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Analog vs Digital – haptische Glücksmomente

© acinquantadue - Fotolia.com

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Wenn ich gut 20 Jahre zurück denke, dann kann ich mich noch gut daran erinnern, wie ich das erste mal auf einer Schreibmaschine tippen durfte. Meine Mutter hat sie immer sorgsam verwahrt und aus einem schwarzen Koffer geholt. Ein neues Farbband wurde eingelegt, ein Blatt eingespannt und geschaut, dass dieses gerade eingelegt war. Klack, Klack, Klack. Der Druck auf Tasten lässt kleine mechanische Hebel, die vorher Kontakt mit dem Farbband hatten auf das weiße Blatt prasseln. Diese hinterlassen Buchstaben. Nur eine Schriftart ist wählbar und TippEX ist mein neuer Begleiter. Noch heute, wenn ich für meine Mutter neue Patronen für Ihren Drucker besorge sagt sie: „Das Farbband ist schon wieder leer.“ Ich lächele und denke… gute alte Zeit.
Gerade schreibe ich diesen Text allerdings in der S-Bahn auf meinem MacBook. 2 Frauen in meiner Nähe lesen ein Buch andere schlafen, hören Musik oder schauen müde aus dem Fenster.
Ich mag diese leichte Tastatur, die, egal wo ich den Buchstaben treffe eine Spur auf meinem Bildschirm hinterlässt. Tastenanschläge werden zu elektrischen Impulsen und Signalen, die sich wieder auf meinem Bildschirm darstellen. Schon verrückt, wie das alles funktioniert.
Vor 2 Tagen habe ich auf Heise.de gelesen, dass der NSA Untersuchungsausschuss überlegt hat, Kommunikation auf Schreibmaschinen niederzuschreiben, damit es abhörsicher ist. Kurz darauf kam dann ein Artikel, dass die Sowjets wissen, wie man aufgrund der Anschläge die Nachricht entschlüsseln kann. Spionage aus einer Zeit, wo James Bond noch ein britischer Gentleman war.
Es gibt aber auch wieder eine Bewegung zurück. Laut klackende Tasten, haptische Glücksmomente auf Tastaturen die sich anders anfühlen, als ein Stück Plastik. Ich habe ernsthaft überlegt mir eine solche Tastatur anzuschaffen. Aber für unterwegs ist diese unpraktisch und auf der Arbeit würde ich meine Kollegen damit nerven.
Bei der Musik ist es genauso. Das Scatchen wurde nicht am Computer erfunden. Ein Typ, der schnell die Musik anhalten wollte, weil sie seiner Mutter zu laut war, hielt die Platte mit der Hand an und freute sich über dieses außergewöhnliche Geräusch. Der Scratch war geboren und alles andere ist Geschichte. Wenn man die DJ Kultur verfolgt haben irgendwann CDs und seit einigen Jahren MP3s im professionellen Bereich Einzug gehalten. Software wie Abelton Live, VirtualDJ und Serato bilden den Standard. Was früher 2x Technics MK II Plattenspieler waren ist nun eine Box, die Faderbewegungen in Strom übersetzt und sie auf Parameter wie Lautstärke, virtuelle Filter und Abspielgeschwindigkeit anwendet.
Es gibt aber doch noch einen kleinen Kreis von DJs die ausschließlich mit Platten auflegen. Ich habe das auch mal versucht und weiß, dass es eine ganz andere Herausforderung ist.
Hier gibt es auch wieder die hybriden, die versuchen ein analoges Feeling auf digitale DJ Controller zu bringen. Ich mag diesen Kompromiss sehr gerne und irgendwann werde ich mir so einen zulegen.
Wann habt Ihr das letzte Mal eine Schallplatte in der Hand gehabt oder diese mit der Hand angehalten?
Mein Fazit zu diesem Thema ist, dass ich einen Kompromiss finden möchte. Das beste aus beiden Welten. Ich möchte nicht verzichten auf meinen Notizblock mit Kugelschreiber aber auch nicht auf meinen digitalen DJ Controler.
An DIY Portalen wie Dawada kann man sehen, wie groß die Sehnsucht nach analogem und selbstgemachtem ist. Ich finde es wichtig, dass man sich bewusst macht, woher etwas kommt und ob man mit dem analogen Produkt nicht viel besser bedient ist. Es kann meist nicht so schnell ausfallen, ist billiger in der Anschaffung und langlebiger. Meist ist dieses Produkt allerdings auch etwas langsamer oder nicht so flexibel.

Gibt es Produkte in eurem Leben, bei denen Ihr bewusst die Entscheidung in die eine oder andere Richtung getroffen habt? Was sind eure haptischen Glücksmomente?

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DRadio Wissen & digitaler Minimalismus Themenwoche

© Brian Jackson - Fotolia.com

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Hallo zusammen. Leider habe ich es nicht mehr geschafft die Themenwoche digitaler Minimalismus fertig zu stellen. Es geht am Montag mit den restlichen Artikeln weiter. Es wird auch einen Artikel geben, in dem ich mich auf die Suche mache, warum ich die Themenwoche nicht fertig stellen konnte.

Montag habe ich mich kurzfristig in der Mittagspause mit einem Reporter getroffen.

Daraus ist ein netter Beitrag entstanden, den ihr HIER nachgören könnt.

Außerdem wird es bald wieder eine neue Folge des Minimalismus Podcasts geben. Und in knapp 2 Wochen steht das Minimalismus Treffen in Hamburg statt.

Ich freue mich schon sehr euch zu treffen und wieder zusehen.

Danke an Daniel für das nette kurzweilige Interview und die Entschleunigung durch ausparkende Autos ;-)

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Kulturflaterate Paywall & Zugangsbarrieren

© Glaser - Fotolia.com

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Das freie Internet, ist seit langem nicht mehr so offen und frei, wie es mal vor langer Zeit geplant war. Ging es am Anfang um den Austausch und die Kommunikation, sind in den letzten Jahren immer mehr Barrieren hochgezogen worden. Für alle, die tiefer in dieses Thema einstiegen wollen empfehle ich an der Stelle Blogs wie Netzpolitik und Vorträge von den re:publica Konferenzen der letzen Jahre.Wenn wir uns damit auseinandersetzen, wie wir weniger Erzeugnisse nutzen können, die aus Papier, Pappe oder Silberscheiben bestehen sondern in Nullen und Einsen über unseren Bildschirm flimmern, kommen wir am Thema Barrieren leider nicht vorbei.

Alle wollen noch ein Stück vom Kuchen ab haben egal ob GEMA, Verlage oder die Presse. Das Internet ist keinesfalls ein rechtsfreier Ort und die Pressestimmen über Abmahnwellen sorgen immer wieder für Diskussionen. Ich bin der Überzeugung, dass man für eine gute Arbeit, egal ob ein Musikwerk einen gut recherchierten Text oder einen tollen Film einen angemessenen Preis zahlen sollte. Wie hoch dieser Preis wirklich sein muss, darüber kann man natürlich geteilter Meinung sein.

Das Internet hat immer wieder Wege aufgezeigt kostenfrei Musik, Filme, Videos und Bücher zu konsumieren, die eigentlich kostenpflichtig sind. Daher wird es Zeit für Verlage, Presse und die Musik und Filmindustrie sich nach neuen Modellen umzusehen. Apple hat es zum Beispiel geschafft digitale Musik billiger und einfacher verfügbarer zu machen. Dienste wie Watchever und Maxdome bieten “Flatrates” für Filme und Serien und über die on-leihe und andere Dienstleister wie skoobe ist es möglich ebooks im Monatsabo auszuleihen. Streamingdienste wie Spotify und Netflix spielen in derselben Liga. Für 5-10 Euro im Monat bekommt man Zugriff auf eine sehr große und aktuelle Anzahl der jeweiligen Medien. Auch wenn einige der Dienst einen Teilbereich abdecken gibt es noch nicht den einen, der alles abdeckt. Dieser “eine” Dienst wird im Netz immer wieder als Kulturflatrate bezeichnet und wäre für viele eine ideale Lösung für einen gewissen Betrag einen uneingeschränkten Zugriff zu erhalten.

Leider scheitert diese Kulturflat an den Barrieren vieler Konzerne und einer extrem komplexen Rechtslage. Viele Bands haben zum Beispiel begriffen, dass sie von den 1-2 Euro pro CD nicht mehr leben können, und konzentrieren sich wieder viel mehr auf tolle Gigs und live Auftritte. Unvergleichliche authentische Momente zu schaffen ist viel toller als nur eine CD zu hören. Als Blogger weiß ich, wie viel Zeit in die Pflege einer Website und die Social Media Kanälen fließen kann. Hosting, Wartung, wie bediene ich welchen Kanal, sind nur einige der Aufgaben denen man sich stellen muss. Dazu kommt dann noch die Recherche und das eigentliche schreiben und layouten des Artikels. Deswegen bin ich gerne bereit für eine gedruckte oder digitale komplette Ausgabe einer Zeitung oder eines Magazins Geld zu bezahlen. Allerdings stößt mir das Konzept der Paywalls immer mehr negativ auf. Es werden Häppchen präsentiert und nach x Artikeln wird dann gesagt, oh, es tut uns leid, das war es für diesen Monat, bezahl bitte oder komm nächsten Monat vorbei. Dieses Konzept dient bestimmt der Refinanzierung aber ist es wirklich das einzig gangbare? Ich bin einfach nur genervt von Popups die mich nötigen eine Facebook Seite zu liken und Cookies die mich über Seiten hinweg verfolgen. Liebe Press, Alternativen bitte!

Wie wäre denn ein Zugriff auf 100 Artikel aus beliebigen Magazinen für einen Betrag x? Mal mag ich das Feuilleton der Süddeutschen dann einen Spiegel Artikel dann wieder ein Randthema im Focus, dann den Leitartikel der FAZ. Schließt euch doch mehr zusammen. Man sieht an Amazon Kindle, Apple iTunes und Co, dass es sinnvoll ist Angebote von diversen Labels und Verlagen zu bündeln, diese auf einfachste Weise verfügbar zu machen und einen fairen Preis dafür zahlen zu müssen. Ich weiß aus eigener Erfahrung wie schwierig es ist, alle Beteiligten unter ein Dach zu bekommen, aber umdenken ist angesagt. Kommt zurück an den Punkt, den jeder Berater im Einzelhandel verinnerlicht hat. Der Kunde ist König und dessen Bedürfnisse und Gewohnheiten bilden die Basis für das Angebot.

Zum Schluss bleibt noch die Frage wie man Flatrates generell bewerten sollte. Sie schaffen immer eine Barriere, die trennen zwischen, du bist dabei und du nicht, ganz radikal, direkt und gnadenlos. Wir haben schon genug Barrieren in unsere Gesellschaft die Zugänge beschränken, daher sollte diese Frage auch in der Öffentlichkeit breiter diskutiert werden. Wie sind eure Meinungen zu Paywalls, Barrieren und zur Kulturflatrate?