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Minimalismus Stammtisch KölnBonn Nummer 1

© Michael Klumb

© Michael Klumb

Heute haben wir uns zum ersten Minimalismus Stammtisch KölnBonn im Ecco in Köln getroffen. Nach anfänglicher Verwirrung über die Tischreservierung konnten wir um 15:10 starten. Das Ecco Personal war sehr nett und hat uns für den Anfang direkt 3 Flachen Wasser spendiert. Toller Service.

Insgesamt haben sich 7 Leute zusammengetroffen, die sich über Minimalismus austauschen wollten. Natürlich ging es nicht nur um Minimalismus, sondern noch um viele andere Themen. Viele Gesichter waren mir schon vom Hamburger Treffen, vom Podcast oder vom letzten Treffen in Essen bekannt.

Mich lässt einfach diese Idee nicht mehr los, dass jede Stadt so einen Stammtisch braucht. Der direkte, persönliche und intensive Austausch macht so viel Spaß, dass ich mit einigen andern gerade daran arbeite, die Stammtische insgesamt bekannter zu machen und Menschen helfen möchte, die selbst gern einen Stammtisch in Ihrer Stadt eröffnen wollen. Zur Zeit befindet sich die Plattform noch im Aufbau, aber ich werde das Konzept schon im nächsten Minimalismus Podcast anreißen.

Die gut 3 Stunden vergingen wie im Flug. Es ging um Digitalisierung, Minimalismus Romane, Musik, Podcasts und Maracuja Schorlen.  Nun ist der erste Stammtisch vorbei und ich freue mich schon auf den nächsten. Dieser wird dann wahrscheinlich in Bonn stattfinden. Ich freue mich auf alte und neue Gesichter, neue Geschichten und Inspirationen.

Ich hoffe euch haben die paar Stunden genauso gefallen wie mir.

 

 

 

 

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Gastartikel Digital oder Analog?

© acinquantadue - Fotolia.com

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Digitale Waren werden immer beliebter. Internetbuchhändler verkaufen fast ein Viertel der Bücher in digitaler Form. Die Musikabteilungen in den Elektrofachmärkten schrumpfen. Heute wird Musik für einen Festpreis im Monat gestreamt, der einen freien Zugang zu bis zu 25 Millionen Songs ermöglicht. Filme können wir uns online leihen, wenn diese nicht schon bei einem der vielen Streamingangebote, ebenfalls zum Monatsfestpreis, vorhanden sind. Selbst datenintensive Computerspiele werden heute über die Onlinestores der jeweiligen Plattformanbieter angeboten und können so erworben werden.
Dazu kommt, dass viele Angebote günstiger sind, als das im Laden verfügbare, physische Pendant. Teils sogar erheblich.

Als Minimalist möchte ich meine Besitztümer gering halten. Jedes Teil scheint mich und meine Leben zu beschweren. So überlege ich mehrfach, ob ich etwas wirklich physisch besitzen möchte. Oft ist das nicht der Fall.
Also würde es doch Sinn machen, wenn möglich, alle ersehnten „Dinge“ in digitaler Form zu erwerben. Doch ganz so einfach gestaltet sich der Entscheidungsprozess für mich nicht.

Am Anfang steht die Frage: Muss ich den Gegenstand besitzen? Oder will ich ihn nur für kurze Zeit konsumieren? Meist sieht bei mir die Antwort so aus, dass ich den Inhalt lesen, hören oder sehen will und der Gegenstand als solcher für mich keinen großen Wert mehr besitzt.

Der Königsweg wäre nun, wenn ich mir den Gegenstand irgendwo ausleihen könnte. Ich würde ihn oder dessen Inhalt nutzen können und wenn ich ihn nicht mehr benötige, würde er dem Verleiher zurückgegeben werden. Für diesen günstigsten Fall würde ich sogar gerne einen kleinen Nutzungsbetrag bezahlen wollen.
Ideal für alle Medien ist hier wieder einmal die Bücherei positiv hervorzuheben. Für eine niedrige Jahresgebühr habe ich vollen Zugang zu sehr vielen verfügbaren Medien.

Nun gibt es aber auch Medien, die ich in der Bücherei nicht bekomme, weil diese vielleicht zu neu sind oder einer Nische angehören.
Finde ich keine Alternative, stellt sich für mich die Frage, wo bzw. wie ich den Artikel am günstigsten bekommen kann. Oft ist hier die Antwort, den Gegenstand gebraucht zu erwerben. Dabei tue ich nebenbei noch etwas für die Umwelt, weil der Artikel einer längeren Nutzungsdauer unterzogen wird. Gut für’s Karma.
Da ich den Artikel aber nicht bei mir herumstehen haben will, muss ich mir nach dem Gebrauch die Mühe machen, diesen wieder zu veräußern. Das ist mit Arbeit und Zeitaufwand verbunden.

Jetzt kann es aber auch sein, dass ich zwar weiterhin Zugriff auf den Inhalt haben möchte, aber den Gegenstand nicht besitzen will. Ein Dilemma: Gebe ich den Gegenstand weg, muss ich ihn, wenn ich diesen nochmals benötige, aufwendig wiederbeschaffen. Oder ich behalte ihn und beschwere mein Leben.
In meinem Fall sind das meistens Bücher, in denen ich irgendwann noch einmal etwas nachschlagen will. Mein kleines Bücherschränkchen, das ich über die letzten Jahre auf 20 Bücher limitieren konnte, will ich aber nicht wieder auffüllen.

Eine wunderbare Alternative wäre das digitale Buch. Es nimmt keinen physischen Platz weg, es ist fast sofort verfügbar, leicht wiederzufinden und durchsuchbar.
Allerdings ist es auch nicht verleihbar und auch nicht wiederverkaufbar.

Der Idealzustand sähe für mich wie folgt aus: Ich würde alle Bücher, die ich in meinem Schrank habe, in digitaler Form besitzen. So müsste ich diese nicht mehr physisch besitzen und könnte die Bücher freilassen.
Leider weiß ich nicht schon vorher, ob ein Buch so gut bzw. wichtig ist, dass ich es auch nach dem Lesen weiter besitzen möchte. Das weiß ich meistens erst nach dem Lesen. Aber alles von vornherein digital zu beziehen würde mich der Möglichkeit des Weiterverkaufes und des Verleihens berauben. Ich müsste also für die reine Nutzung mehr als nötig bezahlen.

Heute behelfe ich mir so, dass ich mir die wirklich wichtigen Bücher oft zweimal kaufe. Wenn mir ein Buch so wichtig ist, erwerbe ich es später nochmals in digitaler Form und muss es so nicht mehr in meinem Schrank stehen haben. Ich kontrolliere einmal im Jahr, ob ein bislang noch nicht digital vorhandenes Buch mittlerweile verfügbar ist.
Als Alternative schaue ich auch immer mal wieder in den Büchereien in meiner Umgebung nach, ob das Buch dort mittlerweile verfügbar ist. Falls ja, kann ich meine Kopie loslassen, falls nein, habe ich auch schon das ein oder andere Buch gespendet. So stelle ich es der Allgemeinheit zu Verfügung, habe selbst noch Zugriff drauf.
Das gleiche ist natürlich auch bei Filmen oder Computerspielen möglich.

Natürlich habe ich so einen höheren Preis bezahlt, als wenn ich das gedruckte Buch einfach behalten würde. Aber ich entscheide mich so für die Vorteile des Digitalen. Zudem muss ich die Gegenstände so nicht mit mir herumschleppen.

Ich würde mir wünschen, dass die Möglichkeiten des Leihens, auch von digitalen Gütern, in Zukunft weiter zunehmen würde. Das muss nicht immer von Konzernen übernommen werden. Das Private verleihen hat seit meiner Kindheit in den 90ern aus meiner Sicht immer weiter abgenommen. Vermutlich wegen dem einfachen und günstigen Zugang über das Internet. Oder einfach, weil wir heute viel zu viel und viel zu spezifisch konsumieren.
Schön wäre eine private (und funktionierende) Tauschplattform, auf der sich alle Arten von Dingen regional, persönlich und unentgeltlich verleihen und leihen ließen.
So könnte jeder einzelne weniger besitzen und ein leichteres Leben führen. Bis dahin versuche ich, Dinge, die ich behalten möchte, möglichst digital aufzubewahren.

Danke Daniel für Deinen Gastartikel. Daniel bloggt auf Schlichtheit.com

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Gastartikel: Lang lebe das Buch

© ra2 studio - Fotolia.com

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Seit ich begonnen habe mich mit dem Minimalismus zu beschäftigen habe ich in verschiedenen Bereichen erheblich aussortiert und somit die Menge meiner Besitztümer deutlich reduziert. Vieles davon vermisse ich nicht im geringsten.
Warum auch. Ich brauche keine 9 Gürtel im Schrank und auch 5 Armbanduhren muss ich nicht mein eigen nennen, zumal ich in den letzten Jahren nicht einmal eine davon getragen habe. Minimalismus beginnt für mich im Kleinen. Vielleicht nur noch eine oder zwei Parfümsorten im Badezimmer stehen haben, zwei Garnituren Bettwäsche reichen ebenfalls zum komfortablen Überleben und aus 45 T-Shirts sind schnell 10 gemacht.

Die größte Baustelle bislang war aber sicherlich mein Büro. Die Aktenordner und Briefe, sowohl beruflich als auch privat türmten sich auf und jeden Tag kam mehr hinzu. Es hat ein wenig Mühe gekostet, doch dank meines Snapscan Scanners konnte ich auch diese Herausforderung meistern. Alle meine Briefe und Unterlagen sind nun sicher und ordentlich, OCR-gescannt – und damit durchsuchbar, in der Cloud, genauer in Evernote gespeichert. Aufgehoben wird nur, was aus rechtlichen Gründen aufbewahrt werden muss. Im Keller.

Aber es gibt einen Bereich, der macht es mir nach wie vor nicht einfach. Und das sind meine Bücher. Ich habe seit jeher Bücher gern gelesen und auch gern im Regal aufbewahrt, angeschaut. Inkorporiertes Bildungskapital nannte der französische Soziologe Pierre Bordieu das. Und ja, sie sind nicht nur Erinnerungen, nicht nur Wissen, sie sind auch Aushängeschild meiner Interessen. Oft genug haben Personen, die sich das erste Mal in meine Wohnung aufgehalten haben, minutenlang interessiert in den Reihen umgeschaut. Immer, und ich meine wirklich immer, haben sich daraus interessante Gespräche ergeben. Bücher sind wichtig für mich.

Aber Sie nehmen auch viel Platz weg. Sie stauben zu und auch erinnern sie mich gern einmal daran, dass nicht unerheblich viele von Ihnen in den Regalen noch gelesen werden möchten. Und dann immer die Qual der Wahl auf Reisen, welche man denn nun mitnehmen und lesen möchte, denn ich lese in der Tat auch gern unterwegs.

Es muss 2007 oder 2008 gewesen sein, also Sony seinen ersten massenmakttauglichen eBook-Reader auf den Markt brachte. Stolze 300 Euro waren dafür fällig und ich habe sofort zugegriffen, so fasziniert war ich von der Idee. Seitdem hat sich viel getan. Die Geräte sind billiger geworden, können mehr und das Angebot der Verlage steigt stetig. Für mich lässt zwar die Preisgestaltung derzeit noch viele Wünsche offen, aber das lasse ich zunächst einmal außen vor, denn darum geht es nicht. Ein „analoges“ Buch kostet Geld, und ein digitales Buch ebenso. Auch die Frage des „Formatproblems“ lasse ich noch unbeantwortet, auch wenn es sicherlich ein wichtiger Aspekt ist. Denn mein Problem, und ich merke, dass ich nicht der Einzige bin dem es so geht, beginnt an einem anderen Punkt.

Für mich sind eBooks immens praktisch, ich lese sie auf meinem iPad mini und meinem Kobo-Reader, letzterer kommt vor allen Dingen im Park und am Strand zur Nutzung, während das iPad mini mein alltägliches Leseleben begleitet und ermöglicht. Dutzende Bücher habe ich dabei und suche je nach Stimmung aus, was ich gerade lesen möchte. Alles gut soweit, alles schön soweit.

Doch was ist mit meiner Bücherwand, meiner „Bildungsbürgertapete“? Der Begriff ist übrigens nicht abwertend gemeint, auch wenn es sicherlich beim ersten Aufkommen des Begriff so gemeint sein sollte. Ich möchte das ignorieren, denn der Begriff beschreibt sehr gut, was Bücher für mich in der heutigen Zeit sind. Sie sind inzwischen zu einem nicht unerheblichen Teil zur Sichtbarmachung meines inkorporierten Bildungskapitals geworden, denn ich lese nicht oder nur noch kaum in Ihnen, sofern ich eine digitale Fassung besitze.

Aber … und hier wird es wichtig. Das ist lediglich meine Ansicht, und vielleicht noch einiger anderer Leute. Ich kann die Faszination am gedruckten Buch nach wie vor nachvollziehen, und schätze sie auch bei jenen Menschen, die tatsächlich noch gern im gedruckten Buch lesen. Wer die Haptik und den Geruch nicht missen möchte, für den werden digitale Bücher kaum eine Alternative sein, und sie müssen es auch vorerst nicht. Dieser Artikel versucht auch nicht eine Prognose zu geben, ob und wenn ja wann das gedruckte Buch sich warm anziehen muss. Ich glaube es wird immer gedruckte Bücher geben, die Frage ist nur wie dieser Markt dann aussieht.

Ich hingegen möchte jenen, die sich in meine Lage versetzen können, die vielleicht das gleiche Problem haben, Mut machen, sich vor das eigene Bücherreal zu stellen und anzufangen. Es ist nicht einfach, aber wer weniger Dinge in seinem Lebensumfeld stehen haben möchte, der wird nicht um diese Tat herumkommen.

Ich habe mich für folgende Vorgehensweise entschieden. Zunächst einmal habe ich alle Bücher, von denen ich eine digitale Fassung besitze aus dem Regal gezogen und jedes dieser Bücher einer Prüfung unterzogen. Hat es eine besondere Bedeutung für mich? Ist nur der Inhalt bedeutsam, die gedruckte Fassung aber nicht, dann kommt es in die Kiste (was damit geschieht, kommt später). Sind es jedoch Sonderausgaben, oder Exemplare mit Widmungen der Autoren, oder Geschenke die mir etwas bedeuten, dann dürfen Sie vorerst bleiben. So darf „Die Stadt der Engel“ von Christa Wolff bleiben, denn Sie hat mir jenes Exemplar kurz vor Ihrem Tod signiert. Unbezahlbar für mich. Auch die Büchergilde-Fassung von „Fahrenheit 451“ darf und muss bleiben, die deutsche Taschenbuchausgabe des Buches hingegen nicht, denn die habe ich digital und sie hat für mich keinen erweiterten Wert mehr. Und so habe ich Stück für Stück, Buch für Buch den analogen Bestand reduziert. Eine Umzugskiste ist voll mit Büchern, die ich zwar aufheben möchte, derzeit aber nicht in Regalen stehen haben muss, ihre digitalen Fassungen werden mir in den kommenden Jahren vollkommen reichen. Zwei weitere Kisten sind voll mit Büchern, von denen ich mich nun trennen werde. Ich werde sie verschenken, verkaufen, einen Bücherflohmarkt mit Ihnen füllen, ich werde sie spenden, aber auf kurz oder lang werden die gedruckten Fassungen meine Regale nicht weiter füllen.

Mein Weg ist hier auf jeden Fall noch nicht abgeschlossen und es wird auch noch eine Weile dauern, aber ich empfinde Freude am Prozess. Ein angenehmer Nebeneffekt, die Liste der Bücher, die mir wieder in Erinnerung gerufen wurden, ist lang. Dort warten so viele interessante Geschichten, ich kann es kaum erwarten.

Lang lebe das Buch.

Sven Görgens
twitter: Sven_G

 

Danke Sven für diesen Gastbeitrag auf minimalismus-leben.de  - Michael