Alle Artikel von “Michael Klumb

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Frohe Weihnachten

Cheerful santa claus in red costume sitting near pine and holding cup of tea

© deagreez – Fotolia.com

Bei vielen von uns Minimalisten hat der freundliche alte Herr auf dem Foto heute auch Zeit, sich mit seiner Familie zu treffen und den Abend im Kreise seiner Lieben zu verbringen, weil er uns kaum, bis keine Geschenke bringen muss.

In der letzten Woche war ich ziemlich oft auf dem Weihnachtsmarkt unterwegs. Meine Gedanken sind daher heute besonders bei den Angehörigen und Freunden der Opfer des Anschlags in Berlin.

Heute möchte ich auch ganz besonders die unter euch ansprechen, die diese Weihnachtstage alleine verbringen oder die in der Vergangenheit einen geliebten Menschen verloren haben. Ich weiß, wie schwer und schmerzvoll diese Tage sind. Sie sind voll mit Gedanken an Erlebnisse, die so, nie wieder kommen werden. Ich feiere dieses Jahr das zweite Weihnachten ohne meinen Vater und weiß, wie es euch geht.

Ihr seid nicht alleine mit euren Gedanken und eurer Traurigkeit. Es gibt immer jemanden, der besonders heute an euch denkt.

An jeden Einzelnen von Euch.

Ich bin dankbar für so viele schöne Momente in diesem Jahr und Danke euch für eure Freundschaft und euer Vertrauen.

Ich wünsche euch von ganzem Herzen Frohe Weihnachten,

Euer Michael

 

 

 

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Ich übe seit 15 Jahren

Paar Freunde trinken Glhwein auf dem Weihnachtsmarkt

© Hanker – Fotolia.com

Gestern Abend war ich bei mir in Refrath auf dem Weihnachtsmarkt. Unser Weihnachtsmarkt ist hier wirklich sehr klein und eigentlich ist nur etwas am Wochenende los, aber der Glühweinstand ist wie auf den großen Märkten in Köln und Umgebung immer gut besucht. Hier treffen sich eigentlich immer wieder dieselben Menschen. Es geht um sehen und gesehen werden, gemütliches Beisammenstehen und natürlich auch etwas Alkohol.

Aber es geht mir gar nicht darum, sondern ich möchte euch erzählen, was mir gestern hier am Crêpes Stand passiert ist. Der Stand war eigentlich recht leer. Zwei Jungs standen vor mir in der Schlange und überlegten noch, welche Variante sie nehmen sollten. Hinter der Theke erklärte der erfahrene Crepés Bäcker gerade einer neuen Aushilfe, wie alles richtig funktioniert. Angefangen vom Einfetten der Platte mit kreisenden Bewegungen über das Vorbereiten des Teiges, das prüfen der richtigen Konsistenz bis hin zum eigentlichen Backen.
Ich konnte die ersten Versuche der Aushilfe sowie die Anweisungen und Tipps des erfahren Bäckers hören. Zuerst habe ich mich etwas geärgert, dass ich so lange warten musste, aber dann habe ich mir dieses Schauspiel angesehen und gemerkt, dass es hier um etwas ganz elementaren geht. Das Üben einer Fertigkeit. Und die ersten Versuche. Auch wenn die Redewendung “Übung macht den Meister” etwas abgegriffen ist, war das die exakte Beschreibung dessen, was ich gesehen habe.

Ich habe, wie ich an der Reihe war, ein kleines Gespräch mit dem Mann angefangen. Und gesagt, dass es wohl nicht so einfach ist, einen guten Crêpes zu backen. Er hat mir darauf dann geantwortet: Ich übe seit 15 Jahren.

Diese Aussage hat mich innerlich umgehauen. Dieser Mann war sich vollkommen bewusst, was er tat. Wer nach 15 Jahren seine Tätigkeit immer noch als Üben bezeichnet, muss einfach ein Meister seines Faches sein. Er hat noch den Anfänger Geist, alles richtig machen zu wollen, gepaart mit der Erfahrung der Jahre, ist sich aber bewusst, dass es bei jedem Mal auch noch besser werden kann.

Was habe ich gelernt? Ich sollte mich nie wieder ärgern, wenn ich etwas warten muss. Ich habe wieder etwas über Handwerk und Kunst bei der Arbeit gelernt. Ich habe den Crêpes ganz anders genossen. Und ich teile diese Geschichte hier mit euch, damit ihr die kleinen Dinge auch wieder mehr zu schätzen wisst und die Welt mit anderen Augen seht, so wie ich es manchmal kann.

 

 

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das Anker Prinzip

Motorboot in der St. Brelade's Bay, Jersey, UK

© Harald Biebel – Fotolia.com

In der Seefahrt kann das Fallenlassen des Ankers verschiedene Dinge bedeuten, wie zum Beispiel das Warten auf besseres Wetter, einen Notfall oder einfach nur das Liegen an einem Liegeplatz. Der Anker stellt Sicherheit her und hält das Boot in Position.

Was hat das Ganze mit Minimalismus zu tun?

Ich sehe immer wieder einen ganz starken Zusammenhang zwischen unserem persönlichen Sicherheitsbedürfnis und Besitz. Sicherheit ist ein starkes Grundbedürfnis. Viele Gegenstände, die wir besitzen haben auch die Aufgabe als Anker zu wirken. Wir können uns durch ein Foto oder ein Geschenk besser an einen geliebten Menschen, einen Urlaub oder an ein Konzert erinnern. Leider haben im Laufe unseres Lebens viel zu viele Dinge angehäuft, die nur diese Funktion haben. Sie erinnern uns an zahlreiche wichtige und unwichtigere Dinge und Erlebnisse und können uns somit auch Energie rauben. Deswegen ist mein Ansatz, sich dieser Funktion bewusst zu werden und an vielen Stellen darauf zu verzichten. Hierzu ein Beispiel.

Wie einige von euch wissen, liebe ich Musik. Ich könnte mich den ganzen Tag damit beschäftigen aus einem unendlichen Berg an Musik, schöne Playlisten für diverse Kontexte zu erstellen, egal ob für eine Bar, eine Hochzeit, zum Lernen oder bloggen. Einer meiner ersten Schritte auf dem Weg zum Minimalismus war, dass ich meine CD-Sammlung aufgelöst habe. An vielen dieser Silberscheiben klebten besondere Erinnerungen. An eine tolle Party Nacht, an einen geliebten Menschen, an eine besondere Situation.

Ich habe mir damals im ersten Schritt bewusst gemacht, dass ich die Musik nicht mehr besitzen muss, um mich an diesen Moment zu erinnern. Musik ist omnipräsent. Für 10 Euro im Monat hat man Zugriff auf sehr viel davon (auch wenn nicht jede Band im Musikstreaminggeschäft mit macht).

Der zweite Schritt ist, dass man den Anker loslässt. Wenn ich jetzt über Musik schreibe, kommen mir viele Begegnungen in den Sinn. Von meiner Tanzschulzeit mit 15, von einigen Hochzeiten, einer langen Nacht in einer tollen Bar, einigen Konzerten und noch vielem mehr.Es bedarf also nicht dem materiellen Gegenstand um diese Reise in meine Vergangenheit anzutreten, sondern nur eine aktive Beschäftigung damit.

Dieses Vorgehen kann euch auch bei den “sentimental Items” helfen, den Erinnerungsstücken, von denen ihr euch trennen wollt, die aber für euch bedeutsam sind.

Ich bin gespannt auf eure Meinung! Könnte das für euch funktionieren? Habt ihr ein anderes Vorgehen oder weitere Tipps?! Und noch ein kleiner Nachsatz, für die, die mich nicht so gut kennen. Keine Angst, ich lebe nicht komplett ohne Anker und auch in keiner leeren Wohnung, aber mit mehr Raum für Erinnerungen und weniger Kram, den ich nicht mehr brauchte.

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Zu viel Wollen – Unzufriedenheit hinterfragen

Student suffering for depression in young age

© Photographee.eu – Fotolia.com

Die letzten Tage kreisen meine Gedanken immer wieder um Dinge, die ich aktuell nicht oder zu wenig mache. Ich würde so gerne in meiner Freizeit verschiedene Ideen weiter nach vorne bringen. Unter anderem will ich endlich mit meinem Buch weiterkommen. Im November beim NaNoWriMo mitmachen, ein erstes eigenes Video für meinen YouTube Kanal aufnehmen. Mir eine Logopädin suchen, um meine Stimme zu schulen und vielleicht mal irgendwann ein Hörbuch einzusprechen, etwas mehr mit Musik zu machen, das heißt mal irgendwo auflegen und natürlich auch gesundheitlich weiterkommen, in der Form, dass ich regelmäßig ins Fitness Studio gehe und Nordic Walking durchziehe.

Das alles will ich natürlich trotz einer 40-Stunden-Woche, einem langen Arbeitsweg und obwohl mir natürlich auch lange und persönliche Treffen mit lieben Menschen am Herzen liegen. Um es kurz zu machen! Das sind absolute Luxusprobleme. Es gibt so viele Menschen, die nicht wissen, wie sie im nächten Monat mit dem nötigsten um die Runden kommen, wie sie ihre Grundbedürfnisse und einen minimalen Luxus decken können, um normal an dieser Gesellschaft teilzunehmen, dass ich schon ein wenig ärgerlich auf meine Wünsche blicke.

Vor einer guten Woche war ich beim Minimalismus Stammtisch in Bonn. Sven hat dort einen buddhistischen Mönch aufgetan, der seit ein paar Jahren in Deutschland lebt, studiert und ein Meditationszentrum gegründet hat.
Wie vielleicht einige von euch wissen, ist das Thema Leiden im Buddhismus sehr zentral. Unser Mönch hat uns, nach dem Glück und Glücksstreben gefragt Folgendes erzählt.

Er übersetzt diesen Begriff Dukkha (siehe Wikipedia) nicht mit Leiden, sondern mit Unzufriedenheit.
Das Kernziel besteht darin, nicht mehr unzufrieden zu sein. Das heißt nicht direkt zufrieden zu sein und schon gar nicht glücklich. Mit dem Glück verhält es sich anders, es kann etwas flüchtiges sein und damit auch nicht so erstrebenswert. Also noch einmal, die Abwesenheit von Unzufriedenheit! Damit hatte er mich!

Heute habe ich dann mit einer guten Freundin gechattet und wir kamen auf folgende Themen, was wir tun möchten, was wir besitzen, was wir an Geld ausgeben und was für ein Luxusproblem das doch alles ist. Danke noch mal an der Stelle für die gute Konversation!

Für mich stehen jetzt ganz klar dadurch Entscheidungen an. Was will ich in nächster Zeit an Prio 1 haben. Das ist ganz klar, Sport und Gesundheit, dann der Blog und das Buch. Alles andere kommt danach und so, wie ich Lust und Zeit habe. Manchmal muss man sich einfach nur hinsetzen und bewusst machen, wie viel man doch besitzt, innerlich und materiell, sowie auch seine Wünsche aktiv hinterfragen. Mit dem Ergebnis und einer klaren bewussten Entscheidung wird es dann deutlich einfacher.

Sich für einen Weg zu entscheiden heißt in dem Zusammenhang dann auch, sich gegen andere zu entscheiden. Das heißt ja nicht, ,dass man mal einen kleinen Umweg gehen kann. Ich versuche mir das Kreative dabei zu bewahren und nicht alles in Stein gemeißelt zu sehen, weil ich mit dem Ansatz, ganz oder gar nicht, auch schon negative Erfahrungen gemacht habe.

 

Wie verhält es sich bei euch, mit euren Wünschen und dem Streben danach.

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Über Beziehungsmenschen und einsame Wölfe

Grey Wolf (Canis lupus) Portrait

© hkuchera – Fotolia.com

Irgendwann kommt man bei der Beschäftigung mit dem Thema Minimalismus auf die Beziehungsebene. Damit meine ich nicht unbedingt Partnerschaft, sondern allgemeiner die Beziehung zu anderen Menschen.
Ich habe mir in den letzten Wochen und Monaten viele Gedanken über dieses Thema gemacht und mit einigen Menschen darüber gesprochen. Die Ansichten sind so unterschiedlich, wie bei jedem anderen Thema. Deswegen bin ich zu der Überschrift gekommen, die gut Zeit welche Widersprüche möglich sind.

Ich für meinen Teil kann auf jeden Fall sagen, dass ich der Beziehungsmensch bin. Ich mag die Gesellschaft anderer Menschen, wenn ich sie nicht sogar brauche. In meinem Leben gab es auch andere Phasen, in denen ich mehr für mich war, mehr introvertiert und mit einer leichten Angst vor gesellschaftlichen Zusammenkünften.
Ich denke heute, dass der Grund dieser Angst war, abgelehnt, zu werden und mit dieser Art der Ablehnung nicht umgehen zu können. Ich habe damals anderen Menschen mehr Macht über meinen Gemütszustand gegeben, als es mir letztendlich gut getan hat. Heute kann ich mit Ablehnung deutlich besser umgehen als früher.
Trotzdem kann ich sagen, dass ich Gesellschaft sehr mag, wenn die Regeln von respektvollem Umgang miteinander eingehalten werden.

Der Typ des einsamen Wolfs schlummert auch ein bisschen in mir. Ich mag immer wieder Konzentrationsphasen, sei es auf einen größeren Text, ein Projekt oder ganz einfach auf mich selbst. Ich glaube aber, der Typus des einsamen Wolfs geht noch weiter. Ich würde ihn so zusammenfassen. Wenn jemand von sich sagt, dass er keine Menschen um sich braucht und sich so auch insgesamt komplett fühlt, ist er eher dieser Typus.

In der Vergangenheit habe ich des Öfteren auch gespiegelt bekommen, dass ich diese Qualität für mich erreichen müsste, um glücklich sein zu können. Sich selbst in den Arm nehmen, sich genügen, glücklich sein ohne Partner, sind Schlagworte und Phrasen, die ich in der Zeit oft gehört habe. Ich habe mich dann immer mal wieder schlecht gefühlt, weil ich diese Zustände nicht immer erreicht habe. Heute weiß ich dadurch allerdings genauer was ich will und bin durch die Beschäftigung damit gewachsen.

Was ich für mich gelernt habe, ist, dass ich nach einer Phase des bewusst Werdens, mich selbst besser annehmen kann und es auch gut finde, wie ich bin. Zweifel sind weniger geworden und eine Gewissheit “so bin ich!” ist gewachsen.

Ich möchte dir damit sagen, dass wenn du auf der Suche bist, irgendwann der Punkt kommt, wo du ankommst, ohne auf der Seite Beziehungsmensch oder einsamer Wolf zu stehen. Du kennst dann deine Abstufung und kannst besser mit Kritik, Emotionen und dir selbst umgehen.

Was für ein Typ bist du? Und warst du dir dessen immer schon bewusst? Konntest du immer dazu stehen? Ich freue mich darauf, deine Gedanken und Erfahrungen zu dem Thema zu lesen.