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Gastbeitrag Jakobsweg Teil 1 – Packliste

© Jenny Sturm - Fotolia.com

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800km Weg, 6 Wochen, 1 Rucksack
Anfang Mai ist es endlich soweit. Ich werde den Jakobsweg 800 km von den Pyrenäen bis nach Santiago de Compostela pilgern. Einen Probelauf gab es auf dem Rothaarsteig und seitdem sind einige Dinge aus meinem 45+10 Liter Rucksack geflogen und andere hinein gekommen. Ich empfehle jedem, der so eine Strecke mit Gepäck noch nie gelaufen ist, das vorher zu machen. Ich hätte nach 3 Tagen meinen Camino wegen Knieschmerzen abbrechen müssen.

Nun habe ich Einlagen, die meinen Fuß stützen und noch mehr Gewicht reduziert. Manche sagen man kann auch mit weniger Liter Volumen auskommen, aber oft haben diese Menschen auch in recht teure Ausrüstung investiert, die sich nicht jeder auf einen Schlag leisten kann. Sehr zu empfehlen ist das Buch „Jakobsweg im Smoking“. In diesem Buch wird erklärt, wie ein absoluter Trekking Neuling sich schlau macht und direkt in Ultra Light Trekking einsteigt. Da ich aber nur ein begrenztes Budget zur Verfügung habe, mussten einige normale Dinge angeschafft werden.

Meine Packliste
• 1 Rucksack
• 1 Schlafsack
• 1 Paar Trekkingschuhe
• 2 T-Shirts
• 1 langärmliges Shirt
• 3 Paar Trekking Socken
• 3 Unterwäsche
• 2 Trekkinghosen mit Zip
• 1 Fleecejacke
• 1 Regenjacke
• 1 Regenhose
• 1 Handtuch (Peshtemal)
• 1 Paar Flip Flops
• 1 Erste Hilfe- und Medikamentenset
• 1 Handy mit Ladegerät
• 1 Digicam mit Ladegerät
• 1 Tagebuch mit Stiften
• 1 Brille mit Etui 1 Sonnenbrille mit Etui
• 1 Schirmmütze
• 1 Buff
• 1 Paar Handschuhe
• 1 Thermoleggins
• 1 Stirnlampe
• 1 Reiseführer
• Geldbörse / Bauchtasche(Ausweis, EC Karte, Krankenkassenkarte,Pilgerausweis)
• 1 Kulturbeutel mit dem Nötigsten
• 1 Paar Trekkingstöcke
• 2 Flaschen für Wasser
• den Stein für das Cruz de Ferro
• and last but not least … die Pilgermuschel

© Ms CoolBlue

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Mit diesen Dingen werde ich ca 5-6 Wochen auskommen müssen. Allerdings ist noch ein kleiner Luxus dabei, denn einige nehmen nur 2 Sets Wäsche( Socken, Unterwäsche,T-Shirt) mit und waschen daher jeden Abend. Das Internet bietet viele Packlisten für den Jakobsweg und manche haben dann eventuell noch normale Freizeitkleidung mit. Da jeder aber individuell erfahren muss, was er tragen will und braucht und was nicht, wird von manchen das ein oder andere zurück geschickt oder einfach in den Herbergen gelassen. Die Herbergen bieten auch nur das nötigste an Luxus. Wer spät kommt, duscht eventuell kalt und die Schlafsäle sind nicht immer beheizt. Man kann nur eine Nacht in den Herbergen verbringen, es sei denn man hat ein ärztliches Artest. Sonst heißt es egal wie das Wetter ist, man muss laufen. Wie weit man läuft liegt im eigenen Ermessen und viele gehen dabei an ihre körperlichen Grenzen. Leider kann nicht jeder so lange frei nehmen um den Weg in Ruhe zu gehen. Es ist wirklich ein Privileg, dass ich das machen darf. Einige wenige können sogar von der Haustür aus starten. Wer nur einen Urlaub zur Verfügung hat, macht zum Teil eine sportliche Herausforderung daraus. Das ist für mich aber nicht der Sinn des Pilgerns. Wer dennoch die begehrte Compostella haben möchte braucht dafür eigentlich „nur“ die letzten 100km gehen oder 200km mit dem Rad oder zu Pferd zurücklegen.
Ich freue mich schon sehr drauf diesen Weg gehen zu können. Ich werde sehen was mir wirklich fehlt und was nicht. Ich vermute es gibt Dinge an denen ich mich sehr erfreuen werde, wenn ich wieder komme, wie meine leichten Sneaker und ein richtiges Bett, vielleicht auch meine Badewanne. Das ist sicher alles ein Luxus, den die meisten haben und den ich nur kurzzeitig entbehren muss, danach aber umso mehr zu schätzen weiß.

Danke Mareike für Deinen Gastbeitrag!

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Gastbeitrag: Mach’s dir in deiner Komfortzone so richtig gemütlich!

© Alena Ozerova – Fotolia.com

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Kannst du es inzwischen auch nicht mehr hören? Überall liest und hört man, man soll gefälligst seine Komfortzone verlassen, ja, sie “crushen”. Also ich hab’s inzwischen ziemlich satt, mir vorschreiben zu lassen, was ich wann tue! Nein, ich möchte mich nicht in einer Disko auf den Boden legen (wie es tatsächlich eine Übung zum Verlassen der Komfortzone vorschlägt) und ich finde daran überhaupt nichts falsch!

Ich weiß schon, was die Komfortzonen-Vertreter mir daraufhin entgegnen werden: “Aber das ist doch nur eine Übung, damit du deine Ängste und Hemmungen verlierst!” Natürlich weiß ich, dass es eine Übung ist, das ändert allerdings gar nichts daran, dass ich sie als vollkommen sinnlos empfinde. Ich will meine Hemmungen nicht verlieren! Wenn ich das wöllte, bräuchte ich einfach ein paar Schnäpse.

Das Interessante ist, dass ich mich beinahe weigere, meine Komfortzone zu verlassen und mich dennoch weiterentwickle. Das wird hoffentlich jeder bestätigen können, der mich kennt. Ich tue Dinge, von denen ich früher die blanke Panik hatte, heute mit vollkommener Selbständigkeit. Warum? Weil ich in meiner Komfortzone die Zeit habe, mich selbst zu entdecken, mein dadurch Selbstbewusstsein automatisch wächst und die Komfortzone sich von alleine ausweitet. Nun liegen Dinge, die vorher außerhalb des Kreises lagen und viel Mut erforderten, plötzlich darin. Ich muss nicht kämpfen, muss mich nicht abmühen und über die Komfortzone springen. Ich warte einfach nur ab und bekomme das, was ich wollte, ebenso. Die Komfort-Zone-Crusher werden spätestens jetzt ihren Kopf schütteln und diese Website wegklicken. Du bist noch dabei? Super, vielleicht kann dich ja dann beruhigen: Du musst deine Komfortzone nicht verlassen, um dich zu entwickeln und glücklich zu sein. Und jetzt werde ich ganz frech: In der Komfortzone ist es oft genug viel schöner als draußen. Ich finde sie richtig toll und obwohl überall prophezeit wird, dass man nur außerhalb etwas Besonderes erleben kann, erlebe ich jeden einzelnen Tag innerhalb meiner Komfortzone so wunderbare Dinge, dass sie mir die Tränen in die Augen treiben!

Wenn du die Welt in deiner Komfortzone erkundest, bemerkst du Dinge, die du vor lauter Plänen, sie zu verlassen, ansonsten vollkommen übersehen hättest. Natürlich kann man nach Hawaii fliegen, auch wenn man die eigene Stadt nicht richtig kennt. Aber ist es denn nicht auf seine eigene Art und Weise wunderbar, ebendiese Stadt (neu) zu entdecken? Sind die kleinen, gelben Blumen, die ihre Köpfe durch die Schneedecke stecken, nicht ebenso schön wie die exotischen fleischfressenden Pflanzen im Urwald Papua-Neuguineas? Haben wir sie überhaupt wahrgenommen, obwohl sie jedes Jahr in unserem Garten wachsen?

Ich merke immer wieder, dass die Menschen, die nach Mehr, Schneller, Weiter streben, die Dinge vor ihrer eigenen Nase gar nicht mehr richtig wahrnehmen. Sie glauben, erst ein lebenswertes Leben geführt zu haben, wenn sie alle 1000 Dinge auf ihrer Liste abgehakt haben, wenn sie die Welt von der Antarktis bis Zentralafrika bereist und sich auf den Boden in der Disco gelegt haben. Oder so ähnlich. Ich muss zugeben, dass auch ich lange diesem Irrglauben hinterhergelaufen bin. Obwohl ich mein Glück im Hier und Jetzt und meinem einfachen Leben bereits gefunden hatte, war ich immer noch der Ansicht, bestimmte Punkte unbedingt tun oder erledigen zu müssen. Ich war einfach nicht in der Lage, mich von den gesellschaftlichen Erwartungen zu lösen, obwohl ich glaubte, es bereits getan zu haben. Ich fühlte, wie eine ständige Spannung zwischen dem, was ist und dem, was sein sollte, herrschte, die es mir nicht ermöglichte, mich gänzlich in mein Leben hineinfallen zu lassen.

Glücklicherweise habe ich noch rechtzeitig die Kurve gekriegt und auf meine Intuition gehört, die mir ganz laut und deutlich ins Ohr geschrien hat: “Anna! Du hast schon alles! Schau dich um – wo du wohnst, wo du im Leben stehst, wie dein Alltag abläuft! Alles ist einfach nur wunderbar!” Ja, es hat seine Weile gedauert, aber jetzt mache ich es mir so richtig in meiner Komfortzone gemütlich!

In meinem Alltag mache ich so viele Dinge wie möglich, die sich richtig gut und stimmig für mich anfühlen, vor denen ich keine Angst habe. Diese Dinge geben mir richtig viel Energie. Und mit der Energie fühle ich mich ab und an bereit, meine Komfortzone ein Stückchen auszuweiten oder sie sogar zu verlassen. Dieses Verlassen fühlt sich dann aber so natürlich an, dass es mir gut tut anstatt mir Druck zu machen.

Deswegen: Wenn du keinen Bock drauf hast, deine Komfortzone mit großem Krawall zu verlassen oder gar zu sprengen – bleib einfach darin! Erkunde sie genau, lerne in ihr alles kennen, was dir begegnet. Lerne dich selbst kennen. Lerne deine Umgebung kennen. Vielleicht kommt der Tag, an dem du etwas größere Schritte machen möchtest, aber wenn er nicht oder nicht so schnell kommt, ist das vollkommen okay. Jeder braucht seine Zeit. Und auch, wenn sich etwas für dich wie Stillstand anfühlt, ist das nicht so. Du entwickelst dich ständig weiter – auch wenn du ganz ruhig und in dir bist. Interessanterweise entwickelst du dich genau dann sehr schnell. Oft sogar viel schneller, als jemand, der alleine nach Neuseeland reist und sich mit dem Fallschirm aus atemberaubender Höhe stürzt. Ich glaube, es ist ein Denkfehler, anzunehmen, dass man sich nur durch die riesengroßen Dinge weiterentwickelt.

Ich kann dir nicht sagen, wie du deine eigene Komfortzone erkunden kannst, denn die ist bekanntlich bei jedem anders, aber ich kann dir davon erzählen, wie ich das mache und wie ich dadurch jeden Tag Großartiges erlebe und viel Freude empfinde:

  • Spazierengehen: Durch das Spazierengehen entdeckst du deine unmittelbare Umgebung immer wieder aufs Neue. Ich versuche mir dabei vorzustellen, dass ich die Strecke, die ich eigentlich gut kenne, zum ersten Mal gehe. Was würde jemand aus Afrika über diese wunderschöne Birke denken? Hat er jemals einen Baum mit weißer Rinde gesehen?
  • Aufmerksamkeit: Ich versuche, in meinem Alltag immer sehr aufmerksam zu sein und keine zwei Dinge auf einmal zu machen. Wenn ich esse, esse ich. Dabei schmecke und rieche ich, fühle die Konsistenz, sehe mir genau an, was aus meinem Teller liegt, höre meinen Kaugeräuschen zu. Dasselbe lässt sich mit allen anderen, alltäglichen Dingen praktizieren: Dem Zähneputzen, Staubsaugen, dem täglichen Weg zum Parkplatz,…
  • Stille: Ich liebe es, einfach nur ruhig zu sein und nichts zu tun. Ich habe meine Weile gebraucht, bis ich es wirklich so genießen konnte, wie ich es jetzt tue, aber nun weiß ich: Es lohnt sich! Einfach nur dazusitzen und sich selbst zu spüren regeneriert mich von Grund auf!
  • Alleinsein: Auch das war mir vor ein paar Jahren nicht geheuer, doch jetzt kann ich mir ein Leben in ständiger Action gar nicht mehr vorstellen. Durch das Alleinsein lerne ich mich selbst so viel besser kennen und lieben – für mich ist es zu einem täglichen, kleinen Abenteuer geworden, was ich wohl diesmal über mich selbst entdecken könnte! Denn das weiß man nie!
  • Leidenschaften erwecken: Ein Leben ohne Leidenschaften und Begeisterung kann ich mir nicht vorstellen. Aber ich brauche keine großen oder fernen Ziele dafür! Ich genieße einfach die Tätigkeiten, die mein Herz zum Brennen bringen. Das kann bei jedem etwas anderes sein, bei mir sind es mehrere Dinge: Schreiben, Lesen, Sport, Musik, Spazierengehen,… Die Dinge, die ich so liebe, liegen alle innerhalb meiner Komfortzone und ich habe einen riesigen Spaß mit ihnen!

Du siehst: Du musst deine Komfortzone überhaupt nicht verlassen, wenn du Neues entdecken willst! Das Glück ist nicht auf einer einsamen Insel vergraben – es ist in uns. Und um es zu finden, müssen wir nichts Besonderes machen oder unternehmen. Im Gegenteil: Durch den Druck, unsere Liste abzuhaken, entrückt es uns immer weiter. Vor allem, wenn es auf der Liste einfach nicht vorangehen will. Deswegen habe ich meine Listen von der Wand gerissen und zerknüllt. Ich lasse mich fortan vom Leben überraschen. In meiner Komfortzone. Denn da mache ich es mir so richtig gemütlich! :-)

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© www.passionflow.de

 Ich bin Anna und schreibe auf meinem Blog www.passionflow.de über die Begeisterung, die es auslöst, seine eigenen Leidenschaften zu finden und ihnen zu folgen. Obwohl ich mit dem Leben lange Zeit auf Kriegsfuß stand, gelingt es mir jeden Tag ein wenig besser, es voller Hingabe zu leben und die kleinen Geschenke zu genießen, die es mir immer wieder gibt. Denn ich habe gelernt: Die kleinen Dinge sind oft die schönsten und sie können uns unglaublich glücklich machen! :-)

Danke für den Beitrag Anna.

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gehe langsam, wenn du es eilig hast

© canoista83

© canoista83 – Fotolia.com

Die lange Arbeitszeit macht mich krank, ich bin müde und schlapp, ich habe zu viele Termine, ich kann es nicht ändern, das Hamsterrad lässt mich nicht los. Irgendwann wird alles besser. Diese Sätze kennt bestimmt jeder von uns, teils von Freunden und Bekannten oder von sich selbst. Was ich durch meine Auseinandersetzung mit Minimalismus und Achtsamkeit gelernt habe, ist, dass dies zwar alles stimmt, aber man dieses Thema auch von einer ganz anderen Seite betrachten kann. Du kannst alle anderen in deinem Leben dafür verantwortlich machen, dass du gestresst bist, oder du kannst selbst Verantwortung dafür übernehmen und etwas ändern. Man kann sich kleine Oasen schaffen, in dem man das Aufbrühen von Tee oder Kaffee zu einem Ritual erhebt, man kann langsamer gehen, oder den Abwasch von Tellern dazu nutzen, um runter zu kommen. Manchmal sind es ein paar tiefe und bewusste Atemzüge, die uns die Kraft geben herunter zu kommen.

Wenn wir diese Schritte gegangen sind, können wir uns auch mit den anderen Baustellen beschäftigen. Macht mir mein Job gar keinen Spaß? Oder kann ich die Situation durch gezieltes Ansprechen in Meetings oder eine Reduzierung der Stundenanzahl entschärfen. Wenn mein privater Terminkalender zu voll ist, sollte ich mir Zeit für wesentlichere Dinge reservieren, Zeit für einen Spaziergang im Wald einplanen oder für das bewusste lesen einiger interessanter Blog Artikel.

Als Tipp möchte ich dir noch auf den Weg geben, dass du einfach einmal auf Zeitlupe umschaltest für ein paar Minuten. Das mag sich zwar etwas komisch anhören, allerdings, wenn du es einmal ausprobierst, wirst du den positiven Effekt spüren. Gehe ganz langsam durch deine Wohnung, nimm dir 3 Minuten für das Abspülen eines Tellers oder verlangsame dein Sprechtempo. Das innen und außen ist mehr miteinander vernetzt, als wir uns eingestehen wollen und das eine beeinflusst das andere.
In diesem Sinne wünsche ich euch ein wenig Entschleunigung.

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Minimalismus in der Aktuellen Stunde im WDR

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© WDR.de

Heute Abend werden die Minimalismus Stammtische, der Minimalismus Podcast und Minimalismus leben, Thema im WDR, in der aktuellen Stunde sein. Ich habe soeben die Info bekommen, dass der Beitrag heute gesendet wird. Ab 18:50 heißt es dann WDR Fernsehn schauen. Nach dem Dreh im Dezember habe ich gar nicht mehr mit einer Veröffentlichung gerechnet. Danke an Susanna und das Dreh Team für die tolle Arbeit!
Ich werde morgen den Link zur Mediathek ergänzen.

NACHTRAG: Ich möchte mich bei allen Entschuldigen, die heute vergeblich auf den Beitrag gewartet haben. Der Beitrag wurde kurzfristig aus der Sendung herausgenommen, weil andere Themen aktueller waren. Ich habe heute Abend noch mit einigen vom WDR sprechen können. Sie entschuldigen sich auch dafür. Der Beitrag wird bald gesendet werden.
Danke Susanna für den tollen Beitrag!