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Homeoffice

Das C-Thema hat viele von uns neben finanziellen Einbußen, Sozialer Isolation und dem größten Maskenball des Jahres noch ein anderes Thema vor die Füße geworfen: Homeoffice.

Der Traum jedes Büromenschen, der am Ende des Tages vielleicht doch nicht so ein perfekter Traum ist, wie man vorher gedacht hat. Meine Gedanken in der Zeit davor waren: 

Wir können viele Tätigkeiten ausschließlich über das Internet erledigen. Wir brauchen dafür nur unseren Rechner und das Telefon und eine gute Internet Verbindung. Ich denke das trifft auf etwa 80-90 Prozent unserer Arbeit zu. Leider hatte zu diesem Zeitpunkt niemand von uns ein Notebook oder eine VPN Verbindung (Virtuell private Lan: Kurz gesagt, von zu hause Verschlüsselt über einen Tunnel im Netz der Firma arbeiten mit den gleichen Ressourcen wie in der Firma).

Vor allem wenn die Gespräche mal etwas lauter wurden und ich mich an meiner 3er Insel nicht immer perfekt konsentieren konnte, dachte ich: Oh, Homeoffice , das wäre doch toll. Vielleicht mal ein zwei Tage die Woche wenigstens. 

Dann passierte Corona und ein Teil von unserer Abteilung ist sofort ins Homeoffice gegangen (mit Monitoren und Rechnern) Der andere Teil hat noch ein paar Tage auf der Arbeit ausgeharrt bis die technischen Vorraussetzungen für uns auch gegeben waren und nun war ich im Homeoffice. 

Der Alptraum jedes Chefs. Jetzt sind alle Arbeitnehmer nicht mehr direkt „kontrollier“ und einsehbar. Es gibt keine direkt Ansprache Möglichkeit und ob jetzt jemand mit oder ohne Hose vor dem Bildschirm sitzt, kann auch nicht kontrolliert werden.  

Aus Sicht des Arbeitnehmers: Oh Wow, jetzt müssen wir aber beweisen, dass dieses Homeoffice funktionieren kann. man hat einfach mal mehr Stunden geleistet oder sich auch mal an seinem freien Tag eingeloggt um noch mal schnell 1-2 Emails zu beantworten die liegen geblieben sind. 

So weit können die Annahmen auseinander liegen. In der Praxis zeigen Studien, dass tendenziell genauso und mehr gearbeitet wird, wie auf der Arbeit. Das hat zum einen sicherlich mit dem Punkt zu tun, den ich angesprochen habe. Auf der anderen Seite fallen auch einige Ablenkungen weg. Zum einen so etwas wie, Gespräche mit Kollegen, der Weg in eine andere Abteilung, mithilfe beim Be- und Entladen des Paketdienstleisters, weil der Disponent, anstelle eines LKWs nur einen Sprinter geschickt hat.  Außerdem sind die Wege zu Hause viel kürzer (zumindest bei meiner 42qm Wohnung). Der Gang ins Bad oder in die Küche ist einfach nur 3-5 Schritte weit entfernt (auch wenn unser Büro am nächsten an diesen beiden Räumen in der Firma liegt). Meine Tendenz aufzustehen und mir etwas die Beine zu vertreten ist gegen null gegangen. 

Das hat meinem Rücken nicht wirklich gut getan und ich habe nach sehr kurzer Zeit gemerkt, dass meine Holzstühle war sehr schön aussehen, aber für ein längeres Arbeiten nicht geeignet sind. Deswegen habe ich mir dann zwischendurch einmal den Schreibtisch Stuhl mit nach Hause genommen.

Eine weitere Hürde in meiner kleinen Wohnung war, dass ich nur einen 70×70 cm Tisch besitze, der primär als Esstisch dient, aber auf dem auch mein laptop Platz findet. In der Anfangszeit habe ich dann immer den Monitor und alle Kabel immer wieder auf und ab gebaut, bis ich darauf gekommen bin, dass mein Laptop Ständer + Tastatur und Maus vollkommen ausreichend ist.  

Was mir aber neben einem klaren Arbeitsplatz und der wenigen Bewegung am meisten gefehlt hat, war die Abwechslung und die 1:1 Gespräche mit Kollegen. Wenn man sich mal gegenseitig geholfen hat und dann mit dem Stuhl rüber gerollt ist und einen Fall gemeinsam gelöst, oder zumindest mal gemeinsam das Problem bewundert hat.  Auch wenn dies auch virtuell über ein Gespräch und das Austauschen einer Teamviewer ID geht, ist es bei weitem nicht das Gleiche. 

Aktuell fahre ich wieder mindestens einen Tag in der Woche nach Düsseldorf zur Arbeit. Was mir definitiv auch nicht fehlt ist das Pendeln mit dem Auto. Auch wenn ich diese Zeit für ein Gespräch einen Podcast oder ein Stück Hörbuch nutzen kann, freue ich mich schon im Homeoffice nach Beendigung der Arbeitszeit keinen Weg mehr antreten zu müssen. Auf der anderen Seite ist aktuell dieser eine Tag auch ein ziemliches Highlight für mich. Endlich mal wieder am großen Schreibtisch. Sehen von Kollegen von anderen Abteilungen und etwas Hardware Schrauberei. 

Ich bin gespannt wie es sich entwickelt. Ich gebe euch gerne bald mal ein Update des Ganzen. 

Wie geht es euch denn im Homeoffice? Ich finde man kann es gar nicht so genau sagen. Fluch, Segen? Ich weiß es selbst nicht. Aber ich fände es toll auch in Zukunft immer mal wieder die Möglichkeit zu haben 2-3 Tage die Woche von zu Hause aus arbeiten zu können.

3 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Gabi sagt:

    Mir ging es ähnlich: Im Homeoffice bin ich konzentrierter, weniger abgelenkt, arbeite letztlich in der gleichen Zeit mehr ab. Der nötige Austausch mit den Kollegen/-innen ist umständlicher, da auch der online stattfindet. Der Fußweg von und zur Arbeit fehlt aber und damit Bewegung. Ich habe mir tatsächlich einen Fitnesstracker als Schrittzähler besorgt, damit ich überhaupt täglich auf ausreichend Bewegung achte. 😮
    Ich habe das Glück, dass ich einen Dienstlaptop mit VPN fürs Homeoffice nutzen kann. Dieses Gerät lässt sich leicht wegräumen. Größere Geräte und extra Möbelstücke brauche ich da zum Glück nicht, fände ich auch einen ernsthaften Nachteil am Homeoffice. Die Arbeitsgeräte sollten nach Feierabend idealerweise zumindestens unsichtbar zu machen sein – wie auch immer man das umsetzt. Ich habe in der Homeoffice-Zeit sogar meinen Schreibtisch abgebaut, da mir ein Tisch für alles ausreicht.

  2. Chris sagt:

    Ich hocke jetzt auch schon wochenlang im Homeoffice. Ich hatte auch davor schon Homeoffice, daher ist die Situation für mich nicht zu neu, allerdings nur zwei bis maximal 3 Tage dir Woche. Zudem habe ich einen vollwertigen Arbeitsplatz.
    Dauerhaft würde ich das nicht haben wollen. Es fehlt einfach der direkte Kontakt und vieles was man sonst mal zwischendurch besprochen hat, erfordert jetzt eine Telefonkonferenz.
    Mir fehlt ebenfalls die Bewegung. Ich bin sonst immer die gut 8 km mit dem Rad zur Arbeit gefahren und habe jetzt angefangen unter der Woche mehr oder weniger längere Touren nach Feierabend durch meine Stadt zu fahren. Interessant fand ich dabei wie viele Ecken man in seiner Stadt in der man schon so lange lebt noch nicht kennt. Also als Fazit Homeoffice ja, es ist ein Segen, gerade in Verbindung mit Gleitzeit, aber bitte nur anteilig.

  3. Nicole sagt:

    Hallo Michael,
    wie schön mal wieder einen Blogbeitrag von dir zu lesen 🙂
    Damals (also vor 2 Jahren) wurde mir aufgrund einer neuen Position im Büro angeboten einen Zugang von Zuhause zu erhalten. Zum damaligen Zeitpunkt habe ich dies abgelehnt, weil ich gern privates und berufliches trennen wollte und Angst hatte, meine Freizeit zu sehr mit dienstlichen Sachen zu füllen. Wenn die Gelegenheit da ist, schaut man ja doch vielleicht mal schnell rein. Nun durch Corona wurde mir die Entscheidung genommen und ich hatte keine Wahl mehr. Ok, doch eigentlich schon – ich hätte auch täglich 2 Stunden Fahrtweg insgesamt in Kauf nehmen können, um dann allein in einem leeren Büro zu arbeiten. Ähm, nein. Dann doch der externe Zugang. Und inzwischen liebe ich ihn! Ja, es stimmt, ich schaue auch schnell am Wochenende mal kurz rein, oder schon vor Arbeitsbeginn / nach Dienstschluss – ABER ich arbeite auch deutlich effektiver, bin weniger abgelenkt. Jetzt mit drei Wochen Urlaub hatte ich auch hier Anfangs die Sorge, schnell mal eben kurz rein zu schauen, die Neugier siegt. Aber ganz ehrlich? Ich habe in den drei Wochen nicht an die Arbeit gedacht, es hat mich nicht in den Fingern gejuckt und ich möchte auch langfristig den Zugang nicht mehr missen. Ich hoffe einfach, dass die Zugänge nicht früher oder später wieder gesperrt werden… ansonsten werde ich aufgrund meiner Position doch mal durchsetzen, den Zugang zu behalten. We will see….

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