the things that you used to own, now they own you.“
    Fight Club
    😉

  8. Ich hab immer einen Zettel im Geldbeutel mit den Dingen, die ich wirklich anschaffen will kleidungstechnisch oder für meine Wohnung. Nach Wichtigkeit rangiert. Den Zettel erneuere ich ab und zu. Beim shoppen kaufe ich nur das oder gar nix. Meistens 🙂

    Wenig besitzen fand ich schon immer gut. Nur kannte ich bisher bis auf 3 Leute nur Maximalisten, die diese Art an mir nicht verstehen. Wieso ist Verzicht Gewinn? Deshalb bin ich froh, im Netz die vielen Blogs lesen zu können – danke vielmals für die Inspiration.

    Minimalismus verlangt Perfektion. Ist anstrengend. So 2 mal im Jahr miste ich 4 Wochen aus. Das ist wie eine Inventur. Danach ist Leere. Ich fühle mich frei. Und upgedatet. Dann kommt das geballte Leben. Wieder ganz viele neue Erlebnisse.

    In vollgestopften Wohnungen fühle ich mich einfach nicht wohl.

  9. Saskia

    Ich war noch nie eine besonders ambitionierte Shopping-Queen, aber in den letzten Jahren ist es immer „schlimmer“ geworden, einkaufen wurde mehr und mehr letzte Option.

    Vor ein paar Tagen ist mir etwas, im Nachhinein mich selbst eher belustigendes, passiert. Ich hatte keine andere Wahl, entweder unten ohne herum laufen oder endlich eine Hose kaufen. Geld hatte ich zwar genügend, war auch in ein paar Geschäften, hab auch einige Hosen anprobiert, aber ich konnte mich einfach nicht dazu durchringen etwas zu kaufen. Ich bin inzwischen sehr wählerisch und wäge lange ab, bevor ich zum Geldbeutel greife, manchmal empfinde ich das fast als lästig, so wie an diesem Tag, denn eigentlich hatte ich ja nicht groß eine Wahl im bezug auf brauche ich oder brauche ich nicht.
    Mit leeren Händen kam ich dann nach Hause und erfuhr von meiner Tante, die mich anrief, dass meine Cousine ihren Schrank ausgemistet hat und das nun ein gsnzer Karton coole Klamotten auf mich wartet geplündert zu werden. Ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen.
    Nun habe ich statt einer gleich 4 Hosen bekommen, die alle tadelos passten und das Beste, keinen Cent dafür bezahlt. Wenn sie mir irgendwann nicht mehr passen, bringe ich sie zum Diakonischen Laden, dann hat noch mal jemand was von ihnen.

    Und die Moral von der Geschicht, geduldig sein lohnt sich doch 🙂

    Gruß Saskia

  10. Ich bin gerade eben dank Google auf diesen Blog gestoßen und erkenne mich in den meisten Aussagen selbst wieder.

    Ich denke mal, dass ich mittlerweile ein echter Minimalist bin. Wie das geschehen konnte, kann ich mir nicht wirklich erklären. Jedoch hat alles damit angefangen, dass mein Konsum mich einfach angefangen hat zu langweilen.

    Dieses hier und dieses da – oh furchtbar!

    So kommt mittlerweile irgendwelcher Unrat nur sehr schwer ins Haus und einen Kaufrausch hatte ich schon eine halbe Ewigkeit nicht mehr.

    Mir macht es eher Spaß durch die Stadt zu flanieren und das Angebot einfach zu begutachten, anzufassen, darüber zu diskutieren. Sich jedoch etwas zu kaufen? Wozu? Nein danke! Habe doch eh schon mehr als genug.

    Ich will gar nicht wissen, wie viel Geld ich dadurch gespart habe.

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