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das Anker Prinzip

Motorboot in der St. Brelade's Bay, Jersey, UK

© Harald Biebel – Fotolia.com

In der Seefahrt kann das Fallenlassen des Ankers verschiedene Dinge bedeuten, wie zum Beispiel das Warten auf besseres Wetter, einen Notfall oder einfach nur das Liegen an einem Liegeplatz. Der Anker stellt Sicherheit her und hält das Boot in Position.

Was hat das Ganze mit Minimalismus zu tun?

Ich sehe immer wieder einen ganz starken Zusammenhang zwischen unserem persönlichen Sicherheitsbedürfnis und Besitz. Sicherheit ist ein starkes Grundbedürfnis. Viele Gegenstände, die wir besitzen haben auch die Aufgabe als Anker zu wirken. Wir können uns durch ein Foto oder ein Geschenk besser an einen geliebten Menschen, einen Urlaub oder an ein Konzert erinnern. Leider haben im Laufe unseres Lebens viel zu viele Dinge angehäuft, die nur diese Funktion haben. Sie erinnern uns an zahlreiche wichtige und unwichtigere Dinge und Erlebnisse und können uns somit auch Energie rauben. Deswegen ist mein Ansatz, sich dieser Funktion bewusst zu werden und an vielen Stellen darauf zu verzichten. Hierzu ein Beispiel.

Wie einige von euch wissen, liebe ich Musik. Ich könnte mich den ganzen Tag damit beschäftigen aus einem unendlichen Berg an Musik, schöne Playlisten für diverse Kontexte zu erstellen, egal ob für eine Bar, eine Hochzeit, zum Lernen oder bloggen. Einer meiner ersten Schritte auf dem Weg zum Minimalismus war, dass ich meine CD-Sammlung aufgelöst habe. An vielen dieser Silberscheiben klebten besondere Erinnerungen. An eine tolle Party Nacht, an einen geliebten Menschen, an eine besondere Situation.

Ich habe mir damals im ersten Schritt bewusst gemacht, dass ich die Musik nicht mehr besitzen muss, um mich an diesen Moment zu erinnern. Musik ist omnipräsent. Für 10 Euro im Monat hat man Zugriff auf sehr viel davon (auch wenn nicht jede Band im Musikstreaminggeschäft mit macht).

Der zweite Schritt ist, dass man den Anker loslässt. Wenn ich jetzt über Musik schreibe, kommen mir viele Begegnungen in den Sinn. Von meiner Tanzschulzeit mit 15, von einigen Hochzeiten, einer langen Nacht in einer tollen Bar, einigen Konzerten und noch vielem mehr.Es bedarf also nicht dem materiellen Gegenstand um diese Reise in meine Vergangenheit anzutreten, sondern nur eine aktive Beschäftigung damit.

Dieses Vorgehen kann euch auch bei den “sentimental Items” helfen, den Erinnerungsstücken, von denen ihr euch trennen wollt, die aber für euch bedeutsam sind.

Ich bin gespannt auf eure Meinung! Könnte das für euch funktionieren? Habt ihr ein anderes Vorgehen oder weitere Tipps?! Und noch ein kleiner Nachsatz, für die, die mich nicht so gut kennen. Keine Angst, ich lebe nicht komplett ohne Anker und auch in keiner leeren Wohnung, aber mit mehr Raum für Erinnerungen und weniger Kram, den ich nicht mehr brauchte.

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Zu viel Wollen – Unzufriedenheit hinterfragen

Student suffering for depression in young age

© Photographee.eu – Fotolia.com

Die letzten Tage kreisen meine Gedanken immer wieder um Dinge, die ich aktuell nicht oder zu wenig mache. Ich würde so gerne in meiner Freizeit verschiedene Ideen weiter nach vorne bringen. Unter anderem will ich endlich mit meinem Buch weiterkommen. Im November beim NaNoWriMo mitmachen, ein erstes eigenes Video für meinen YouTube Kanal aufnehmen. Mir eine Logopädin suchen, um meine Stimme zu schulen und vielleicht mal irgendwann ein Hörbuch einzusprechen, etwas mehr mit Musik zu machen, das heißt mal irgendwo auflegen und natürlich auch gesundheitlich weiterkommen, in der Form, dass ich regelmäßig ins Fitness Studio gehe und Nordic Walking durchziehe.

Das alles will ich natürlich trotz einer 40-Stunden-Woche, einem langen Arbeitsweg und obwohl mir natürlich auch lange und persönliche Treffen mit lieben Menschen am Herzen liegen. Um es kurz zu machen! Das sind absolute Luxusprobleme. Es gibt so viele Menschen, die nicht wissen, wie sie im nächten Monat mit dem nötigsten um die Runden kommen, wie sie ihre Grundbedürfnisse und einen minimalen Luxus decken können, um normal an dieser Gesellschaft teilzunehmen, dass ich schon ein wenig ärgerlich auf meine Wünsche blicke.

Vor einer guten Woche war ich beim Minimalismus Stammtisch in Bonn. Sven hat dort einen buddhistischen Mönch aufgetan, der seit ein paar Jahren in Deutschland lebt, studiert und ein Meditationszentrum gegründet hat.
Wie vielleicht einige von euch wissen, ist das Thema Leiden im Buddhismus sehr zentral. Unser Mönch hat uns, nach dem Glück und Glücksstreben gefragt Folgendes erzählt.

Er übersetzt diesen Begriff Dukkha (siehe Wikipedia) nicht mit Leiden, sondern mit Unzufriedenheit.
Das Kernziel besteht darin, nicht mehr unzufrieden zu sein. Das heißt nicht direkt zufrieden zu sein und schon gar nicht glücklich. Mit dem Glück verhält es sich anders, es kann etwas flüchtiges sein und damit auch nicht so erstrebenswert. Also noch einmal, die Abwesenheit von Unzufriedenheit! Damit hatte er mich!

Heute habe ich dann mit einer guten Freundin gechattet und wir kamen auf folgende Themen, was wir tun möchten, was wir besitzen, was wir an Geld ausgeben und was für ein Luxusproblem das doch alles ist. Danke noch mal an der Stelle für die gute Konversation!

Für mich stehen jetzt ganz klar dadurch Entscheidungen an. Was will ich in nächster Zeit an Prio 1 haben. Das ist ganz klar, Sport und Gesundheit, dann der Blog und das Buch. Alles andere kommt danach und so, wie ich Lust und Zeit habe. Manchmal muss man sich einfach nur hinsetzen und bewusst machen, wie viel man doch besitzt, innerlich und materiell, sowie auch seine Wünsche aktiv hinterfragen. Mit dem Ergebnis und einer klaren bewussten Entscheidung wird es dann deutlich einfacher.

Sich für einen Weg zu entscheiden heißt in dem Zusammenhang dann auch, sich gegen andere zu entscheiden. Das heißt ja nicht, ,dass man mal einen kleinen Umweg gehen kann. Ich versuche mir das Kreative dabei zu bewahren und nicht alles in Stein gemeißelt zu sehen, weil ich mit dem Ansatz, ganz oder gar nicht, auch schon negative Erfahrungen gemacht habe.

 

Wie verhält es sich bei euch, mit euren Wünschen und dem Streben danach.

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Über Beziehungsmenschen und einsame Wölfe

Grey Wolf (Canis lupus) Portrait

© hkuchera – Fotolia.com

Irgendwann kommt man bei der Beschäftigung mit dem Thema Minimalismus auf die Beziehungsebene. Damit meine ich nicht unbedingt Partnerschaft, sondern allgemeiner die Beziehung zu anderen Menschen.
Ich habe mir in den letzten Wochen und Monaten viele Gedanken über dieses Thema gemacht und mit einigen Menschen darüber gesprochen. Die Ansichten sind so unterschiedlich, wie bei jedem anderen Thema. Deswegen bin ich zu der Überschrift gekommen, die gut Zeit welche Widersprüche möglich sind.

Ich für meinen Teil kann auf jeden Fall sagen, dass ich der Beziehungsmensch bin. Ich mag die Gesellschaft anderer Menschen, wenn ich sie nicht sogar brauche. In meinem Leben gab es auch andere Phasen, in denen ich mehr für mich war, mehr introvertiert und mit einer leichten Angst vor gesellschaftlichen Zusammenkünften.
Ich denke heute, dass der Grund dieser Angst war, abgelehnt, zu werden und mit dieser Art der Ablehnung nicht umgehen zu können. Ich habe damals anderen Menschen mehr Macht über meinen Gemütszustand gegeben, als es mir letztendlich gut getan hat. Heute kann ich mit Ablehnung deutlich besser umgehen als früher.
Trotzdem kann ich sagen, dass ich Gesellschaft sehr mag, wenn die Regeln von respektvollem Umgang miteinander eingehalten werden.

Der Typ des einsamen Wolfs schlummert auch ein bisschen in mir. Ich mag immer wieder Konzentrationsphasen, sei es auf einen größeren Text, ein Projekt oder ganz einfach auf mich selbst. Ich glaube aber, der Typus des einsamen Wolfs geht noch weiter. Ich würde ihn so zusammenfassen. Wenn jemand von sich sagt, dass er keine Menschen um sich braucht und sich so auch insgesamt komplett fühlt, ist er eher dieser Typus.

In der Vergangenheit habe ich des Öfteren auch gespiegelt bekommen, dass ich diese Qualität für mich erreichen müsste, um glücklich sein zu können. Sich selbst in den Arm nehmen, sich genügen, glücklich sein ohne Partner, sind Schlagworte und Phrasen, die ich in der Zeit oft gehört habe. Ich habe mich dann immer mal wieder schlecht gefühlt, weil ich diese Zustände nicht immer erreicht habe. Heute weiß ich dadurch allerdings genauer was ich will und bin durch die Beschäftigung damit gewachsen.

Was ich für mich gelernt habe, ist, dass ich nach einer Phase des bewusst Werdens, mich selbst besser annehmen kann und es auch gut finde, wie ich bin. Zweifel sind weniger geworden und eine Gewissheit “so bin ich!” ist gewachsen.

Ich möchte dir damit sagen, dass wenn du auf der Suche bist, irgendwann der Punkt kommt, wo du ankommst, ohne auf der Seite Beziehungsmensch oder einsamer Wolf zu stehen. Du kennst dann deine Abstufung und kannst besser mit Kritik, Emotionen und dir selbst umgehen.

Was für ein Typ bist du? Und warst du dir dessen immer schon bewusst? Konntest du immer dazu stehen? Ich freue mich darauf, deine Gedanken und Erfahrungen zu dem Thema zu lesen.

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Aussortieren oder Aufräumen?

junge frau sitzt in ihrem zimmer am schreibtisch

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Heute Morgen habe ich mich an meinen Schreibtisch gesetzt um mal wieder etwas Ordnung zu schaffen. Nicht auf dem Schreibtisch, sondern in den Schubladen. Unglaublich, da beschäftigt man sich 5 Jahre mit Minimalismus und trotzdem haben einige Dinge ihren Einzug gefunden, die ich schon besiegt geglaubt habe.

Manchmal sind Dinge so offensichtlich, dass man sie einfach einmal aussprechen muss. Ich habe mich beim Aufräumen ertappt, dass ich Dinge aufeinander gestapelt und der Größe nach geordnet habe. Das sah war nach ein paar Minuten ordentlich aus, aber gewonnen hat man dadurch nichts. Es ist wie mit einem Bücherregal, nur weil man die Bücher der Buchrückenhöhe nach sortiert hat, heißt das nicht, das man auch alle davon liest.

Ich möchte, dass du dir auch dieser Falle bewusst wirst. Wann räumst du nur auf und wann sortierst du wirklich etwas aus! Wahrscheinlich fragst du dich auch, was sich in den Schubladen bei einem Minimalist angesammelt hat. Unter anderem habe ich mir vor Kurzem eine neue Packung Briefumschläge gekauft, obwohl ich noch einige zu Hause hatte. Ich habe einige kleine Heftzettel und Aufklebepfeile gekauft, weil ich damit mein Bullet Journal etwas besser ordnen wollte. In der Praxis hat sich aber gezeigt, dass ich einfach nicht der Typ bin, der sich die Mühe macht seine Notizen mit Aufklebern zu akzentuieren. Auf der einen Seite schade, weil ich wirklich diese kreativen Bücher mag, die mir bei YouTube immer wieder untergekommen sind. Aber auf der anderen Seite auch gut, weil ich jetzt weiß, dass ich diese Materialien los werden kann und sie auch in Zukunft nicht mehr den Weg in meinen Einkaufswagen finden werden.

Außerdem habe ich noch 2 Ladekabel gefunden für Elektronik, die ich nicht mehr benötige, und habe 2 alte externe Festplatten gesäubert, sicher gelöscht und sie bereitgelegt für den Elektroschrott. Jetzt habe ich nur noch eine kleine 500 GB USB 3.0 Festplatte zur Sicherung des MacBooks.

Außerdem haben sich ein paar Sachen in den Schubladen gesammelt, die dort nichts verloren hatten, wie zum Beispiel 2-3 Kopfschmerz und Halstabletten. Sie hatten für einige Zeit wirklich ihre Berechtigung dort zu sein, aber mittlerweile waren sie nur etwas, was dort verweilt hat und nicht sonderlich störte.

Also. Hör auf zu sortieren sondern geh einen Schritt weiter und sortiere Dinge aus, die du nicht mehr brauchst!

Ich wünsch dir einen guten Tag der Deutschen Einheit.

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Krankenhaus & Selbsterkenntnis

Krankenzimmer im Krankenhaus mit Bett und Tisch

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Wenn das Leben durch äußere Umstände auf Grundbedürfnisse eingeschränkt wird, kann man trotzdem, mit dem Geist, diesen Zustand verlassen und zu einem tieferen Kern vordringen. Ich möchte gar nicht darüber schreiben, warum es dazu kam, dass ich eine Woche im Krankenhaus verweilen musste, weil dies für die Erkenntnisse nicht von Bedeutung ist. Entscheidend ist, dass für mich selbst, in diesem eingeschränkten Zustand nur noch wenige Dinge wirkliche und intensive Freunde ausgelöst haben. Gesundheit wird im Allgemeinen als Abwesenheit von Krankheit verstanden. Ich glaube, es war Eckart von Hirschhausen, der einmal erwähnte, dass ein gesunder Mensch nur jemand ist, der nicht genau genug untersucht wurde. Deswegen ist die Definition vielleicht eher so, dass Leben ohne große Einschränkungen möglich sein muss, um als gesund gelten zu können.

Als frisch operierter ist man froh, wenn man sich wieder selbst waschen kann und Toilettengänge ohne fremde Hilfe erledigen kann. Außerdem freut man sich über das Nachlassen der Schmerzen und den wieder wachsenden Bewegungsraum. Man freut sich an Apfelbäumen, einem Sonnenuntergang und liebem Besuch.
Ich glaube, die Besonderheit dieser einfachen Erlebnisse wird zu einem großen Teil durch die Einschränkung hervorgerufen. Ein weiterer Aspekt, warum es in diesem Umfeld oft zu Erkenntnissen kommt, ist, dass man sich mit sich selbst beschäftigen muss. Die Möglichkeiten der Ablenkung sind einfach begrenzt. Ein gutes Buch kann zwar eine Ablenkung darstellen, aber die unbequeme Liegeposition rückt schneller ins Bewusstsein zurück und überlagert die Lesefreunden so stark, dass man des Lesens überdrüssig wird.

Im Alltag verlieren wir leider oft wieder die Fähigkeit, diese kleinen Dinge als etwas Besonderes wahrzunehmen.
Ich für meinen Teil versuche mir diese Besonderheit zu bewahren und nehme mir die Zeit mich an Kleinem zu freuen.
Ich glaube man muss dies wirklich tun, sich die Zeit nehmen und sich Raum dafür geben.
Wichtig ist auch, das Ganze auf eine sehr natürliche Weise zu tun. Mir geht es nicht darum Momente zu zerdenken oder auf einer intellektuellen Ebene zu betrachten, sondern einfach nur bewusst da zu sein.

Ich wünsch mir, dass du dir einmal, ganz persönlich, Gedanken darüber machst, was dir wichtig ist in deinem Leben. Woran empfindest du wirkliche Freude. Wann hast du das letzte mal gelacht und dich angenommen gefühlt?
Gehe tiefer rein in dieses Gefühl und versuche einmal ganz aktiv dieses Gefühl in den nächsten Tagen öfter zu spüren und offener auf andere Menschen zu zugehen und dich an den kleinen Dingen des Lebens zu freuen.
Ich würde mich auch freuen, wenn du deine Erkenntnisse in den Kommentaren teilst und somit anderen Zugang zu deinen Gedanken gibst.